Bis es Ruhe findet in Dir

  1. Thessalonicher 2, 13 – 3, 5

13 Wir aber müssen Gott allezeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder und Schwestern, dass Gott euch als Erstlinge erwählt hat zur Seligkeit in der Heiligung durch den Geist und im Glauben an die Wahrheit, 14 wozu er euch auch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt.

             Gott sei Dank, möchte ich fast sagen. Jetzt geht es wieder um die Gemeinde. Der Blick löst sich von dem Bösen und der Brief sieht auf die Christinnen und Christen. Damit wird der Schreiber auch befreit von  seinen Ängsten, befreit zum Dankenεχαριστεν  – die Eucharistie, Danksagung hat hier ihren Platz. Er sieht auf die Menschen in der Gemeinde als auf die, die zur Seligkeit erwählt sind, wörtlich: zur Rettung erwählt. „Die Rettung nimmt den endgeschichtlichen Ausgang in Blick, die Erwählung seinen Anfang.“(H. Roose, Der erste und zweite Thessalonicherbrief, Neukirchen 2016, S. 169) Das ganze Leben der Christen – aufgehoben im Heils-Willen Gottes. In der  Heiligung durch den Geist und im Glauben an die Wahrheit suchen die Christen dieser Erwählung auch zu entsprechen. Die Lebensführung der Christen hat, so gesehen, ein Fundament, das sie nicht selbst gelegt haben.

Es gibt zwei Übersetzungsmöglichkeiten für das Wort παρχν  Als Erste, als Erstlinge – so deutet Luther. Oder von Anfang an. Beides wirft Fragen auf: sind sie die Erstlinge in Mazedonien, sozusagen der Anfang einer lokalen Erweckung? Der Leser der Apostelgeschichte weiß es anders. Die ersten Christen in Mazedonien sind in Philippi gewonnen worden. Dann gibt es die andere Möglichkeit: Am Anfang führt ganz weit zurück – bis zum Anfang der Welt. „Dann wäre gemeint, dass Gottes erwählendes Handeln mit seinem Schöpfungshandeln in Zusammenhang steht.“(H. Roose, ebda.) Das fügt sich gut zusammen mit dem beharrlichen Hinweisen auf die Treue Gottes. Er ist sich in seinem Erwählen, Berufen, Erretten treu. Von Anfang an. 

Sie sind in dieses Leben berufen durch unser Evangelium. „Die mündliche Botschaft der Missionare erscheint als göttliches Instrument der Berufung .“(H. Roose, aaO. S. 170)  Das verleiht dem gesprochenen Wort eine unfassbare Würde und zugleich ein ungeheures Gewicht.  Auch das unser Evangelium zeigt etwas vom Selbstbewusstsein des Schreibers, ähnlich wie im Brief des Paulus nach Korinth. Wo das Evangelium ausgerufen wird, ist die Wahrheit aus dem Platz; entsteht der Raum der Freiheit zum Glauben. „Ist aber unser Evangelium verdeckt, so ist’s denen verdeckt, die verloren werden.“ (2. Korinther 4,3). Neben unserem Evangelium ist kein Platz für „ein anderes Evangelium.“(2. Korinther 11,4) Das ist die Sicht auf die Verkündigung: Sie stellt auf ein Lebensfundament, das in der Zeit trägt und in Ewigkeit hält. Sie ist mehr als ein Zeit-Kommentar.

 15 So steht nun fest und haltet euch an die Überlieferungen, in denen ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.

             Darum kann der Apostel auch auffordern: Steht nun fest. Haltet euch an die Überlieferungen, greift nicht ins Leere. Es gibt einen guten Traditionsstrom, der von der Auferstehung her fließt. „Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe.“(1. Korinther 15,3) Es geht um Glaubensgewissheit und Heilsgewissheit. Beides entsteht durch den Anschluss an die Überlieferungen. Um ihretwillen  wird der Brief geschrieben und sie soll entstehen – ob durch das gesprochene Wort oder den geschriebenen Brief. An einem Meinungsaustausch über religiöse Überlegungen liegt dem Apostel nichts. An einem theologischen Lehr-System auch nicht so schrecklich viel. An der Festigung des Glaubens liegt ihm alles.

 16 Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, 17 der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.

             Ist das jetzt versöhnlich? Mein Eindruck ist anders. Es ist das Signal, dass der Apostel weiß, dass es seine Worte nicht sind. Er mag zu Herzen reden. Er mag trösten. Aber das alles greift zu kurz, wenn nicht unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater selbst das Wort nimmt. Wenn er nicht aus den Worten des Apostels sein Wort macht, aus dem Trösten des Apostels seinen Trost, aus dem Stärken Wollen des Apostels seine Stärke, dann ist alles zu kurz geraten. Dann sind es immer noch gute Worte. Aber sie reichen nicht sehr weit.          

  Es ist der sehr grundsätzliche Vorbehalt über aller Glaubensverkündigung, der hier anklingt. Wenn der Herr nicht das Wort nimmt und es wandelt in sein Wort, dann bleibt es Wort ohne Ewigkeits-Tiefe.

“Wenn der HERR nicht das Haus baut,                                                    so arbeiten umsonst, die daran bauen.                                                 Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,                                              so wacht der Wächter umsonst.                    Psalm 127, 1

    

            Wenn der Herr nicht das Wort nimmt predigen die Verkündiger vergeblich, bleibt es Wort ohne Kraft aus Gottes Heil. Damit aber rechnet unser Briefschreiber: Wenn er sagt, was Gott schon getan hat – der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade -, dann wird daraus Trost werden und Herzensstärke.

Heiliger Gott, wir sind aufeinander angewiesen – die das Wort sagen und die mit dem Wort leben. Wir brauchen die Fürbitte, in der wir treu für einander einstehen, in der wir Dich in das Leben rufen, in unsere kleinen Sorgen, in die vielen Entscheidungen, Gespräche, Ratlosigkeiten. Wir brauchen die anderen, die uns den Rücken stärken, auch wenn wir alleine sind.

Mache Du uns treu. Amen