Keine Schablonen

  1. Thessalonicher 4, 1 – 12

1 Weiter, Brüder und Schwestern, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus – da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut -, dass ihr darin immer vollkommener werdet.

             Keine Befehle. Behutsames Werben. Bitten und ermahnen – wobei ermahnen im Griechischen einmal mehr nach ermutigen klingen wird – παρακαλεν. Erinnern an das, was sie gelernt haben, was sie gesehen haben. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass das, was man an einem anderen als Lebenspraxis sieht, viel mehr überzeugt als Vorträge oder Anweisungen. „Lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen haben“(Matthäus 28.19) sagt der auferstandene Christus. Und „befohlen“ meint da: Gezeigt, vorgelebt, aufgetragen. Es ist ja seine Lebenspraxis, die er gelehrt hat.

In diese Spur sollen, so der Wunsch des Paulus, die Thessalonicher immer mehr hinein finden.  Eine Lebenspraxis, durch die sie Gott gefallen. Das klingt nach Pluspunkten, die man sammelt. „Das ist nur ein anderer Ausdruck dafür, dass die Lebensweise ein Ausdruck der Liebe zu Gott sein soll.“ (K. Haacker, Aus der Freiheit leben – Galater, Thessalonicher und Philemon, Bibelauslegung für die Praxis 23, Stuttgart 1982, S. 116) Es ist eine personale Begründung der Ethik – so wie schon in Israel, wo es zur Begründung für Gebote heißen kann: Darum sollt ihr meine Satzungen halten und meine Rechte. Denn der Mensch, der sie tut, wird durch sie leben; ich bin der HERR.“(3. Mose 18,5)

Bitten und ermahnen in dem Herrn Jesus. Das ist ein bisschen fremd für unsere Ohren. Aber damit wird die gemeinsame Basis benannt, die hinter diesem Bitten und Ermutigen steht. Mehr noch: „Wenn Paulus bittet und ermahnt, so bringt er nicht seine persönliche Meinung über gewisse ethische Fragen zum Ausdruck. Er ermahnt aus der Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus, so dass nicht Paulus, sondern Christus selbst durch den Apostel der Redende ist.“(G. Friedrich., Der Erste Brief an die Thessalonicher, NTD 8; 1976, S. 236) Christus ist die Autorität, die hinter den Worten des Paulus und seiner Brüder steht. Damit ist deutlich: Es geht nicht um ein belangloses „So sehe ich das“, sondern um verbindliche und beanspruchende Worte.

 2 Denn ihr wisst, welche Ermahnungen wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. 3 Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht 4 und ein jeder von euch verstehe, sein eigenes Gefäß in Heiligkeit und Ehre zu halten, 5 nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen.

             Eure Heiligung ist das Ziel alles dessen, was folgt. Statt Heiligung – γιασμςkönnte ich auch sagen: Dass ihr dem mit eurem Leben entsprecht, was Gott an euch getan hat. Dass ihr „Christusförmig“ werdet. Dass „Christus in euch Gestalt gewinnt.“(Galater 4,19) Dem dient die Verkündigung des Evangeliums. Dem dient auch, dass klare Lebensregeln, Gebote, Weisungen ins Bewusstsein gerufen werden. In manchen christlichen Kreisen ist Heiligung bis heute ein großes Thema, wenn auch zu oft moralisch verengt. In anderen Gruppierungen und der Volkskirche scheint es im Blick auf das individuelle Verhalten eher zu einem Fremdwort geworden zu sein. Da genügt es, sich dem Normensystem der Gesellschaft anzupassen. Das wäre den drei Briefschreibern wohl zu wenig.

Das griechische Wort παραγγελία ist schwächer als andere Worte, die sonst im Neuen Testament für Gebot verwendet werden. Trotzdem sind es „bindende Weisungen, die nicht durch Begründung, sondern durch Autorität Geltung haben.“ (T. Holtz, Der Erste Brief an die Thessalonicher EKK XIII; Neukirchen 1986, S. 154) Darum, ist Weisungen auch die angemessene Übersetzung. Hinter ihnen steht nicht nur der Apostel Paulus mit seinen Freunden. Sie sind durch den Herrn Jesus gegeben. Er will die Heiligung seiner Leute. Paulus ist nur sein Bote.

             Es ist nicht das Thema Nr. 1, aber es ist ein wichtiges Thema, wenn es um Ehe und Sexualität geht. Ehe ist eine Lebenswirklichkeit, in der es nicht nur den Willen und die Triebe der Menschen gibt, sondern es geht auch und vor allem um den Willen Gottes. Gott ist der Geber des Lebens – wie sollte er da nicht auch in dem, was diese so starke Lebenskraft der Sexualität betrifft, Wegweisung geben?

Unzucht meiden, die eigene Frau gewinnen, sich nicht den Trieben unterwerfen. Das sind klare Worte gegen eine frei umher schweifende, damals im Heidentum  weithin übliche unproblematisch empfundene Sexualpraxis. „Unzucht (porneia) ist im Griechischen das Vergehen der Ehefrau, während sich der Mann jederzeit eine porne (Prostituierte) nehmen kann oder ein Sklavenmädchen (bzw. einen Jungen) ohne dass diese einverstanden sein müssen. Nicht nur, dass Sexualität hier durch männliche Brutalität bestimmt wird. Weibliche Vergehen werden demgegenüber streng bestraft und als Unzucht gekennzeichnet.“(W. von Heyden, Neue Perspektiven neutestamentlicher Wissenschaft. In Dt. Pfarrerblatt 6/2017, S. 356) Paulus ist nicht weltfremd. Auch in der Ehe kann es zu Übergriffen kommen, möglicherweise auch unter Christen, die seltsam überkommenen Verhaltensmustern folgen. Paulus aber ist nicht bereit, sexuelle Gewalt in der Ehe zu rechtfertigen.  Alle Übergriffe, ob in der Ehe oder außerhalb nennt er πορνεα – Unzucht!.

Das ist eine fremde Stimme in einer Zeit, in der auch so formuliert werden kann: „Ein Mensch darf alles machen, was er mit seiner Frau machen will, gleich dem Fleisch, das aus dem Schlächterladen kommt: Will er es mit Salz essen, so darf er es; gebraten, so darf er es; gekocht, so darf er es“ (Strack-Billerbeck , Kommentar zum Neuen Testament III; München 1979, S. 68) Wie anders dagegen Paulus, der angeblich nicht so sonderlich frauen-freundlich war. Paulus will einen wirklich respektvollen Umgang miteinander. „Der Christ soll nie vergessen…dass die Frau, mit der er verkehrt, nicht ein willenloses Objekt zur Befriedigung seiner zügellosen Leidenschaft ist, so dass sie ihm jederzeit zur Verfügung stehen muss, wo und wann er es will, sondern dass sie eine Person ist, die ihre Ehre hat und der er Ehre erweisen soll.“(G. Friedrich, aaO. S. 238) Solche Worte stören auch heute in einer Gesellschaft, die in Sachen Sexualität ziemlich orientierungslos geworden erscheint. „Wo die Verbindung mit Gott abreißt, das gerät das Gefühlsleben aus dem Gleichgewicht und zerstört die verantwortliche Lebensgestaltung.“ (K. Haacker, aaO.  S. 117)

                Man wird aus Paulus und seinen Mit-Autoren keine frühen Frauen-Rechtler machen dürfen, auch keine Vorkämpfer für die Emanzipation der Frau. Wohl aber ist deutlich, dass sie in ihrem Denken eine tiefe Skepsis gegen alles Herren-Gebaren leitet, gegen alles Männer-Vorrecht im Verhalten, weil sie nur einen Herrn im Regiment glauben.

 Ein bisschen schwer hat es unsere Zeit schon mit solchen harschen Worten. Nicht zuletzt, weil es die deutliche und – zeitweise wohl auch berechtigte Anklage gegen das „Christentum“ – was ist das eigentlich? – gibt: es sei leib- und lustfeindlich. Umso wichtiger die Feststellung: „Die grundlegende Frage, wie wir unserem Körper die Ehre erweisen können und sollen, ist angesichts von Körperkult, Mager- und Drogensucht, Organspende und Lebensmittelskandalen allerdings hochaktuell.“(H. Roose, Der erste und zweite Thessalonicherbrief, Neukirchen, 2016, S. 70) Erst recht in der Version, wie wir respektvoll und ehrerbietig mit dem Körper des/der anderen umgehen.

Nur zu Klärung in Sachen Christentum: Es gibt nicht das eine Christentum. Es gibt so viele „Christentümer“ wie es Spielarten des Islam gibt, der sich auch zu Recht dagegen verwahrt, auf eine Spielart reduziert zu werden. Es sind immer die einzelnen, die „das Christentum“ repräsentieren. Aus dieser Verantwortung werden sie nicht durch die Kirchen und Kirchenfürsten oder -Fürstinnen entlassen!

  6 Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Denn der Herr straft dies alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben.

             Damit verlässt der Brief das Thema Sexualität und geht zu dem anderen über, Geld und Handel, das kaum weniger brisant ist, durch die Struktur des Habenwollens und der Gier mit der Sexualität irgendwie verbunden. Die Art unseres Handelns miteinander, unserer Geldgeschäfte ist vor Gott keineswegs gleichgültig. Es gibt keine Anerkennung des eigengesetzlichen Marktes, der vermeintlichen oder auch tatsächlichen Sachzwänge, die auch das Tricksen, Täuschen und Übervorteilen rechtfertigen. Was da geschieht, unterliegt nicht nur den Regeln des Marktes. Gott, der Herr ist ein Richter über das alles. Er lässt solche Tricksereien nicht durchgehen.

Geht es um das Strafen Gottes am Ende, im Gericht oder geht es um ein Strafen in der Zeit? Ein Strafen, das die Gemeinde zu übernehmen hat in einer Art „Kirchenzucht“? Das ist später Paulus ja nicht fremd – er fordert solches Handeln der Gemeinde im Brief nach Korinth deutlich ein: „Überhaupt hört man, dass Unzucht unter euch ist, und zwar eine solche Unzucht, wie es sie nicht einmal unter den Heiden gibt: dass einer die Frau seines Vaters hat.Und ihr seid aufgeblasen und seid nicht vielmehr traurig geworden, sodass ihr den aus eurer Mitte verstoßen hättet, der diese Tat begangen hat? Denn ich, der ich zwar nicht leiblich bei euch bin, doch mit dem Geist, habe schon, als wäre ich bei euch, den verurteilt, der solches getan hat.“(1. Korinther 5, 1 – 3)  Vielleicht aber muss man gar nicht entscheiden, um welches Gericht und welches Strafen es geht, weil der Hauptakzent anders gelegt ist: Die Ankündigung des Strafens des Herrn „versichert den Gemeindegliedern, dass Unzucht und Habgier – die ja primär das Verhalten derer kennzeichnen, die Gott nicht kennen – nicht ungesühnt bleiben.“ (H. Roose, aaO. S. 68) 

 7 Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. 8 Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.

             Noch einmal die Erinnerung: Anders zu leben als es diesen Worten des Paulus entspricht, ist ein Verweigern der Konsequenzen des Glaubens. Wer glaubt, sich über diese Wegweisung hinweg setzen zu können, missachtet damit nicht Paulus und Silas und Timotheus, sondern in Wahrheit den Willen Gottes. Wir erinnern uns: „Das an die Missionare ergangen Wort ist nicht Menschenwort, sondern Gotteswort.“ (H. Roose, aaO. S. 69) So haben es die Thessalonicher ja auch aufgenommen: „als Gottes Wort, das in euch wirkt.“(2,13) Wer sich also so der Wegweisung verschließt, schlägt die gute Gabe Gottes aus, der seinen Heiligen Geist in euch gibt. Man darf es nicht überlesen: Das sagt Paulus in die Gemeinde hinein und nicht über Leute, die als Heiden mit dem Glauben an Jesus Christus nichts im Sinn haben.

  9 Von der brüderlichen Liebe aber ist es nicht nötig, euch zu schreiben. Denn ihr selbst seid von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben. 10 Und das tut ihr ja auch an allen Brüdern und Schwestern in ganz Makedonien

             Nach diesen strengen Worten wird es jetzt versöhnlicher, milder. So hat es den Anschein. Und doch auch diese Verzichts-Formulierung: Es ist nicht nötig, euch von der brüderlichen Liebe zu schreiben ist ja in Wahrheit doch eine Erinnerung. Lebt das auch wirklich. Macht euren Ruf nicht zunichte.

Dahinter steht ein tiefes Wissen: Liebe lebt nicht von selbst. Nicht die Liebe zwischen Mann und Frau, nicht die geschwisterliche Liebe – so kann φιλαδελφία auch übersetzt werden – nicht die Liebe in der Gemeinde, nicht die Liebe zu allen Menschen. Es ist immer ein Weg, der Kraft abverlangt, manchmal viel Mühe macht. Und es kostet Mühe, die Grenzen der Liebe, ich sage gerne auch die Grenzen der sorgfältigen, zugewandten Aufmerksamkeit, auszuloten und sie in diesen Grenzen mit Leben zu erfüllen.

Die Thessalonicher bleiben nicht auf ihr Stadtgebiet beschränkt mit ihrer brüderlichen Liebe, nicht auf Philadelphia. Dass William Penn seiner Stadt in Neuengland seinerzeit 1681 diesen Namen als der Hauptstadt der Quäker-Kolonie Pennsylvania gegeben habe – Bruderliebe – ist eine Bekenntnis und ein Programm: So soll es sein, auch heute. Liebe taugt nicht als Rückzugsprogramm auf die eigenen vier Wände, in die eigene Gemeinde, nur für die eigenen Volksgenossen. Die Liebe Gottes ist grenzüberschreitend. Sie überschreitet ja auch die Grenze zu uns Sündern. Wie sollten wir da Grenzen ziehen können, eine Festung aus unserem Kontinent Europa machen dürfen? Bloß, damit unser Wohlstand nicht angerührt wird? Damit wir unter uns bleiben können? Aber wie wohl steht es um uns, wenn wir uns hartherzig abgrenzen?

Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder, dass ihr darin noch vollkommener werdet, 11 und setzt eure Ehre darein, dass ihr ein stilles Leben führt und das Eure schafft und mit euren eigenen Händen arbeitet, wie wir euch geboten haben, 12 damit ihr ehrbar lebt vor denen, die draußen sind, und auf niemanden angewiesen seid.

             Auf diesem Weg der Heiligung kann es keinen Stillstand geben. Kein selbst-zufriedenes: satis est. Es ist genug. Nein, hier gilt wirklich: „Weiter, immer weiter“ (O. Kahn)  Es ist die Ehre der Christen, dass  sie arbeiten, dass sie fleißig sind, dass sie nicht darauf aus sind, im Rampenlicht zu stehen. Es ist ein Wort gegen eine innere Haltung, die glaubt, das Reich Gottes herbei zwingen zu können – durch Askese, durch Aktionen, durch einen Ausstieg aus dem normalen Leben. Und es ist ein Wort gegen eine Haltung, die sagt: Es lohnt sich nicht mehr, in dieser Welt zu arbeiten. Morgen ist sowieso alles vorbei.

Dahinter steht vermutlich die Erwartung, dass es mit der Welt ein Ende haben wird, in der allernächsten Zeit, weil Jesus wieder kommt. Wenn das Reich Gottes sichtbar da ist, braucht es nicht mehr unsere alltägliche Mühe. „Vielleicht war es nur die innere Erregung über den neuen Glauben und die neue Gemeinschaft, die in einigen Gemeindegliedern einen aktivistischen Übereifer erzeugte, der sie die gewohnte Lebensweise aufgeben ließ und in ein ordnungsloses Leben trieb.“ (T. Holtz, aaO. S. 178) Deshalb wird der eine oder andere das Arbeiten schon eingestellt haben. „Typisch “griechische“ Auffassungen und Neigungen kamen dem entgegen. Für den „freien Mann“ war „Arbeit“, Arbeit mit den eigenen Händen, im Grunde etwas „Unwürdiges.“ (W. de Boor, Die Briefe des Paulus an die Thessalonicher, Wuppertal 1977, S. 73) Ähnliches Verhalten kennen wir heutzutage von Sekten, die aus dem normalen Leben aussteigen, alles verkaufen, weil sie die Entrückung erwarten.

Für die meisten unserer Zeitgenossen ist das kein Thema. Aber dass Leute aufhören zu arbeiten, dass sie in Passivität versinken, dass sie sich hängen lassen, weil „es ja doch nichts bringt“, das erleben wir heute wieder und wieder. Ein Aufgeben, weil es nicht vorwärts geht, weil die Mühe zu groß wird, weil die Frustration, das „Vergeblich“ alle Hoffnung verschlingt. Dagegen setzen die Briefschreiber ihre Ermahnung! Dagegen versuchen sie ihre Leser immun zu machen. „Es geht bei den geforderten Tätigkeiten um ihre Achtung vor sich selbst.“(H. Roose, aaO. S. 72) Es ist erschreckend oft so: Aufgeben ist auch sich selbst aufgeben. Darum der Aufruf: Haltet durch! Bleibt fleißig! Bleibt dem Heute treu und scheut die Mühe der alltäglichen Arbeit nicht.

Das klingt nach Anpassung an die „bürgerlichen“ Werte, an das,  was alle sagen. An das Urteil der Umwelt. Ausdrücklich sagen es die Briefschreiber. Damit ihr ehrbar lebt vor denen, die draußen sind. Gibt es die scharfe Abgrenzung, das Kontrast-Programm in Sachen Sexualität und Habgier, so ist es hier ganz anders: „In Fragen der Arbeitsmoral sollen sich die Gemeindemitglieder die ethischen Maßstäbe der Umwelt zu eigen machen.“(H. Roose, aaO. S. 73)Es fällt ja auf das Evangelium zurück, wenn der Zeuge des Evangeliums als faul gilt, als unzuverlässig, als Liederjan.  Wenn alle wissen: auf den kannst du dich nicht verlassen. Es geht auch hier wie fast immer um die Glaubwürdigkeit der Botschaft: Leben „botschaftet“ lauter als Worte.

Nein, sagen die Drei zum Aussteigen, zur überhitzen Erwartung. „Was er von der Gemeinde erwartet, ist ein Leben in der Ordnung.“(T. Holtz, aaO. S. 79) Auch wenn uns das langweilig, konservativ oder angepasst vorkommen mag. Das Reich Gottes wird nicht durch unseren mehr oder weniger exaltierten und enthusiastischen Lebensstil herbeigeführt. Gott wird es in Kraft setzen. Und er tut es auch so, dass seine Leute der Liebe Raum geben, im „Beten und Tun des Gerechten“(D. Bonhoeffer) im Tun dessen, was heute dran ist. Das Erwarten des Reiches Gottes – heute, morgen oder übermorgen – erlaubt nicht die Flucht in die Träume oder das Nichtstun.

 

Herr Jesus, Leben in Deiner Spur fordert heraus, verlangt Entscheidungen, kostet. Und doch ist es Leben, das Erfüllung erfährt, das Geschenk der Freundschaft und der Liebe, das Glück helfen zu können, die Freiheit von den Schablonen, die uns Verhalten diktieren wollen.

Bestehen in der Freiheit der Kinder Gottes, dazu machst Du uns Mut durch Deinen Apostel. Amen