Zugänglich – anschaulich: Gott in Jesus

Johannes 1, 14 – 18

14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Jahr für Jahr steht dieses Wort über Weihnachten. Ich taste an ihm herum, seit vielen Jahren. „Er ist Mensch geworden. Er ist Fleisch geworden; ich sage  ein Drittes: Er ist Sünde geworden.“ (H. Bezzel, 1903, zit. nach M. Seitz, Hermann Bezzel, München 960, S. 140) So unfassbar weit geht Bezzel. „Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“(2. Korinther 5,21)  Trägt Bezzel mit seinem Wort hier Paulus in das Evangelium des Johannes hinein? Oder sind sich Paulus und Johannes an dieser Stelle ganz nah? Höre ich das, in dieser Tiefe? „Einer wie wir“, sage ich gerne. Das stimmt. Er wird Fleisch, wird einer wie wir. Und bleibt doch ganz anders.

Es fängt ja schon da an: Das Wort wohnte unter uns. So übersetzt Luther. „Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns.“(Neue Genfer Übersetzung) Da steht im Griechischen εσκήνωσεν. Wörtlich übersetzt: Er schlug sein Zelt auf, zeltete bei uns. Das zeigt Leichtigkeit an, signalisiert Zugänglichkeit. Das gleiche Wort kommt in der Offenbarung vor: „Siehe da, die Hütte Gottes (σκήνη) bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen (σκηνώσει), und sie werden seine Völkewr sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“ (Offenbarung 21,3) Gott, der bei seinen Leuten zeltet in seinem Zelt. So nahe, so zugänglich. „Zugänglich – anschaulich: Gott in Jesus“ weiterlesen

Von Gott geboren

Johannes 1, 9 – 13

9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 10 Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Nach den Worten über den Täufer kehrt Johannes zu seinem Thema zurück. Er nimmt die Spur des Lobgesangs der Gemeinde wieder auf. Er redet jetzt wieder, so lese ich, von Christus. Das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet.Als das einzig wahre Licht hat er eine universale Bedeutung. Sein erleuchtendes, Offenbarung und Erkenntnis vermittelndes Wirken war nicht auf Israel beschränkt, sondern galt jedem Menschen, der in die Welt kommt.“(J. Schneider, Das Evangelium nach Johannes, Theol. Handkommentar zum NT; Berlin 1985, S. 58) Wenn es hier heißt, dass das Licht alle Menschen erleuchtet, so ist das ein Wort über das Licht, über Christus, „ohne Rücksicht darauf, ob und inwieweit sich die Menschen seiner Offenbarung erschließen.“ (R. Bultmann, aaO. S. 33) Es ist kein Wort über den „Erfolg“ des Lichtes, sondern eines über sein Wesen: Es erleuchtet. Es bringt ans Licht.

Ein Lobgesang sind diese Worte und doch auch ein Schmerz. Die Welt erkannte ihn nicht. Die Seinen nahmen ihn nicht auf. Obwohl er doch in seine Welt kam, in sein Eigentum. Obwohl doch alles durch ihn ist. Obwohl er doch ans Licht bringt. Das ist keine unbeteiligte Feststellung. Es geht ja nicht nur um einen intellektuellen Defekt, der hier sachlich diagnostiziert wird. „Das Erkennen ist nicht ein theoretisches Apperzipieren, sondern Anerkennen.“ (R. Bultmann, aaO. S. 34) Das Licht findet nicht die Anerkennung, um derentwillen es gesandt ist. Es kommt bei denen, für die es bestimmt ist, den Seinen, nicht an. So meldet sich hier schon der Schmerz zu Wort, der das Evangelium auch durchziehen wird. Man kann schon jetzt ahnen: Dieser Weg in seine Welt, die für ihn blind ist, die ihn, das Licht der Welt, nicht erkennt, ist ein Weg in die Niedrigkeit.

„Er entäußert sich all seiner G’walt,                                       wird niedrig und gering
und nimmt an eines Knechts Gestalt,                                       der Schöpfer aller Ding.

Er wechselt mit uns wunderlich:                                                Fleisch und Blut nimmt er an
und gibt uns in seins Vaters Reich                                               die klare Gottheit dran.“                   N. Hermann 1560, EG 27
„Von Gott geboren“ weiterlesen

Der Täufer – Zeuge von Anfang an

Johannes 1, 6 – 8

6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.

Der große Hymnus wird unterbrochen durch einen Hinweis, der wohl der Zeit und Umwelt des Evangeliums geschuldet ist. „Eine Anmerkung“ deren Motiv ein aktuelles und persönliches ist.“ (R. Bultmann, Das Evangelium des Johannes, Kritisch-Exegetischer Kommentar über das Neue Testament, Göttingen 1957, S. 29) Es geht um eine erste Klärung, wer Johannes der Täufer ist. Im Hintergrund steht wohl, dass es auch lange nach dem Tod des Täufers noch Kreise gibt, die in ihm mehr sehen als den Vorläufer. Später im Evangelium wird es deutlich werden: Johannes der Täufer weiß, dass er nicht mehr ist.   „Der Täufer – Zeuge von Anfang an“ weiterlesen

Im Anfang

Johannes 1, 1 – 5

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott.

             Es gibt Worte, vor denen stehe ich und schaue sie an. Ich lese sie, zweimal, dreimal, vielfach – und spüre: Zu groß. Das wirst du nie fassen Das übersteigt deine Vernunft so hoch wie der Himmel über der Erde ist. Es ist, als stünde ich in einer alten gotischen Kirche mit ihren hohen Säulen und den weit gespannten Deckenbögen. Ich bin in diesem Raum, still, geborgen. Gut aufgehoben.  Es ist eine Geborgenheit, die mir gut tut, die ich aber in keiner Weise erklären kann, mir selbst nicht und anderen nicht.

Es gibt Worte, die sind gar nicht zum Begreifen da. Sie laden zum Staunen ein, zum Mitsingen, zur Anbetung. Aber sie wollen, um Himmels willen, nicht in ein theologisches System eingefasst und eingepasst werden.

Es ist ein Anfang, wie er im Buch steht. Es ist ein Anfang, der singt. „Der Joh.evangelist beginnt sein Evangelium mit einem Lied, das seinen Lesern aus dem Gottesdienst vertraut ist.“ (U. Wilkens, Das Evangelium nach Johannes, NTD 4, Göttingen, Göttingen 1998, S. 26) Ein Loblied, ein Anbetungs-Lied. Das ist wohl die einzig angemessene Sprache, wenn man es mit dem Geheimnis Gottes zu tun bekommt, mit dem Leben, dem Licht, dem Gott, der sich selbst schenkt. Man kann nicht anders als staunen und singen.  „Im Anfang“ weiterlesen

Am Ende: Versöhnung

Maleachi 3, 13 – 24 

13 Ihr redet hart gegen mich, spricht der HERR. Ihr aber sprecht: »Was reden wir gegen dich?« 14 Ihr sagt: »Es ist umsonst, dass man Gott dient; und was nützt es, dass wir sein Gebot halten und in Buße einhergehen vor dem HERRN Zebaoth? 15 Darum preisen wir die Verächter; denn die Gottlosen gedeihen, und die Gott versuchen, bleiben bewahrt.«

             Normalerweise geht es anders herum. Wir klagen, dass Gott sich hart gegen uns stellt.  Heutzutage sitzt Gott oft auf der Bank des Beklagten. Wenn er überhaupt noch wichtig genommen wird, dann als Angeklagter. „Und sie fluchten Gott, der ihnen doch das Glück schuldig war. ER war doch der liebe Gott!“ (J. Zink, Die letzten sieben Tage der Schöpfung, 1970). Wie anders hier. Durch das Buch Maleachi zieht sich eine Kette von Anklageworten Gottes. Er klagt an, das Volk sitzt auf der Anklagebank und gerät in Verteidigungsposition.

Die Anklage Gottes lautet: Ihr sagt, es lohnt sich nicht, Gott zu dienen, sein Gebot zu halten.  Und in Sack und Asche gehen bringt es auch nicht.

 Ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,                                      als ich sah, dass es den Gottlosen so gut ging.                                     Denn für sie gibt es keine Qualen,                                                           gesund und feist ist ihr Leib.                                                                Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute                                     und werden nicht wie andere Menschen geplagt.                             Darum prangen sie in Hoffart und hüllen sich in Frevel.                 Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst,                                                     sie tun, was ihnen einfällt.                                                                   Sie achten alles für nichts und reden böse,                                      sie reden und lästern hoch her.                                                                Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;                was sie sagen, das soll gelten auf Erden.                                    Darum fällt ihnen der Pöbel zu                                                         und läuft ihnen zu in Haufen wie Wasser.                                            Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen?                                                Wie sollte der Höchste etwas merken?                                               Siehe, das sind die Gottlosen;                                                              die sind glücklich in der Welt und werden reich.                                      Psalm 73, 3 – 12

             Es ist die Anfechtung der frommen Leute. „Wir blicken in tiefe Anfechtungen der Kerngemeinde hinein.“ (G. Maier, Der Prophet Maleachi, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1985, S. 186) Den Gottlosen gelingt ob ihrer Unverschämtheit das Leben, während es uns oft genug unter den Fingern zerbricht. Eine Anfechtung, die bis heute nicht verstummt: Warum haben wir es so schwer? Warum gibt es im eigenen Leben so viel Scheitern? Warum – und jeder kann die Frag-Kette beliebig verlängern und aus den eigenen Erfahrungen konkretisieren.  „Am Ende: Versöhnung“ weiterlesen

Wenn der Vorläufer kommt

Maleachi 2,17 – 3,12

17 Ihr macht den HERRN unwillig durch euer Reden! Ihr aber sprecht: »Womit machen wir ihn unwillig?« Dadurch dass ihr sprecht: »Wer Böses tut, der gefällt dem HERRN, und an solchen hat er Freude«, oder: »Wo ist der Gott, der da straft?«

             Wieder wird man Zeuge einer Disputation. Sie fängt mit dem Vorwurf an: Euer Reden ist für Gott eine Last. Unangemessen. Aber euer Reden verhallt nicht einfach im luftleeren Raum. Die Zurückweisung kommt prompt: Wir machen doch gar nichts – nur Worte. Was für eine armselige Vorstellung von Gott, wenn ihm unsere Worte zu schaffen machen könnten! Wir reden doch nur. Das macht Gott doch nichts. G.o.t.t. – das kann man auch so lesen: Guter Opa, total taub. Das ist mehr als der freche Spruch unreifer Jugendlicher. Es ist eine Lebenshaltung, die es zu allen Zeiten gegeben hat, damals in Israel und die es auch heute noch gibt. Gott ist doch nicht (mehr) wichtig. Er hat ja keine Durchsetzungsmacht. Er ist doch ein lieber Gott, der nie straft. „Vergeben ist sein Geschäft.“(Voltaire) Er kann ja gar nicht anders. Wer wird sich da schon nach Gott richten?

Es sind perverse Verdrehungen. Es sind Verfälschungen, die aus dem Wort Gott eine Leerformel, eine Worthülse machen. Es sind Spöttereien, wenn sie sagen: »Wo ist der Gott, der da straft?« Schon damals zur Zeit des Propheten gab es wohl die Stimmen, die sagten und fragten: Wo ist er denn? Warum macht er nichts? Warum straft er nicht? Es sind Worte, die den Weg zu Gott verstellen, weil sie ihn für lebensfern und unwichtig erklären.

 1 Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!, spricht der HERR Zebaoth.

             Das ist die Antwort Gottes: Ein Bote. Ein Wegbereiter. Einer, der es aufleuchten lässt, dass Gott nicht irgendwo hinter den Sternen die Welt versäumt, sondern dass er nah ist, gegenwärtig. „Ein himmlischer Repräsentant Jahwes, der sein Kommen vorbereitet.“ (H. Graf Reventlow, aaO. S. 152) Ein Engel, der die Sehnsucht, die sich auch noch in den schrägen Sprüchen und Spötteleien zeigt, ans Licht bringt. Gott bleibt nicht in dem Schmollwinkel, in den Menschen ihn verbannen wollten. Er kommt.

Jüdische Deutung dieser Worte sieht hier so; „Der Bote sei der Messias, der nach jüdischer Meinung noch kommen soll. (so der jüdische Ausleger Ibn Ezra im 12. Jh.)“ (G. Maier, Der Prophet Maleachi, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1985, S. 166) Christen lesen diese Worte anders, auf Johannes den Täufer hin, vom Wort Jesu her: „Er ist’s, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«(Lukas 7,23)

 2 Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge  der Wäscher. 3 Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen, er wird die Söhne Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber.

            Es ist die Frage, die wieder und wieder in den Schriften der Hebräischen Bibel gestellt wird. Wer wird es aushalten können, so in die Gegenwart Gottes zu geraten? Wer kann auf den Berg Gottes gehen? Wer kann vor ihm bestehen? Jesaja ruft angesichts der Gegenwart Gottes: „Ich vergehe…..(Jesaja 6) Es ist kein harmloser Gast und kein netter Empfang, wenn Gott kommt. Das Leben wird geprüft im Feuer eines Schmelzers und der Lauge  der Wäscher. Es wird sich zeigen müssen, was in solcher Prüfung Bestand hat.

Es ist eine wichtige Korrektur: „Man kann hier schnell die Brücke zur Gegenwart schlagen, wenn man den häufig geäußerten Wunsch überlegt: „Da müsste Gott  doch endlich eingreifen.“ Müsste er dann nicht bei mir zuerst eingreifen?“(G. Maier, aaO. S. 170) In diesen Worten ist kein Raum für die Selbstsicherheit: Wir sind die Guten.

Das ist gesamt-biblisches Denken bis in die Schriften des Neuen Testamentes hinein. Das Kommen Gottes bringt die Wahrheit über das Menschenleben, unser Leben zu Tage. Und es ist an vielen Stellen eine erschreckende Wahrheit. Aber es ist zugleich auch eine Wahrheit, die neue Perspektiven öffnet, wenn auch „wie durch’s Feuer.“ ( 1. Korinther 3,15)

 Dann werden sie dem HERRN Opfer bringen in Gerechtigkeit, 4 und es wird dem HERRN wohlgefallen das Opfer Judas und Jerusalems wie vormals und vor langen Jahren. 5 Und ich will zu euch kommen zum Gericht und will ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen und gegen die, die Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der HERR Zebaot.

             Es ist eine Rückkehr zu den Aufgaben, die die Priester wirklich haben. Die Reinigung des Gerichts führt dazu, dass die Opfer wieder in Gerechtigkeit gebracht werden. Heißt nicht nur: Von Leuten mit weißer Weste, sondern auch in der Ordnung, wie sie anfänglich gesetzt ist. Die Propheten Israels haben keine freischwebende Religion im Sinn. Sie sind auch nicht einfach nur kultkritische Leute. Sie sind oftmals Rufer zum Ursprünglichen, Anfänglichen, zum Gott des Anfangs. Und sie wollen den ungeteilten Gehorsam des Herzens gegen die Wegweisungen Gottes.

             Für Maleachi ist kein Zweifel möglich: Es gibt Verhalten, das mit dem Glauben an Gott nicht zu vereinbaren ist. Manches zählen fromme Leute rasch und ohne Zögern auf: Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen. Das eine sind okkulte Geschichten, das andere ist Unmoral und Lügengespinst. Da ist die Abgrenzung schnell klar: Keine Horoskope, keine Wahrsager, keine Hellseher. Und aller moralischen Grauzone zum Trotz: Mit Ehebruch und Meineid haben es fromme Leute auch nicht so. Da gibt es „gesunde“ moralische Klarheit.         

             Schwieriger ist das Andere: Die, die Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken. Wie umstritten ist auch bei frommen Leuten: Mindestlohn. Fürsorgepflicht für Witwen und Waisen. Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen, Schutzsuchenden – dafür steht das hebräische Wort ger. Wer wird schon freiwillig zum „Fremdling“? Erst recht in einem Land, in dem nach wie vor Parolen laut werden wie „Ausländer raus!“ –  „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“. Natürlich sind alle gegen Altersarmut. Nur kosten soll sie nichts.

Diese Gewalt tritt ja nicht mit Prügeltrupps auf, nicht mit Schläger-Kommandos aus der Nachtclub-Szene. Obwohl sie das auch kann, wie die Geschichte von Naboths Weinberg (1. Könige 21) zu erzählen weiß. Aber meistens ist diese Gewalt dezenter, erst recht heutzutage. Sie hat den feinen Zwirn an, bedient sich  der wirtschaftlich Sachverständigen und appelliert an die Vernunft der Verantwortlichen. Und ist doch unverblümte Gewalt gegen die, die keine Machtmittel in ihren Händen haben.

Maleachi hält hier eine Anklagerede, die sich seitdem unaufhörlich wiederholt. Es bewegt, wie hier im Grunde die Klagen unserer Zeit über den Zerfall der Gesellschaft,. über verweigerte Solidarität vorgeformt sind. Der Unterscheid zu den Klagen unserer Zeit: Hier werden Anklagen im Namen Gottes ausgesprochen. Und sie werden so Beweismaterial für den jüngsten Tag. Es ist die tiefe Überzeugung des Maleachi: alle diese Ungerechtigkeiten werden nicht folgenlos bleiben. sie kommen noch einmal zur Sprache am Tag des Kommens des Herrn.

Für all das entsolidarisierte Verhalten wird kein Platz mehr sein im Kommen Gottes. Was dann bleibt, ist Opfer in Gerechtigkeit. Ein Opfer, ein Gottesdienst, der Gott die Ehre gibt, weil er Menschen nicht schindet und klein macht, weil er sie erkennen lässt, wie gut Gott ihnen ist. Im Neuen Testament hört sich das dann so an: Die Gott „anbeten, werden ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,24) So war es von allem Anfang her gedacht und gewollt.

 

6 Ich, der HERR, wandle mich nicht; aber ihr habt nicht aufgehört, Jakobs Söhne zu sein: 7 Ihr seid von eurer Väter Zeit an immerdar abgewichen von meinen Geboten und habt sie nicht gehalten.

             Gott ist treu. Gott ist sich treu. Gott ist nicht heute so und morgen ganz anders. Auf ihn ist Verlass. „Jahwe ist derselbe geblieben!“(H. Graf Reventlow, aaO. S. 155) – durch allen Wandel der Zweiten hindurch. Aber – das ist Gottes Anklage: ach ihr seid dieselben geblieben. Eurer Art treu. Ihr seid nicht, wie ihr es sein sollt und sein könnt. Ihr lebt unter dem Niveau, dass ich euch zugedacht habe. Es ist eine harte Kritik: Der Stammvater Jakob war ein Täuscher und Betrüger und ihr seid von seiner Art, Jakobs Söhne.

Es ist richtig: „Natürlich bleiben die Nachfahren Jakobs Jakobssöhne, wenn man von den Blutsbanden ausgeht.“ (G. Maier, aaO.  S. 176) Aber hier geht es um mehr als um Biologie. Es ist eine eigenwillige Lektüre der Jakobs-Erzählung, die hier sichtbar wird: Nicht sein zähes Festhalten an der Verheißung ist im Blick, sondern sein Tricksen und Täuschen, seine Wandelbarkeit bis hin zur Falschheit. Was bei ihm sichtbar wird an Winkelzügen, List, Wandlungen, das hat Israel als Treulosigkeit und Ungehorsam immer neu wiederholt.

Manchmal denke ich, dass das der Lernweg ist, der uns abverlangt wird: Aus einer Religiosität, aus einem Glauben heraus zuwachsen, der Gott nur um unseretwillen sucht. Weil es mir Vorteile bringt, weil es gut für mich ist, weil Gott es bringt. So sieht es ja bei Jakob am Anfang aus. Er profitiert von Gott. So unterstellt es der Satan auch Hiob: „Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen!“ (Hiob 1,9-11)

Hineinwachsen aber sollen wir in einen Glauben, der Gott um Gottes willen sucht, der nichts will als Gott selbst. „Wenn ich nur dich habe, frage ich nicht nach Himmel und Erde“ (Psalm 73,25) An Gott festhalten, selbst wenn er mich in die Hölle schickt. Ich schaue mich an und weiß: Das ist noch ein weiter Weg, bis mein Glaube so tief in Gott verankert ist. Ob ich je so weit kommen, ich weiß es nicht.

 So bekehrt euch nun zu mir, so will ich mich auch zu euch kehren, spricht der HERR Zebaoth.

             Aber diese Kritik ist nicht das letzte Wort. So seid ihr – sagt der Prophet – und ruft doch im Namen Gottes zur Umkehr. Der Ruf zur Umkehr gilt nicht makellosen Leuten. Er gilt denen, die sich abgekehrt haben, ihre eigenen Wege und Ziele verfolgt haben, denen Gott oft genug nur ein Mittel für ihre Zwecke war. Sie werden in eine neue Richtung, eine neue Ausrichtung ihres Lebens gerufen. Es gilt zu hören auf diesen Ruf, weil dahinter die Verheißung groß ist: so will ich mich auch zu euch kehren. Indem Gott so ruft, macht er den Weg frei und sichert seine Zuwendung zu, dem, der sich rufen lässt.

 Ihr aber sprecht: »Worin sollen wir uns bekehren?« 8 Ist’s recht, dass ein Mensch Gott betrügt, wie ihr mich betrügt? Ihr aber sprecht: »Womit betrügen wir dich?« Mit dem Zehnten und der Opfergabe! 9 Darum seid ihr auch verflucht; denn ihr betrügt mich allesamt.

         Immer noch trifft das Rufen Gottes auf begriffsstutzige Hörer. »Woran sehen wir, dass du uns lieb hast?- »Wodurch verachten wir denn deinen Namen?« »Womit opfern wir dir denn Unreines?« – »Womit machen wir ihn unwillig?« – »Womit betrügen wir dich?«. Fragen, die eine Unschuld beteuern, die es nicht gibt.“(G. Maier, aaO. S. 178) Es gehört zur Eigenart dieses Propheten Maleachi, dass er die Worte des Volkes aufnimmt, mit denen es die Anklagen Gottes abzuwehren versucht und sie dann entkräftet. Wenn  man so will: Maleachi ist ein Disputations-Prophet. das ist mehr als nur ein rhetorisches Stilmittel. Es ist das Wesen seiner Prophetie, dass sie in der Auseinandersetzung mit Volkes Stimme und Stimmungen Antworten sucht.

Wir doch nicht – das ist der Chor bis heute. Es gehört zum guten Ton, seine Hände in Unschuld zu waschen, sich als unbeteiligt zu verstehen, überhaupt nicht begreifen zu wollen, was denn der andere hat. Darum fragen sie auch: »Worin sollen wir uns bekehren?« Wer gelernt hat zu sagen: Ich bin o.k. – Du bist o.k. der versteht dieses Rufen Gottes zur Umkehr nicht. Umkehr – das ist doch nur etwas für die, die auf falschen Wegen sind – Räuber, Diebe, Mörder, Gewalttäter, Huren… Aber für uns doch nicht.

Die Kritik aber ist hart – und konkret: Die Lust, den Zehnten abzuliefern, ist überschaubar. Auch bei Nehemia finden sich deutliche Hinweise darauf, dass man sich um diese Zahlungen drücken wollte. „Und ich erfuhr, dass die Anteile der Leviten nicht eingegangen waren und deshalb die Leviten und Sänger, die den Dienst ausrichten sollten, fortgegangen waren, ein jeder auf sein Land. Da schalt ich die Ratsherren und sprach: Warum wird das Haus Gottes vernachlässigt?“(Nehemia 13,10-11) Es wird so sein, wie es bis heute ist: Gerade die gehören zu den Drückebergern, damals beim Zehnten wie heute bei der Steuer, die eher wohl begütert sind.

 10 Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle. 11 Und ich will um euretwillen den »Fresser« bedrohen, dass er euch die Frucht auf dem Acker nicht verderben soll und der Weinstock auf dem Felde euch nicht unfruchtbar sei, spricht der HERR Zebaoth

Ich übertrage einmal für mich: Eines der Geheimnisse gesegneten Lebens ist die Freigiebigkeit, Hingeben, Loslassen. Nicht für sich selbst behalten wollen. Wer Gott gibt, wird nicht arm. Der Zehnte – hebräisch: maʽaser – dient ja handfest dem Betrieb des Tempels, dem Unterhalt der Priester und Leviten. „Der Zehnte ist eine Abgabe an Höhergestellte und drückt Anerkennung, Verpflichtung und Dank aus.“(G. Maier, aaO. S. 180) Hier eine Abgabe an Priester und Leviten, an die Leute, die im Tempel Dienst tun. Weil sie sich nicht um ihren Lebensunterhalt kümmern müssen, haben sie Zeit zur Fürbitte, zur Seelsorge, zum Opfer. Frühe Vorbilder für die Freistellung von der Mühe um den Lebens-Unterhalt, die bis heute das Pfarrer-Dasein in Deutschland prägt. Reichlich versorgt, um sich um andere sorgen und kümmern zu können

Auch wenn wir das heute nicht mehr so unmittelbar materiell sehen mögen. Geben macht glücklich. Helfen macht glücklich. Anderen Gutes tun macht glücklich – sagen die Psychologen. Aussteigen aus der Ich-Zentrierung, die Hinwendung zum anderen lernen – das lässt innerlich frei werden und oft genug auch äußerlich. Selbstvergessen. Und Gott – davon ist der Prophet überzeugt und das sagt er als Verheißung Gottes – Gott segnet so eine Lebenshaltung, die sich verschenken lernt.

 12 Dann werden euch alle Völker glücklich preisen, denn ihr sollt ein herrliches Land sein, spricht der HERR Zebaoth.

             Mit der Forderung ist die Verheißung verknüpft – in der Form einer Seligpreisung.  Die Völker werden staunen über das Wohlergehen Israels. „Die Seligpreisung gehört zur Weisheits- und Psalmensprache: Glückseligkeit wird den Frommen zugesprochen, die Gottes Willen tun.“ (H. Graf Reventlow, aaO. S. 156) Wo Menschen so miteinander leben, wo das zur Wirklichkeit eines Volkes wird, Achtsamkeit füreinander, Aufmerksamkeit den Schwachen, Respekt den Geringen, Hilfe den Hilflosen, da wird das Land hell und weit, gewinnt es Strahlkraft. „Seht, wie lieb sie einander haben“ haben die kritischen Beobachter der jungen Christenheit gesagt  und es war ein großer Anreiz zum Glauben.

„Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen,
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,                                               dass Frieden werde unter uns.

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken,               und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,                                                dass Frieden werde unter uns,

Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden,                  und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,                                              dass Frieden werde unter uns.“                                                                          T.
Laubach 1989, Liederbuch Lebensweisen

Mission by attraction heißt das in der heutigen Sprache. Wo das Volk Gottes Gottvertrauen lebt und nicht nur redend beschwört, da wird es attraktiv.

 

Heiliger Gott, Du sorgst für uns. Du gibst, was wir zum Leben nötig haben. Du willst uns die Sorglosigkeit lehren aus der Erfahrung Deiner Fürsorge.

So willst du uns frei machen von der Sorge um uns selbst. Du willst unseren Blick hinlenken zu denen, die unsere Sorge brauchen. Hilf uns durch Deinen Geist zu solchem Zutrauen zu Dir. Amen

Gottes Liebe ernst nehmen!

Maleachi 1, 1 – 14

 Dies ist die Last, die der HERR ankündigt über Israel durch Maleachi.

             „Ausspruch“ – so könnte man statt Last auch übersetzen. Damit wäre formal „nur“ ausgesagt: Was folgt ist Zitat aus dem Mund Gottes. Die Luther-Übersetzung wählt die andere Möglichkeit: Last. Das macht von vornherein deutlich: Es geht nicht nur um Information, nicht um Ankündigungen von Neuigkeiten oder gar Nettigkeiten. Es gibt etwas zu tragen. Last – die Worte, die für Israel gesagt werden, muten ihm auch einiges zu. Sie sind auch dem Boten – Maleachi – Last.

Wer ist Maleachi? Kurz gesagt: wir wissen nichts über ihn. Nicht einmal das ist sicher, ob Maleachi ein Eigenname ist oder ob es sich so verhält: „Das hebräische malʼaki bedeutet – wenn es kein Eigenname ist – tatsächlich mein Bote.“ (G. Maier, Der Prophet Maleachi, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1985, S. 97) So wenig sicher der Name feststellbar ist, so wenig auch die Lebensumstände. Familie, Ort, Berufung – alles bleibt im Dunkel. Es ist wahrscheinlich, dass der Schreiber ein Schriftgelehrter ist, unsicher, ob er deshalb auch Priester sein muss. Meistens setzt man die Zeit seines Wirkens in den Jahren zwischen 480 und 450 vor Christus an – etwa zeitgleich oder leicht vor Esra und Nehemia. Aber nichts davon ist sicher. So ist das Urteil nicht weiter verwunderlich: „Überhaupt ist festzustellen, dass dieses Jahrhundert wegen des Mangels an Quellen eines der dunkelsten in der Geschichte Israels ist.“ (H. Graf Reventlow, Die Propheten Haggai, Sacharja, Maleachi, ATD 25,2; Göttingen 1993, s. 131)Wir wüssten gerne mehr und müssen uns mit dem wenigen bescheiden, was so ein Buch uns wissen lässt. „Gottes Liebe ernst nehmen!“ weiterlesen

Das Land ist hell und weit

Sacharja 14, 1 – 14

1 Siehe, es kommt für den HERRN die Zeit, dass man in deiner Mitte unter sich verteilen wird, was man dir geraubt hat. 2 Denn ich werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen Jerusalem. Und die Stadt wird erobert, die Häuser werden geplündert und die Frauen geschändet werden. Und die Hälfte der Stadt wird gefangen weggeführt werden, aber das übrige Volk wird nicht aus der Stadt ausgerottet werden.

             Es hört sich an wie eine Zukunftsansage. Dann ist die Frage: Auf welche Zukunft zielt die Wendung: Es kommt für den HERRN die Zeit. Aber es  gibt im Text keine Antwort auf die Frage: wann? Sieht der Prophet die politische Situation in der Gegenwart so bedrohlich? Sieht er neues Unheil, das dem alten Unheil des Untergangs 586 gleicht, auf Jerusalem zukommen?  Ich scheue ein bisschen vor der Deutung zurück: „Sacharja schaut weit in die Zukunft. Er sieht den Tag Gottes kommen, der die Tage der Menschen und Völker ablösen wird….Es ist, als zöge sich über Jerusalem eine dunkle Gewitterwolke zusammen, aus der jeden Augenblick der Blitz herniederfahren könnte.“ (F. Laubach, Der Prophet Sacharja, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1984, S. 159) Das ist eine Deutung auf den Gerichtstag Gottes am Ende der Zeiten.

Mir drängt sich ein anderer Gedanke auf, der nicht so stark von den apokalyptischen Bildern bestimmt ist. Es könnte doch auch sein, dass Sacharja hier wieder in den Blick rückt, als Warnung an seine Gegenwart, was die Botschaft der Propheten vor dem Exil war. Als Jerusalem sich Gottes so sicher war, als es eine zur Ideologie verkommene Zions-Theologie gab. Als Gott sich gegen das Volk, gegen das Königshaus, gegen den Tempel stellte und Gericht hielt. Erinnerung als Bußruf an die Gegenwart – so machen diese Worte für mich Sinn.

Über den unmittelbaren Text hinaus: Jerusalem ist erst im Jahr 70 nach Christus wieder so bedrängt worden. Aber ich tue mich schwer mit der Deutung, dass dies der Gerichtstag Gottes an Jerusalem sei. Trotz der Worte Jesu: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt! Siehe, »euer Haus soll euch wüst gelassen werden«“ (Matthäus 23,37-38) Es hat viel Unheil gebracht, dass solche Sätze mit einem christlichen Überlegenheitsgefühl gelesen worden sind. „Das Land ist hell und weit“ weiterlesen

Eine Zufluchts-Quelle

Sacharja 12, (1 – 8) 9 – 13,1

1 Dies ist die Last, die der HERR ankündigt. Über Israel spricht der HERR, der den Himmel ausbreitet und die Erde gründet und den Odem des Menschen in ihm macht:

             Der hier das Wort nimmt, ist nicht irgendwer. Es ist Gott selbst. Der Schöpfer des Himmels und der Erde. Der den Menschen den Lebensatem gibt. Schöpfungsglaube und die Erwartung, dass Gott in die Geschichte hinein spricht und handelt, sind in Israel spätestens seit dem zweiten Jesaja eng miteinander verknüpft. Der feierliche Anfang klingt nach hymnischer Sprache aus dem Gottesdienst. Er unterstreicht die Bedeutung der folgenden Worte. Wieder eine Last. Kein Wort so leichthin.

 2 Siehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker ringsumher, und auch Juda wird’s gelten, wenn Jerusalem belagert wird. 3 Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; alle Völker auf Erden werden sich gegen Jerusalem versammeln.

             Was über den Schöpfer gesagt wird, drängt immer hin auf die Wirklichkeit. In Israel wird die Schöpfung nie bedacht ohne diesen Blick. Es ist der Schöpfer, der Jerusalem zum Taumelbecher der Völker zurichtet. Alle, die sich gegen Jerusalem, gegen Juda stellen, werden sich daran verheben. Daran ändert sich auch nichts dadurch, dass sich alle Völker auf Erden verbünden in ihrem Streit gegen Israel. „Im Hintergrund der Aussagen steht die Zionstradition von der Unangreifbarkeit Jerusalems, die aktualisiert wird.“(H. Graf Reventlow, Die Propheten Haggai, Sacharja, Maleachi, ATD 25,2; Göttingen 1993. S.115) Überflüssig zu sagen, dass das kein Freibrief für israelitische Abenteuerlust im Land der Politik ist. Aber es ist eine Warnung an alle, die auf dieses Volk Gottes  eindringen, um es zu vernichten.

 4 Zu der Zeit, spricht der HERR, will ich alle Rosse scheu und ihre Reiter irre machen, aber über das Haus Juda will ich meine Augen offen halten und alle Rosse der Völker mit Blindheit plagen. 5 Und die Fürsten in Juda werden sagen in ihrem Herzen: Die Bürger Jerusalems sollen getrost sein in dem HERRN Zebaoth, ihrem Gott! 6 Zu der Zeit will ich die Fürsten Judas machen zum Feuerbecken mitten im Holz und zur Fackel im Stroh, dass sie verzehren zur Rechten und zur Linken alle Völker ringsumher. Aber Jerusalem soll auch fernerhin bleiben an seinem Ort.

             Es ist, als würden jetzt Zuschauer einen Kommentar abgeben. Die Fürsten in Juda sehen, was geschieht und staunen. Sie sind nicht aktiv. Aktiv ist allein Gott. Er bringt die feindliche Rosse dazu zu scheuen. Er macht die Reiter irre. Es ist sein Werk, dass Juda wie ein Feuerbecken für die Feinde ist und Jerusalem sicher an seinem Ort. „Eine Zufluchts-Quelle“ weiterlesen

Hirtenbilder

Sacharja 11, (1-3) 4 – 17

1 Tu deine Türen auf, Libanon, dass das Feuer deine Zedern verzehre! 2 Heult, ihr Zypressen; denn die Zedern sind gefallen und die Herrlichen vernichtet. Heult, ihr Eichen Baschans; denn der feste Wald ist umgehauen. 3 Man hört die Hirten heulen, denn ihre Herrlichkeit ist vernichtet; man hört die jungen Löwen brüllen, denn die Pracht des Jordans ist vernichtet.

             Gerichtsworte. Sie knüpfen an dem an, was wohl auch schon damals jeder und jede kannte: Waldbrände, Abholzungs-Aktionen, die nur Kahlschlag hinterlassen, Weideverluste. „Gottes Gericht kommt wie ein Waldbrand.“(F. Laubach, Der Prophet Sacharja, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1984, S. 122) Der Gedanke ist nahe liegend, drängt sich auf: Gerichte treffen nicht nur die Menschen, sondern auch die Natur. Und umgekehrt: Was der Natur widerfährt, ihr angetan wird, fällt als Gericht auf die Menschen zurück. Ich glaube nicht, dass das zu modern gedacht ist. Diese Verbindung von Natur-Ereignis und Menschenschicksal begegnet ziemlich häufig in der Schrift.

Hilflos stehen die Hirten da. Sie beklagen den Verlust ihrer Herrlichkeit. Das trifft das vernichtete Weideland so gut den Verlust an Tieren, die in den Flammen umkommen. Diese Hilflosigkeit sehen wir noch heute erschreckend oft in den Berichten über Waldbrände in Südeuropa, in den USA,  in anderen Weltgegenden. Wie erschreckend hilflos steht auch eine technisch hochgerüstete Feuerwehr oft diesen Flächenbränden gegenüber. „Hirtenbilder“ weiterlesen