Am Ende – Frieden

Epheser 6, 18 – 24

18 Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen  für alle Heiligen 19 und für mich, dass mir das Wort gegeben werde, wenn ich meinen Mund auftue, freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkündigen, 20 dessen Bote ich bin in Ketten, dass ich mit Freimut davon rede, wie ich es muss.

            Auf den ersten Blick ein neues Thema. Aber in Wahrheit ist es die Fortsetzung der Gedanken zuvor. Es geht um Einstehen für das Evangelium, um den Kampf des Glaubens. Um Stärke, um Widerstandskraft. Es ist die Überzeugung des Briefschreibers, dieses Paulus-Schülers, dass die Stärke zu dieser Widerstandskraft auch erbeten sein will. Und erbeten werden kann durch die Fürbitte. Darum προσευχμενοι ν παντὶ.  Flehen und Fürbitte in allem, hartnäckig. „Für den Apostel beten heißt mit dem Apostel kämpfen.“ (G. Zweynert, Wie Gott Frieden schafft, Berlin 1970, S. 90) Dass dies nicht nur Worte sind, sondern Kraft, dazu braucht es den Geist, die Geistkraft.Unser menschliches Beten gewinnt erst in der Kraft des göttlichen Geistes seine Macht und Wirksamkeit.“(R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S. 288)

Dass andere hinter mir stehen, das lässt mich leichter den Mund auftun. Dass andere mich mit meinem Ringen um die richtigen Worte tragen, mit meinem Suchen nach dem richtigen Tun stützen, das lässt mich risikofreudiger werden.

So einen Effekt kennen Sportler: „Du darfst Fehler machen“ hören sie und werden richtig stark in ihrer Leistung. Sie wissen: Da stehen Leute hinter mir. Das gilt genauso für den Glauben, und eben nicht nur für große Apostel, sondern auch für die unbekannten Heiligen, die es vor Ort gibt und die nie Schlagzeilen machen. Sie gewinnen Freimut – eines meiner Lieblingsworte: παρρησα – und Klarheit in ihrem Lebenszeugnis, weil sie erfahren: Meine Brüder und Schwestern stützen mich. Betend. Hoffend.   

21 Damit aber auch ihr wisst, wie es um mich steht und was ich mache, wird euch Tychikus alles berichten, mein lieber Bruder und treuer Diener in dem Herrn, 22 den ich eben dazu gesandt habe zu euch, dass ihr erfahrt, wie es um uns steht, und dass er eure Herzen tröste.

            Es ist ebenso schlicht wie einsichtig: Damit andere beten können, müssen sie wissen, wofür. Sie müssen Informationen erhalten. Wer nicht erzählt, nicht mitteilt, wie es in ihm aussieht, wie es um ihn steht, was auf ihn zukommt, kann nicht erwarten, dass andere konkret für ihn beten. Das ist der Auftrag an Tychikus: Konkret zu informieren. Er kann es, weil er nahe dran ist am Briefschreiber. Der lässt ihn wissen, wie es um uns steht. Dabei deutet der Plural uns darauf hin: Es sind mehrere, die mit Paulus zusammen in Nöten sind, die die Fürbitte gut gebrauchen können. Es könnte auch sein, es ist ein gut versteckter Hinweis: Hinter diesem Brief steht nicht nur ein Schreiber.

Vielleicht, wahrscheinlich sogar, müssen wir es heute in unseren Gemeinden neu lernen zu erzählen, wie es um uns steht. Zu erzählen, wovor wir Angst haben, was uns zu schaffen macht, was wir hoffen. Unsere landeskirchlich geprägten Gemeinden sind keine Gebilde, in denen persönliche Informationen ihren festen Platz im Leben der Gemeinde, gar im Gottesdienst haben. Es ist auch ein immer neuer Balanceakt, auszutarieren, was in einer gemeindlichen Öffentlichkeit seinen Platz hat und was nur in ein Vier-Augen-Gespräch gehört.

Diese Unterscheidungsfähigkeit scheint mir in der Enthüllungswut der modernen social medias verloren zu gehen. Sie ist aber dringend nötig, weil sonst auf den Marktplatz kommt, was dort nicht hingehört und mehr Schaden angerichtet wird als auch durch gute Hilfe aufgefangen werden kann. Tychikus hat die Freiheit und die Aufgabe zu wissen, wie viel Konkretion die Information, wie es um uns steht vor Ort braucht.

Ist das zu viel interpretiert in einen Satz, der angeblich nur dazu dient, dem Schreiben das Kolorit eines echten Paulus-Briefes zu geben? Ich glaube das nicht. Und ich denke, dass auch in solchen Sätzen, die nur der literarischen Form geschuldet scheinen, viel geistliche Weisheit am Werk ist.

23 Friede sei mit den Brüdern und Schwestern und Liebe mit Glauben von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! 24 Die Gnade sei mit allen, die unsern Herrn Jesus Christus lieben – in Unvergänglichkeit.

Zum Schluss der Segen. Frieden – ja, was denn sonst. „Er ist nicht in direkter Anrede an die Gemeinde in der zweiten Person ( „mit euch“) gerichtet, sondern er gilt – dem Charakter eines Rundschreibens entsprechend allgemeiner in der dritten Person formuliert – den Brüdern und allen, die unseren Herrn lieben.“ (U. Heckel/R. Micheel, Himmel – Erde … und zurück, Texte zur Bibel 26, Neukirchen 2010, S. 110) Mir fällt die andere Formulierung auf: Liebe mit Glauben. Das ist ja mehr als einfach nur Liebe. Liebe, die sich aus dem Glauben nährt. Die um das eigene Aufgehobensein in Christus weiß und deshalb das auch durch das eigene Leben und mit eigenen Worten weitergeben kann. Und dann diese in unserer Zeit so selten gewordene Wendung: die lieb haben unsern Herrn Jesus Christus. Das ist Emotion pur. Das ist etwas anderes als unser: Ich glaube an Jesus Christus.

Etwas von dieser Liebe spüre ich in Lied-Zeilen

Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden,                            Gottes und Marien Sohn:
Dich will ich lieben, Dich will ich ehren,                                          Du meiner Seele Freud und Kron.
 

Schön sind die Felder, schön sind die Wälder                                  in der schönen Frühlingszeit;
Jesus ist schöner, Jesus ist reiner,                                                       der unser traurig Herz erfreut.

Schön leucht die Sonne, schön leucht der Monde                        und die Sternlein allzumal.
Jesus leucht schöner, Jesus leucht reiner                                          als alle Engel im Himmelssaal.

 Schön sind die Blumen, schön sind die Menschen                        in der frischen Jugendzeit;
sie müssen sterben, müssen verderben,                                              doch Jesus lebt in Ewigkeit.

 Alle die Schönheit Himmels und der Erden                                    ist verfasst in Dir allein.
Nichts soll mir werden lieber auf Erden                                           als Du, der schönste Jesus mein.                                                                 Münster 1677

             Solche Liebe ist ein Geschenk der Gnade, das sie hervorbringt in denen, die sich so segnen und beschenken lassen. Was für ein langer und oftmals steiniger Weg ist das, bis einer zu diesem schlichten Satz kommt: Ich habe den Herrn Jesus lieb.

 

Herr Jesus, dass Du zu mir stehst. hinter mir stehst, mir den Rücken stärkst, mir das Herz fest machst – das glaube ich, weil ich es oft erfahren habe auf dem Weg meines Lebens, in tiefen Ängsten und großer Freude.

Dass Du mich lieb hast und nicht nur mich, sondern auch die Meinen und auch Menschen, die mir nicht so lieb sind, darauf vertraue ich.

Dass ich Dich liebe, von dem ich gehört habe, den mir das Wort der Bibel vor Augen malt, Dich liebe von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit aller meiner Kraft, das schenke mir und den Meinen und allen Christinnen und Christen Tag um Tag. Amen

 

Ein Gedanke zu „Am Ende – Frieden“

  1. Herzlichen Dank für die gründliche Begleitung durch diesen Brief! Dass wohl die neuere Forschung Paulus nicht als den persönlichen Verfasser sieht, war mir neu. (Muss mir wohl einen neuen Kommentar zum NT besorgen!!) Ihnen gesegnete gute Tage in Craheim!!

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