Nüchterne Vorbereitung

Johannes 15, 18 – 16, 4

18 Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. 19 Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.

Es ist ein harter Wechsel: „Der Liebe Jesu zu den Seinen entspricht spiegelbildlich der Hass der Welt gegen sie.“ (U. Wilkens, Das Evangelium nach Johannes, NTD 4, Göttingen, Göttingen 1998, S. 244)Ist das Wesen der Jüngerschaft Liebe, so ist das Wesen der Welt Hass auf die Jünger. Es ist die folgerichtige Konsequenz ihrer Jüngerschaft. Ihnen widerfährt, was Jesus widerfahren ist: „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“(1,11)

Dabei ist die Welt durchaus „liebesfähig“ – sie liebt, was ist wie sie selbst. Aber es ist eine Liebe, die nie selbstlos ist – die immer einen Deal macht, auf Gewinn aus ist. Jesus weiß es: „Die Welt wird sie hassen, weil sie nicht mehr zur Welt gehören.“ (R. Bultmann, Das Evangelium des Johannes, Kritisch-Exegetischer Kommentar über das Neue Testament, Göttingen 1957, S. 422) Dieses Fremde in ihrer Mitte, diesen Fremden und mit ihm diese Fremden liebt sie nicht. Das wird ja später sogar eine Benennung der Christen: „An die auserwählten Fremdlinge“ (1. Petrus 1,1) Dass sie zu Christus gehören, das macht die Christen weltfremd, entfremdet sie der Welt. Das ist aber, so gewendet, nicht gleichzusetzen mit lebensuntüchtig oder gar lebensuntauglich. Nur: Sie sind von anderer Art.

Es ist in diesem Zusammenhang ein Satz, der mich nachdenklich macht. Ich halte ihn für richtig und gleichzeitig für falsch, für gefährlich. weil er Menschen Druck machen kann. „Wenn wir wenig vom Hass der Welt erfahren, dann ist das Zeichen für den Mangel an Liebe und Ernst in unserem Christenstand.“ (W. de Boor, Das Evangelium des Johannes, 2. Teil, Wuppertaler Studienbibel. Wuppertal 1976, S. 133)Der mehr oder weniger offenkundige Hass, den einer erfährt, ist kein wirklicher Maßstab des Glaubens. Der Maßstab des Glaubens ist die Liebe zu Christus und den Brüdern und Schwestern.

20 Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.

                  Schicksalsgemeinschaft. Eintreten in die Jüngerschaft verbindet auch in der Weise mit Jesus, dass den Jüngern widerfährt, was er erleidet. Das hat sich in den ersten Jahrhunderten der Christenheit ja an vielen buchstäblich erfüllt. Sie haben Verfolgung erlitten. Sie sind dahin gegeben worden in den Tod – um Jesu willen.

Dies hat Jesus ja zuvor schon gesagt. Das Wort aus der Fußwaschung (13,16) wird hier aufgegriffen, aber verändert. Dort ist es Einweisung in die Lebenspraxis der Hingabe: Wenn der Herr dient, wie viel mehr die Jünger. Hier ist es die Voraussage: Ihr werdet erfahren, was auch ich erfahren habe. Seid also nicht erstaunt, dass euch das geschieht. „Aus Wesensverbundenheit folgt Schicksalsgemeinschaft“(R. Bultmann, aaO. S. 424) Einem Christentum, dass in der Steigerung der äußeren Lebensqualität seinen Wahrheitserweis sieht, redet Johannes jedenfalls nicht das Wort.   

Aber umgekehrt gilt auch: Wo das Wort Jesu aufgenommen worden ist, wo es gehalten wird, da finden auch die Jünger Gehör, da werden auch sie aufgenommen. Es ist die Erfahrung der ersten Gemeinde: Wo es zum Hören des Wortes Jesu in den Worten der Boten kommt, da entsteht ein anderes Hören auch auf die Worte der Boten.

21 Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

            „Der Grund für diesen Hass wird aufgedeckt: Es ist die völlige Unkenntnis Gottes, des Vaters des Gesandten.“ (S. Schulz, aaO. S. 201) Weil sie Jesus nicht als den Gesandten erkennen, kennen sie auch Gott nicht, können sie auch die Jünger nicht ertragen. Es ist eine Art „Stellvertretung“, die hier anhebt: Weil sie Jesus nicht mehr angreifen können, werden sie sich an die Jünger halten. Es wird „zur Nachfolge des Gekreuzigten gehören, im Gegenüber zur Feindschaft der Welt an seine Stelle zu treten.“(U. Wilkens, aaO. S. 245) Danach drängeln aber muss sich niemand, um sich so seines Glauens zu vergewissern.

Die Sätze  erinnern an frühere Worte Jesu: „Der Vater, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis gegeben. Ihr habt niemals seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnen,; denn ihr glaubt dem nicht, den er gesandt hat.“(6,37.38) Man muss es sich wohl ehrlicherweise eingestehen: Mit Johannes ist eine Verständigung über einen „allgemeinen Gottesglauben“ – „wir glauben doch alle an einen Gott“ –  nicht zu haben. Bei ihm ist die Erkenntnis Gottes streng an den Glauben an den Sohn Jesus gebunden.

22 Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, um ihre Sünde zu entschuldigen. 23 Wer mich hasst, der hasst auch meinen Vater. 24 Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde. Nun aber haben sie es gesehen, und doch hassen sie mich und meinen Vater.

Die Überlegung wird fortgesetzt. Erst mit dem Auftreten Jesu wird die Blindheit als Sünde unentschuldbar. Wer ihn vor Augen hat, der hat keine Ausrede mehr. Er hat ja in ihm  das Bild des Vaters vor Augen. Wer seine Werke sieht, der sieht ja Zeichen, die auf den Vater hinweisen. „Die Welt müsste sich gegen Jesus Christus nicht sperren, aber sie tut es…. Jesu Wort fordert nicht nur Antwort, es eröffnet auch die Chance zu neuem Leben. Wer es nicht hören und annehmen will, dem ist nicht zu helfen.“(G. Voigt, aaO. S. 234)

Es sind steile Sätze: Die Ablehnung Jesu ist Sünde. Der Unglaube verweigert die Anerkennung des Weges, auf dem Gott nahe gekommen ist, Mensch geworden ist.  „Sünde ist nicht primär ein unmoralisches Verhalten; sie ist Unglaube.“(R. Bultmann, aaO. S. 4224) Und als solche Sünde  ist der Unglaube Hass – versteinerter Widerstand. Wie so häufig, müssen wir die Emotionen abziehen, die wir mit einem Wort wie Hass verbinden. Es geht um den unüberbrückbaren Abstand, der sich im Hass zeigt: `Mit dir habe ich nichts zu tun.´ Hart ist, dass dieser Satz Jesu nicht irgendwelchen Atheisten gilt, sondern allen, die ihm das Vertrauen verweigern.

25 Aber es muss das Wort erfüllt werden, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: »Sie hassen mich ohne Grund« (Psalm 69,5).

Bleibt wieder der Hinweis, dass das längst zuvor gesehen ist, angesagt in ihrem Gesetz. Hier darf ich wohl die Auseinandersetzung mit der Synagoge hören, in die die Gemeinde des Johannes geraten ist. Es ist nicht mehr das Gesetz, schon gar nicht unser Gebot (15,12). Es ist ihr Gesetz. Umso schlimmer. Das Wort, auf das sie sich berufen, stellt sich gegen sie.

Es ist eine Argumentation, die auf einer Linie liegt mit früheren Worten Jesu: „Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“(6, 39.40) Das sind harte Anklagen, vielleicht in ihrer Schärfe verständlich aus der Situation der Konfrontation zwischen jüdischer Muttergemeinde und christlicher „Tochter“. Uns bleibt die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Wahrheitsanspruch dieser Worte durch solche Hinweise aber nicht erspart.

26 Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. 27 Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.

Als würde Jesus spüren, wie viel er seinen Jüngern zumutet mit diesem Blick in ihre Zukunft – jetzt wechseln Ton und Thema. Nichts mehr von der Fremdheit in der Welt, von dem Hass der Welt: Der Tröster wird kommen. Hier ist vom Geist ausdrücklich als dem Trösterπαρκλητος – die Rede. Das ist das Versprechen Jesu. In eine Welt, die sich von ihm absondert, sendet er mit dem Vater, durch den Vater den Geist. Tröster und Beistand, Fürsprecher und Rückenwind. Der das Zeugnis vorsagt, so dass es die Jünger nachsagen. Der vorspricht, damit sie nachsprechen.

Diese Doppelung ist kein Zufall. Sie ist sachlich begründet. Der Geist redet durch das Zeugnis der Jünger und er befähigt zum Zeugnis. Das Zeugnis des Geistes dispensiert nicht von der Verantwortung für das eigene Reden, sondern es setzt es regelrecht in Bewegung. Und gibt ihm Kraft. Vollmacht.

Das ist das Versprechen Jesu an die Jünger. Sie sind seine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Kommentare heben gerne darauf ab, dass dieses Zeugnis mehr ist als „ein historischer Bericht von dem, was war“(R. Bultmann, aaO. S. 427) Mir dagegen fällt Lukas ein, der erzählt, was für die Nachwahl des Judas-Ersatzes wichtig ist: „So muss nun einer von diesen Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein und aus gegangen ist, von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde -, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.“ (Apostelgeschichte 1,21-22) Dafür stehen  die Zeugen Jesu, dass sie von seinem Weg erzählen, dass sie ihn bezeugen als den, der den Weg Gottes gegangen ist und den Gott nicht in den Toten gelassen hat. Das ist gewiss mehr als nur ein historischer Bericht. Aber es nimmt zugleich ernst, dass da auch ein Weg erzählt wird, der irdische Spuren hinterlassen hat. Der Geist der Wahrheit öffnet die Augen und Herzen für das, was tragfähig ist, was dem Leben festen Boden verleiht und den Glaubendem sichere Schritte tun lässt.

Eine letzte Beobachtung, die den deutschen Text korrigiert. Wörtlich steht da: Ihr seid von Anfang an bei mir. Ohne “gewesen”. Präsenz. Nicht Vergangenheit. Das Zeugnis lebt von dem gegenwärtigen Herrn. Es ist nie nur Erinnerung. Es ist auch Erinnerung, aber eben Erinnerung an die Gegenwart. Schlicht gesagt: Weil Jesus lebt, reden die Christen von ihm. Weil sie ihn erfahren, gegenwärtig im eigenen Leben, können sie nicht von ihm schweigen. Und der Geist schenkt den Mut zu solchem Reden.

16, 1 Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt.

Es ist oft so: Wenn ich weiß, was auf mich zukommt, kann ich mich darauf einstellen. Darum bereitet Jesus seine Jünger vor, damit ihr nicht Ärgernis an mir nehmt. So kann man das griechische Wort σκανδαλισθη̃τε auch übersetzen. Das gleiche Wort steht in der Antwort Jesu an den Täufer Johannes: „Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ (Matthäus 11, 6) Davor will Jesus die Jünger bewahren, dass sie sich abwenden von ihm, um sich die Abwendung von Menschen zu ersparen – und damit die „Seligkeit“ verspielen, die Verbindung zu ihm.

Auch davor will er sie durch dieses Ankündigen des Widerstandes bewahren, dass sie sich getäuscht fühlen. Nicht aufgeklärt über den „Preis der Zugehörigkeit zu ihm. Indem er den Jüngern sein Leiden ankündigt, kündigt er ihnen auch ihr Leiden an Er hat ihnen nie einen leichten Weg versprochen. Er hat ihnen immer gesagt, dass das Bleiben bei ihm der Welt entfremdet. Und er wird nicht aufhören, ihnen den Widerstand der Welt anzusagen. Sie sollen den Preis der Nachfolge kennen. im anderen Evangelium klingt das so:  „Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“(Lukas 9, 58)   

Nebenher: Es ist eine Denkweise, die schon bei den Propheten immer wieder auftaucht. Das Ankündigen zukünftigen Geschehens ist eine Art „Gottesbeweis“ oder anders gesagt. Nachweis, dass Gott hinter dem Redenden steht. Dass der Redende nicht nur Zukunft durchschaut, sondern dass er Worte Gottes sagt. Es ist Hinweis auf seine Vollmacht. „Gott der HERR tut nichts, er offenbarte denn seinen Ratschluss seinen Knechten, den Propheten.“(Amos 3,7) Dazu der Kommentar des alt-Testamentlers: Wenn Gott etwas tut, dann sagt er es zuvor durch seine Knechte, die Propheten an; sonst tut er nichts.“ (H. W. Wolff, Die Stunde des Amos, München 1981, S. 90) Es gibt also so etwas wie einen „Vorlauf“ des Handelns Gottes in den Ansagen der Propheten! Ähnlich klingt es bei Jesaja als Wort aus dem Mund Gottes: „Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es sprosst, lasse ich’s euch hören.“(Jesaja 42,9) Indem Jesus seinen Jüngern ansagt, was auf sie zukommen wird, erweist er sich als der, der in Gottes Auftrag spricht, handelt, lebt.   

2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit.

Ausblick nach vorne oder Blick in die Gegenwart, in der Johannes sein Evangelium schreibt? Die Gemeinde des Johannes erlebt wohl diesen Prozess, dass sie in der Synagoge keine Heimat mehr findet, dass sie ausgeschlossen und ausgestoßen ist. „Hier steht deutlich die Zeit heftiger, leidenschaftlicher Auseinandersetzungen zwischen Christen und Juden in den Jahrzehnten nach 70 n. Chr. im Blick.“ (U. Wilkens, aaO. S. 247) Es ist die Zeit, in der die Gemeinde aus Juden, die an Jesus glauben, ihren Mutterboden verliert, weil die Mehrheit der Juden sie für Irr-Gläubige hält, auch weil das selbstständige Bestehen von Gemeinden aus Juden und Christen als eine Konkurrenz zur Synagoge empfunden wird, die man oft genug durch Anklage vor den staatlichen heidnischen Behörden auszuschalten suchte.           

„Seit etwa 90 (n. Chr.)wandte die Synagoge den „großen Bann“ an, den völligen Ausschluss aus der synagogalen Gemeinde; das traf die Judenchristen hart.“ (G. Voigt, aaO. S. 232) Damit verloren sie ja auch den Schutz, den der jüdische Glaube als „religio licita“, als „erlaubte Religion“ im römischen Reich hatte. Sie waren Sektierer, auf allen Seiten unerwünscht und misstrauisch beäugt. Und von diesem Misstrauen ist es ein winziger Schritt zur Verfolgung, die das Leben kosten kann. Zur Zeit des Kaiser Domitian (81 – 96 n. Chr.) gibt es in Kleinasien Christenverfolgungen, die blutig enden, im Zirkus, in der Hinrichtung.

Dabei haben die Verfolger ein gutes Gewissen, glauben sie sich doch nicht nur im Recht, sondern als solche, die den Willen Gottes erfüllen. Hinrichtung als Gottesdienst. Vernichtung der Ungläubigen als Gottesdienst. Die Selbstmordanschläge irgendwelcher Islamisten heutzutage haben hier schreckliche Vorläufer. Solche Untaten „um Gottes willen“ sind nicht auf eine Religion beschränkt. Immer, wenn Religion gewalttätig wird, glaubt, den Willen Gottes mit Gewalt durchsetzen zu dürfen oder gar zu müssen, dann drohen solche Blutbäder.

„Im Namen Gottes zu töten – das ist die wohl größte Tragik des religiösen Menschen und seine gefährlichste und grausamste Wahnidee, die wie ein Schatten alle Phasen der Menschheits- und auch Kirchengeschichte begleitet hat!“ (S. Schulz, aaO. S. 202) Es braucht geistliche Klarheit, um hier zu widerstehen. Sie hat in der Geschichte der Kirchen zu oft gefehlt.

3 Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen.

Jesus aber lässt keinen Zweifel. Wer so handelt, kennt weder mich noch den Vater. Wer so handelt, kann sich nicht auf den Gott berufen, der die Welt so sehr liebt, dass er seinen eingeborenen Sohn für sie gibt (3,16). Wer so handelt, ist blind für die Liebe Gottes, die Menschen sucht.

Es ist gut, dass hier nicht steht: die Juden. Oder: die Römer. Oder… Wo immer Menschen andere töten um des Glaubens willen, haben sie den Vater aus den Augen verloren.  Das gilt für Ketzerverbrennungen, Kreuzzüge, Hexenprozesse, Selbstmordanschläge. Auch wenn es Prediger gegeben hat, die das alles „um des Kreuzes und um Christi willen“ forciert haben – es ist eine große Gottesblindheit, die sich da austobt.

4 Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich’s euch gesagt habe.

Das sind Worte zur Vorbereitung. So sind sie wohl auch gelesen worden. Und so sollen sie über alle Zeiten hinweg gelesen werden. Jesus hat seiner Gemeinde nie einen irdischen Rosengarten versprochen. Er hat es nicht verschwiegen, dass der Weg mit ihm ein Weg im Gegenwind ist. Er hat sie immer vorbereitet. In den synoptischen Evangelien nimmt diese Vorbereitung auf den Widerspruch der Umwelt oft breiten Raum ein. Es ist ja die Wirklichkeit der ersten Gemeinde bis ins 3. Jahrhundert hinein, dass sie Repressalien ausgesetzt ist, dass das Einstehen für den Glauben das Leben kosten kann.

Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.

Fast hört es sich wie eine Entschuldigung an. Aber es ist keine Entschuldigung, nur eine Erklärung. Jesus hat die Jünger nicht unter falschen Versprechungen auf den Weg des Glaubens gelockt. Nur so viel: Solange er leibhaftig, sichtbar unter ihnen ist, solange ist „Hochzeit“(Markus 2,19) Für diese Zeit braucht es die Warnungen nicht. Erst für die Zeit ohne den sichtbaren Herrn in der Mitte ist die Vorbereitung not-wendig.

 

Wie gut, Herr Jesus, dass Du uns nicht alleine lässt. Du gibst uns Deinen Geist, Weggeleit durch die Zeit, Beistand in der Angst, Festigkeit im Zeugnis, Zuversicht über alle Bedrängnis hinaus.

Du hast Deine Gemeinde geleitet durch die Zeiten, damit wir uns nicht verirren, nicht unsere eigenen Wege gehen, Dich verlieren, uns abwenden von Dir, weil wir anderen mehr trauen.

Dein Geist öffne uns die Augen für Dich, für den Vater und mache uns treu. Amen