Am Ende nur: Du

Offenbarung 20, 7  – 10

 7 Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan losgelassen werden aus seinem Gefängnis 8 und wird ausziehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde, Gog und Magog, und sie zum Kampf zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand am Meer. 9 Und sie stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie.

             Noch einmal Kampf. Der Satan wird losgelassen werden – das deutet nicht auf eine Befreiung durch eigene Macht aus dem Gefängnis. Es scheint fast so, als müsste das so sein, als wäre es eine Notwendigkeit. Er muss losgelassen werden, damit er offenbar wird, enthüllt in seinem Wesen und dann – ein für alle mal – gerichtet.

Die Bilder, die Johannes hier sieht, haben ihr „Vorspiel“ beim Propheten Hesekiel. Von dort kommen die Namen Gog und Magog. Es sind Worte  Gottes, die der Prophet an Gog, den Fürsten im Lande Magog richtet: „Nach langer Zeit sollst du aufgeboten werden. Zur letzten Zeit wirst du in ein Land kommen, das dem Schwert entrissen ist, das aus vielen Völkern gesammelt ist, nämlich auf die Berge Israels, die lange Zeit verwüstet gewesen sind, und nun ist es herausgeführt aus den Völkern, und sie alle wohnen sicher. …Am Ende der Zeit wird das geschehen. Ich will dich aber dazu über mein Land kommen lassen, dass die Völker mich erkennen, wenn ich an dir, Gog, vor ihren Augen zeige, dass ich heilig bin.“(Hesekiel 38, 8.16)

Entscheidend bei Hesekiel und entscheidend auch hier: diese mythischen    Gestalten sind Werkzeuge in Gottes Hand. Sie haben keine eigene Macht, so mächtig sie auch sind. Und „Es handelt sich nicht um eine letzte Schlacht der irdischen Geschichte, sondern um den Endkampf der Mächte, die der Welt zwischen Mensch und Gott angehören und die aus den vier Ecken der Welt hervorbrechen.“ (T. Holtz, Die Offenbarung des Johannes, NTD 11, Göttinger 2008, s. 130) Wann immer in unseren Tagen Konflikte hochstilisiert werden zu Kämpfen zwischen der „Achse des Bösen“ und den „Willigen zum Guten“ spielen diese Bilder aus der Offenbarung eine Rolle und werden propagandistisch missbraucht!

          Wieder, wie schon  in 19, 19 – 21, liegt dem Seher nichts an einer Schilderung der Schlacht. Man hat den Eindruck: Es kommt gar nicht zu einer Schlacht. Da werden Truppen gesammelt, wird ein Heerlager bezogen, ein Ring um die geliebte Stadt gezogen. Aber dann bricht der Angriff in sich zusammen, noch bevor er überhaupt beginnen konnte. Feuer fiel vom Himmel und verzehrte sie. Es ist das Feuer vom Himmel, das das Ende des Heeres bringt, ohne dass es zu einem Kampf gekommen wäre.

 Über die Zeiten hinweg – das erinnert an das Ende der Belagerung von Jerusalem: „Da fuhr aus der Engel des HERRN und schlug im Lager der Assyrer hundertfünfundachtzigtausend Mann. Und als man sich früh am Morgen aufmachte, siehe, da lag alles voller Leichen. Und Sanherib, der König von Assyrien, brach auf, zog ab, kehrte zurück und blieb zu Ninive. Es begab sich aber, als er anbetete im Hause Nisrochs, seines Gottes, erschlugen ihn seine Söhne Adrammelech und Sarezer mit dem Schwert, und sie flohen ins Land Ararat.(Jesaja 37. 36-38)  

„Das stürmische Tempo, mit dem jetzt die Schau des Sehers dem wirklichen Ende zueilt, verkürzt die Schilderung sehr.“ (H. Lilje, aaO. S. 230) Aber es liegt vor allem aus inhaltlichen, theologischen Gründen nichts an der Schilderung eines Kampfes. Der Kampf als solcher hat keinen Eigenwert. Weil alleine das zählt, dass die Macht des Tieres zu Ende ist. 

Vielleicht aber muss man sich, um zu verstehen und für die eigene Zeit zu deuten, was hier beschrieben ist, von den Schlachtenbildern lösen. auch von denen im eigenen Kopf. Ich sehe wie von selbst die letzten Schlachten zwischen Saurons Heeren und den tapferen Kämpfern aus Mittelerde, mit Gandalf als dem Helfer auf dem weißen Pferd.  Das alles sind nur Bilder aus dem „Herrn der Ringe“.

Näher liegt mir für unsere Zeit, in diesen Worten den Kampf der Geister zu sehen. Keinen Dämonenkampf, sondern eben einen Kampf um das, was in unseren Gesellschaften gelten soll. Da stehen Gog und Magog für die rücksichtslose Machtgier, die über Leichen geht, für den Willen zur Herrschaft, der anderen nur noch die Unterwerfung als Wahl lässt, der versucht, um jeden Preis zu siegen und zu knechten. Können wir dieser Denkweise standhalten oder machen wir mit? Ist es möglich, anders zu leben, frei, eigenen Maßstäben treu, auch wenn sie nicht mehrheitsfähig sind? Der Achtsamkeit verpflichtet, von Gerechtigkeit geleitet, darauf aus, dass Erbarmen wichtiger ist als alle Siege? Da standzuhalten, geht wohl nur, wenn jemand innerlich ganz frei ist, auch wenn er/sie sich um Macht-Positionen bewirbt. Nur wer weiß, dass er auch in der Niederlage noch er/sie selbst ist, wird nicht um jeden Preis siegen müssen.

Am Ende werden die Machtgierigen hungern müssen – auf ewig – weil die erreichte Macht nie genügt, nicht sättigt. Satt werden wir allein an der Gerechtigkeit Gottes, der Durst des Lebens wird gestillt an der Treue Gottes.

10 Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, wo auch das Tier und der falsche Prophet waren; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Die eigentliche Antriebskraft hinter allem hat auch ausgespielt. „Der endzeitlich entfesselte Teufel aber, der sie zum Endkampf verführt, wird nun end-gültig, für ewig der Vernichtung anheim gegeben, die schon das Tier und seinen, die Lügen verkörpernden Propheten verschlungen hatte.“ (T. Holtz, ebda.) Hinter der Formulierung im Passiv ist verborgen, dass dies Gottes Werk ist – das wie aber spielt keine Rolle.

In seinem großen Auferstehungskapitel sagt Paulus einen auf den ersten Blick unanschaulichen Satz: „Wenn aber alles ihm (ich ergänze: dem Sohn) untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.“ (1. Korinther 15, 28) Wenn Gott alles in allem ist, ist kein Raum mehr für die dramatischen Bilder. Braucht es keine Kampfgeschichten mehr. Genau darauf aber läuft die Offenbarung ja zu.

 

Heiliger, ewiger Gott, wir lieben das Drama, wir lieben die großen Kämpfe, wir lieben auch die Helden.

Du aber liebst anders. Du willst nur, dass wir glauben lernen: Durch allen Streit der Welt hindurch behältst Du die Welt, uns, in Deinen Händen. Du willst, dass wir wegschauen lernen von den erregenden Ereignissen hin allein auf Dich, der uns durch den Sturm entgegen kommt, so wie Jesus durch den Sturm zu seinen Jüngern kommt.

Das allein zählt am Ende: Du bist bei uns und wir sind noch immer bei Dir. Amen