Alles Gnade

Römer 3, 21 –31

21 Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.

            Nun aber – das ist bei Paulus das Signal für einen Neueinsatz. Einen neuen Gedanken. Einen Grundsatzwechsel. Mit den gleichen Worten Νυν δbeginnt sein jubelndes Zeugnis von der Auferstehung: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“(1. Korinther 15,21) Hier also: Nun aber, jetzt ist auf ganz neuer Basis von der Gerechtigkeit die Rede, die vor Gott gilt. Und wieder schwingt Jubel mit. „Es ist sowohl zeitlich als auch logisch zu verstehen“. (O. Michel, Der Brief an die Römer, KEK NT,  Göttingen 1955, S. 89)Da ist eine Gerechtigkeit jenseits des Gesetzes. Jenseits der Spielregeln, durch die wir meinen, Gottes Willen gerecht zu werden, ihm zu entsprechen. Über das Gesetz hinaus. Von dieser Gerechtigkeit reden die Propheten und redet das Gesetz, also die ganze Schrift.   

            Dieser Neueinsatz aber geht nicht auf Gedankenspiele des Paulus zurück – nach dem Motto: Ich denke einmal. Sondern er kommt von daher, dass Gott neu gehandelt hat, dass er eine neue Wirklichkeit ins Spiel gebracht hat. Offenbart. πεφανρωται – sichtbar gemacht. Im Griechischen wird hier das Wort gebraucht, das auch verwendet wird, um die Erscheinungen des auferstandenen Christus zu bezeichnen. Ein Geschehen, das in der Gegenwart geschieht und die Gegenwart verwandelt – und damit auch die Zukunft, das Gericht Gottes, verwandeln wird.

Auch daran liegt Paulus: Was er hier sagt und weiter sagen wird, das ist keine Neuerfindung, sondern es ist bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Dieser dürre Satz behauptet nicht mehr und nicht weniger als dies: Diese Gerechtigkeit, die allem Gesetz voraus ist, ist von Anfang an das Thema der Schriften des Alten Bundes. Ins Bild gesetzt sieht das so aus: „Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.“(Matthäus 17,2-3)

22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.

            Das ist die Gerechtigkeit, die Paulus im Blick hat: die durch den Glauben kommt. Aus dem Vertrauen. δι πστεως. Der Glaube schafft diese Gerechtigkeit nicht. Aber er ergreift sie, lässt sie sich zueignen. „Der Glaube, von dem Paulus hier spricht, ist mehr als allgemeines Gottvertrauen., Es geht darum, sich mit der ganzen Existenz auf das zu verlassen, was Gott in Jesus Christus getan hat.“ (W. Klaiber, aaO. S. 58) Es ist ein Glauben, der sich hingibt, loslässt, anvertraut. Nicht ein Glaube, der richtige Sätze über Gott rezitieren kann. Es ist der Glaube, der sich an Christus hängt, an den Heiland Gottes.  Es ist eine Ausweitung auf die Welt hin, zu allen, die glauben. „Damit fällt die Beschränkung auf Israel hin: Gottes Gerechtigkeit wird allen zuteil, die glauben.“ (O. Michel, aaO. S. 90) Weltweit. Unbegrenzt. Der Anfang der Globalisierung des Glaubens.

Denn es ist hier kein Unterschied: 23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie  bei Gott haben sollten, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Noch einmal: alle sind Sünder. Auch das gilt weltweit. Das hat Paulus lang und breit dargelegt. Alle stehen vor Gott im Defizit, unauslösbar. Ohne Unterschied. Aber allen diesen Sündern, Defizit-Sündern ohne Chance auf Wiedergutmachung, gilt eben: Sie werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Im Griechischen steht da: δωρεὰν. Mein Wörterbuch belehrt mich: „umsonst, ohne Grund“. (Gemoll, Griechisch-Deutsches Schul- u. Handwörterbuch; München 1957; S. 234) Ohne jeden Anhalt bei uns, am Menschen.

Das wird sofort weiter erklärt: Der Grund ist die Gnade, χρις, das Erbarmen. Der Grund für die Erlösung ist allein in Gott zu suchen und zu finden. Er macht gerecht. „Mit  δικαιοσθαι ist gesagt, dass die Einsetzung des Menschen in das göttliche Wohlgefallen durch einen richterlichen Akt geschehe…. Ein δικαιοσθαι findet dann statt, wenn eine Anklage vorhanden ist, die der Richter dadurch erledigt, dass er gerecht spricht.“ (A. Schlatter, Gottes Gerechtigkeit, Ein Kommentar zum Römerbrief, Stuttgart 1985 S. 143) Nicht im Menschen, seinem Tun oder seinem Lassen, sondern allein in Gott ist der Grund der Erlösung.

Auch da also: Ohne Unterschied. διαστολή. So wenig es im Sünder-sein Unterschiede gibt trotz aller Unterschiedlichkeit, so wenig gibt es in der Gnade, der Erlösung Unterschiede, trotz aller Unterschiedlichkeit. Allen. Gleich, woher sie kommen, gleich, was gegen sie spricht, ist diese Gnade, diese Erlösung  in Jesus Christus zugedacht.

Erlösung, ἀπολύτρωσις  – das ist Freikauf. Loskauf. Schuldenübernahme. Vielfach sichtbar für Paulus und seine Zeit, wenn auf dem Sklavenmarkt einer losgekauft wird, herausgelöst aus der Gefangenschaft, die er selbst nicht auflösen kann.  Aber es ist auch das Wort, das die Befreiung Israels aus der Knechtschaft in Ägypten beschreibt.

25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher 26 begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, dass er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

Jetzt, so lerne ich, zitiert Paulus, nimmt Worte auf, die vor ihm geprägt worden sind. An die er sich anlehnen kann. Einen Zufluchtsort hatte Gott in Jesus geschaffen. Einen Gnadenstuhl.  λαστριον. Sühne (Luther-Übersetzung). Gemeint ist: Da ist ein Ort, zu dem ich fliehen kann. Das Wort geht wohl zurück auf die Abdeckung der Bundeslade, die kapporæt, die im Tempel stand. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der Hebräischen Bibel, wird dieses hebräische Wort durch das griechische „Hilasterion“ wiedergegeben.

Daraus ergibt sich – und genau das will Paulus wohl sagen: „Die kapporæt der Christen befindet sich nicht mehr verborgen im Allerheiligsten des Tempels, sondern ist in Gestalt des am Kreuz hängenden Christus allen offenbar.“(P. Stuhlmacher, aaO. S.57) Sie ist damit auch für alle zugänglich. Darum ist die Luther-Übersetzung mit Sühne durchaus sachgemäß. Der Ort und was an diesem Ort geschieht, wird durch dieses Wort Sühne in eins gesetzt.

Das gefällt mir, erinnert es mich doch an die Kinderspiele meiner Kindheit. Da musste man rennen, um ein Mal zu erreichen, bei dem man  vor den Jägern sicher war, gerettet. Bei meinen eigenen Kindern habe ich die Variation kennen gelernt: Es reicht „Hoohla“ zu rufen. Vielleicht ist dieses „Hoohla“ eine missverstandene Verballhornung von „Hilasterion“, dem Gnadenstuhl.

Es ist ein merkwürdiger Vorgang: Erst durch diesen Zufluchtsort, durch die Gnade und den Gnadenstuhl, durch Christus, wird sichtbar, wie tief die Verlorenheit der Welt, mein Verloren-sein  wirklich ist. Unabwendbar durch mein eigenes Tun.  Das ist die erschreckende Einsicht, die uns, wenn es gut geht, zu Christus treibt: „Wir haben eine bessere Meinung über uns selbst, und über die Menschen im allgemeinen, bevor wir mit Jesus in Berührung kommen. Es steht nicht so gut mit uns, wie wir dachten, – das ist das Ergebnis seiner Gegenwart.“ (H. Gollwitzer, Krummes Holz – aufrechter Gang, München 1971, S 273)

Christus also – der Zufluchtsort für Sünder. Mitten in der Welt. Paulus präzisiert: In seinem Blut – und meint damit: Am Kreuz. Da nimmt er die Sünden hinweg, die gegen alle Menschen sprechen, ob Juden oder Griechen. Es ist eine andere Sprache, aber doch theologisch-sachliche Verwandtschaft, wenn es im Mund des Täufers heißt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“(Johannes 1,29)Was da geschieht, bereinigt Vergangenheit, die von Paulus gesehen wird als in der Zeit seiner Geduld.

Aber wichtiger: Es öffnet die Gegenwart. Die, die nun in dieser Zeit leben, die die Worte des Paulus lesen, die die Botschaft des Evangeliums hören, die erfahren, dass Gott, er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. Daran liegt Paulus unendlich viel: Gott ist gerecht – in seinem Gericht und in seinem Erbarmen, in seiner Heiligkeit und in seiner Güte. In allem öffnet er uns einen Weg zu sich selbst. Durch Christus. Und wer sich das gefallen lässt, wer darauf sein Lebensvertrauen setzt, weil er das alles an Jesus sieht, der ist selbst gerecht gemacht. Er muss nicht selbstgerecht sein, nicht auf Selbstgerechtigkeit machen. Er ist gerecht, richtig, zurecht gebracht durch die fremde Tat, durch Christus.

27 Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.

            Es wirkt wie ein Rückgriff auf früher Gesagtes, wenn Paulus fragt: Wo bleibt nun das Rühmen? Offensichtlich hat er Leute vor Augen, die sich sehr wohl rühmen. Stolz sind. Sicher, auf der richtigen Seite zu sein. Die deutlich sagen können: Darauf verlasse ich mich. Darauf baue ich. Das sind meine Lebenserfolge, die ich vorweisen kann. Die denken wie der reiche Mann, von dem Jesus erzählt: „Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“ (Lukas 12, 18-19) 

            Oder wie der andere Reiche, von dem in der folgenden Weise erzählt wird: Meister, was muss ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe? Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich nach dem, was gut ist? Gut ist nur Einer. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. Da fragte er ihn: Welche? Jesus aber sprach: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; ehre Vater und Mutter« und: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch?“(Matthäus 19, 16 – 20) Es gibt diese Selbst-Sicherheit, gar nicht so selten auch heute. Und doch ist sie trügerisch, weil Gott anders als wir uns vermessen misst.

            Die Antwort des Paulus: Dazu gibt es keinen Anlass. Dazu hat keiner Grund. Das ist auch kein Grund, auf dem man wirklich sein Leben bauen kann. Denn es gibt keinen Standpunkt vor Gott, den man auf sich selbst zurückführen könnte, auf die eigenen Werke, die eigenen frommen, das heißt nützlichen Leistungen. Wo es nach Leistung ginge, da könnte man wohl so denken wie der reiche Mann, wie die, die sich rühmen. Aber im Bereich des Glaubens, wo das Gesetz des Glaubens gilt, geht es nicht nach Leistung. Da zählt nicht, was ich von mir selbst halte. Was ich nach meiner Sicht der Dinge vorzuweisen habe an Erfolgen.

 28 So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

    Jetzt kommt Paulus auf dem Punkt, ans Ziel, zieht er seine Argumentation in einem einzigen Satz zusammen. „Er sucht, den Inhalt der neuen eschatologischen Ordnung durch einen Lehrsatz zu verdeutlichen.“(O. Michel, aaO. S. 96) Es ist zugleich eine schroffe Absage, die Paulus allem Rühmen entgegen stellt, aller Selbstsicherheit, aller Berufung auf Herkunft und Frömmigkeit: Der Mensch wird gerecht allein durch den Glauben.

 Nun hängt allerdings alles daran, dass wir hier richtig verstehen: Auch der Glaube ist nicht die Leistung des Menschen, nicht das eine Werk, das ihn ins rechte Licht setzt. Es gibt wohl dieses Missverständnis, dass der Glaube gewissermaßen zur „Bedingung der Rechtfertigung“(A. Schlatter, aaO. S. 144) wird. Und Schlatter fährt fort: „Dann war  sie (=die Rechtfertigung) erst dann geschehen, wenn auch die vom Menschen zu leistende Bedingung, einst die Buße, seit Luther der Glaube vollbracht war.“(ebda.) So wird der Glaube zum Werk und der Mensch wirkt seine Rechtfertigung durch den Glauben. Schlimmer kann man Paulus kaum missverstehen.

Unzählige Male seit der Reformation besungen:

Es ist das Heil uns kommen her von Gnad’ und lauter Güte,
Die Werke helfen nimmermehr, Sie mögen nicht behüten.
Der Glaub’ sieht Jesum Christum an. Der hat g’nug für uns all’ getan,
Er ist der Mittler worden.                                P. Speratus 1523
EG 342

Es ist Gottes Werk, das er in Christus die Erlösung wirkt, dass er uns in sein Erbarmen stellt und der Glauben ist nun nicht mehr und nicht weniger, als dass ich dieses Geschehen an mir geschehen lasse, dass ich es mir gefallen lasse, dass Christus sein Kreuz in unsere Welt stellt und mich zu seinem Kreuz. Dass er es mir zusagt: Das tat ich für dich. So ist also der Glauben keine Leistung, die ich erbringe, sondern er ist ganz Empfangen, beschenkt Werden, leere Hände Hinhalten und sich füllen Lassen. Gnade gibt es nur gratis. Nie nach Verdienst. Nie, weil ich gut bin oder brav oder fromm.

Muss man es noch sagen: Dieses allein durch den Glauben macht nicht untätig. Es macht tätig, weil ich die Hände frei bekomme von der Sorge, wie ich mir den Platz im Himmel verdienen kann. Aus der Freiheit von der Sorge um das eigene Heil kann die Freiheit zur Sorge für das Wohl anderer werden.

29 Oder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja gewiss, auch der Heiden. 30 Denn es ist der eine Gott, der gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben.

            Noch einmal kommt Paulus auf die Frage zurück, die er schon dauernd im Blick hat: Wie ist das mit den Unterschieden? Der unterschiedlichen Herkunft? Das weiß er ja aus seinen Gemeinden im östlichen Mittelmeer-Raum und ahnt es auch für die Gemeinde in Rom, oder weiß es auch: Da gibt es die, die aus den Juden stammen, die stolz sind auf diese Herkunft, denen das Gesetz viel bedeutet als die Wegweisung zum Leben. Und es gibt die, die Heiden waren, irgendwelchen Göttern nachgelaufen sind, in den Tempeln Roms geopfert und gebetet haben. Darum geht es: „Der Jude wehrt sich nicht nur gegen die Gleichstellung mit dem Heiden im göttlichen Gericht sondern auch gegen die Gleichstellung mit ihm in der Gnade.“ (O. Michel, ebda.)Weil doch da der bleibende Vorsprung der Erwählung ist.

Darum ist die Frage dringend: Ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Machen sich die Heiden etwas vor, wenn sie an den Vater Jesu Christi glauben? Sind sie in Wahrheit doch weit weg vom Gott Israels,  von dem Gott, dessen sich manche Juden so sicher sind, dass er für sie ist? Weil ihm an der Heilsgewissheit der Heiden liegt, aber auch an der Heilsgewissheit früherer Juden, darum wiederholt er noch einmal seinen Satz – als Zusage an beide: Es ist der eine Gott, der gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben.

Keine zwei Götter. Der eine Gott. Er handelt an allen gleich, wo immer sie auch herkommen.  Die Übersetzung verschleiert ein wenig, was im Griechischen da steht. V. 30 ist genauer zu lesen: sowohl die Beschnittenen wie die Unbeschnittenen (Einheitsübersetzung). Das alte Unterscheidungs-Merkmal der Beschneidung unterscheidet nichts mehr, wenn es um das Handeln Gottes geht. Der körperliche Unterschied ist nicht weg. Aber er hat keine Relevanz für das Handeln Gottes.

Ich finde eine höchst nachdenkenswerte Anregung: „Wenn wir also die Frage des Paulus in die heutige Zeit übersetzen und fragen würden: »Ist Gott nur der Gott der Christen und nicht auch der Gott der Nichtchristen?« dann müssten wir mit ihm antworten: Sicher, doch auch der Nichtchristen!“ (W. Klaiber, aaO. S. 67) Und hätten dann und damit die Aufgabe, vom Glauben an Christus zu sprechen. Denn darum geht es Paulus in allen seinen Sätzen: nicht um einen Allerweltsglauben, auch nicht um so etwas wie das Grundvertrauen ins Dasein, sondern um den Glauben an den Christus, der von Gott zum Heil der Welt gemacht worden ist.

31 Wie? Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf.

Gefangen! Wollen die rufen, die es immer schon geahnt haben: Paulus schafft das Gesetz ab. Paulus schafft das Gericht ab. Paulus ist lax. Das sagt er ja selbst: Menschen werden „gerecht ohne des Gesetzes Werke.“(3,28) Was bleibt da noch übrig?

Aber Paulus weiß: Genau das stimmt nicht dieser Vorwurf läuft ins Leere. Deshalb wehrt er auch entrüstet ab: Das sei ferne! μ γνοιτο· Zum dritten Mal ruft er so aus, weil er sich missverstanden sieht. Denn er spricht ja doch gerade davon, dass das Gericht Gottes vollzogen ist, dass es in Christus sein Ziel gefunden hat. Er hat doch die Gerechtigkeit erfüllt. Und weil er, Jesus Christus, das Gericht getragen hat, sind die, die zu ihm gehören frei. Aber von der Abschaffung des Gerichtes und des Gesetzes kann darum nun wirklich keine Rede sein. Sagt Paulus.

Die Herausforderung an unser Denken und Glauben:

Wir leben in einer Zeit, die es geradezu unaufhörlich als zentrale Botschaft transportiert: di ist für den Erfolg deines Lebens verantwortlich. Du allein. Die Zeit der Ständegesellschaft ist vorbei. Damals wurde man in eine Lebens-Situation hinein geboren – die einen mit goldenem Löffel im Mund, die anderen mit nichts an den Händen. Der Stolz von heute sagt: alles, was ich bin, was ich habe, verdanke ich mir. mir ist nichts geschenkt worden.

Das macht den Umgang mit der Gnade schwierig. außerhalb der Kirche sowieso, aber auch innerhalb. Ich höre es immer wieder wir wollen nicht nur Beschenkte sein. Wir wollen nicht nur Gnade. Gnade – das ist Gefälle, das ist nicht Augenhöhe, sondern oben und unten. Es ist eine harte Botschaft: Die Rechtfertigung des Sünders gibt es nur als Geschenk. Nicht als Konsequenz aus den eigenen Leistungen. Wer Gnade, Rechtfertigung nicht geschenkt haben will, wird mit leeren Händen weitermachen müssen.

 

Jesus, ich stehe vor Dir mit leeren Händen, mit tausend Fragen, mit einem grenzenlosen Staunen. So viel bin ich Dir wert, sind wir Dir wert, dass Du diesen Weg auf Dich nimmst, ein Mensch am Kreuz wirst, ein zerbrochener Gott.

So viel sind wir Dir wert, dass Du den Abstand überbrückst, unsere Nähe suchst, uns selbst, die wir doch himmelweit von Dir entfernt sind, Dir nicht entsprechen, nicht um Tun, nicht im Reden, nicht im Wesen.

Du aber willst nur dies Eine: Unser Gott sein, damit wir Deine Kinder sind, geliebt bis zum Äußersten, geschützt in Deiner Güte, frei von aller Anklage. Dafür danke ich Dir. Amen