Geh unter der Gnade

 2. Thessalonicher 3, 1 – 18

 1 Weiter, ihr Brüder und Schwestern, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch 2 und dass wir gerettet werden vor falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.

                Weil das so ist, sind die Apostel auf die Fürbitte angewiesen. Sie können viel laufen, rastlos unterwegs sein. Sie können predigen ohne Unterlass. Aber dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde, das können sie durch all das nicht bewirken. Das muss Gott schenken. Es ist der Einspruch gegen ein jederzeit verfügbares Evangelium, gegen ein jederzeit verfügbares Heil, der hier in der Bitte um die Fürbitte laut wird.

Nein, wir haben das Evangelium nicht so, dass wir es Sonntag für Sonntag um 10.00 freigiebig austeilen könnten. Wir haben das Wort, das Glauben weckt nicht so, dass wir es von der Kanzel herunter verteilen könnten, dass es abrufbar wäre wie der Kontoauszug und verfügbar wie unsere Geldreserven. Es ist unverfügbar.

Und es gilt auch für die Verkündigung des Wortes – in Wort und Tat(!):

 „Mit Sorge und mit Grämen und mit selbsteigner Pein                  lässt Gott sich gar nichts nehmen- es muss erbeten sein.“                                                                   P. Gerhardt 1653    EG 361     

             Das andere ist die Erinnerung, die Volkskirchen allzu gerne ignorieren: Der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Wir sind durch fünfzehn Jahrhunderte christliches Abendland verwöhnt. Vielleicht aber haben wir auch nur nicht so genau hingeschaut. Da schien es ja anders. Man war Christ wie man fünf Finger an jeder Hand und fünf Zehen an jedem Fuß hatte. Und so wie es eine paar „Missgeburten“ mit nur vier Fingern und vier Zehen gab, so gab es wohl auch ein paar „Missgeburten“, die nicht glauben wollten – oder vielleicht doch auch nicht glauben konnten?

Jedenfalls: Diese Zeiten sind vorbei. Heute zeigt sich der Unglaube selbstbewusst und lässt sich nicht mehr kirchlich vereinnahmen. Deshalb ist es auch gut, alle solche Versuche einzustellen. Es gibt Menschen, die wollen nicht glauben, an nichts als an sich selbst und ihre naturwissenschaftlichen oder sonstigen Einsichten. Es gibt auch Menschen, die scheitern am Glauben.

Wir erschrecken heutzutage, wenn wir von  falschen und bösen Menschen hören. nicht, weil wir leugnen würden, dass es sie gibt. Nachrichten und Krimis bezeugen das tagtäglich. Aber dass dies zusammengefügt und scheinbar begründet wird mit dem Nachsatz: denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Das macht zu schaffen. Wir wissen doch: Christen sind nicht durch den Glauben wie von selbst die besseren Menschen. Es gibt auch unter Christen Ganoven, Schwindler, Bösewichte, Menschenschinder und Menschenschänder. Wer wollte das ernsthaft bestreiten.

             Was aber ist dann gemeint? Wie sollen wir verstehen? Diese Gleichsetzung ist den Kirchen heute versperrt. Mit guten Grund, weil sie bei uns im Land immer noch Mehrheit sind und mit so einem Satz Macht ausüben würden. Behaupten, dass die draußen, außerhalb der Kirchen falsch und böse sind. Dieser Satz hat sein Recht nur im Mund einer ohnmächtigen „Minderheit, die sich bedroht fühlt, ihre Identität durch klare Abgrenzung nach außen sichern möchte.“ (H. Roose, aaO. S. 176) Selbst da ist das pauschale Urteil problematisch. Es kommt auf den Einzelfall an – es gibt böse und falsche Menschen. Aber sie  werden nicht durch die Glaubensgrenze definiert. Nicht problematisch, sondern nur von wohltuender Nüchternheit dagegen ist die Feststellung:   der Glaube ist nicht jedermanns Ding. .

Das alles zu bedenken wird wie von selbst zu einer Aufforderung an die Christen zur Dankbarkeit. Wir haben uns doch den Glauben nicht selbst gegeben. Wir haben ihn uns nicht selbst gelehrt. Und alles, was wir gelernt haben, war noch nicht Glauben, sondern nur seine Außenseite. Dass ich glauben kann, darf, im Glauben unterwegs bin, ist Geschenk. Nichts als Gnade. Ich bin mir mit meinem Glauben ein Rätsel, ein Geheimnis, etwas zum Staunen. Und jeden Tag lebe ich davon, dass Jesus  über mir wie über Simon Petrus sagt: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“(Lukas 22,32)

 3 Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.

Mit diesem Wort bin ich vor über 40 Jahren in einen unruhigen Reisedienst ausgesandt worden. Für einen etwas ängstlichen jungen Mann mit einer Menge Selbstzweifeln war es gut zu hören: Er ist treu. Es hängt nicht an Dir und deiner Klugheit, Gläubigkeit, Tapferkeit, Treue. Es hängt an ihm. Er bewahrt. Er stärkt. Das muss dir reichen Und er steht zu seinen Worten.

  4 Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten.5 Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf  Christus.

             Nach dem Vertrauen auf den Herrn kommt das Vertrauen auf die Christen zur Sprache. Das eine hält das andere. Das eine zeigt sich im anderen. Wer Gott vertraut, kann Menschen gegenüber nicht sein Misstrauen kultivieren. Allen Erfahrungen zum Trotz. Und wird zu einem Menschen, der sich in Geduld übt. ες τν πομονν το Χριστο. Mir ist die neue Übersetzung Warten auf Christus  ein wenig zu blass. Im Griechischen ist das mehr als nur Warten wie man auf die Post wartet oder auf das Gehalt. Es geht um ein Durchhalten, das sich auch von widrigen Umständen nicht erschöpfen lässt. Ein Durchhalten, das widerstandsfähig macht gegen die, die sagen: „Gib doch auf. Wird doch nichts mehr. Er kommt ja doch nicht. Du hast aufs falsche Pferd gesetzt.“ Der Briefschreiber ermahnt und ermutigt zur Standhaftigkeit. „Subjekt der Standhaftigkeit sind die Adressatinnen und Adressaten, ihr Objekt ist der Herr Christus.“ (H. Roose, aaO. S. 179) Wer den Brief ganz liest, weiß: an dieser Stelle scheibt er mit Herzblut.

Es ist nicht unsere Sprache: Ihr werdet tun, was wir gebieten. Für das Befehlen und Gebieten ist im Bereich unseres seelsorgerlichen Umgangs nicht allzu viel Raum. Und doch ist es wahr: Manchmal muss man jemand sagen: Das machst du jetzt. Das lässt Du jetzt. Ich bin froh, dass meine Ratschläge nicht immer nur unverbindlich so klingen: Ich sag mal, ich denk mal. Manchmal ist es dran zu sagen: Tue dies. Lass das.

Es bleibt ja dann immer noch, dass Gott in solchem Raten und Befehlen seine Liebe sichtbar werden lässt, dass er sie nützt, um Herzen zu stärken und zu gewinnen. Alle unsere Worte, all unser Tun kann nur das Eine zum Ziel haben: Uns selbst und anderen dazu zu helfen, dass wir Herzen und Sinne auf die Liebe Gottes ausrichten, uns ausstrecken nach ihm.

Weil ja wahr ist, was Augustinus gesagt hat: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“

6 Wir gebieten euch aber im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht von allen Brüder und Schwestern, die unordentlich leben und nicht nach der Überlieferung, die ihr von uns empfangen habt.

                  Es ist eine scharfe Trenn-Linie, die hier gezogen wird: Zieht euch zurück von denen, die unordentlich leben. Geht auf Abstand. Macht euch nicht mit ihnen gemein. Der Rückzug ist eine Form der Kritik. Er sagt: Wir leben anders. Ist das schon die Ausrufung des Ghettos? Die Sammlung einer „moralischen Elite“, die von der Selbstgefälligkeit bedroht ist?

Es ist wichtig zu sehen: Das ist hier keine Maßnahme einer Kirchenbehörde, die viel Macht hat. Es geht um eine Minderheiten-Gruppe und in ihr um das Durchhalten gemeinsamer ethischer Regeln, die sich aus der Überlieferung – παρδοσις  – ableiten. Diese Überlieferung ist vorrangig kein dogmatisches Lehrgebäude, sondern die Erzählung vom Weg Jesu, wie wir sie in den Evangelien finden. Das ist die Orientierungshilfe der Christen. Weil – und das ist das eigentlich Aufregende: In der Art, wie eine, einer lebt, zeigt sich, wie er, sie glaubt. Unser Handeln, unser Verhalten erzählt von unserem Glauben. Die Folgerung daraus: Unordentliches Leben sagt eben etwas über „unordentlichen Glauben“! Kann man das in unsere Zeit hinein übertragen?

Kirchenzucht hat bei uns keine gute Presse. Unsere Gesellschaft hast sich darauf verständigt, dass keiner dem anderen moralische Vorschriften zu machen hat. Das halten wir für einen großen Fortschritt, der mit der Entmachtung der Kirchen in der Aufklärung verbunden ist. Seitdem ist die Ethik frei.

Ich halte es auch für einen Fortschritt, dass die Kirche nicht mehr über Machtinstrumente verfügt, durch die sie Leben reglementieren kann. Pfarrer als „schwarze Polizisten“ sind mir eine Horror-Vorstellung. Aber: das kann nicht bedeuten, dass ethisch alles gleich gilt, alles gleichgültig ist. Unordnung muss auch heute noch Unordnung genannt werden können. Veruntreuung ist Veruntreuung. Ehebruch bleibt Ehebruch, selbst wenn er massenhaft praktiziert wird. Lüge bleibt Lüge.

             Mir fallen eine Menge Trennlinien ein, die heute gezogen werden und die in keiner Weise als moralische Selbstgerechtigkeit interpretiert werden: Raucher vor die Tür. Wer nicht Gesundheitsvorsorge betreibt, bezahlt höhere Beiträge. Kein Geld für Eltern, die ihre Kinder nicht in die KiTa schicken wollen. Wer seine Kinder nicht in den Schwimm-Unterricht lässt, sie nicht in eine öffentliche Schule schicken will, wird verklagt. Ganz so tolerant sind wir als Gesellschaft auch wieder nicht, wie wir gerne tun. Vorsicht also, bevor wir hier gar zu schnell Ghetto-Mentalität oder Selbstgerechtigkeit wittern.

Die Frage ist: Was ist Rückzug in einer Kirche, die eine Mehrheitsposition inne hat? Da wird aus Verhaltensregeln leicht ein Macht-Instrument. Mit denen haben wir nichts zu tun – dieses Urteil schließt dann von Beteiligung aus. Darf man das? Oder muss man das sogar, damit wir nicht in einem moralischen Allerlei landen? Einzelfall-Prüfung – ein wunderbarer Ausweg. In das seelsorgerliche Ermessen stellen.

Immerhin aber ist festzuhalten: mit diesen Sätzen vom Zurückziehen und mit der  Aufforderung, das in Praxis umzusetzen, riskiert Paulus die Spaltung der Gemeinde. Riskiert er auf das Entstehen von Gemeindegruppen, die sich mehr und mehr voneinander entfremden.  „Die glauben nicht richtig. Die leben nicht richtig.“ Der gleiche Paulus, wenn es denn Paulus ist und nicht ein späterer Schüler, der hier so schreibt, wird in den Briefe n nach Korinth die Gruppen- und Grüppchenbildung dort scharf angreifen. Wird die Überlegenheitsgefühle der einen und die Unterlegenheitsgefühle der anderen nicht auf sich beruhen lassen. Er wird darauf hinweisen, dass das Eins-sein in Christus die Basis ist, auf der alle stehen und leben. die Spannung zwischen diesen Briefen ist mit Händen zu greifen. Und sie ist nicht einfach aufzulösen. Man muss sie stehen lassen, weil alle Briefe Gelegenheitsschreiben sind  und nicht dogmatische Norm-Entwürfe

 7 Denn ihr wisst, wie ihr uns nachfolgen sollt. Denn wir haben nicht unordentlich bei euch gelebt, 8 haben auch nicht umsonst Brot von jemandem genommen, sondern mit Mühe und Plage haben wir Tag und Nacht gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. 9 Nicht, dass wir dazu nicht das Recht hätten, sondern wir wollten uns selbst euch zum Vorbild geben, damit ihr uns nachfolgt. 10 Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. 11 Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich leben und nichts arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. 12 Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, dass sie still ihrer Arbeit nachgehen und ihr eigenes Brot essen.

             Wenn ich weiter lese, wird die Frontstellung ein wenig klarer. Unordentlich leben bezieht sich nicht auf sexuelle Wildereien, auch nicht auf ausschweifende Gelage. Es geht vor allem darum, dass manche nicht mehr arbeiten. „Hier ist nur von Faulheit die Rede, dass einige ihre Arbeit nicht ausführen, um sich vom eigenen Erwerb ernähren zu können.“ (W. Trilling, Der Zweite Brief an die Thessalonicher EKK XIV; Neukirchen 1980, S. 143)

Ihr Hintergrund lässt sich nur vermuten. Er wird nicht deutlich erkennbar. Vielleicht sind sie glaubensmäßig ein wenig exaltiert, so dass sie sagen: Der Herr kommt doch demnächst wieder, da lohnt es nicht mehr. „Einige sehen in Erwartung des unmittelbaren Endes keinen Sinn mehr darin zu arbeiten.“ (H. Roose, Der erste und zweite Thessalonicherbrief, Neukirchen 2016, S. 184)   Es sind also besonders „fromme“ Leute mit einer brennenden Naherwartung. Vielleicht sind sie gar nicht einmal wirklich faul, sondern versuchen im Gegenteil, weil die Zeit knapp ist, „noch möglichst viele Menschen zu missionieren.“ (H. Roose, ebda.) 

Was stellt Paulus dem entgegen? Sachlich zuerst das eigene Beispiel. Wir haben nicht umsonst Brot von jemandem genommen, sondern mit Mühe und Plage haben wir Tag und Nacht gearbeitet. Paulus und seine Freunde sind sich bewusst gewesen: Man muss an unserer Art zu leben ablesen können, was wir glauben. Es folgt ein steiler Satz: Wir wollten uns selbst euch zum Vorbild geben, damit ihr uns nachfolgt. Das ist ziemlich selten im Neuen Testament.  Nachfolge ist immer auf den Herrn Jesus bezogen. Darum ist das hier eine Spitzen-Argumentation: Nachfolge kann auch heißen, den Christuszeugen nachahmen, an ihm sehen, wie das Leben in der Nachfolge geht.

Dabei ist es schon wichtig: Zum Vorbild wird man nicht durch Proklamation – ich will Vorbild sein. Vorbild wird man nur so, dass andere sehen und sagen: So will ich auch leben, reden, handeln.

Neben das eigene Beispiel tritt aber auch die scharfe Klärung: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen. Das ist hart. Und sicher nicht die Aufforderung, Leute verhungern zu lassen. Es ist auch kein Wort zu Hartz IV oder zu der unsäglichen Debatte über soziale Hängematten und Ähnliches.

In der Gemeinde damals ist es aber der überaus deutliche Hinweis: Lasst euch nicht ausnützen von Leuten, die eure Barmherzigkeit für ihre Faulheit missbrauchen. Lasst euch kein schlechtes Gewissen machen von denen, die angeblich schon bedürfnislos leben, weil sie dem Herrn entgegen warten. Und die sich dann doch von euch durchfüttern lassen. Weil es so schwer ist, sich gegen über-fromme Worte und über-frommes Verhalten zu wehren, wird Paulus so scharf. Er springt denen bei, die sonst leicht überfordert sein könnten.

Es liegt auf der Linie, wie der Brief sonst argumentiert: Dieses Aussteigerleben ist kein gutes Zeugnis für das Evangelium – bei denen, die draußen sind. Auch um dem Evangelium nicht seine Glaubwürdigkeit zu nehmen, ist angesagt, dass die Christen sich einigermaßen der bürgerlichen Tugenden befleißigen – Ordnung, Sauberkeit, Ehrlichkeit, Fleiß. Es ist auch ein Anschluss an die Ethik der Umwelt, der den Schreiber so schroff fordern lässt: Selbst arbeiten. Weil diese Leute durch ihren Ausstieg das unglaubwürdig machen, was ihnen womöglich besonders am Herzen liegt: Das Werben für den Glauben.

13 Ihr aber, liebe Brüder, lasst’s euch nicht verdrießen, Gutes zu tun. 14 Wenn aber jemand unserm Wort in diesem Brief nicht gehorsam ist, den merkt euch und habt nichts mit ihm zu schaffen, damit er schamrot werde. 15 Doch haltet ihn nicht für einen Feind, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder.

             Jetzt lenkt der Apostel zurück: Bleibt auf dem Weg, auf dem ihr Gutes tut. Kümmert euch zuerst und zuletzt um das eigene Leben. Das ist eure Verantwortung. Man kann sich auch dadurch gefährden, dass man sich ständig mit den – vermeintlichen – Fehlern anderer beschäftigt.  Es liegt ganz auf der Linie, die Paulus auch sonst lehrt: „So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.“(Römer 14,12-13)

             Paulus hat vorher scharfe Worte gefunden. Jetzt baut er Brücken. Geht mit denen, die sich verweigern, auch mit den Faulen, auch mit den „Super-Frommen“ so um, dass ihr sie wie Brüder behandelt. Hofft, dass sie zur Einsicht kommen – und dann werden sie sich wohl schämen für ihre Übertreibungen. Aber schließt sie nicht aus. Brecht die Brücken nicht ab!

Wie viel wäre auch bei uns gewonnen, wenn wir uns trauten, klare Worte zu sagen und gleichzeitig aneinander fest zu halten. Es ist beides ein Hinweis auf Defizite im Glauben: dass man die klaren Worte scheut und dass man sich immerzu trennen will. Der Status confessionis (=Bekenntnis-Notstand) muss nicht bei jeder Gelegenheit ausgerufen werden!

16 Er aber, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise. Der Herr sei mit euch allen! 17 Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Das ist das Zeichen in allen Briefen; so schreibe ich.

             Am Ende: Frieden. Gott gebe Frieden. Er ist ja der Friedensfürst. Und die große Gabe, auf die wir im Glauben zuleben, ist sein Frieden. Solche Friedens-Wünsche am Ende sagen nicht: Alles ist gut. Aber sie sagen: Gott kann machen und will machen, dass alles gut wird. Lasst uns auf diesem Weg bleiben. Lasst uns nach dem Frieden Ausschau halten, damit wir ihn tun.

Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden,
wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.
Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen –
die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn. “       D. Trautwein 1978  EG 170

             Schließlich: Die Unterschrift. Es ist mein Brief. Darauf könnt ihr euch verlassen. Die Exegeten sind sich, wie so häufig, nicht einig. Aber niemand ist gehindert, diesen Brief als einen Paulus-Brief zu lesen. Es gibt eine Fülle an Beziehungen zu seinen sonstigen Briefen und Gedanken.

18 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen!

Wie schön, dass die Gnade auch hier das letzte Wort hat. Es gibt Sätze, die müssen wiederholt werden, immer neu. So wie dieser Satz. So wie der Segen am Ende eines Gottesdienstes. Wie sollten wir leben können – ohne die Gnade, ungesegnet? Gott sei Dank, wir dürfen leben – unter der Gnade und unter dem Segen.

„Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen,
geh in seinem Frieden, was auch immer du tust.
Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte,
bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.“                                                              M.
Siebald, 1987, Gemeinschafsliederbuch 730

 

Manchmal, mein Gott, frage ich mich: Was bleibt von meinen Gedanken, Worten, Überlegungen? Was bleibt von dem, worauf ich so viel Aufmerksamkeit verwendet habe? Ich weiß es nicht.

Und dann ist es gut, sich loslassen zu können, in Deinen Frieden hinein, in Deinen Segen hinein.

Das wird bleiben in meinem Leben, von meinem Leben: Dein Frieden und Dein Segen. Amen

 

 

 

Ein Gedanke zu „Geh unter der Gnade“

  1. Danke Danke für die hilfreiche umfängliche Kommentierung , Verdeutlichung und Ergänzungen!! Gesegnete Adventszeit!!

Kommentare sind geschlossen.