Zwei Typen wie Du und ich

Lukas 18, 9 – 14

9 Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:

             Eine Geschichte, die nur Lukas erzählt. „Sondergut des Lukas“ nennen die Ausleger solche Geschichten. Woher er sie hat, wissen wir nicht. Allerdings kann man vermuten: Wenn er sie weiter überliefert, ist sie ihm wichtig!

Das ist die Erzähl-Situation. Jesus ist umgeben von frommen Leuten. Sie sind von ihrer Frömmigkeit, ihrer Gerechtigkeit überzeugt. δκαιος tendiert mehr zur Bedeutung gerecht als fromm, so wie es heute verstanden wird. Es geht nicht um Leute, die in die Bibelstunde kommen, kirchlich engagiert sind und vielleicht von sich selbst sagen: ich bin wiedergeboren. Es geht um honorige Leute, die geachtet sind in der Gesellschaft, wertvolle Mitglieder der Bürgerschaft, die eine Rückbindung zum Glauben haben und pflegen. Die sich anmaßten klingt nach Überheblichkeit. Besser: die von sich selbst überzeugt waren. „Es geht in diesem Satz nicht um ein erlaubtes, gesundes Selbstvertrauen, sondern um eine zerbrechliche Arroganz.“ (F. Bovon, EKK III/3, Das Evangelium nach Lukas, Lukas 15,1 – 19,27, Neukirchen 2001, S.206) 

 Sie kommen gerne dorthin, wo es gute Worte über Gott zu hören gibt. Denn von diesem Glanz Gottes fällt ja auch etwas ab als Glanz für die Frommen. Jesu „Gesprächspartner sind Leute, die durch ihr Selbstvertrauen auf Grund ihrer Gerechtigkeit und durch ihre Verachtung der anderen näher gekennzeichnet werden.“(W. Grundmann, Das Evangelium nach Lukas, Theol. Handkommentar zum NT 3, Berlin 1978, S.349) Weil aber keine Gruppenbezeichnung verwendet wird – weder Pharisäer noch Schriftgelehrte noch Sadduzäer, auch nicht Sünder und Zöllner, bleibt vorerst in der Schwebe, von wem die Rede ist – in den einigen und den anderen.

 Die andere Anmerkung, dass sie die andern verachteten macht die erste Gruppe allerdings nicht wirklich sympathisch. Es ist, wenn mann so will, typisches Gruppenverhalten. Die andern sind fast immer die, die nicht wirklich zählen, weil sie die Bedingungen der Zugehörigkeit nicht erfüllen. Die Fremden, die Verlierer, die es nicht gepackt haben, Opfer.

10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

         Jetzt also folgt das Gleichnisπαραβολή, die Nebeneinandersetzung – Jesu. Darin sind die beiden so unterschiedlichen Leute ein Pharisäer, ein Zöllner gleich: Beide finden den Weg in den Tempel und suchen dort die Gegenwart Gottes. Beide beten. Das ist nicht gering zu achten – beide suchen Gott. Warum ist nicht der Gegenstand des Erzählens Jesu. Genug, dass sie da sind.

11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.

Zunächst der Pharisäer: Er dankt Gott. Er weiß, dass nicht selbstverständlich  ist, dass er gut ist. Er weiß, dass er Gott Dank schuldig ist, dass er vor allen Bitten Gott die Ehre geben muss. Er sieht voller Dankbarkeit und wohl auch mit ein wenig Wohlgefallen sein Leben: Wohl geordnet, ohne Falsch, ohne dunkle Flecken, ohne Makel. Er sieht es und dankt Gott dafür. Ehrlichen Herzens.

Es ist ja einigermaßen modern, Pharisäer nur als Heuchler übelster Sorte aufzufassen. Das hindert zu sehen, was für diese Leute spricht. Sie haben ein Leben geführt, das sich am Wort Gottes orientiert. Sie haben ernst gemacht mit den Forderungen Gottes. Für sie war es selbstverständlich, dass sie den Sabbat halten. Peinlich genau haben sie darauf geachtet bei sich selbst und bei ihren Familien. Jeder Bettler am Wegrand konnte gewiss sein: Ich halte meine Hand nicht vergeblich zu einem Almosen offen hin – diese Leute wissen von der Verpflichtung, Gutes zu tun mit ihrem Hab und Gut. Und wenn einer zu einem Pharisäer kam und ihn bat: Du, ich bin in Not, bete für mich und hilf mir, dann hatte er das nicht umsonst gesagt.

Es gibt ein Problem, das sich mit diesen Worten verknüpft: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie dieser… Täglich beurteile ich andere Menschen, sehe ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten, ihre Eitelkeiten, vielleicht auch ihre Stärken und Vorzüge. Wer ich selbst bin, dieses Bild gewinne ich im Vergleich mit ihnen, in Abgrenzung und Übereinstimmung. „So bin ich.“ Oder eben: „So bin ich, Gott sei Dank, nicht.“ Heutzutage heißt der Satz dann bei manchem auch in der Kirche: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie dieser, nicht so fromm, bigott, eng, fanatisch….“ Gefährlich wird es immer dann, wenn sich mit diesem Selbstbild aus dem Vergleich Wertungen verbinden.

     Wer den Text sorgfältig liest, stößt auf eine Unklarheit. Man kann übersetzen: Der Pharisäer stand für sich und betete so der alte Luthertext von 1984. Die neue Lutherübersetzung liest anders, weil sie die griechischen Worte anders zusammenzieht: Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so. πρς αυτν –für sich selbst, zu sich selbst. Die erste Möglichkeit: Es geht nur um die Ortswahl – da sondert sich einer ab. Oder aber geht es doch um die innere Haltung? „Der geläufige griechische Ausdruck „zu sich selbst sagen“ und die unterschwellige Ironie, dass da an Gott gerichtete Gebet letztlich denjenigen, der es spricht, nicht übersteigt, legen es nahe für die zweite Option einzutreten.“ (F. Bovon, aaO. S.209) So gesehen wäre das scheinbare Gespräch mit Gott nur ein noch dazu eher eitles Selbstgespräch und darum und darin kritikwürdig.

13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Ist der Zöllner nun besser dran? Er hat sich nicht um Gott gekümmert. Er hat sein Leben erst einmal aufgebaut nach der Devise: Geld stinkt nicht, aber es verleiht so ein schönes Gefühl der Sicherheit. Er hat all die lästigen religiösen Vorschriften beiseite gewischt. Die hindern einen nur, im Lebenskampf klar zu kommen. Du musst mit den Wölfen heulen und sehen, wo du bleibst. Dass er sich dabei über viele Spielregeln hinweggesetzt hat, die in seiner Zeit gelten, steht auf einem anderen Blatt. Aber der Erfolg heiligt schließlich die Mittel.   Lebensmotto, das er mit vielen modernen Menschen teilt.

Und nun steht dieser Mann vor Gott, Was ihn dahin gebracht hat, erzählt Jesus nicht. Aber wie er vor Gott steht, das erzählt er uns. Ferne. μακρθεν. Das gleiche Wort wird Lukas für den Weg des Petrus hinter dem verhafteten Jesu her auf dem Weg in den Palast des Hohenpriesters verwenden. Das gleiche Wort auch für die Frauen, die sehen, was am Kreuz geschieht.  Kann es sein, dass dieses „ferne“ mehr ist als eine zufällige Platzwahl, dass es vielmehr den angemessenen Ort vor Gott beschreit?

Leserinnen und Leser „sehen einen Mann, der sich „auf Distanz“ hält…. Aus Angst, aus Scham, aus Bescheidenheit? Was zählt ist die Distanz, durch die er seinen Respekt vor Gott ausdrückt und das Wissen um seine Menschlichkeit manifestiert: geschaffen und zum Sündern geworden zu sein.“ (F. Bovon, aaO. S. 212) Er weiß, dass sein Leben  Gott nicht gefallen kann. Er weiß, dass er mit Gott nicht rechten kann. Er weiß, dass all sein finanzieller Erfolg das nicht überdecken kann: Ich bin vor Gott hoffnungslos im Defizit.

14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.

Warum nennt Jesus den Zöllner den Gerechtfertigten, den Pharisäer aber nicht? Worin liegt sein Fehler? Darin liegt der Fehler, dass er sich aus seinem Leben sein Urteil ableitet, dass er sich gewissermaßen ausgerechnet hat, wie Gott über ihn zu denken hat. Das ist die Gefahr, der er unterliegt, dass er mit seinem frommen, ordentlichen Leben vor Gott zu seinen Gunsten argumentiert und zugleich sich von den Menschen separiert. Er sieht alle anderen, vor allem aber diesen Zöllner da nur noch als die Negativ-Folie des eigenen Glanzes. Aber seine Lage vor Gott deckt sich nicht mit dem, was er sich selbst attestiert. Wer mit der Fülle seiner guten Taten und seines guten Lebens vor Gott tritt und damit argumentieren will, der hat sich schon selbst ins Abseits gestellt, weil vor Gott nicht zählt, was wir vorzuweisen haben, sondern wie wir ihm vertrauen.

Es ist die bedingungslose Auslieferung, die dazu führt, dass der Zöllner gerechtfertigt gehen kann. Δεδικαιωμένος (Partizip Perfekt Passiv!) – er ist gerecht gesprochen worden, weil er sich selbst nicht gerecht gemacht hat. Er hat seine Situation nicht schön geredet, sondern sie in der Klage über sich selbst angenommen. Er schlug an seine Brust ist der Gestus der Buße – er wird später bei der Kreuzigung Jesu vom Volk im Erschrecken über seinen Tod vollzogen werden. „Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.“(23,48)  Es ist Auslieferung an das Urteil ohne Rechtsanspruch.

Es ist wohl so: wer ehrlich ist vor sich selbst und mit sich selbst, der entdeckt, dass von beiden, dem Pharisäer und dem Zöllner etwas in ihm selbst  steckt. Da ist die Schau-Seite des Lebens, die gut anzusehen ist und die Ansehen ringt. die wir gerne sehen lassen. und da ist die andere Seite, due dunkle, die chaotische, die Schattenseite. Die verbergen wir, weil sie uns verklagt, uns vor Menschen unmöglich macht und uns Gott fernhält. Wie war: etwas von beiden steckt in mir, wohl in jedem. Aber das ist nicht das Aufregende an diesem Gleichnis und diese Selbsterkenntnis ist nicht der Zielpunkt des Erzählens Jesu.

Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Genau an dieser Stelle geht es um das Evangelium. Es gibt keinen Weg, wie wir mit Gott ins Reine kommen, weder den Weg der frommen Pluspunktsammlung noch den Weg der bürgerlichen Unauffälligkeit noch den Weg der demütigen Selbstzerknirschung. Es ist nicht der Pharisäer. der das Urteil fällt. Es ist nicht der Zöllner, der das Urteil fällt. Jesus sagt: Dieser ist gerecht gemacht. Er allein hat die Vollmacht, über ein Menschenleben zu urteilen.

Vor denen, die damals auf sich selbst vertrauten und vor denen, die heute heimlich genauso denken und leben, steht der Herr, der am Zöllner zeigt, dass er sich der Verlorenen bedingungslos erbarmt. Das ist auch die Einladung an die, die viel Gutes in ihrem Leben vorweisen könnten: Lass es Dir gefallen, dass Gott dich liebt mit deinem Guten. Höre auf zu glauben, dass er dich nur liebt, weil du gut bist. Glaube es ihm – er liebt dich nicht weniger als den anderen mit seinen leeren Händen, aber auch nicht mehr.

Indem Jesus das erzählt, will er seinen Zuhörern anbieten, dass sie so vor Gott treten: mit leeren Händen, mit einem Herzen, das keine eigene Erfolgsbilanz mehr braucht, um sich ihm hin zuhalten. Allein seine Gnade genügt.

            „Lukas wendet sich hier von seinem Sondergut ab und greift erneut auf das zweite Evangelium zurück.“ (F. Bovon, EKK III/3, Das Evangelium nach Lukas, Lukas 15,1 – 19,27, Neukirchen 2001, S. 219) Aber warum? Der Kommentar schweigt dazu. Meine Idee: Im Zöllner hat Jesus von einem erzählt, der mit leeren Händen vor Gott steht. Jetzt erzählt er von Kindern – auch sie mit leeren Händen, ohne alle vorweisbaren Leistungen vor Gott.

15 Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, damit er sie anrühren sollte.

             Das ist im Erzähl-Ganzen des Lukas-Evangeliums eine Szene, die völlig aus dem Rahmen fällt. Kinder spielen durch das Evangelium hin nun wirklich keine Hauptrolle. Sie sind, wenn überhaupt, im Hintergrund. Sie sind die, die zur Heilung gebracht werden. Sie sind Gegenstand des Erbarmens Jesu. Hier aber werden sie in den Vordergrund gebracht. Von wem, wird nicht klar: Sie ist sehr unbestimmt. Es könnten die Mütter sein. Väter haben damals wohl kaum Kinder durch die Gegend getragen oder auch zu Fuß irgendwohin gebracht.

             Die Kinder werden näher bestimmt: Kleine Kinder. Das griechische Wort ist noch genauer: βρφη. Neugeborene Kinder. Solche, die noch getragen werden, ganz am Anfang, noch nicht auf eigenen Beinen. Vielleicht auch: solche, die noch nichts verstehen. Es gibt die Überlegung, dass diese eine Selbstbezeichnung für manche Gruppen unter den Christen gewesen sein könnte. Und: „Vielleicht hat die gesamte lukanische Gemeinde sich den Titel βρφη „neugeborene Kinder“ zugelegt.“  Schließlich: wir haben heute noch im Kirchenjahr einen Sonntag, der auf diese Bezeichnung zurück gehen kann: Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kinder.

16 Als das aber die Jünger sahen, fuhren sie sie an.

               Dass das ungewöhnlich war, nicht alltägliche Praxis, zeigt sich auch an der schroffen Reaktion der Jünger. Sie fuhren sie an. Es ist leicht, die Jünger hier zu kritisieren, zumal aus einer heutigen Sicht, die Kinder mangels Masse sehr hoch hält und sie gerne in die Mitte rückt, ob es passt oder nicht. Aber die Jünger sind verunsichert und sie wollen Jesus vor lästigen Erwartungen schützen. Sie sehen ihn als den, der genug mit den Erwachsenen zu tun hat – was sollen da Kinder?

Und was haben sie davon, wenn er sie anrührt? Eine Möglichkeit: „Von der Erfüllung ihres Wunsches, dass Jesus ihre neugeborenen Kinder „berühre“, erhoffen sich die Eltern eine Übertragung spiritueller Kraft oder eine göttliche Segnung.“ (F. Bovon, aaO. S.222) So denke heute ja auch viele, die ihre Kinder zur Taufe ringen. Es kann doch sein, dass davon Kraft ausgeht.

Der heftige Eingriff der Jünger wirkt dann wie Widerspruch gegen ein allzu magisches Verständnis. Zugleich wie die Erinnerung: Jesus hat eine andere „Praxis“. Es ist ja nicht Dauerthema bei Lukas, dass Jesus segnend durch das Land geht. Er rührt Kranke an. Er heilt Besessene durch Berührung. Er legt den Segen auf Blinde. Aber er geht nicht durch die Reihen und sucht, wen er segnen kann.

16 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.

Jesus aber fällt seinen Jüngern in den Arm. Oder muss ich sagen: In den Rücken? Er bremst sie, er weist ihre Intervention zurück. Ihm geht nichts verloren an Würde, an Kraft, an Zeit, wenn er sich diesen Kindern zuwendet. Es ist der völlig andere Blick auf die Situation. Er sieht diese Kinder so, wie er auch den Abrahamssohn Zachäus (19,9) sieht und die Abrahamstochter (13, 7–10), die er am Sabbat heilt Er sieht sie als die, die das Reich Gottes empfangen, weil er sie empfängt, denen das Reich Gottes gehört, weil er es ihnen zueignet. Indem er sich zu ihnen wendet, sind sie dem Reich Gottes nahe.

17 Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hinein kommen.

                Hier wird der Grund genannt, der Jesus gegen seine Jünger reden und handeln lässt. Die Kinder sind Beispiel, ja, Vorbild dafür, wie es zur richtigen Einstellung zum Reich Gottes kommt. Und sofort ist die Frage: Was macht sie beispielhaft, sogar vorbildlich?

Da ist einmal die Unabsichtlichkeit von Kindern. Kinder sind nicht intentional unterwegs. Sie verzwecken nicht. Sie verfolgen keine Absichten. Sie sind einfach da und sie lassen sich mitnehmen, hinreißen, verlocken. Sie wollen, oft intensiv, aber sie wollen nicht, um damit ein anderes Ziel zu erreichen. Sie wollen immer direkt, unmittelbar, gegenwärtig. Das alles unterscheidet sie von Erwachsenen, die oft genug bestimmte Ziele haben, Dinge, Menschen, Situationen für andere Zwecke einsetzen, die langfristig planen und kalkulieren, die auch Heiliges für ihre Zwecke gebrauchen können.

Das Andere: Kinder können empfangen. Sie können sich hemmungslos beschenken lassen ohne zu fragen, wie sie sich revanchieren können. Sie sind Meister der leeren Hände. Sie müssen nichts haben, um alles zu erwarten. In dieser Haltung sind sie geradezu prädestiniert für den grundlos schenkenden Gott und sein Reich.

Und schließlich: Kinder können sich hinreißen lassen und freuen über jede noch so kleine Zuwendung. Sie sind auf Beziehungen aus und nicht auf Sachen. Für sie steht die Liebe im Vordergrund und nicht die Macht. Sie sind dankbar, aber ihre Dankbarkeit ist nie aus einer gefühlten Verpflichtung geboren, sondern immer nur unmittelbar.

Ist das zu romantisch, zu ideal gedacht? Sind Kinder also die besseren Menschen? Womöglich nicht erlösungsbedürftig? Das sind gute Fragen, aber doch wohl an der falschen Stelle gestellte Fragen. Jesus sieht auf die Kinder in ihrer Bereitschaft, sich beschenken zu lassen ohne Wenn und Aber, ohne jede Moral – und das hebt er heraus. Die Überlegungen, die dazu gestellt werden, versuchen nichts, als diesen Gedanken ein wenig nach zu zeichnen.

 

Herr Jesus. Ich danke Dir für das Gute meines Lebens. Ich danke Dir, dass Du mich in Gefahren bewahrt hast, im Straßenverkehr vor Unfällen, im Umgang mit Menschen vor Ungerechtigkeiten und Streit, im Kampf um die besten Plätze vor unlauteren Mitteln.

Ich danke Dir, dass Du mich nicht hast fallen lassen, wenn ich unehrlich war, andere für meine Zwecke benutzt habe, wenn ich unfair war, weil ich glaubte, dass es anders nicht zum Erfolg führt.

Ich habe es nicht verdient, nicht mit meinen Gedanken, Worten und Werken, dass Du mich  mit Deiner Liebe umhüllst und in Deiner Treue festhältst. Aber Du tust mir, was ich nicht einfordern und einklagen kann. Du schenkst mir Dein Erbarmen und darin Dein Herz.

Bewahre mich davor, dass ich mir jemals genug bin und mich nicht mehr  ausstrecke nach Dir. Amen