Klarheit ins Leben bringen

Maleachi 2,17 – 3,5

17 Ihr macht den HERRN unwillig durch euer Reden! Ihr aber sprecht: »Womit machen wir ihn unwillig?« Dadurch dass ihr sprecht: »Wer Böses tut, der gefällt dem HERRN, und an solchen hat er Freude«, oder: »Wo ist der Gott, der da straft?«

             Wieder wird man Zeuge einer Disputation. Sie fängt mit dem Vorwurf an: Euer Reden ist für Gott eine Last. Unangemessen. Aber euer Reden verhallt nicht einfach im luftleeren Raum. Die Zurückweisung kommt prompt: Wir machen doch gar nichts – nur Worte. Was für eine armselige Vorstellung von Gott, wenn ihm unsere Worte zu schaffen machen könnten! Wir reden doch nur. Das macht Gott doch nichts. G.o.t.t. – das kann man auch so lesen: Guter Opa, total taub. Das ist mehr als der freche Spruch unreifer Jugendlicher. Es ist eine Lebenshaltung, die es zu allen Zeiten gegeben hat, damals in Israel und die es auch heute noch gibt. Gott ist doch nicht (mehr) wichtig. Er hat ja keine Durchsetzungsmacht. Er ist doch ein lieber Gott, der nie straft. „Vergeben ist sein Geschäft.“ (Voltaire) Er kann ja gar nicht anders. Wer wird sich da schon nach Gott richten?

Es sind perverse Verdrehungen. Es sind Verfälschungen, die aus dem Wort Gott eine Leerformel, eine Worthülse machen. Es sind Spöttereien, wenn sie sagen: »Wo ist der Gott, der da straft?« Schon damals zur Zeit des Propheten gab es wohl die Stimmen, die sagten und fragten: Wo ist er denn? Warum macht er nichts? Warum straft er nicht? Es sind Worte, die den Weg zu Gott verstellen, weil sie ihn für lebensfern und unwichtig erklären. 

 1 Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!, spricht der HERR Zebaoth.

             Das ist die Antwort Gottes: Ein Bote. Ein Wegbereiter. Einer, der es aufleuchten lässt, dass Gott nicht irgendwo hinter den Sternen die Welt versäumt, sondern dass er nah ist, gegenwärtig. „Ein himmlischer Repräsentant Jahwes, der sein Kommen vorbereitet.“ (H. Graf Reventlow, Die Propheten Haggai, Sacharja, Maleachi, ATD 25,2; Göttingen 1993, S. 152)  Ein Engel, der die Sehnsucht, die sich auch noch in den schrägen Sprüchen und Spötteleien zeigt, ans Licht bringt. Gott bleibt nicht in dem Schmollwinkel, in den Menschen ihn verbannen wollten. Er kommt.

Jüdische Deutung dieser Worte sieht hier so; „Der Bote sei der Messias, der nach jüdischer Meinung noch kommen soll. (so der jüdische Ausleger Ibn Ezra im 12. Jh.)“ (G. Maier, Der Prophet Maleachi, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1985, S. 166)Christen lesen diese Worte anders, auf Johannes den Täufer hin, vom Wort Jesu her: „Er ist’s, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«(Lukas 7,23)

 2 Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge  der Wäscher. 3 Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen, er wird die Söhne Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber.

             Es ist die Frage, die wieder und wieder in den Schriften der Hebräischen Bibel gestellt wird. Wer wird es aushalten können, so in die Gegenwart Gottes zu geraten? Wer kann auf den Berg Gottes gehen? Wer kann vor ihm bestehen? Jesaja ruft angesichts der Gegenwart Gottes: „Ich vergehe…..(Jesaja 6) Es ist kein harmloser Gast und kein netter Empfang, wenn Gott kommt. Das Leben wird geprüft im Feuer eines Schmelzers und der Lauge  der Wäscher. Es wird sich zeigen müssen, was in solcher Prüfung Bestand hat.

Es ist eine wichtige Korrektur: „Man kann hier schnell die Brücke zur Gegenwart schlagen, wenn man den häufig geäußerten Wunsch überlegt: „Da müsste Gott  doch endlich eingreifen.“ Müsste er dann nicht bei mir zuerst eingreifen?“(G. Maier, aaO. S. 170) In diesen Worten ist kein Raum für die Selbstsicherheit: Wir sind die Guten.

Das ist gesamt-biblisches Denken bis in die Schriften des Neuen Testamentes hinein. Das Kommen Gottes bringt die Wahrheit über das Menschenleben, unser Leben zu Tage. Und es ist an vielen Stellen eine erschreckende Wahrheit. Aber es ist zugleich auch eine Wahrheit, die neue Perspektiven öffnet, wenn auch „wie durch’s Feuer.“ ( 1. Korinther 3,15)

 Dann werden sie dem HERRN Opfer bringen in Gerechtigkeit, 4 und es wird dem HERRN wohlgefallen das Opfer Judas und Jerusalems wie vormals und vor langen Jahren. 5 Und ich will zu euch kommen zum Gericht und will ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen und gegen die, die Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der HERR Zebaot.

             Es ist eine Rückkehr zu den Aufgaben, die die Priester wirklich haben. Die Reinigung des Gerichts führt dazu, dass die Opfer wieder in Gerechtigkeit gebracht werden. Heißt nicht nur: Von Leuten mit weißer Weste, sondern auch in der Ordnung, wie sie anfänglich gesetzt ist.  Propheten haben keine freischwebende Religion im Sinn. Sie sind oftmals Rufer zum Ursprünglichen, Anfänglichen, zum Gott des Anfangs.

             Es gibt Verhalten, das mit dem Glauben an Gott nicht zu vereinbaren ist. Manches zählen fromme Leute rasch und ohne Zögern auf: Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen. Das eine sind okkulte Geschichten, das andere ist Unmoral und Lügengespinst. Da ist Abgrenzung schnell klar: Keine Horoskope, keine Wahrsager, keine Hellseher. Und aller moralischen Grauzone zum Trotz: Mit Ehebruch und Meineid haben es fromme Leute auch nicht so. Da gibt es „gesunde“ moralische Klarheit.         

             Schwieriger ist das Andere: Die, die Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und die den Fremdling drücken. Wie umstritten ist auch bei frommen Leuten: Mindestlohn. Fürsorgepflicht für Witwen und Waisen. Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen. Wer wird schon freiwillig zum „Fremdling“? Erst recht in einem Land, in dem nach wie vor Parolen laut werden wie „Ausländer raus!“ –  „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“. Natürlich sind alle gegen Altersarmut. Nur kosten soll sie nichts.

Diese Gewalt tritt ja nicht mit Prügeltrupps auf, nicht mit Schläger-Kommandos aus der Nachtclub-Szene. Obwohl sie das auch kann, wie die Geschichte von Naboths Weinberg (1. Könige 21) zu erzählen weiß. Aber meistens ist diese Gewalt dezenter, erst recht heutzutage. Sie hat den feinen Zwirn an, bedient sich  der wirtschaftlich Sachverständigen und appelliert an die Vernunft der Verantwortlichen. Und ist doch unverblümte Gewalt gegen die, die keine Machtmittel in ihren Händen haben.

Für all das wird kein Platz mehr sein im Kommen Gottes. Was dann bleibt, ist Opfer in Gerechtigkeit. Ein Opfer, ein Gottesdienst, der Gott die Ehre gibt, weil er Menschen nicht schindet und klein macht, weil er sie erkennen lässt, wie gut Gott ihnen ist. Im Neuen Testament hört sich das dann so an: Die Gott „anbeten, werden ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,24) So war es von allem Anfang her gedacht und gewollt.

 

Herr, wenn Dein Bote kommt, wenn Du kommst, wie wirst Du mich finden?

Das wünsche ich mir, dass Du dann bei mir Vertrauen findest, den Gehorsam gegen Dein Wort, das Suchen nach Liebe zu dem Nächsten, ein Teilen der Güter, das Anderen hilft.

Das wünsche ich mir, dass Du mich dann in Deiner Spur entdeckst, mich als einen  sehen kannst, der Dich nachahmt, Deinem Vorbild folgt, weil ich gelernt habe, dass so das Leben schön wird. Amen