Der andere Tröster

Johannes 14, 15 – 26

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.

Was für ein schlichter Satz. Aber auch: Was für ein anspruchsvoller Satz. Er gibt der Liebe eine Form. Er führt über die Liebe als Gefühl, als Empfindung hinaus zur Liebe als Tat. Die Liebe zeigt sich darin, dass sie dem Gebot Jesu folgt. Gebot steht da, wieder einmal εντολή und nicht νόμος. Gebot, nicht Gesetz. Jesus legt uns keinen neuen Gesetzeskanon vor. Das unterscheidet den „neuen Mose“ von Mose.

Doch wird man gleichzeitig sagen dürfen: dieser Satz könnte so auch in den Schriften des Alten Bundes stehen, in den Worten, die mit Mose verbunden sind. „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst.“(5. Mose 6, 4-7) Da sehe ich sachlich keinen Unterschied zum Wort Jesu. „Lieben ist nichts anderes als Halten der Gebote.“ (R. Bultmann, Das Evangelium des Johannes, Kritisch-Exegetischer Kommentar über das Neue Testament, Göttingen 1957, S. 473)

Jesus legt uns und lebt uns die Liebe vor.  „Lehrt sie halten, alles, was ich euch befohlen habe“ (Matthäus 28,19) meint auch keinen Gesetzeskanon, sondern meint die Lebenspraxis, die die Jünger an Jesus gesehen haben. Es ist so schlicht und einfach: „Die Liebe wird euch leiten.“ (G. Tersteegen 1738, EG 393). Oder mit Augustinus: „Liebe und tue, was du willst.“ Die Liebe zu Jesus ist die Antwort auf die Liebe Jesu. Sie ist Tun: Barmherzigkeit üben, Nächstenliebe, Sorglosigkeit aus dem Vertrauen auf ihn.

Hinter diesen Worten höre ich das Vertrauen Jesu in seine Leute. Es gibt nicht nur unseren Glauben an Jesus, es gibt auch das Vertrauen auf seine Leute, den Glauben (!) Jesu an uns. Wie sonst könnte er auch sagen: „Ihr werdet größere Werke tun.“(14,12) 

16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

        Es ist Zeit des Abschiedes. In dieser Stunde sagt Jesus: Der Vater wird euch einen anderen Tröster geben  Die Frage, die hinter diesen Worten steht: Wie wird es um unseren Glauben stehen, wenn wir ihn alleine leben müssen, ohne Jesus sichtbar in unserer Mitte? Kann unser Glaube sich aus den Erinnerungen nähren? „Kann der Nachgeborene, der kein persönliches Verhältnis zu ihm hatte, ihn lieben?“ (R. Bultmann, ebda.) Bleibt nur der resignierte Rückblick: Ja, damals in Jerusalem, damals auf den Wegen mit Jesus, da war alles klar und einfach. Aber heute?

 “Gnostiker damals sprechen von Helfern, Geleitleuten und Führern der Seelen  aus dieser Verderbenswelt hinauf ins Himmlische. Das Judentum kennt Fürsprechergestalten. Der Philosoph Philo spricht von Ratgebern, Fürsprechern, Helfern. Lesern aus solchen Kreisen will der Evangelist sich wohl verständlich machen, indem er ein Wort aus ihrem Vokabular aufgreift: „Paraklet“ (G. Voigt, aaO. S. 219).  Παράκλητος, ein Wort, das Tröster, Beistand, Fürsprecher bedeutet. Jesus also – so sagt es Johannes – schenkt uns den Helfer, der uns den Weg finden lässt durch das Leben, der uns in dunklen Stunden nicht untergehen lässt, der uns in der Verzweiflung nicht das Leben wegwerfen lässt.

Es bleibt nicht bei dem Wegweiser Jesus in der Vergangenheit. Der Tröster verspricht aktuelle Wegweisung. Jetzt, im Hier und Heute. Auch nicht von außen, sondern innen. Er tritt an die Stelle Jesu, vertritt ihn. Er ist, wenn man so will, etwas wie ein innerer Kompass, verliehen durch den Vater. Er ist die Kraft aus Gott, die ein Gegengewicht in den Gefühlen und Gedanken bildet gegen die Kraft die Realitäten, die sich so übermächtig gebärden kann.

Das meint auch die Formulierung Geist der Wahrheit. Wahrheit ist nicht theoretische Richtigkeit, Stimmigkeit. Wahrheit ist das, was das Leben verlässlich macht, was dazu hilft, sichere Schritte zu tun. „Darauf kannst Du Dich verlassen“ – so dürfen wir lesen, wenn Jesus von der Wahrheit spricht. Der Geist lehrt uns, was das Leben trägt.

Die Welt kann den Geist nicht empfangen, sehen, kennen. „Die Welt kann nur sehen und erkennen, was zum „Fleisch“ gehört.“ (U. Wilkens, Das Evangelium nach Johannes, NTD 4, Göttingen, Göttingen 1998, S. 227)Was irdisch ist, von unten. Es ist, als würde an frühere Worte Jesu angeknüpft: „Ihr seid von unten her, ich bin von oben her; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.“ (8,23) Und ähnlich: Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“(3, 6) Es gibt keine andere Zugangsmöglichkeit, keine andere Empfangsmöglichkeit – nur das Geschenk Gottes.

18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen.

Es geht um eine Sehnsucht, die wir alle kennen und wohl auch alle teilen: Ich will wissen, zu wem ich gehöre. Mehr noch: Ich muss wissen, zu wem ich gehöre. Die Hymne in den Stadien der Welt gibt dieser Sehnsucht Ausdruck.

Wenn Du zu Fuß durch den Sturm gehst,                               halte den Kopf hoch
Und keine Angst vor der Dunkelheit
Am Ende des Sturms ist ein goldener Himmel
Und der süße silberne Gesang der Lerche.                                
Geh weiter, durch den Wind
Geh weiter, durch den Regen
Obwohl deine Träume geworfen und geblasen werden
Geh weiter, geh weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen
Und du wirst niemals alleine gehen.                            
                  Gerry & the Pacemakers, you’ll never walk alone, 1963

  Bei Jesus klingt es anders: Ihr müsst nicht nur – ohne mich – tapfer weitermachen. Ihr Elf  – und mit und nach euch die ganze Kirche – werdet, obwohl es auf den ersten Blick so scheint, nicht  ohne euren Herrn und Helfer sein müssen. Die Kirche ist keine Versammlung oder gar Organisation von Menschen zur Pflege von Jesuserinnerungen. Jesus Christus selbst ist in ihr gegenwärtig – den Augen unsichtbar und doch wirklich da, der Welt unbegreiflich und doch erfahrbar. Er ist gegenwärtig in seinem Geist, durch den Beistand und Tröster, den Helfer, den Fürsprecher.  Wir sind keine mutter- und vaterlosen Waisenkinder, wir sind niemals allein.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,                        fürchte ich kein Unglück                                                                  Denn Du bist bei mir                                                                          Dein Stecke und Stab trösten mich            Psalm 23, 4

Nichts kann uns diese Gegenwart rauben. Durch nichts in der Welt können wir aus ihr herausfallen. Nicht unser Glaube „garantiert“ sie – Jesus steht für sie ein.

Es kommt ein „Aber“, auch wenn es nicht da steht. Für eine kleine Weile wird ihn die Welt nicht sehen? Ist das eine Anspielung auf die Zeit im Grab, nach der Kreuzigung, vor der Auferstehung? So könnte ich es lesen. Das ist ja die Zeit, in der die Jünger vor ihren zerplatzten Träumen standen, in der ihnen ihre Welt zusammenbrach.

Aber es ist wirklich nur eine kleine Zeit, μικρόν , wir würden wohl sagen: nur ein Augenblick, dann wird alles anders. Für die Jünger. Für die Welt ist das Problem Jesus ja gelöst. Er ist weg, ins Grab gelegt. Und wen die Römer hinrichten, der ist gründlich tot. Dass da eine Geschichte weitergeht, das bekommt die Welt nicht mit, wohl aber die Jünger. Darum sagt Jesus diesen Satz, der jetzt folgt.

 Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben.

Das ist einer der Sätze, an denen ich hänge. „Weil er lebt, werden sie auch leben…In der ewigen Gegenwart dieses Lebens des Gekreuzigten ist die Wirklichkeit der Zukunft ewigen Lebens enthalten.“ (U. Wilkens, aaO. S. 229)  Ich kann es selbst nicht richtig erklären, warum das so ist. Aber ich nehme ihn als Versprechen, sehr persönlich. Ich gehe dem entgegen, dass ich ihn sehen werde, mit meinen Augen. Ihn, an den ich geglaubt habe. Ihm, dem ich es abgenommen habe, dass er den Weg meines Lebens mit mir teilt. Ihn, an den ich mich in so vielen Nöten meines Leben geklammert habe, oft genug verzagt, zweifelnd. Aber er hat mich gehalten.

20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.

Das ist das Ziel. An jenem Tag erfüllt sich unser Leben. Mehr geht nicht. Die Zeit des Fragens ist vorbei. Wir werden die Wirklichkeit sehen – wie der Vater und der Sohn eins sind und wie sie uns hinein nehmen in ihre Gemeinschaft. Zukunftsmusik? Ja und Nein. Das Sehen fängt ja hier schon an – im Sehen auf Jesus, den gegenwärtigen Sohn. „Die Herrlichkeit(„Doxa“) Christi, die nur der Glaube wahrnimmt, wird nicht an seiner menschlichen Erscheinung vorbei oder über sie hinweg entdeckt, sondern an dieser Niedrigkeitsgestalt und in ihr.” (G. Voigt, aaO. S. 21) Wann jener Tag ist? Wir leben auf ihn zu.

21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Noch einmal die Einweisung in die Gebote als die Form, in der die Liebe Gestalt gewinnt. Es verdrießt Johannes nicht, das Gleiche in immer neuen Worten zu sagen. Und noch einmal: Jesus hat uns dieses Wort ja nicht nur gesagt. Er hat es uns vorgelebt. Er hat aus Liebe zum Vater das Gebot Gottes gehalten. Er hat aus Liebe zum Vater den Willen des Vaters erfüllt. Er hat aus Liebe zum Vater in der Leichtigkeit des Vertrauens den Gehorsam gelebt. In diesem Gehorsam hat sich sein Leben erfüllt und ist es erfüllt worden mit der Ewigkeit Gottes.

Seit vielen Jahren habe ich ein Lied im Ohr. Immer wieder: „Ich liebe Jesus.“ Und auf die Frage warum, die immer gleiche Antwort: Ich liebe Jesus. Erst ganz am Ende: „Er hat mich zuerst geliebt.“ Die Liebe Jesu ist Ausgangspunkt und Zielpunkt unserer Liebe. Es ist sein Versprechen an seine Leute: Unser Leben erfüllt sich in der Liebe, die den Gehorsam gegen den Vater lebt aus dem Vertrauen: Dein Wille ist gut.

22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?

            Wieder eine Frage, diesmal von dem anderen Judas, nicht dem Iskariot. Der ist ja schon gegangen. Warum nur wir und nicht die Welt? Es ist ja bis auf diesen Tag heute das große Ärgernis für die distanzierten Betrachter, die es gerne objektiv hätten, dass Jesus nur Jüngern und Jüngerinnen begegnet ist, sich nur ihnen offenbart hat, nur Gläubigen, nur Menschen in der Gemeinde. Die stereotype Einschätzung, die den Wahrheitsgehalt aller Berichte der Evangelien in Frage stellt, heißt: Die sind doch alle Partei. Und der eine, der gegen ihn war, Paulus, ist durch seine Begegnung auch Partei geworden, für ihn. „In der Tat: Wäre Offenbarung ein innerweltlich demonstratives Geschehen, es wäre nicht einzusehen, warum der Auferstandene und Wiederkommende nur den Jüngern erscheinen soll.“ (R. Bultmann, aaO. S. 481)

Es sind nicht nur die Skeptiker, die so fragen. Es sind auch die Christen selbst, die darunter leiden, dass sie so wenig in der Hand haben, dass sie nicht demonstrieren können, wie groß ihr Herr ist, wie herrlich. Dass es nicht alle einfach einsehen müssen, weil es unbestreitbar am Tage ist. “Die Unsichtbarkeit Gottes macht uns kaputt. Wenn es wenigstens etwas zu sehen gäbe. Aber dieses wahnwitzige dauernde Zurückgeworfensein auf den unsichtbaren Gott selbst, das kann doch kein Mensch aushalten.“(D. Bonhoeffer, Ges. Schr. Bd. I, S. 61. Werke Bd. 11, S.33) Warum – so fragen auch Christ*innen – müssen wir noch warten, so lange warten auf diesen Tag, wenn alle ihn sehen? „Als wären die Augen der Welt das Kriterium für die Wirklichkeit Gottes!“(U. Wilkens, Das Evangelium nach Johannes, NTD 4, Göttingen, Göttingen 1998, S. 230)

23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Die Antwort Jesu liegt auf den ersten Blick irgendwie quer zur Frage. Aber vielleicht ist es Antwort auf einer tieferen Ebene. Es ist nötig, dass der Weg der Liebe und des Glaubens gegangen wird, bevor alles in das helle Licht Gottes gestellt wird. Es braucht diese Zeit, in der die Liebe zu Jesus gelebt wird. In der Christen sich einüben in das Wort. In der sie es üben, sich an das Wort zu halten. Diesmal steht da λόγος und signalisiert: Es geht um die Lehre, die Jesus in seiner Person ist, und nicht nur um einzelne Worte in die Zeit. Sie üben, sich an das Wort zu halten  und so ihr Leben zu leben. In dem sie mitten in der Welt die Liebe Gottes erfahren und bereit werden, ihn aufzunehmen.

Es ist eine Umkehr der Worte Jesu vom Anfang seiner Rede: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“(14, 2-3) Das ist die Aussicht, die Jesus eröffnet – das Vaterhaus im Himmel. Der Weg dorthin aber führt über die Erde. Kein Himmelsweg, keine Himmelsreise, keine Entrückung. Es braucht die Wohnungen Gottes in unserem irdischen Leben, sein Einwohnen in uns, bevor es zu unserem Wohnen in der himmlischen Heimat kommen kann.

24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

     

Das ist der zweite Teil der Antwort, allerdings im Griechischen ohne aber: Wer Jesus nicht liebt, lebt nicht aus seinem Wort – und wird ihn auch nicht sehen. Das Wort τηρέω ist mit halten ein wenig blass wiedergegeben, es meint mehr: „bewachen, behüten, bewahren“(Gemoll, Griech-Deutsches Schul- u. Handwörterbuch, München 1957, S. 739) Es braucht ganzen Einsatz. Daran will ja der liturgische Nachsatz zur Schriftlesung im Gottesdienst erinnern: „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren.“ Wer Jesus nicht liebt, dem sind seine Worte solchen ungeteilten Lebenseinsatz nicht wert.

Es hängt ineinander: Das Vertrauen und das Sehen, das verweigerte Vertrauen und das Nicht-Sehen. Einen Schritt geht Jesus noch weiter. Weil das Wort, das die Jünger hören, nicht sein Wort allein ist, sondern gesprochen aus der Einheit mit dem Vater, darum werden die, die sein Wort nicht halten, auch blind für die Wirklichkeit des Vaters. Wer Jesus nicht sieht, der sieht auch den Vater nicht. Es gibt für Johannes keine Gotteserkenntnis an Jesus vorbei.

Auch das ist festzuhalten: „Vor dem Geheimnis, warum der eine Jesus liebt und der andere ihn nicht liebt, bleibt auch dieses Wort stehen, ohne eine Erklärung zu versuchen.“ (W. de Boor, Das Evangelium des Johannes, 2. Teil, Wuppertaler Studienbibel. Wuppertal 1976, S. 114) Es ist die schmerzhafte Erfahrung der Jünger*innen Jesu, dass es so ist, dass die Liebe Jesu, die sie bezeugen, ohne Antwort bleiben kann.

25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Mit diesen Worten Jesu ist ein gewisser Abschluss erreicht. (Es gibt Exegeten, die deshalb vorschlagen, Kapitel 14 an den Schluss der Abschiedsreden zu stellen, also nach Kapitel 16) Was noch zu sagen sein wird, das wird nicht mehr Jesus direkt sagen. Das sagt der Tröster, der Heilige Geist. Aber, das steckt auch in diesen knappen Worten: Der Tröster wird kein anderes Thema haben als Jesus. Nicht neue Offenbarungen stehen an – der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Auf dem Weg mit Jesus haben seine Jünger alles gehört, was sie brauchen.

Die Aufgabe des Heiligen Geistes ist “nur” noch Erinnern und Lehren. Das ist gut jüdisch gedacht: Der Glauben lebt von der Erinnerung und er wird lehrend weitergegeben. Der Geist wird ihnen durch den Mund menschlicher Zeugen Jesus, den irdischen Jesus, den Gekreuzigten, vor Augen malen. (Galater 3,1) Mehr braucht es nicht, sagt Johannes, um eine Ewigkeitsperspektive zu gewinnen. Anderes auch nicht.

 

Du Tröster aus dem Himmel, Beistand auf dem Weg durch die Zeit, Du Gabe Gottes an uns – leite uns auf unserem Weg. Zeige uns Jesus so, dass wir in ihm die Gabe Gottes erkennen, das Heil der Welt, das Bild des Vaters voller Gnade und Erbarmen.

Präge uns seine Worte ein, dass sie unser Herz erfüllen, unsere Füße leiten, unsere Hände lenken, unser Denken und Fühlen, Begreifen und Reden bestimmen.

Du Tröster und Beistand, Heiliger Geist, mache Du uns Christus gegenwärtig. Amen