Meine Hoffnung und meine Freude…

Galater 1, 1 – 5

1 Paulus, Apostel nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn auferweckt hat von den Toten, 2 und alle Brüder und Schwestern, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien:

             Ein Briefanfang, wie er im Buch steht. Paulus stellt sich selbst vor. Dabei wehrt er sofort ab – verweist weder auf seine leibliche Herkunft noch auf seine Ausbildung. Er stellt sich vor in seiner Berufung. Apostel nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater. Es hilft zum Verstehen: „Seit den Anfängen der christlichen Überlieferung wird der Begriff Apostel als geprägte Bezeichnung einer bestimmten Gruppe verwendet. In den Absenderangaben der Paulusbriefe ist der Titel Apostel in einem ganz spezifischen sinn gebraucht. Er wird hier auf den Kreis der zwölf Jünger Jesu, der zwölf Apostel, dann auf Jakobus, den Bruder des Herrn auf Barnabas und eben auf Paulus selbst bezogen.“ (H.J. Eckstein/K. Offermann, Wissen, was zählt, Texte zur Bibel 30, Neukirchen 2014, S. 23)

 Überspitzt gesagt, signalisiert Paulus schon so: Es ist gleich, wer an Menschen hinter ihm steht. Er weiß: Hinter mir steht der Herrgott. Und auch das ist ihm wichtig: Dieser Gott, der Vater, von dem er sich gerufen weiß, der ist der, der Jesus auferweckt hat von den Toten. Das ist ja der Impuls schlechthin der Paulus-Mission. Die Begegnung mit dem Auferstandenen hat ihn auf den Weg gebracht, auf dem er jetzt auch ist.

Durch Jesus, den Auferstandenen, ist Paulus, was er ist: Apostel, πστολος. Gesandter Gottes. Er betont also in der Absender-Vorstellung seine von Jesus empfangene Autorität. Das mag schon ein früher Hinweis darauf sein, dass diese Autorität auf dem Spiel steht. Für einen Brief an  Gemeinden, die er kennt, wohl selbst gegründet hat,  ist das ein gewichtiger Anfang. Ob man darin gleich „unerhörte Schärfe“ (A. Oepke, Der Brief des Paulus an die Galater, Theol. Handkommentar zum NT; Berlin 1979), S. 44) hören muss, weiß ich nicht. 

Als dieser Gesandte Gottes schreibt er zusammen mit den Brüdern und Schwestern, die bei mir sind. In anderen Briefen zählt er an dieser Stelle Namen auf. Hier nicht. Wohl auch, weil er es eilig hat, zum Thema zu kommen. Und weil er diesen Brief als seinen Brief allein verantwortet? Immerhin, es ist ihm doch wichtig: er schreibt den Brief mit einer Gruppe von Brüdern und Schwestern im Hintergrund, als Beistand.

Er schreibt an die Gemeinden in Galatien. Also nicht nur an die Gemeinden in einer Stadt, sondern in einer Landschaft. Darüber rätseln die Ausleger: Ist Galatien nur die Landschaft oder ist es die Bezeichnung der römischen Provinz Galatien, zu der auch die Landschaft gehört?  Für mich kann das offen bleiben.

Ein kleines „Schmankerl“ aber sei erwähnt: Es gab „bis tief ins 19. Jahrhundert hinein die vielfach verfochtene Annahme, dass die ersten Leser unseres Briefes Germanen gewesen seien.“(A. Oepke, aaO. S. 19)  Das fußt auf der Verwandtschaft der Worte Galatien, Γαλατα,  und Kelten, Κέλται. Aber man muss dann schon aus den Kelten Germanen machen, um sie als die Erst-Leser zu finden.

 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus, 4 der sich selbst für unsre Sünden dahingegeben hat, dass er uns errette von dieser gegenwärtigen, bösen Welt nach dem Willen Gottes, unseres Vater.; 5 Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Was auch immer ist, was auch immer zu sagen sein wird – am Anfang steht der Segensgruß. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.  Das ist weit mehr als ein nur formalisierter, routinemäßiger Anfang, wie er sich gehört. „Das Evangelium von Jesus Christus beginnt bereits im Briefkopf!“ (H.J. Eckstein/K. Offermann, aaO. S. 24) Daran ist nicht zu rütteln. Mehr noch schwingt mit, wenn Paulus hier auf Jesus Christus verweist: „Im Judentum galt die Bestimmung: „Der Abgesandte eines Menschen ist wie er selbst.“(mBer V,5) Durch diese Absenderangabe bittet Paulus die Christen in Galatien, in diesem Brief nicht nur die persönliche Meinung eines Missionars, sondern auch die Stimme Christi zu hören.“ (W. Klaiber, Der Galaterbrief, Neukirchen 2013, S. 17) Steiler geht es kaum.

Es ist nicht Verweis auf unser Produkt, wenn Paulus auf Gnade und Frieden verweist. Sondern in Gnade und Frieden haben es die Christen mit dem zu tun,  der sich selbst für unsre Sünden dahingegeben hat. Das mag uns heute wie theologische Formelsprache vorkommen. Wir sind daran gewöhnt. Aber für damalige Leser ist es die Erinnerung an das Fundament ihres Glaubens, das fest steht und für alle anderen unbegreiflich ist: Nicht sie geben Opfer für Gott, so wie es in der Umwelt Usus ist, sondern Gott hat sich in Jesus Christus für uns dahingegeben –  δντος αυτν.  Er hatsich für uns in den Tod gegeben.

Man kann mit diesen Worten als Leser*in von heute das ganze Drama der Passion vor Augen haben. Den fertig gemachten, verhöhnten, gefolterten, bloßgestellten Christus. Verwundet an Seele und Leib. Wer verwundet ist und seine Wunden zeigt, vertraut sich dem an, dem er sie zeigt. In dieser Preisgabe an die Wut und den Hass der Welt, vertraut sich Christus, und vertraut sich in ihm Gott uns an – denen, die seine Wunden sehen.

Das Ziel: uns zu erretten von dieser gegenwärtigen, bösen Welt. Es ist eine Sicht auf die Welt, die die ersten Christen mit dem Judentum der Zeit teilen. Die Welt hat eine befristete Zeit und diese Zeit ist dabei abzulaufen. Und die Welt ist in ihrem Zustand nicht gut, sondern böse. „Ein Befremden gegenüber diesem Denkansatz entsteht nur immer wieder in Kreisen und Zeiten, wo man sich mit der Welt, wie sie ist, abgefunden oder sich bequem in ihr  eingerichtet hat. Wer die bestehende Welt (seine persönliche Umwelt) für die beste aller Welten halten kann, der braucht auf keine neue Welt Gottes zu warten.“ (K. Haacker, Aus der Freiheit leben, Bibelauslegung für die Praxis 23, Stuttgart 1982; S. 15) Das Evangelium findet sich nicht mit dem Zustand, dem Status quo ab – weder bei der Welt noch bei den einzelnen Menschen. Darum geht die Hoffnung auf eine andere, eine bessere Welt.

Diese Hoffnung hängt für Paulus an dem Vater, den er lobpreisend anruft. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. „Solche Lobpreisungen lernte Paulus schon als Knabe in der Synagoge.“(H. Brandenburg, Der Brief des Paulus an die Galater, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1975, S. 26) Es ist nicht so selten, dass Paulus den Fortgang seiner Gedanken durch solche Zwischenrufe selbst unterbricht. Seine Briefe sind nicht nur kühl theologisch gedacht, sondern mit Herzblut und geistlicher Inbrunst geschrieben.

 

Worauf, mein, Gott hoffe ich? Dass es unauffällig weiter geht, die Dinge ihren Gang gehen, dass mir Aufregungen erspart bleiben, Schmerzen und Kummer?

Oder hoffe ich auf Deine neue Welt, auf das Leben, das durch den Tod hindurch gegangen ist, das die Spuren des Schmerzes trägt, aber mehr noch die Spuren der Hoffnung zeigt?

Ich will mich festhalten an Dir, Jesus, mich bergen in Deinen Frieden, auf dem Weg bleiben, den Du mir eröffnet hast, als Du mich bei meinem Namen gerufen hast. Ich will Dir treu sein. Hilf mir dazu. Amen