Der lange Weg zurück

  1. Mose 14, 39 – 45

39 Als Mose diese Worte allen Israeliten sagte, da trauerte das Volk sehr.

             Diese Worte – das ist wohl das Urteil Gottes. Das ist das Verhängnis vierzig Jahre Wüstenwanderung. Dass Mose die Worte weitergeben muss an das Volk, zeigt noch einmal: Das Urteil Gottes und das ganze Strafmaß war zunächst nur Mose anvertraut. Mose erfüllt mit seinem Weitersagen den Auftrag, den er empfangen hat: „Darum sprich zu ihnen.“ (14,28)

Jetzt also erfährt das Volk, was über es verhängt ist. Die erste Reaktion: da trauerte das Volk sehr. Wie diese Trauer ausgesehen hat, sich geäußert hat, dazu schweigt der sehr knappe Satz. Vielleicht steckt in diesem Schweigen verborgen schon eine Art Trauerkritik?  

 40 Und sie machten sich früh am Morgen auf und zogen auf die Höhe des Gebirges und sprachen: Hier sind wir und wollen hinaufziehen in das Land, von dem der HERR geredet hat; denn wir haben gesündigt.

             Ist das am nächsten Tag, früh am Morgen nach einer Trauernacht? Sie brechen auf – aber nicht in die Richtung, die Gott ihnen geboten hat, in die Wüste, zum Schilfmeer, sondern hinauf, auf die Höhe des Gebirges. Sie wollen in das Land, von dem der HERR geredet hat. Es ist eine merkwürdige Begründung für diesen Aufbruch: wir haben gesündigt. Das wirkt, als würden sie glauben, dass sie ihr Zögern jetzt durch Eile und Aktivität wieder gut machen können. Jetzt gehen wir den Weg, den wir zuvor verweigert haben. Das muss Gott doch gefallen.

Es fällt schon auf: „Es gibt keine Beratung, weder mit Gott noch mit Mose. Der jüdische Ausleger Josephus erklärt mir Recht, dass sie sich weigerten, den Worten Moses gehorsam zu bleiben. Wie soll aus Ungehorsam Segen werden?“ (G. Maier, Das 4. Buch Mose, Wuppertaler Studienbibel AT 2, Wuppertal 1989; S. 207) Sie sind immer noch die, die ihrem eigenen Kopf folgen. Ihren eigenen Ideen.

 41 Mose aber sprach: Warum wollt ihr das Wort des HERRN übertreten? Es wird euch nicht gelingen. 42 Zieht nicht hinauf – denn der HERR ist nicht unter euch –, dass ihr nicht geschlagen werdet vor euren Feinden. 43 Denn die Amalekiter und Kanaaniter stehen euch dort gegenüber, und ihr werdet durchs Schwert fallen, weil ihr euch vom HERRN abgekehrt habt, und der HERR wird nicht mit euch sein.

             Mose warnt. Er könnte auch sagen: Habt ihr nicht gehört? Der Weg ist für vierzig Jahre versperrt. Mose „weist auf die Unabänderlichkeit der gefallenen Entscheidung Jahwes hin.“(M. Noth, Das 4. Buch Mose – Numeri, ATD 7, Göttingen 1982, S. 98)Er lässt keinen Zweifel: Was ihr vorhabt ist ein Übertreten des Wortes des HERRN. Ein Alleingang. Auf diesem Weg geht Gott nicht mit. Auf diesem Weg lauft ihr den Feinden in die Arme, vor denen ihr euch, ohne den Beistand Gottes, zu Recht fürchtet.

 44 Aber sie waren so vermessen und zogen hinauf auf die Höhe des Gebirges; aber die Lade des Bundes des HERRN und Mose wichen nicht aus dem Lager.

             Aber sie hören nicht. sie, die zuvor die Schreckensmeldungen gehört und sich von ihnen haben verleiten lassen, sie hören die Warnung nicht. Sie sind vermessen. Eigensinnig. „So ist der Unglaube, er schwankt zwischen Verachtung und Vermessenheit.“ (G. Maier, aaO. S. 208) Sie gehen los, ohne die Lade. Die Lade und der Offenbarungsmittler Mose bleiben im Lager. Damit ist noch einmal gezeigt: Die so aufbrechen gehen einen Weg ohne Gott.

 45 Da kamen die Amalekiter und Kanaaniter, die auf dem Gebirge wohnten, herab und schlugen und zersprengten sie bis nach Horma.

             Es kommt, wie es kommen muss: Amalekiter und Kanaaniter verbünden sich und  schlagen die Eigensinnigen, zerstreuen sie in die Flucht und jagen sie bis nach Horma. Horma ist nicht sicher zu lokalisieren, es liegt wohl in der Nähe von Beerseba. Es ist eine bittere, selbst gemachte Niederlage. Geboren aus dem erneuten Ungehorsam gegen die Wegweisung Gottes. Das zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch: der Ungehorsam trägt bittere Früchte.

 

Mein Gott, was sind wir für Leute. Wir schwanken zwischen Furcht und Zuversicht, Verzagen und Hochmut, Zupacken und Hinschmeißen, Glauben und Unglauben.

Wir sind so oft hin und her gerissen. Wir glauben auch, dass wir einfach so wieder gut machen können, was wir versäumt haben, „Entschuldigung“ sagen wir und meinen, damit wäre alles wieder gut. Damit wäre der Bruch geheilt, das Vertrauen wieder hergestellt

Dass der Weg zurück lange dauert, dass es Bewährung des Gehorsams braucht, das lernen wir so mühsam. Gib Du uns den langen Atem für diese Lektion. Amen