Wer steht hinter euch?

Apostelgeschichte 4, 1 – 12

1 Während sie zum Volk redeten, traten zu ihnen die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer, 2 die verdross, dass sie das Volk lehrten und verkündigten an Jesus die Auferstehung von den Toten.

Was da im Tempel geschieht, ist in keinem Augenblick eine Privatangelegenheit. Es geht nicht nur um das schöne Erlebnis eines Einzelnen. Deshalb treten jetzt die auf, die für den Tempel zuständig sind –  die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer.  Sie sind ja dafür da, dass im Tempel nichts geschieht, was da nicht da hingehört. Darum gehört zu ihren Aufgaben auch, darüber zu wachen, was da gesagt wird, gelehrt, verkündigt. Es ist keine Anmaßung – es ist ihre Berufung.

Dazu kommt freilich ein theologischer Dissens. Die Sadduzäer halten nichts von der Auferstehung.  Das ist in ihren Augen bloße Spekulation, frommes Hirngespinst. Schon ihr Disput mit Jesus (Lukas 20,27-33) hat das deutlich gezeigt. „Sie wünschen ein aufgeklärtes Judentum, das geistig mit der Weltbildung, politisch mit der Weltmacht zusammengeht.“(W. de Boor, Die Apostelgeschichte, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1965, S.93) Mit diesem Denken passt nicht zusammen, was da diese obskure Leute, Petrus und Johannes, von sich geben. Darum sind sie auch regelrecht verärgert, dass dieses leidige Thema Auferstehung jetzt wieder auf der Tagesordnung steht – und das auch noch verknüpft mit der Behauptung: Jesus ist von den Toten auferstanden. „Dafür sind wir Zeugen.“ (3,15) Das ist für die Sadduzäer logisch außer Frage: Wenn das stimmt, was die Jünger sagen, dann ist die Auferstehung der Toten nicht mehr ernsthaft zu bestreiten. Dann ist sie die Zukunft Gottes – denn Gott macht keine Ausnahme-Regelungen. Wenn  Jesus auferstanden ist, werden auch die Toten auferstehen.

So ähnlich argumentiert ja auch Paulus: „Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten?“(1.Korinther 15,12) Die Auferstehung des Einzelnen – Christus – und die Auferstehung aller hängen unlöslich zusammen.  Es gibt sie nur im Doppelpack.   

3 Und sie legten Hand an sie und setzten sie gefangen bis zum Morgen; denn es war schon Abend.

             Hier und jetzt aber geht es den handelnden Personen nicht um eine profunde Diskussion. Hier ist das Ende der Debatte angesagt. Die beiden Apostel werden festgesetzt. Wer im Gefängnis sitzt, kann sagen, was er will. Keiner hört ihn. In der Nacht geschieht nichts. Es braucht keinen nächtlichen Prozess gegen die Jünger. Das würde dem ordentlichen Gang der Justiz ja auch widersprechen. Es wiederholt sich das Verfahren wie bei Jesus. Lukas weiß ja auch nichts von einem nächtlichen Prozess gegen Jesus.

  4 Aber viele von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.

Die Jünger mögen inhaftiert sein. Das hindert das Wachsen der Gemeinde nicht. Die Predigt des Petrus hat Resonanz gefunden. Viele werden gläubig. „Sie fangen an zu vertrauen.“ So könnte auch übersetzt werden. Sie folgen dem Wort, das sie gehört haben. Die Zahl steigt. Erst recht, wenn man sich klar macht: Die Fünftausend sind ja nur die Männer. Wie viele Frauen mögen auch noch hinzugekommen sein!

5 Als nun der Morgen kam, versammelten sich ihre Oberen und Ältesten und Schriftgelehrten in Jerusalem, 6 auch Hannas, der Hohepriester, und Kaiphas und Johannes und Alexander und alle, die vom Hohenpriestergeschlecht waren; 7 und sie stellten sie vor sich und fragten sie: Aus welcher Kraft oder in welchem Namen habt ihr das getan?

Es klingt erneut wie eine Wiederholung des Prozesses gegen Jesus. „Und als es Tag wurde, versammelten sich die Ältesten des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten und führten ihn vor ihren Rat.“ (Lukas 22,66) Den Jüngern blüht das gleiche Schicksal wie dem Meister. So können wir es zwischen den Zeilen lesen. Der Unterschied: diesmal werden Namen genannt –   Hannas, der Hohepriester, und Kaiphas und Johannes und Alexander. Die Ankläger sind nicht anonym, nicht versteckt hinter dem „Rat“. Sie sind deutlich sichtbar.

Ihre Frage an Petrus und Johannes heißt: Wer steht hinter euch? In welchem Auftrag seid ihr unterwegs?  So ist Jesus auch gefragt worden: „Sage uns, aus welcher Vollmacht tust du das? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben?“ (Lukas 20,2) Mit dieser Gleichheit bestätigt sich die Nähe der Jünger zu ihren Herrn. Hier zeigt sich Nachfolge in ihrer Gestalt nach Pfingsten – Nachfolge als Schicksalsgemeinschaft.

8 Petrus, voll des Heiligen Geistes, sprach zu ihnen: Ihr Oberen des Volkes und ihr Ältesten! 9 Wenn wir heute verhört werden wegen dieser Wohltat an dem kranken Menschen, durch wen er gesund geworden ist, 10 so sei euch und dem ganzen Volk Israel kundgetan: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. 11 Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. 12 Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.

             Es ist der Geist, der Petrus die Worte gibt. Das Wort Jesu erfüllt sich, zeigt seine Wahrheit.  „Wenn sie euch aber führen werden in die Synagogen und vor die Machthaber und die Obrigkeit, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt.“ (Lukas 12,11-12) Petrus kann reden, weil der Geist ihn in seinem Reden leitet.

Das will uns Lukas über die Zeit hinweg sagen: Das Zeugnis von Christus ist geist-geleitete Rede. Das gibt ihm die innere Kraft.  Was Petrus sagt, ist das Grundbekenntnis: Jesus Christus von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat. Er ist der, der Heilung geschenkt hat. Er ist der, der handelt, obwohl ihr ihn nicht seht. Er ist von Gott bestätigt.

Und dann kommt der Satz, der die Situation sprengt und den Horizont weit aufreißt, bis zu  uns hin, zu den Heiden, bis zu uns hin, in unsere Zeit: Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden. Das ist der Motor, der die Urgemeinde treibt und Christen bis heute treibt, das Evangelium weiter zu sagen und weiter zu tragen. „Mit dem Bekenntnis zu dem Namen Jesu als dem einzigen Heilsweg, der in der Welt und den Menschen gegeben ist, wird ein universaler Anspruch aufgerichtet.“ (J. Roloff, Die Apostelgeschichte, NTD 5, Göttingen 1981, S. 83)

Auch das ist wichtig: der Name ist gegeben. In dieser Passiv-Wendung steckt das Handeln Gottes verborgen. Es ist seine Gabe, nicht die Erfindung der religiösen Phantasie der Jünger, des enthusiatischen Überschwangs, der verzweifelten Treue, die will, dass die Sache Jesu weitergeht. Es ist von Gott her so: In Jesus ist das Heil Gottes greifbar geworden, nahe gekommen, mir und dir zugedacht.

Der Name ist wirk-mächtig. Im Namen ist ja der da, der den Namen trägt. Im Namen kann ich ihn anrufen, für mich gewinnen, mich an ihn binden. Es geht nicht um magische Beschwörung. Es geht um das Gewinnen von heilsamer Nähe. Darum fragen sie, Abraham, Jakob, Mose nach dem Namen Gottes. Sie wissen: Wenn sie den Gottes-Namen kennen, haben sie Zugang. So ist es auch hier: Wer den Namen Jesu anruft, gewinnt Zugang zu ihm und stellt sich in seine Kraft.

 

Herr Jesus, ich danke Dir, dass ich Dich anrufen darf, dass ich glauben darf, dass Gott hilft, so wie es Dein Name sagt.

Ich danke Dir, dass Du uns Gott zugänglich gemacht hast, dass er uns nicht entzogen ist in unnahbarer Namenlosigkeit.

Ich bitte Dich: Gib mir, Deinen Namen zu ehren durch meine Worte, durch mein Leben, durch die Klarheit und die Barmherzigkeit, in der ich anderen gegenüber trete.

Und wenn sich einmal alle Knie beugen um Deinem Namen Ehre zu geben, dann lass mich dabei sein. Und lass es Dir gefallen. Amen