Gute Ehe-Worte

Epheser 5, 21 – 33

21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

Es geht um Miteinander. Am Anfang aller nachfolgenden Gedanken steht das Grundsätzliche: Ordnet euch einander unter. ποτασσμενοι λλλοις. „Das ist Voraussetzung und Ergebnis des Gottesdienstes. Das ist Regel für das gemeinsame Singen, für den gegenseitigen Zuspruch.“ (G. Zweynert, Wie Gott Frieden schafft, Berlin 1970, S. 71)  Miteinander – aufeinander bezogen. Anders kann ja keiner leben. Das weiß das griechische Denken: der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen – ζον πολιτικόν. So lehrt Aristoteles. So glaubt es auch die Schrift. So sollen sie es in Ephesus leben.

In einem anderen Brief klingt das so: „Seid nicht selbstsüchtig; strebt nicht danach, einen guten Eindruck auf andere zu machen, sondern seid bescheiden und achtet die anderen höher als euch selbst.“ (Philipper 2,3) In der Nachfolge Jesu, der gesagt hat: „Ihr wisst, dass in dieser Welt die Könige Tyrannen sind und die Herrschenden die Menschen oft ungerecht behandeln. Bei euch soll es anders sein. Wer euch anführen will, soll euch dienen, und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave werden.“(Matthäus 20, 25-27) ist kein Platz für Hochmut, Selbstherrlichkeit, Machtgehabe. Das schreibt sich leichter als es sich lebt. Diese Generalklausel wird jetzt weiter entfaltet.                       

 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist – er hat sie als seinen Leib gerettet. 24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

Jetzt wird das Hören, vor allem das unaufgeregte Zuhören für unsere Zeit kompliziert. Es klingt so erschreckend und veraltet nach Männerherrschaft, nach der Rechtfertigung patriarchalischer Verhältnisse. Und der Schreiber greift hoch: So wie die Gemeinde Christus als Haupt hat, so ist der Mann das Haupt der Frau. Es ist mehr als ein Bild, das er gebraucht. Er sieht das als die Wirklichkeit, der sich keine und keiner verweigern darf. Und dann auch noch in allen Dingen. Also: immer.

Es geht, weil es um Ehe geht, nicht anders als persönlich zu werden: Das habe ich nie gelebt – ich als das Haupt, meine Frau als die, die untertan zu sein hat. Das war zu keiner Zeit mein Selbstverständnis. Ich erinnere mich an einen Satz im Gespräch: „Einer muss doch das Sagen haben!“ Der den Satz so sagte, hat ihn ernst gemeint als klare Definition der Machtfragen in der Ehe. Diesen Anspruch hat er – ich kenne die Ehe – freundlich gelebt, aber am Ende des Tages war klar, wer entscheidet. So wollte ich nie leben. Wahrscheinlich, weil die Frage nach Macht und Vorrang für mich in der Ehe nichts zu suchen hatte. Dazu kommt, dass ich das Hauptsein Jesu nie mit Macht, Herrschaft, oben-unten verbunden habe. Sein Herrsein, seine Macht zeigt sich im Dienen, in der Hingabe. Darin ist er der Herr.

Zugleich muss man sagen: Der Schreiber sprengt seinen Vergleich. Christus hat sie als seinen Leib gerettet. ατς σωτρ το σματος Wörtlich: Er selbst ist Retter des Leibes. Was der Schreibervon Christus sagt, das kann und darf man nicht von Eheleuten sagen: der Mann rettet seine Frau nicht. Die Frau nicht ihren Mann. Daran zu erinnern, bewahrt vor Überforderung. Rettung, Erlösung von Eheleuten ist immer die Sache des Christus.  Wer den anderen retten will, übernimmt sich.

Was der Apostel hier sagt, ist nicht sonderlich originell, auch nicht besonders mutig. „Es entspricht der antiken Sozialordnung, Nicht nur in der jüdischen Umwelt, auch bei Griechen und Römern.“ (G. Zweynert, aaO. S. 72)Kann das heute, in einer Zeit der mühsam erkämpften Gleichberechtigung der Frau überhaupt noch vorgelesen werden, geschweige denn: ernsthaft bedacht als eine Leitlinie zum Leben? Vielleicht wird es erträglich, wenn man einfach weiterliest.

25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, 27 damit er  für sich die Gemeinde herrlich bereite, die keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.

               Jetzt folgt der eine Satz, ohne den der erste Satz zwangsläufig missverstanden werden muss. Es geht mit dem Satz an die Frauen nicht um Unterwerfung. Jedenfalls höre ich das nicht so. „Durch die Art, wie Christus seine Stellung als Haupt gegenüber der Kirche ausübt, ist eine unwürdige „Unterordnung ausgeschlossen.“(R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK X, Neukirchen 1982; S. 252)

             Für mich ist die Weisung an die Männer das, was mir den Atem nimmt. Maß nehmen in der Liebe zur Frau an der Liebe Christi zur Gemeinde. Hingabe bis zum Äußersten. Das meint: Sich selbst geben. Alles geben, damit sie schön sei, ένδοξον, herrlich. „Also, wenn schon Überordnung, dann Überordnung durch die Größe der Selbsthingabe.“ (G. Zweynert, ebda.) Dieser Klarstellung folgt eine Aufzählung, die die Wirkung der Selbsthingabe Christi für die Gemeinde beschreibt.  Beschrieben ist äußere Schönheit, aber eine von innen her geförderte meint. Nur: die Schönheit der Gemeinde soll nicht verborgen bleiben, sondern sichtbar werden! Eine Schönheit, die aus dem liebevollen Angesehen-Sein wächst, Anerkennung, Wertschätzung.     

                 Das ist vom Vergleich her die Aufgabe, die Rollenzuweisung an die Männer: Die Würde der Frau zu achten und sie durch die eigene Achtung zu mehren. Ihnen dazu zu helfen, dass sie schön sein können, herrlich. Gut anzusehen. Äußerlich und innerlich.

 28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst.                                                                                                                        Es ist im wohlverstandenen Eigeninteresse des Mannes, seine Frau zu lieben, zu achten und zu ehren. Wer einen Menschen, mit dem er verbunden ist, erniedrigt, der erniedrigt sich selbst. Wer einem Menschen die Würde nimmt, der beschädigt seine eigene Würde. Das gilt nicht nur für die Ehe. Das gilt für alle Schändung, die Menschen anderen zufügen. Durch Worte und Werke. Durch Folter und doofe Sprüche. Durch Ausbeutung und Instrumentalisierung und, und ….

Auch sexuelle Ausbeutung. Wer es für eine tolle Geschäftsidee hält, mit dem nackten, halbnackten, anzüglich verhüllten Frauenkörper für Autos, Parfüms, Urlaubsreisen etc. zu werben, der betreibt das Geschäft der Erniedrigung, auch der Selbsterniedrigung. Und wer keinen Film mehr drehen kann ohne dass er/sie eine Frau in der Dusche oder im Nachtclub, spärlichst bekleidet tanzend an der Stange, zeigt, ist nicht liberal und aufgeklärt, sondern in meinen Augen einer, der die Achtung, den Respekt mit Füßen tritt. Kein Wunder, wenn die Macher solcher Film-Werke dann auch keine Grenzen mehr für die eigenen Machtansprüche kennen.

„Es sind doch ästhetische Bilder“ – so geht die Standard-Erklärung für Playboy-Fotos – ist die billigste Ausrede für Geschäftemacherei, die es gibt. Es gibt keine Liebe ohne Achtung des Anderen, der Anderen. Wer die Achtung vor dem anderen Geschlecht zerstört, zerstört die Liebe. Auch das gilt – und ist in der damaligen Zeit genauso „weltfremd“ wie heute: „Wenn sich der Mann geschlechtliche Freizügigkeit leistet, schlägt er nicht nur gegen seine Frau, sondern auch gegen sich selbst.“ (H. Conzelmann, Der Brief an die Epheser NTD 8, Göttingen 1976, S. 120) So zu denken ist heutzutage beste Voraussetzung, für ein wenig rückständig gehalten zu werden.  1976 durfte man das noch denken und es wurde sogar gedruckt!

 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein« (1. Mose 2,24). 32 Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. 

      Als erstes ein Appell an die Vernunft, die sich selbst ernst nimmt. Meine These: Den Ehepartner, die Ehepartnerin missachten, ist – ein steiles Wort – „widernatürlich“. Es entspricht nicht dem, was mit der Ehe gemeint ist. Es ist kein Zufall, sondern verleiht der ganzen Argumentation ihr Gewicht, dass hier auf die Schöpfungsordnung zurück verwiesen wird. So war das Miteinander von Mann und Frau von Anfang an gedacht. Von Gott selbst.

Darum gilt auch: Prügelorgien in einer Ehe sind in keiner Weise zu rechtfertigen. Christlich schon gar nicht. An dieser Stelle hat kirchliches Schweigen über lange Jahrhunderte hin Schuld auf sich genommen und durch das Schweigen der Verkündigung Vollmacht geraubt. Aus der Analogie zum Verhältnis Christus-Gemeinde heraus hätte die Kirche sich zur Anwältin der Frauen und ihrer Würde machen müssen.

33 Darum auch ihr: ein jeder liebe seine Frau wie sich selbst; die Frau aber hab Ehrfurcht vor  dem Mann.

              Es klingt nahe an Jesus-Worte heran über das größte Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“(Matthäus 22,39) Das haben wir ja inzwischen gelernt: wer sich selbst nicht lieben kann, der wird auch unfähig zur Liebe, die den Anderen, die Andere sucht und meint. Es ist kein Wort, das den Weg zum Egoismus auf dem Umweg über die Liebe zur Frau frei macht. Es ist vielmehr ein Wort, das die Männer sehr grundsätzlich auf ihre Liebesfähigkeit hin befragt.

Als würde der Apostel sich umdrehen in die andere Richtung wird noch einmal das Verhalten von Frauen in den Blick genommen. Die Frau aber habe Ehrfurcht vor den Mann. Keine Furcht, Ehrfurcht. Die erweist sie nicht durch eigene Unterwerfung, auch nicht durch Demutsgesten. Den Mann ehren – ihn in seinen Stärken und Schwächen annehmen, stützen und ihm zurecht helfen. Kurz: Ihn Mann sein lassen. Anders als Frau es selbst ist. Aber doch auch Mensch.

Als im CVJM – Christlichen Verein junger Männer – nach der  Aufnahme von jungen Frauen nach langem Zögern die Konsequenz auch im Namen gezogen wurde – Christlicher Verein junger Menschen – da hat Heidi Krause-Frische den schönen Satz gesagt, der zu den Gedanken des Epheserbriefes gut passt: „Mädchen machen aus Männern Menschen.“ Mein Eindruck: Genau das meinen die Sätze dieses Abschnitts.

 

Herr Jesus Christus, Du schenkst uns Menschen, mit denen wir leben dürfen, denen wir unsere Liebe zeigen dürfen, die sich mit uns auf den Weg machen, das Leben in seinen Höhen und Tiefen zu bestehen.

Danke für alle Ehen, in denen die Liebe so gelebt wird. Danke für alle Freundschaften, die dazu helfen, dass keiner einsam bleiben muss mit seinen Fragen und Hoffnungen.

Herr, darum bitte ich, dass Du denen hilfst, die in Krisen geraten, in ihren Ehen und ihren Freundschaften, dass sie Achtung und Respekt erfahren, Hilfe und Bestand auch da, wo sie an der Liebe und Freundschaft scheitern. Amen