Der Täufer – Zeuge von Anfang an

Johannes 1, 6 – 8

6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.

Der große Hymnus wird unterbrochen durch einen Hinweis, der wohl der Zeit und Umwelt des Evangeliums geschuldet ist. „Eine Anmerkung“ deren Motiv ein aktuelles und persönliches ist.“ (R. Bultmann, Das Evangelium des Johannes, Kritisch-Exegetischer Kommentar über das Neue Testament, Göttingen 1957, S. 29) Es geht um eine erste Klärung, wer Johannes der Täufer ist. Im Hintergrund steht wohl, dass es auch lange nach dem Tod des Täufers noch Kreise gibt, die in ihm mehr sehen als den Vorläufer. Später im Evangelium wird es deutlich werden: Johannes der Täufer weiß, dass er nicht mehr ist.  

Hier nun:  Johannes ist von Gott gesandt. Mehr wird über ihn nicht zu sagen sein: Gesandter Gottes. Mehr geht ja auch kaum. Darum kann sich der Evangelist auch alle Einzelheiten über das Wirken des Täufers sparen. Nichts von seiner Predigt, nichts von seinem Äußeren, nichts von seinem Ende Das alles erzählen die anderen drei Evangelien. Vielleicht setzt der Evangelist Johannes dies alles auch bei seiner Leserschaft als bekannt voraus.  Darum konzentriert er sich auf das für ihn Wesentliche: Der Täufer ist der Zeuge am Anfang der Zeugenkette, in die die Sänger des Hymnus und die Leser und Leserinnen des Evangeliums eintreten sollen. Der erste Zeuge. „Er kam, um für das Licht Zeugnis zu geben – für das Licht d. h. für Jesus als den Offenbarer.“(R. Bultmann, aaO. S. 30)Darin ist er einzigartig. Aber das Licht ist er nicht – nur einer, der zeugen sollte von dem Licht, hinweisen auf ihn, der das Licht ist.

Wichtiger als die Äußerlichkeiten des Auftretens des Täufers ist dem Evangelisten der Zweck seiner Sendung: damit sie alle durch ihn glaubten. Zum ersten Mal fällt im Evangelium das große Leit-Wort glauben. Die den Täufer hören, sollen zum Glauben kommen an das Licht, „zum Glauben an Gott im Glauben an Jesus.“ (U. Wilkens, Das Evangelium nach Johannes, NTD 4, Göttingen, Göttingen 1998, S. 30)

             Man spürt es deutlich: mit der Verkündigung des Täufers, wie sie die anderen Evangelisten erzählen – Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ Matthäus 3, 2) – hat das nicht allzu viel zu  tun. Bei dem Evangelisten Johannes zielt sein, des Täufers Zeugnis nicht auf eine Umkehr „irgendwie“, sondern auf den Glauben an Jesus. So wird der Täufer folgerichtig im Johannes-Evangelium zum Christus-Zeugen, ganz so, wie ihn Matthias Grünewald auf dem Isenheimer Altar in Kolmar gemalt hat.

Es ist schon bemerkenswert: wie in den anderen Evangelien, so ist auch im Johannes-Evangelium der Täufer eine Person des Anfangs, bevor Jesus selbst ausdrücklich auftritt. Das Johannes-Evangelium, das ziemlich unabhängig von den anderen Evangelien ist, was seine Erzählweise angeht, bleibt doch im Blick auf die Reihenfolge des Auftretens Täufer – Jesus nahe bei dem, wie auch Matthäus, Markus und Lukas es wissen.

Im Anschluss an diese knappe Passagestellen sich Fragen, nicht nur mir: Was bleibt übrig von einem Leben? Was wird bleiben, wenn alles weggeräumt, was Besitz war, äußerlich, aber auch innerlich, geistig? Was wird bleiben, wenn alles „weggeräumt“ ist, was in die unmittelbare Lebensnähe führt, zu den Nächsten, zu denen, die von einem abhängig waren, der eigenen Fürsorge anvertraut? Vom Täufer ist geblieben: er sollte zeugen von dem Licht. Das ist seine Langzeitwirkung bis zu uns heute.

 

Dir sei Dank, Gott, dass Du uns Johannes gesandt hast. Den Zeugen, der nichts sein will als Zeuge. Zeuge für den Sohn, ausgestreckt zu Dir. Hinweis für uns.

Nie müssen wir weiter kommen als Johannes. Wir dürfen Deine Zeugen sein. Zeugen für Jesus. Hinweis auf Deine Gnade und Wahrheit. Mehr will ich nicht sein. Amen