Wir sind es nicht – es ist der Herr

Apostelgeschichte 3, 11 – 26

11 Als er sich aber zu Petrus und Johannes hielt, lief alles Volk zu ihnen in die Halle, die da heißt Salomos, und sie wunderten sich sehr.

Der Geheilte geht nicht seiner Wege. Er nimmt nicht seine Heilung und macht sich fort. Er bleibt bei den beiden Aposteln. Warum? Aus Dankbarkeit? Aus Neugier? Weil er spürt, dass bei ihnen einen Zugang zum Leben ist, der seine Lebenssehnsucht stillen könnte? Der Text sagt nichts über seine Motive – nur, dass er bleibt.

Er hat etwas Grundlegendes verstanden. Es geht im Glauben nicht darum, eine positive Erfahrung abzukriegen. Es ist alles falsch, wenn einer seine Heilung nimmt wie einen erfolgreichen Einkauf und seiner Wege geht. Er hielt sich zu Petrus und Johannes. Darin gewinnt seine Heilung Tiefe, gewinnt sie festen Halt, wird er stabil. Er scheint zu spüren: hier wird meine Seele gesunden und Kraft gewinnen, so wie meine Beine gesundet sind und Kraft gewinnen. Der Weg seiner Heilung geht weiter.

Weil er bleibt, bleiben auch andere. Er ist eine Sensation, einer, den man gesehen haben muss. Einer, auf den man zeigt. Es ist wie mit dem von den Toten auferweckten Lazarus: „Alle Welt läuft ihm nach.“ (Johannes 12,19) Das Volk kann sich gar nicht satt sehen und genug staunen über das, was da im Gang ist. Ein sonst ruhiger Ort der Sammlung wie die Halle Salomo wird zum Ort, wo es summt wie in einem Bienenschwarm.

12 Als Petrus das sah, sprach er zu dem Volk: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber oder was seht ihr auf uns, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann?

Petrus hört das Geraune. Er  sieht die aufgeregten Gesichter. Und darum reagiert er.  Er spricht die Leute um sich herum an, nicht auf ihre Neugier, nicht auf ihre Aufregung. Sondern darauf, dass sie Männer von Israel sind. Er sieht kein Problem darin, dass die Leute aufgeregt sind und sich wundern. „Dass das Volk sich über den Geheilten „wundert“, wird nicht kritisiert, wohl aber, dass es die Apostel „anstarrt“, als hätten sie „in eigener Kraft“ oder Frömmigkeit bewirkt, dass der zuvor Lahme umher gehen kann.“(R. Pesch, Die Apostelgeschichte, EKK V/1, Zürich 1986  S. 152) Aber das ist ein Problem, dass sie die beiden Apostel, Johannes und Petrus, für die halten, die das drauf haben, die Wundertäter aus eigener Kraft oder Frömmigkeit sind δυνάμις und ευσεβεία sind beides im NT hoch geschätzte Begriffe!  Es ist der uralte Versuch, Menschen übermenschliche Kräfte bedenkenlos zuzuschreiben, weil damit diese Kräfte irgendwie auch für den „Normalo“ zugänglich werden. Was die können, könnten wir doch im Grundsatz auch! Solange kein Gott am Werk ist, hat doch alles seine innerweltliche Ordnung. 

13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überantwortet und verleugnet habt vor Pilatus, als der ihn loslassen wollte. 14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum gebeten, dass man euch den Mörder schenke; 15 aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen.

Als Petrus so redet, haben da die Zuhörer gedacht: sind wir im falschen Film? Wovon redet der? Was hat das alles mit diesem Jesus zu tun? Vielleicht ist die Hinrichtung am Kreuz ja gerade noch so in Erinnerung – obwohl: sie ist ja schon Monate vorbei. Und wer weiß, wer von denen, die jetzt im Tempel sind, auch damals in Jerusalem war.

Aber Petrus muss von Jesus reden. Denn das Wunder steht nicht auf sich selbst und nicht auf ihrer Kraft. Das Wunder vor ihren Augen kommt ja aus den Händen des Gottes Abrahams und Isaaks und Jakobs, des Gott unsrer Väter. Er ist am Werk. „Es war eben der dieser Gott der Väter, der, wie unter deutlicher Anspielung auf Jesaja 52,13 gesagt wird, Jesus, seinen Knecht verherrlicht hat.“(J.Roloff, Die Apostelgeschichte; NTD 5; Göttingen 1981  Göttingen 1981, S. 74)  Und er hat sein Werk zu tun begonnen an dem, den ihr verworfen habt.  Aus der scheinbar so abwegigen Rede wird ein noch viel abwegiger Angriff: Ihr  habt den Fürsten des Lebens getötet. Ihr, die ihr nicht genug staunen könnt über das Leben, das sich in gesunden Knochen zeigt – ihr habt den in den Tod gegeben, der das Leben selbst ist.

Es ist wieder eine Kurzfassung, ähnlich wie in der Pfingstpredigt, die in einem Satz sagt, was geschehen ist und zugleich, was dieses Geschehen für eine Bedeutung hat. „Apostel Jesu Christi haben nur ein Thema: Jesus, der Gekreuzigte und auferstandene, ist der Messias.“(O. Dibelius, Die werdende Kirche, Eine Einführung in die Apostelgeschichte, S. 51)  Hart prallen das Handeln der Menschen und das Handeln Gottes aufeinander. Aus dem Handeln der Menschen kommt der Tod, aus dem Handeln Gottes das Leben.

Und es ist schon wahr: Hier wird deutlich, wie Gott aus dem Todeshandeln grundlos, bedingungslos, nur von seiner Liebe getrieben, Leben werden lässt. Er hält an dem fest, den die Menschen verworfen haben. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.« (Lukas 20,17) Gott schreibt die Geschichte Jesu anders weiter als es die Menschen geplant hatten.

Und wieder: Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen. Das ist das zentrale Zeugnis der Gemeinde: der tot Gesagte, tot Geschlagene, tot Geglaubte lebt. Die letzte Grenze der Welt, der Tod, ist zerbrochen. Darum kann das Leben siegen. Weil er, Jesus lebt und Leben gibt. Und alles, was die Jünger sagen können, ist: Wir haben ihn gesehen, das Leben, diesseits und jenseits des Todes. Immer ist er da. „Das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben,“ (1. Johannes 1,2) Wenn ich das lese, spüre ich noch über die Jahrtausende hinweg das Staunen in diesem Satz.

16 Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.

            „Nach einer weit verbreiteten Auslegung wäre in V. 16 vom Glauben des Geheilten und nicht von dem der Apostel die Rede. Aber dagegen spricht nicht nur die Tatsache, das die vorher gegangene Wundergeschichte nichts von einem Glauben des Kranken als Vorbedingung der Heilung weiß.“ (J. Roloff, aaO., S. 76) Das ist eine wichtige Klarstellung. Sie bewahrt vor lieblosen Forderungen an Menschen, die auf Heilung hoffen. Genauso müssen freilich auch die vor einem falschen Denken bewahrt werden, die für andere um Heilung beten und wenn sie ausbleibt, den eigenen Glauben dann fragwürdig finden.

            So oder so – es ist nicht der Glaube, der heilt, schon gar nicht die Gläubigkeit – es ist der Herr. Es ist der Name über alle Namen, der gesund macht, auf die Beine stellt. Es ist ein schmaler Grad, richtig oder falsch vom Glauben zu reden. Der Glaube empfängt Wunder, aber er macht sie nicht. Der Glaube ist nicht die notwendige Voraussetzung dafür, dass ein Wunder geschehen kann. Er ist aber wohl die notwendige Voraussetzung dafür, dass man ein Wunder sehen kann. „In V. 16B wird der Zusammenhang von Glauben und Heilung weiter geklärt: Es ist der durch Jesus selbst gewirkte Glaube, der dem zuvor Lahmen diese Unversehrtheit, die umfassende (im Gotteslob zum Ausdruck gekommene) Heilung seiner Person verliehen hat. Δί  α̉υτου̃  gibt die Urheberschaft an.“(R. Pesch, aaO. S. 154)

Ohne den Glauben sieht man nur eine Sensation. Der Glaube aber sieht Christus am Werk. Und darum sieht er das Wunder, weil er den sieht, der wirkt – den die Menschen verworfen und getötet haben und der von Gott bestätigt worden ist. Seine Lebenskraft, seine Gegenwart in dieser Welt voll Tod – das ist das Wunder, von dem wir alle leben.

17 Nun, liebe Brüder, ich weiß, dass ihr’s aus Unwissenheit getan habt wie auch eure Oberen.

Dem scharfen Angriff folgt – aus dem Mund des Petrus, nicht aus dem seiner Hörer – eine Entschuldigung. Es ist die Entschuldigung, die schon am Kreuz aus dem Mund Jesu laut wird: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34) Unwissenheit, α̉́γνοια – das ist die Erklärung des Lukas für das Verhalten der Menschen Christus gegenüber. Sie wissen es nicht besser. Das ist die Lage des Volkes, lang zuvor bei Jesaja (6,10) angesagt: „Mit sehenden Augen nicht sehen, mit hörenden Ohren nicht hören.“ Sie sind blind für die göttliche Wirklichkeit, die sie vor Augen haben. Es ist die Wirklichkeit des natürlichen Menschen, dass er nicht sieht, mit wem er es zu tun hat, dass er Gott nicht erkennt in Jesus.

Es ist, so denke ich, eine Entschuldigung aus Liebe. Petrus redet Klartext, aber er verliert dabei nicht aus den Augen: Ich will meine Zuhörer für den Glauben gewinnen und sie nicht lieblos  aburteilen. Er eröffnet keine Treibjagd auf die Christusmörder. Wo immer man das später getan hat, hätte man besser auf die Worte des Petrus achten sollen.

 18 Gott aber hat erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat: dass sein Christus leiden sollte.

Gott aber lässt sich weder durch Unwissenheit noch durch Ungehorsam aufhalten. Was Menschen tun, muss am Ende doch seinem Heilswillen dienen. Dabei ist es eine durchaus eigenwillige Sicht, dass alle seiner Propheten zuvor verkündigt haben, dass sein Christus leiden sollte. Jesaja hat Leiden angesagt für den Gottesknecht. Jeremia hat es als ein Vorläufer am eigenen Leib gespürt, wie Gottes Knechte leiden, obwohl er gewiss nicht der Christus war. Sacharja zitiert: „Sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben.“ (Sacharja 12,10), ein Wort, das sowohl das Johannesevangelium (19,37) als auch die Offenbarung des Johannes (1,7) aufgreifen und auf Christus beziehen. Aber alle Propheten?  Wahrscheinlich stehen die Genannten aber für alle – pars pro toto.

19 So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden, 20 damit die Zeit der Erquickung komme von dem Angesicht des Herrn und er den sende, der euch zuvor zum Christus bestimmt ist: Jesus.

Wieder: So tut nun Buße! μετανοσατε. Wieder der Ruf zur Umkehr, zum neuen Leben. „Gefordert ist, negativ, die die Abwendung von der bisherigen verkehrten Lebensweise und positiv, das Sich-Unterstellen unter das Heilswirken Gottes in Jesus.“(J.Roloff, aaO. S. 77) Der Bußruf, wie ihn das Neue Testament versteht, zielt nie auf moralische Zerknirschung, auf Kleinmachen und Gefügigmachen, sondern immer auf Befreiung, auf Erquickung, auf Entlastung und Aufatmen.

Es ist auch hier mit Händen zu greifen: Bußpredigt ist Christus-Predigt. Es geht nie darum, Menschen klein zu machen. Wann immer Buß-Prediger Menschen verdonnert haben, haben sie die Spur des Petrus verlassen. Er verkündigt Jesus Christus als neuen Lebensweg, als Angebot Gottes, als Zeit der Erquickung. Wenn Jesus kommt, ist die Zeit des Streites und Unfriedens vorbei –  es beginnt das Fest Gottes. Aufatmen und frei sein.

Petrus wird nicht müde, so zur Umkehr zu rufen. Manchmal denke ich, dass wir nicht so gerne hören: Tut Buße! Wir hören darin vor allem die Kritik am bisherigen Weg, das Urteil: Alles reicht nicht aus. Alles ist falsch. Schlecht. Verdorben. Tut Buße klingt nach notwendiger Korrektur, ohne die es nicht weiter geht. Wenn uns einer sagt: Weiter so! hören wir das gerne. es spornt an. Da fühlen wir uns bestätigt. Buße klingt nach Verneinung meiner bisherigen Wege – das waren Sackgassen und Holzwege. Was aber, wenn dieser Ruf mit dem darin enthaltenen Urteil die barmherzige Wahrheit wäre und das so gern gehörte „Weiter so“ die unbarmherzige, lieblose Lüge?

21 Ihn muss der Himmel aufnehmen bis zu der Zeit, in der alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.

             Der Himmel ist der Aufbewahrungsort Jesu. So klingt das hier ein bisschen. Da ist er jetzt in Sicherheit. Was er da, im Himmel, tut, darum geht es an dieser Stelle nicht. Um das zu erfahren, müssen wir anderswo nachschauen: „Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.“ (Römer, 8,34) Hier geht es nur darum: „Von dort wird er kommen“ und alles wird in seinem Kommen zurecht gebracht werden.

In der Mitte des Satzes findet sich ein Ausdruck, der für den Weg der Kirche höchst bedeutungsvoll geworden ist: Bis zu der Zeit, in der alles wiedergebracht wird. άποκαταστάςσις πάντων – die Wiederbringung aller. Schon in der Alten Kirche ist das ein großes Thema. „Origines hat mit ihr – vielleicht mit beeinflusst durch astronomische und philosophische Vorstellungen – zuerst die Erwartung der vollständigen, auch den Sünder einschließenden Rekonziliation der Schöpfung verbunden.“(R. Pesch, aaO.  S. 159) Es sind große Namen in der Christenheit, die diese Hoffnung geteilt haben – Oetinger, Schleiermacher, und manchmal scheint es mir auch: Karl Barth.

            „Der Ausdruck apokatastasis panton kommt im Neuen Testament nur dies eine Mal vor. Auch hier nur in einem Nebensatz. Aber es konnte nicht anders sein, als dass die fromme Spekulation sich an diesen Ausdruck heftete, um an ihn die große Frage anzuschließen, welches einmal das Ende der Dinge und die Vollendung des göttlichen Heilswerkes sein werde. Wird es  Gottes letztes Wort sein, dass die einen zur Seligkeit eingehen und die anderen zur Verdammnis oder wird zuletzt die Gnade triumphieren und alle Kreatur in die Gemeinschaft mit Gott aufnehmen?“(O. Dibelius, Die werdende Kirche, Eine Einführung in die Apostelgeschichte, S. 52) Die Frage stellen heißt: Sie offen halten. Die Antwort ist Gottes Werk und nicht unser Beschluss – so oder so. Wer hier zu wissen glaubt, was allein möglich ist, übernimmt sich.

22 Mose hat gesagt (5.Mose 18,15; 18,19): »Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; den sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagen wird. 23 Und es wird geschehen, wer diesen Propheten nicht hören wird, der soll vertilgt werden aus dem Volk.«

             Mose hat einen endzeitlichen Propheten nach seiner Art angekündigt. „Diese Ankündigung hat sich in der Sendung des irdischen Jesus erfüllt.“(R. Pesch, aaO.  S. 157) Damit steht Israel vor der Frage: Hören wir auf ihn oder weisen wir ihn ab? Diese Frage ist auch mit der Kreuzigung Jesu noch nicht endgültig beantwortet. Sie wird in der Verkündigung des Petrus neu gestellt, Das ist seine Botschaft: Es ist noch Raum zur Umkehr, zur Rettung.

Darum meine Frage: Darf man aus diesen Worten die folgende schreckliche Folgerung ziehen, die sich freilich der Übereinstimmung mit großen Teilen unserer theologischen Tradition gewiss sein kann: „Der Jude, der sich nicht dem seinem Volk „von Gott bestimmten Messias“ anschließt, hört auf, Glied Israels zu sein. Denn das wahre Israel ist nur da, wo Jesu Stimme gehört wird.“(J. Roloff, aaO. S. 78) Das geht weit über das hinaus, was Petrus hier sagt.

 24 Und alle Propheten von Samuel an, wie viele auch danach geredet haben, die haben auch diese Tage verkündigt. 25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott geschlossen hat mit euren Vätern, als er zu Abraham sprach (1.Mose 22,18): »Durch dein Geschlecht sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden.«

Hier wird für mich etwas spürbar vom Ringen der jungen Christengemeinde um ihre jüdischen Brüder und Schwestern. Sie wollen es ihnen deutlich machen: Ihr seid zum Heil gerufen. Ihr seid die ersten Adressaten der Sendung des Christus. Ihr seid gemeint, gewollt, weil ihr  die Israeliten seid, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch.“ (Römer 9,4-5) Es ist die Liebe zu ihrem Volk, die hier nicht locker lässt. Und es ist die Bindung an den Weg Gottes von den Vätern her, der hier wieder und wieder beharren lässt: Das ist Gottes Weg von Anfang an.

26 Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht Jesus erweckt und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, dass ein jeder sich bekehre von seiner Bosheit.

             Für euch zuerst – das ist  die gemeinsame Botschaft der Gemeinde. Es ist die Reihenfolge, die Paulus immer wieder benennt. „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“(Römer 1,16) Es ist auch die Reihenfolge, die Paulus nach der Erzählung der Apostelgeschichte in seiner Missionspraxis beibehält: Erst der Weg in die Synagoge, dann zu den Versammlungsorten der Heiden. Diese Reihenfolge darf nie umgedreht werden und darf nie außer Kraft gesetzt werden. Es gibt kein Heil für uns Heiden an den Brüdern und Schwestern aus Israel vorbei. Es gibt kein Heil in ihrer Enterbung.

Es ist eine der schlimmsten Verirrungen der Christenheit, dass sie geglaubt hat, Israel ersetzen zu können, Israel absetzen zu können und sich so über den Heilsplan Gottes hinweg gesetzt hat. Ich mag es nicht, dass heute alle möglichen Texte des NT als anti-judaistisch und antisemitisch gebrandmarkt werden. Aber ich sehe auch, wie schwer die Christenheit durch die Jahrhunderte hin genau durch ihren Antijudaismus und ihren Hochmut gegenüber dem Heilsweg Gottes geschädigt worden ist, sich selbst geschädigt hat.

Das Andere ist freilich auch zu sagen: Der Jude Petrus ruft seine jüdischen Hörer und Hörerinnen zur Umkehr, zur Hinkehr zu Jesus als dem Christus, bei dem allein Rettung ist. Und er macht es dringlich. Die Christus-Predigt ist nicht dadurch überflüssig, dass Israel das Volk ist, das Gott sich von den Vätern her erwählt hat. Sie hat vielmehr gerade in dieser Erwählung ihren Grund.  Die Erwählung Israels kommt ja in dem erwählten Jesus von Nazareth, dem Christus Gottes, an ihr Ziel.

 

Heiliger Gott, die Liebe zu Deinem Volk Israel gehört zum Glauben. Du hast diese Liebe nie aufgekündigt. Du hast sie durchgehalten am Kreuz und in den Zeiten der Verfolgung. Du hast sie durchgehalten im Feuer der Vernichtung.

Gib Du uns, Deinen Christen, dass wir die Liebe zu Deinem Volk neu lernen, nicht aus Schuldbewusstsein, nicht voller Scham, sondern weil wir uns anstecken lassen von Deiner Liebe.

Gib mir, dass ich es immer mehr innerlich ergreife, wie der Glaube mich mit Deinem Volk Israel verbindet. Amen