Von Gottes Treue reden

Apostelgeschichte 13, 13 – 25

 13 Paulus aber und die um ihn waren, fuhren von Paphos ab und kamen nach Perge in Pamphylien. Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte zurück nach Jerusalem.

              Fast unmerklich verschieben sich die Verhältnisse in der Gruppe. Es heißt nicht Barnabas und Paulus, sondern Paulus aber und die um ihn waren. Er übernimmt die Führung. Kein Wort von einem „Machtkampf“. Es begibt sich so.  Und Johannes Markus kehrt nach Jerusalem zurück. Das griechische Wort αποχωρήσαςer trennte sich. „Er wich von ihnen“ – Luther 1957 – deutet, wenn auch verhalten, doch auf Meinungsunterschiede hin. Aber auch hier: Nichts von Begründung oder Erklärung. Es ist so.

 14 Sie aber zogen von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien und gingen am Sabbat in die Synagoge und setzten sich. 15 Nach der Lesung des Gesetzes und der Propheten aber schickten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und ließen ihnen sagen: Liebe Brüder, wollt ihr etwas reden und das Volk ermahnen, so sagt es.

                In Antiochia in Pisidien (in der Mitte der heutigen Türkei) geht die Gruppe in die Synagoge. Es gibt offensichtlich eine weit verbreitete Präsenz von jüdischen Gemeinden im damaligen Kleinasien. An sie knüpft die christliche Verkündigung der ersten Zeit immer wieder an. Die Gäste, so würden wir sagen, werden eingeladen, im Gottesdienst das Wort zu nehmen. „An der Erklärung des Gesetzes, die regulärer Teil des Gottesdienstes war, konnte sich jedes erwachsene männliche Gemeindeglied beteiligen.“(J. Roloff, Die Apostelgeschichte, NTD 5, Göttingen 1981, S. 204) Erwartet wird also ein Kommentar, eine Auslegung zu dem, was zuvor als Lesung des Gesetzes und der Propheten zu hören war.

Es ist eine Ehre, die die Vorsteher der Synagoge den durchreisenden Gästen erweisen. Zugleich auch ein Signal der Verbundenheit:  Liebe Brüder. Sie haben sie als Juden erkannt. Vielleicht gab es vorher schon Begegnungen, Gespräche, so dass ein gewisses Maß an Neugier mitschwingen könnte. Man traut ihnen zu, dass sie das Volk – hier steht mit λαός das Wort, das nicht einfach nur die Anwesenden benennt, sondern sie als Gottes Volk andeutet – ermutigen. So besser statt ermahnen. Παρακλήσις – „Ermunterung, Ermahnung, Trost“ (Gemoll, aaO. S. 573) Die Gemeinde darf von diesen Gästen Mutmach-Worte erwarten.

„Tragt zu unserem Gottesdienst bei.“ Offensichtlich gibt es diesen Spielraum in den Gestaltungsmöglichkeiten des Treffens in der Synagoge. Wie festgelegt sind im Vergleich dazu unsere Gottesdienste heute. Es ist doch kaum vorstellbar, dass in einer Kirche, einem Gottesdienst ein Kirchenvorsteher, eine Kirchenvorsteherin oder die Pfarrperson Fremde entdeckt und sie einlädt: Sagt uns einen Gruß. Grußworte gibt es auch bei uns – abgesprochen. Von Prominenten, bei Verabschiedungen und streng reguliert in Umfang und Inhalt. Aber doch nicht spontan, weil man vermutet: diese Gäste haben einen Botschaft, die uns gut tun könnte.

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Gesandt

Apostelgeschichte 13, 1 – 12

1 Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. 2 Als sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. 3 Da fasteten sie und beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie ziehen.

              Lukas richtet den Blick nun auf die Gemeinde in Antiochia. Dorthin sind Barnabas und Saulus zurückgekehrt. Dort wirken sie. Sie gehören zu einem Kreis von Propheten und Lehrern. Barnabas wird als erster genannt, Saulus als Letzter. Das mag ein  Hinweis sein auf ihre Stellung in der Gemeinde. Die anderen Genannten erlauben, die Buntheit der Gemeinde schon in ihren Leitern zu erkennen. Simeon Niger dürfte Afrikaner sein, Luzius kommt aus der Cyrenaika und Manaem ist offensichtlich von vornehmer jüdischer Herkunft.  Es ist kein sozial homogener Kreis, sondern die Vielfalt ihrer Herkunft zeigt etwas vom Reichtum der Gemeinde. Sie erscheint – in heutiger Sprache – nicht Milieu-verengt.

Es mag in einem Gottesdienst geschehen sein, es könnte aber auch eine Klarheit sein, die im Lauf der Arbeit in der Gemeinde entsteht, dass sich eine Botschaft des Geistes herauskristallisiert. Auf diese längere Zeitdauer scheint mir der Hinweis auf das Fasten hinzudeuten. Fasten nur als Vorbereitung für einen Gottesdienst, und sei er noch so bedeutend – das ist mir zu kurz gedacht. Barnabas und Saulus werden aus dem Kreis der Lehrer und Propheten ausgesondert, zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. So die Botschaft des Geistes.

Das Werk, ihre neue Aufgabe ist noch nicht inhaltlich bestimmt, sondern es wird eher vage angekündigt. Das wirkt wie eine späte Parallele zur Abrahamsverheißung: „Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.“ (1. Mose 12, 1) Es wird sich erst auf dem Weg zeigen, was ihr Auftrag ist. Es gilt, sich der Führung des Geistes anzuvertrauen ohne schon eine Landkarte, eine Marschroute, eine Vision und Konzeption zu haben. Die Herausforderung heißt: Vertrauen! „Gesandt“ weiterlesen

Das Wort wächst und breitet sich aus

Apostelgeschichte 12, 18 – 25

18 Als es aber Tag wurde, entstand eine nicht geringe Verwirrung unter den Soldaten, was wohl mit Petrus geschehen sei. 19 Als aber Herodes ihn holen lassen wollte und ihn nicht fand, verhörte er die Wachen und ließ sie abführen.

                             Die Szene wechselt. Ins Gefängnis. Am Morgen wird dort festgestellt: Der Gefangene ist weg. Wohin, weiß keiner. Wie, weiß auch keiner. Es ist eine so rätselhafte Geschichte, dass Herodes sie durch scharfe Verhöre aufzuklären versucht. Das Ergebnis: Er ließ sie abführen. Hinter der freundlichen Formulierung verbirgt sich ein Todesurteil. „Die Wächter hatten für einen ihnen anvertrauten Gefangenen mit dem eigenen Leben zu haften“ (J. Roloff, aaO.; S.191) Da kann man nur sagen: Wie gut, dass die Sitten heute anders sind, wenigstens im deutschen Strafvollzug.

 Dann zog er von Judäa hinab nach Cäsarea und blieb dort eine Zeit lang. 20 Er war aber zornig auf die Einwohner von Tyrus und Sidon. Sie aber kamen einmütig zu ihm und überredeten Blastus, den Kämmerer des Königs, und baten um Frieden, weil ihr Land seine Nahrung aus dem Land des Königs bekam.

Es folgt ein Blick in die Zeitgeschichte, ein Blick auf das Schicksal des Herodes Agrippa. Streitsüchtig ist er und machtgierig. Es ist leicht, seinen Zorn zu erregen. Im Hintergrund mag ein Handelsembargo stehen, „das die seit alters von palästinensischen Getreidelieferungen abhängigen Städte hart traf.“(J. Roloff, ebda.) Es braucht gute Beziehungen, damit die Einwohner von Tyrus und Sidon nicht Opfer des königlichen Zorns werden. Und die Fürsprache des Blastus. Man wüsste gerne, wie ihr  Überreden ausgesehen hat.  Der Verdacht liegt nahe. Die Überredung wird durch ein „ansehnliches Bestechungsgeld.“(J. Roloff, ebda.)   unterfüttert.

21 Und an einem festgesetzten Tag legte Herodes das königliche Gewand an, setzte sich auf den Thron und hielt eine Rede an sie. 22 Das Volk aber rief ihm zu: Das ist Gottes Stimme und nicht die eines Menschen! 23 Alsbald schlug ihn der Engel des Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab. Und von Würmern zerfressen, gab er den Geist auf.

 Es ist unverkennbar: Lukas sieht diesen König, der doch nur ein König von Roms Gnaden ist als einen, der sich göttliche Macht anmaßt. Er inszeniert sich gottgleich. Er gefällt sich in seiner entrückten Pose. Was das Volk – hier steht das Wort δῆμος, von dem sich unser Wort Demokratie ableitet – ihm zuruft als Huldigung: Das ist Gottes Stimme und nicht die eines Menschen! hätte er nie und nimmer akzeptieren dürfen. Wenn er es aber doch geschehen lässt und nicht zurückweist, so zeigt sich darin, dass er vergisst, dass er „auch nur ein Mensch ist“ (10,26) Der Gefangene Petrus, den ihm der Engel entführt hat, der hat das gewusst und gesagt, dem römischen Hauptmann gegenüber. Aber er, Herodes, hat es vergessen. So wird dessen Leben durch Gottes Engel bewahrt und sein Leben durch den Engel des Herrn genommen.      „Das Wort wächst und breitet sich aus“ weiterlesen

Einmal mehr aus dem Gefängnis befreit

Apostelgeschichte 12, 1 – 17

 1 Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. 2 Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.

                 Die Zeit der relativen Ruhe in Jerusalem ist vorbei. Herodes Agrippa I. wird aktiv. Er ist eine schillernde Gestalt. „Jahrelang führte er in Rom das Leben eines Playboys und war bekannt als notorischer Schuldenmacher und Glücksritter.“ (J. Roloff, Die Apostelgeschichte; NTD 5; Göttingen 1981, S.185) Er greift die Gemeinde an, greift nach Leuten aus der Gemeinde. Wenn man nach dem Grund fragt: „Er tat alles, um seine Verbundenheit mit den traditionsbestimmten Kräften des Judentums unter Beweis zu stellen.“(J. Roloff, aaO.; S. 186) Es geht ihm um seine Macht, für die er die „Konservativen“ braucht. So lässt er Jakobus, den Bruder des Johannes, einen der Zebedäus-Söhne mit dem Schwert hinrichten. Der Wille zur Macht ist oft, zu oft, völlig skrupel-frei.    

 3 Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote.

           Weil diese Hinrichtung gut ankommt, setzt Herodes den eingeschlagenen Weg fort. So leicht, sagt Lukas damit, kann man Opfer werden. Es genügt, dass sich ein Herrscher gute öffentliche Meinung verspricht. So war es auch bei Pilatus, der sich zur Hinrichtung Jesu nicht zuletzt  durch die Hoffnung auf gute Stimmung im Volk erpressen ließ. Wie viele Nachfolger hat Herodes mit dieser Motivation gefunden: Wenn es nur gut wirkt….  So wird auch Petrus gefangen genommen,  in den Tagen der Ungesäuerten Brote, also der Zeit um das Passah-Fest. Soll sich an Petrus wiederholen, was an Jesus in der Zeit des Passah geschah?

   4 Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Wachen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Fest vor das Volk zu stellen.

                 Petrus wird im Gefängnis streng bewacht. Er ist ja einigermaßen „prominent“ als Kopf der Gemeinde in Jerusalem. Die Notiz von dieser strengen Bewachung, die an Hochsicherheitstrakte unserer Tage gemahnt, erinnert zugleich an die Bewachung des toten Jesus. (Matthäus 27, 62 – 66) Da wird ein Toter streng bewacht. Hier einer, der im Gefängnis sicher verschlossen ist.  Dieser Gefangene soll ihm nicht abhanden kommen – die Peinlichkeit früherer vergeblicher Inhaftierungen  – „Es erhoben sich aber der Hohepriester und alle, die mit ihm waren, nämlich die Gruppe der Sadduzäer, von Eifer erfüllt, und legten Hand an die Apostel und warfen sie in das öffentliche Gefängnis. Aber der Engel des Herrn tat in der Nacht die Türen des Gefängnisses auf und führte sie heraus und sprach: Geht hin und tretet im Tempel auf und redet zum Volk alle Worte dieses Lebens. (5, 17 – 20) – ist wohl noch in Erinnerung.

  5 So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott.

              „Jetzt hilft nur noch beten.“ Was in unserer Zeit häufig Ausdruck letzter Verzweiflung ist, das ist hier Ausdruck der lebendigen Hoffnung. Die Gemeinde steht für den gefangenen Bruder vor Gott ein. Sie nimmt Gott in Beschlag für ihn. Betet sie um seine Befreiung? Betet sie um Freiheit von der Furcht vor dem Tod? Betet sie um Freimut in den zu erwartenden Verhören? Das alles bleibt offen. Sie beten – das reicht.  „Einmal mehr aus dem Gefängnis befreit“ weiterlesen

Neustart in Antiochia

Apostelgeschichte  11, 19 – 30

19 Die aber zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und verkündigten das Wort niemandem als allein den Juden.

                    Lukas greift in seiner Schilderung zurück auf vorher Erzähltes. Seit der Steinigung des Stephanus waren Glieder der Jerusalemer Gemeinde unterwegs – in Phönizien und Zypern und bis nach Antiochia. Nicht freiwillig, auch nicht aus missionarischem Eifer für die Sache, sondern  zerstreut wegen der Verfolgung Sie können nicht schweigen von dem, was sie als Glauben neu entdeckt haben.

Sie „redeten das Wort“ – so könnte man λαλοντες τν λγον wiedergeben. Die ganze Wendung fällt mir auf. Es scheint so, dass die Wendung das Wort schon etwas von einer vorläufigen Definition des Inhaltes christlicher Vorkündigung in sich trägt. Was da weitergegeben wird, ist eben das Wort. Mag sein, hier wirkt schon ein Anklang zu der Art, wie im  Johannes-Evangelium das Wort gebraucht wird. Gleichzeitig aber hat λαλέω  – „lallen, schwatzen, reden, lehren, anweisen“(Gemoll, Griechisch-Deutsches Schul-u.-Handwörterbuch; München 1957, S. 464) noch nicht die religiöse Färbung wie das Wort verkündigen. Es kann also sein, hier schwingt für die Leser noch das Urteil der ungläubigen Zuhörer mit: das ist doch alles nur schwatzen, nur dummes Zeug lallen.

 Diese wandernden Jerusalemer verstehen sich noch nicht als Missionare in der Heidenwelt. Sie halten sich an „ihre Leute“, sie  verkündigten das Wort niemandem als allein den Juden. Die Verkündigung ist an Israel gerichtet, weil Jesu der Messias Israels ist. „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“( Matthäus 15,24) Auf dieses Wort Jesu könnten sie sich berufen. Es ist ein Herrenwort, das sie leitet.

 20 Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus. 21 Und die Hand des Herrn war mit ihnen und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.

           Aber schreibt Lukas. Es gibt auch Andere. Es gibt Abweichler von dieser Linie, die bis dahin auch die Gemeinde in Jerusalem eingehalten hatten, Männer aus Zypern und Kyrene, Leute, die selbst aus der Diaspora kommen, selbst Hellenisten sind, so wie die sieben Diakone um Stephanus und Philippus. Vielleicht hat die größere Offenheit für die Griechen genau damit zu tun. Sie gehen nicht nur in die Synagogen, sie gehen auch zu den Griechen. Sie haben eine eindeutige Botschaft, sie predigten das Evangelium vom Herrn Jesus. Nicht irgendetwas, nicht Freiheit vom jüdischen Gesetz, nicht die Überlegenheit des Monotheismus – der Herr Jesus steht in der Mitte. Erstaunlich: Sie finden offene Ohren. Die Begründung ist schlicht: Die Hand des Herrn war mit ihnen. Das heißt doch: Gott selbst öffnet und bestätigt diesen Weg.  Die offenen Ohren und Herzen sind das Werk Gottes, nicht die Folge ihrer Rede- und Rednerkunst.

Was in dem großen Bericht über den Weg des Petrus zu Kornelius schon sichtbar wird, das ereignet sich hier sozusagen unter der Hand. In der Sprache von heute: es sind Leute, die aus dem Milieu kommen, das sie mit ihrer Botschaft ansprechen. Weil sie selbst so denken wie ihre Gesprächspartner, deshalb können sie die Griechen erreichen. Ihr „Erfolg“ kommt nicht von ungefähr. Gott bedient sich ihrer, um eine Brücke zu den Griechen zu schlagen.

Auch das mag eine Rolle spielen. Antiochia ist eine Riesen-Stadt, die drittgrößte der Zeit damals. „Das Evangelium kommt in die Weltstadt.“ (O. Dibelius, Die werdende Kirche, Eine Einführung in die Apostelgeschichte, S. 153) Offen für viele Einflüsse. „Auf den Straßen ein buntes Völkergemisch, ohne Bodenständigkeit, ohne Verwurzelung in eine feste Tradition“  (O. Dibelius, ebda.) In Städten kann eine neue Bewegung leichter Fuß fassen als auf dem Land.  

             Man wagt es ja kaum zu denken, aber die neue Glaubensbewegung ist eher ein städtisches als ein ländliches Phänomen. Wobei selbst eine große Zahl darf nicht dazu verführen zu denken: Antiochia sei jetzt eine christliche Stadt geworden.   „Neustart in Antiochia“ weiterlesen

Gottes Handeln klärt

Apostelgeschichte  11, 1 – 18

 1 Es kam aber den Aposteln und Brüdern in Judäa zu Ohren, dass auch die Heiden Gottes Wort angenommen hatten.

          Es hat schon einen merkwürdigen Klang, wie hier formuliert ist. Es hat sich herum gesprochen. Es ist den Leuten in Jerusalem zugetragen worden, den Aposteln und Brüdern in Judäa. Sie wurden informiert. Es klingt alles sehr reserviert. Denn mit diesem Geschehen stellt sich eine Grundsatzfrage: „Das Grundprolem der jungen Kirche meldet sich an: Was wird aus „Israel“, was ist mit dem „Alten Bund“ und mit dem „Gesetz“, wenn Heiden ohne eschneidung gleichberechtigte Gliederder Messiasgemeinde werden können?“(W. de Boor Die Apostelgeschichte, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1965, S.209)Einzelfälle sind Einzelfälle – aber hier haben sie es nicht mehr mit Einzelnen zu tun – die Heiden haben das Wort Gottes angenommen. 

  2 Und als Petrus hinaufkam nach Jerusalem, stritten die gläubig gewordenen Juden mit ihm 3 und sprachen: Du bist zu Männern gegangen, die nicht Juden sind, und hast mit ihnen gegessen!

                  So wie der Einleitungssatz ist dann auch die Reaktion, als Petrus zurückkehrt. Es gibt Streit. Es kommt zu Vorhaltungen. Du hast dich mit Heiden eingelassen! Unter ein Dach und an einen Tisch. Merkwürdig: Die Tischgemeinschaft wird hervorgehoben, nicht die Taufe. Durch sie hat sich Petrus verunreinigt. „Ein Dienst am Evangelium, der zu solchen von Gott verbotenen Handlungen führt, kann nicht dem Willen Gottes entsprechen!“(J.Roloff, Die Apostelgeschichte, NTD 5, Göttingen 1981, S.175) Wissen sie das nicht, dass die Heiden getauft worden sind oder spielt es keine Rolle für die in Jerusalem? Es scheint nur zu zählen, dass Petrus mit ihnen gegessen hat. Ist das der Grund? Die Taufe ist nur Kultus, das Essen Lebensalltag.

Die so mit ihm streiten, sind gläubig gewordene Juden. Sie glauben an den Herrn Jesus als den Messias Israels. Aber sie sehen (noch) nicht, dass er der Herr über alle (10,36) ist. Sie hängen fest in der Exklusivität der Erwählung Israels. Und sie halten fest an der Unterscheidung rein – unrein. Sie sind wie Petrus vor seiner Reise nach Lydda, Joppe und Cäsarea. Petrus steht in ihnen seiner eigenen Vergangenheit gegenüber. „Gottes Handeln klärt“ weiterlesen

Der zuvorkommende Gott

Apostelgeschichte 10, 34 – 48

34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; 35 sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. 36 Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.

             Der Prediger Petrus fängt bei sich selbst an. Was auch immer seine Zuhörer erwarten, ob er ihnen gerecht werden wird. Er jedenfalls hat etwas neu gelernt, oder, wenn nicht neu, so doch in Wahrheit, für die eigene Person, existentiell: Mag sein, wir Menschen denken in Grenzen und sind von ihnen bestimmt. Gott aber ist anders. In jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. Gott hat seine Leute überall und er hat überall Freude an ihnen.

Und so, mit dieser Lernerfahrung, bindet Petrus in einem einzigen Satz die Exklusivität und die Universalität des Weges Gottes zusammen. Das Wort des Friedens ist an Israel gerichtet. Aber der das Wort ist und das Wort sendet, der ist Herr über alle. Es ist eine Verbindung, die wir bis heute wohl noch nicht so recht eingeholt haben.

37 Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, 38 wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. 39 Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem.

          Dann kommen wieder die Grunddaten einer Christus-Predigt aus den Anfängen des Weges der Gemeinde. „Die Verse 37-41 enthalten das kürzeste „Leben Jesu“ im Neuen Testament.“ (G. Stählin, Die Apostelgeschichte;  NTD 5; Göttingen 1981  S. 155) Mit der Taufe Jesu hat alles angefangen und mit seinem Wandern durch Galiläa. Er hat Gutes getan und alle gesund gemacht. Er hat aus der Gewalt des Teufels befreit. Er hat gehandelt in der Kraft des Geistes. Gott war mit ihm. Das ist wie eine Zusammenfassung für alles, was Jesus getan hat. „Der zuvorkommende Gott“ weiterlesen

Fußwege der Klärung

Apostelgeschichte 10, 23 – 33 

 Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 24 Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea.

         Zwei Tage dauert der Weg von Joppe nach Cäsarea. Kein Wort über die Beschwerlichkeiten des Weges. Kein Wort über die Gedanken, die sich Petrus auf diesem Weg macht. Er hat reichlich Zeit zum Nachdenken. Wie schnell eilen wir dem gegenüber von Ort zu Ort. So rasch wechselt bei uns der Platz, an dem wir sind, dass unsere Seele kaum nachzukommen vermag.

 Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. 25 Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an.

Petrus wird erwartet. Es klingt so, als habe Kornelius die ganze Zeit schon am Fenster gestanden. Aber er hat die Zwischenzeit genützt. Verwandte und nächsten Freunde sind da, gerufen von ihm, der sich sicher war: Meine Boten werden Erfolg haben. Sie bringen diesen Petrus mit. Und als Petrus nun endlich kommt, erweist Kornelius, der Besatzungssoldat, ihm, dem Juden, kniefällig Ehre. Meine Vermutung: er sieht in Petrus den heiligen Menschen, der von Gott gebraucht wird, aber nicht unbedingt eine göttliche Erscheinung. Auch damals sind Götter keine gewohnter Umgang.

Mag sein,  dass es Petrus schon peinlich ist, dass er überrascht ist. Die Machtverhältnisse in Israel sind ja genau umgekehrt. Da kann ein Römer einen Juden in den Staub treten. Fängt hier eine neue Zeit an?

26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch.

         Petrus wehrt ab, wehrt einem Missverständnis. Ich bin kein heiliger, kein himmlischer Bote. Ich bin einer wie du, ein Mensch, ἄνθρωπός. Nicht mehr. Mir steht es nicht zu, dass ich angebetet werde. Denn das war der Kniefall des Kornelius, ein Akt der Anbetung. προσεκύνησεν steht da: Er betete ihn an. Das ist es, was die Jünger tun, als Jesus zum Himmel auffährt. „Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder.“(Matthäus 28, 17) Da steht genau das gleiche griechische Wort. Das ist es, was Christen erwarten für das Ende der Zeiten: „Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.“ (Offenbarung 15,4) Solche Anbetung gebührt dem Herren Jesus. Aber Petrus steht sie nicht zu.

Manchmal höre ich diesen Satz  Ich bin auch nur ein Mensch auch heutzutage. Er ist dann eher eine Entschuldigung für Fehlleistungen. Nach dem Motto: `Jeder macht Fehler. Ich auch.‘ Er ist eine Abwehr von Erwartungshaltungen. Er soll bitteren Enttäuschungen und womöglich Anklagen wehren. Denn wer „hoch gejubelt wird“, der steht unter besonderer Beobachtungen und wird oft genug geradezu genüsslich demontiert, wenn es sich zeigt: Fehlbar!  Hier geht es nicht um die Abwehr übersteigerter Erwartungen, sondern um die Zurückweisung einer Ehre, die Petrus nicht zusteht.

 27 Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren. 28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. 29 Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen.

           Unter diesen Worten betreten sie das Haus. Und es sind viele da, die auf Petrus warten. Petrus macht es sich und diesen Leuten nicht leicht. Er spricht aus, was sie alle wissen – er spricht von der Grenze, die zwischen ihm, dem Juden und ihnen, den Heiden, wenn auch gottesfürchtigen Heiden ist.  Er benennt die Differenz. Er überspringt sie nicht.

Mir hilft dieses ehrliche Eingeständnis der eigenen Grenzen. Mir hilft dieses „Mein Glauben erlaubt mir nicht alles.“ Petrus muss nicht eine Weite vorspielen, die er in seinem Herzen nicht hat. In seinem Herzen geht es nach wie vor wohl noch ein wenig enger zu. Aber er lässt es sich gesagt sein durch sein Gesicht in der Verzückung: Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. Er erzählt nicht sein Gesicht. Aber er zieht hier eine Schlussfolgerung, die zeigt: die Ratlosigkeit ist einer klaren Sicht gewichen. Und: Was er als eine sehr persönliche Erfahrung gemacht hat, das lässt ihn neue Schritte tun.

Und dann, diesmal fragt Petrus. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen. Diesmal weiß er, dass es wichtig ist, das Motiv zu erfahren. Äneas musste er nicht fragen. Den Lahmen an der schönen Pforte muss er nicht fragen. Da war ihm beidemal klar, was er zu tun hatte. Aber hier muss er fragen. Und indem er so fragt, gesteht er seinen Gastgebern zu, dass sie ihm sagen, was sie wollen, dass sie ihre Hoffnung und Erwartung und Sehnsucht zur Sprache bringen. Es ist die gleiche Art Frage, die Philippus dem Kämmerer stellte: „Verstehst du auch, was du liest?( 8, 30) Eine Frage, die die Tür aufmacht.

30 Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand 31 und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32 So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. 33 Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist.

Kornelius hingegen erzählt seine Vision. So wird für alle sichtbar, hörbar, dass es hier um ein Handeln geht, das in Gottes Plan und Willen seinen Ursprung hat. Kornelius hat Petrus rufen lassen, weil Gott es ihn geheißen hat durch seinen Engel. Und Petrus ist seinen Weg gegangen, weil Gott ihn auf diesen Weg gestellt hat. Und nun sind sie alle hier vor Gott zugegen, weil Gott es so will.

Mein Eindruck: ein wenig fremdeln beide Seiten. Darum ist es notwendig, dass sie sich sagen, wie es zu dieser Begegnung kommt. Petrus wird über seine Grenzen geführt. Kornelius glaubt, dass sich seine Frömmigkeit endlich „auszahlt“. Und beide sehen: Gott hat seine Hand im Spiel. Er hat uns zusammengeführt.

Es ist wie ein Hausgottesdienst, versammelt in der Gegenwart Gottes. Und alle, die da sind, warten darauf, dass ihnen von Gott gesagt wird. Sie warten darauf, dass ihnen Petrus von Gott erzählt. „So hat Kornelius mit diesem Wort ohne sein Wissen dem Petrus den Auftrag Gottes ins Herz gerufen: Sage hier die ganze Botschaft. Sie wollen und sollen sie hören.“(W. De Boor, Die Apostelgeschichte, Wuppertaler Studienbibel; Wuppertal 1975, S. 202)

 

Mein Gott, Wege zu Fuß können lange Wege werden. Sie verlangen uns Anstrengung ab, Aufmerksamkeit, körperliche Kraft und Geduld.

Wege zu Fuß können Klärungswege werden. Sie lassen uns Zeit zu sehen, zu sinnen, sich mit einem Gedanken zu befassen. Schritt für Schritt ihn durch zugehen.

Auf den Wegen zu Fuß ist das Evangelium weiter getragen worden bis hin zu uns.

Ich danke Dir für alle, die sich so auf den Weg gemacht haben, damals nach Cäsarea und später bis zu uns.

Gib, dass auch wir die Fußwege mit dem Evangelium auf uns nehmen. Amen,

 

Gott spannt leise feine Fäden

Apostelgeschichte 10, 1 – 23a

1 Es war aber ein Mann in Cäsarea mit Namen Kornelius, ein Hauptmann der Abteilung, die die Italische genannt wurde. 2 Der war fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott.

               Eben noch war Joppe Schauplatz des Geschehens. Und jetzt lenkt Lukas den Blick weiter nach Cäsarea am Meer, nicht allzu weit von Joppe entfernt. Der Ort ist „Garnisonsstadt“. Eine Einheit des römischen Heeres ist dort stationiert. In dieser Einheit, deren Namen Lukas zu nennen weiß, die Italische genannt, ist ein Hauptmann mit Namen Kornelius. Nicht nur sein Name ist bekannt, sondern auch seine innere Einstellung: fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus. Einer, der, obwohl Besatzungssoldat die Nähe zum jüdischen Volk sucht. Einer, der wohl auch angezogen ist vom Glauben Israels an den einen Gott.

Fromm wird er von Lukas genannt, ευσεβής steht da im Griechischen. Das Wort ist im NT nicht durch den christlichen Glauben gefüllt. Es ist mehr eine noch schwebende, suchende Religiosität. So ist also Kornelius einer, der auf dem Weg ist, auf der Suche, eben, einer der gottesfürchtig ist, aber noch nicht wirklich dazu gehört. Diese Einstellung „brachte ihn an die Schwelle des Judentums: Er ist nicht nur persönlich fromm., sondern gehört auch mit seinem ganzen Hauswesen dem Kreis der „Gottesfürchtigen“ an, Da diese nicht beschnitten waren, galten sie für die Juden dennoch als unrein.“ (J. Roloff, Die Apostelgeschichte; NTD 5; Göttingen 1981  S. 168) Da ist also eine Grenze im Spiel.

  3 Der hatte eine Erscheinung um die neunte Stunde am Tage und sah deutlich einen Engel Gottes bei sich eintreten; der sprach zu ihm: Kornelius! 4 Er aber sah ihn an, erschrak und fragte: Herr, was ist? Der sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind vor Gott gekommen und er hat ihrer gedacht.

  „Gott spannt leise feine Fäden.“ Nach der Beschreibung kommt die Geschichte in Gang.  Sie wird durch Gott in Gang gesetzt. Das ist wichtig für die ganze folgende Erzählung: Gott ist hier initiativ. Die Menschen, sowohl Kornelius als auch Petrus kommen immer nur nach.

          Ein Engel Gottes tritt auf. Es wird nicht gesagt, dass Kornelius gerade im Gebet ist. Erst später im Fortgang der Erzählung (10,30) erfährt der Leser aus dem Mund des Kornelius, dass er tatsächlich betete. Kornelius hat sich an der jüdischen Gebetspraxis orientiert. Sie ist ihm vertraut, wohl auch eine Hilfe. „Das Nachmittagsgebet… wurde in der Regel um die neunte Stunde, gegen 15 Uhr, verrichtet.“ (J.Roloff, aaO.; S. 168)

              Gleichwohl ist Kornelius erschrocken über diese Unterbrechung seines Betens. Auch fromme Beter rechnen in der Regel nicht damit, dass sie Engelbesuch erhalten. Dieser Engel bringt gute Nachricht für Kornelius. Deine Gebete und deine Almosen sind vor Gott gekommen und er hat ihrer gedacht. Du kommst im Himmel vor. Mit Deinem Beten. Mit Deinem Leben.   

          Es gibt viele, die das Gebet für ein Selbstgespräch halten. Es ist gut, für sich selbst einmal Dinge zu benennen, Gedanken auch nur für sich selbst auszusprechen. Gebet sei so eine Art innerer Klärungsprozess ist die Idee dahinter. Aber weiter als bis zur eigenen Zimmerdecke reicht unser Beten nicht.

Hier höre ich eine andere Botschaft: Das ist die Chance, die Verheißung, die über der Zeit des Gebetes liegt: Wo Menschen sich zu Gott kehren, da will Gott in ihr Leben hinein wirken. Wo Menschen mit Gott sprechen, zu ihm beten, da kann Gott das Wort nehmen. „Gott spannt leise feine Fäden“ weiterlesen

Wenn Worte Wunder wirken

Apostelgeschichte 9, 32 – 43

 32 Es geschah aber, als Petrus überall im Land umherzog, dass er auch zu den Heiligen kam, die in Lydda wohnten.

                    Petrus nützt die Zeit des Friedens, um sich auf den Weg zu machen. Er besucht die Heiligen, die sich ja zur Zeit der Bedrängnis in Jerusalem (8,1) in die Städte und Dörfer des Landes verzogen haben. Was für einen Charakter hat dieses Umherziehen? Es könnte so eine Art „Inspektionsreise“ sein mit der Frage: Wie steht es um euch? Es könnte auch ein Kontakthalten sein, das deutlich macht: Ihr seid nicht vergessen. Also mehr eine Seelsorge-Aktion als eine Reise mit zielgerichtet missionarischer Absicht. „Brüderlicher Besuchsdienst“ zu einer Zeit, in der es anders kaum möglich war, im Kontakt zu bleiben. So kommt Petrus auch nach Lydda. Lydda ist ein Ort 20 km entfernt von Tel Aviv, in der Schefola, der fruchtbaren Landschaft zwischen Meer, judäischer Wüste und judäischem Bergland.

  33 Dort fand er einen Mann mit Namen Äneas, seit acht Jahren ans Bett gebunden; der war gelähmt. 34 Und Petrus sprach zu ihm: Äneas, Jesus Christus macht dich gesund; steh auf und mach dir selber das Bett. Und sogleich stand er auf.

           Zu diesem seelsorgerlichem Charakter der Wanderung passt es, dass Petrus als Ersten einen Gelähmten findet.  Er stößt bei seinem Wandern auf ihn. Wenn Äneas etwas braucht, dann ist es Zuwendung, Aufmerksamkeit. Wer acht Jahre ans Bett gefesselt ist, der ist nicht mehr so im Blick. Da kann es verdammt einsam um einen werden.

Ist Äneas einer der Heiligen, die sich dorthin, in die Schefola zurückgezogen haben? Dagegen spricht, dass er seit acht Jahren ans Bett gebunden ist. Wie aber ist es dann um ihn und seine Beziehung zu den Heiligen bestellt? Er könnte auch ein Bewohner von Lydda sein, der immer schon dort lebt. Und er könnte durch die Vertriebenen aus Jerusalem für den neuen Glauben gewonnen worden sein. Ein Kommentar sieht es so: „Äneas gilt als Gemeindeglied. Sein griechischer Name spricht nicht gegen seine jüdische Herkunft.“(J. Roloff, Die Apostelgeschichte; NTD 5; Göttingen 1981  S. 160)   „Wenn Worte Wunder wirken“ weiterlesen