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Apostelgeschichte 1, 1 – 14

 Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte 2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.

Es ist noch nicht alles gesagt. Es ist noch nicht alles erzählt. Lukas ist am Ende seines Evangeliums noch nicht am Ende mit dem Evangelium. Er hat mit dem Evangelium nur einen ersten Bericht gegeben. Es geht weiter. Wie es weitergeht, das wird der Inhalt dessen sein, was der Gottesfreund Theophilus zu lesen bekommt.

Ich erinnere mich an Jungen-Namen meiner Kindheit: Gottfried, Gottlob, Gotthilf, Gotthard. Das waren Hoffnungsnamen der Eltern für ihre Kinder, ein erhofftes Lebensprogramm steckte in diesen Namen. So ist es auch mit dem Namen Theophilus – es ist ein Name, angefüllt mit der Hoffnung, er möge ein Gottesfreund seion oder auch erst werden. Und was Lukas seinem Leser erzählt, soll doch wohl dieser Hoffnung aufhelfen.

Dem Glauben hilft auf die Beine, wenn etwas erzählt wird. Das ist ja anders als bei uns. Bei uns scheint man zu denken: Dem Glauben hilft auf die Beine, wer ihn erklärt, wer ihn auf den Begriff bringt. Lukas dagegen möchte erzählen, weil er seinem Erzählen zutraut, dass es Kraft hat und Mut macht, Mut zum Glauben.

Eine knappe Andeutung fasst das Evangelium zusammen: Vom Anfang des Handelns Jesu bis zum Tag der Himmelfahrt, genauer bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde. Mir fällt auf: Die so ausführliche Vor-Geschichte um Ankündigung, Geburt und Kindheit Jesu fällt weg. Hier geht es nur noch um Jesu Handeln, nicht mehr um seine himmlische Herkunft.

Und es geht darum, dass Jesus den Aposteln Weisungen gibt – ντέλλω, auftragen, befehlen (Gemoll, Griechisch-Deutsches Schul-u.-Handwörterbuch; München 1957, S.280) -, denen, die er durch den Heiligen Geist erwählt hat – das ist ein deutender Rückgriff  auf das Evangelium: „Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte.“(Lukas 6,13) Es ist gewiss kein Zufall, dass Lukas hier diese Beauftragung mit dem Heiligen Geist verbindet, wird doch die ganze Apostelgeschichte davon geprägt sein, dass sie die Wirkungen des Geistes erzählt in den Taten der Apostel. Was sie tun werden, geht auf Jesu Auftrag und Jesu Geist zurück.

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. 4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

Es ist fast wie mit dem Samstag zwischen Karfreitag und Ostern. Eine stille, verborgene Zeit. Zwischen der Auferstehung und der Himmelfahrt liegen vierzig Tage. Es sind die Tage, in denen Jesus den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte. Es sind nicht Tage voller Öffentlichkeitswirksamkeit. Aber es sind Tage, in denen der Grund gelegt wird für das, was folgen wird, was öffentlich wirksam werden wird. Jesus zeigt sich durch viele Beweise als der Lebendige …und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

             Die Berichte über die Begegnungen mit dem Auferstanden, wie sie in den Evangelien vorliegen, sind hier einzuzeichnen. Wenn man so will: es ist eine besondere Zeit der Lehre Jesu. Und wenn ich ernst nehme, was ich da lese, kann ich sagen: die Lehre, die Unterweisung über das Reich Gottes Jesu in dieser Zeit ist schlicht, dass er da ist, dass er sich seinen Jüngern zeigt.

Es ist müßig, darüber nachzudenken, was er hier inhaltlich gelehrt hat. Die “Bibelstunde” auf dem Weg nach Emmaus muss als Information über die Lerninhalte reichen: „Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.“ (Lukas 24, 26-27) Wichtiger ist das andere: was hier im Verborgenen geschieht, drängt ans Licht: „Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern.“ (Matthäus 10,26-27)

             Diese Zeit der Verborgenheit ist eine kostbare Zeit. Warten. Aushalten an dem Ort, an den sie gestellt sind. Nicht den eigenen Flucht-Reflexen folgen. Auch nicht eigene Pläne schmieden. Der Anfang des Weges in die Welt ist Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters. Es ist so rasch geschehen, dass man auf selbst gewählten Wegen Jerusalem verlässt, sich irgendwie irgendeinen Weg bahnt, die Dinge selbst in die Hand nimmt.

Die Überzeugung des Lukas, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch ziehen wird ist: nicht eigene Wege wählen aus Furcht oder Selbst-Überschätzung, sondern sich darauf verlassen, dass Gott, der Vater, führt, dass er seine Verheißung erfüllt. „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lukas 11, 13) Der Vater ist zuverlässig. Er gibt, was die Christen dringender brauchen als Brot – den Heiligen Geist.

Sie sollen warten. Sie müssen warten lernen. Diese Zeit des Wartens fügt in eine großes Bild ein: „Am Anfang der Zeit Jesus stand die Johnnestaufe, dass das ganze Volk getauft wurde, mit Wasser; das Ende dieser Epoche ist die Himmelfahrt. Am Anfang der Zeit der Kirche steht die Geisttaufe der Apostel und ihrer ersten Gemeinde.“ (R. Pesch, Die Apostelgeschichte, EKK V/1, Zürich 1986  Neukirchen 1986, S. 67) Mit diesem Geschehen beginnt eine neue Zeit.

 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;

             Immer wieder die gleiche Frage: Wann?  Wann ist es so weit, dass das Reich kommt? Wann ist es so weit, dass der Streit der Welt ans Ende kommt? Wann ist es so weit, dass es kein Unrecht mehr gibt, keinen Krieg, keine Gewalt, keinen Tod mehr? Wann ist das Leiden an der Zeit zu Ende? Es ist nicht die Neugier, die so fragt. Es ist nicht naseweises Wissen-wollen. Es ist das Leiden an der Welt und die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, nach dem Schauen Gottes. Die Antwort Jesu auf die immer gleiche Frage der Sehnsucht ist die Antwort, die schon im Danielbuch gegeben ist: „Mein Herr, was wird das Letzte davon sein? Er aber sprach: Geh hin, Daniel; denn es ist verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit.“(Daniel 12, 8-9)  Gott weiß es und das reicht.

  8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Neben die Abwehr der Fragen tritt die andere Antwort: ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein: Das ist Versprechen und Auftrag in einem. Ihr erhaltet, was ihr braucht, Rückenwind aus der Wirklichkeit Gottes. Kraft aus der Ewigkeit. Den Geist, der euch zu Menschen meiner Gesinnung, meines Geistes macht, nicht gleichförmig mit mir, aber durchdrungen von meiner Art. Da braucht keiner mehr kleingläubig auf sich zu blicken: Aber ich kann doch nicht reden! Aber ich habe doch Angst vor Menschen! Aber ich habe noch gar nicht genügend nachgedacht! In dein Herz will Gott ein Feuer legen, das Feuer seiner Liebe, die in Jesus Christus ist – und dafür sollst du Zeuge werden.

Da sind Jünger, vierzig Tage zuvor geflohen, die sich nicht als sonderlich kampfstarke Gruppe erwiesen haben. Da ist die Stadt, die den Auftraggeber ans Kreuz abgedrängt und abgehängt hat. Da sind römische Truppen, denen ein Menschen1eben nicht allzu viel gilt und jüdische Tempelsoldaten, die sich auch nicht viel daraus machen würden, einen Anhänger dieses Gotteslästerers um die Ecke zu bringen! Und nun: “Wie die Schafe mitten unter die Wölfe!” (Matthäus 10,16) Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem! Da, wo es am schwersten werden musste, da sollen die Jünger anfangen! Wo der Widerstand am größten ist, wo sie das Symbol der Macht der Gegner – den Kaiseradler und den Tempel – ständig im Auge haben, da sollen sie anfangen.

Wo ist unser Jerusalem? Wo soll unser Zeugnis von Jesus seinen Anfang haben? Da, wo wir leben, wo man uns kennt, wo jeder Satz von uns geprüft wird an unserem Leben, da ist der Ausgangspunkt unseres Zeugendienstes. Wer für Jesus Zeuge wird, der wird zunächst einmal nach Hause geschickt zu den eigenen Leuten.

Dann nach Judäa – dorthin, wo man schon manches von Gott weiß, wo man manches erlebt hat, das einen berührt hat und ins Fragen bringt, und doch ist es noch ganz offen, ob man diesem Erleben traut und darin den Gott entdeckt, der das eigene Leben wandeln will.

Wieder einen Schritt weiter: nach Samaria – zu den Verachteten, zu denen, die einen anderen Glauben haben,  die sich nicht zum Volk Gottes halten. Wir müssen nicht mehr weit gehen nach Samaria – wir haben die Menschen anderen Glaubens und ohne Glauben in großer Zahl in unserem  Land.

Schließlich: Bis an das Ende der Erde. Schritt für Schritt führt Jesus seine Zeugen in größere Räume. Nicht erst die großen Schritte und dann die Kleinarbeit vor der Haustür. Nein – erst vor der eigenen Tür und dann immer weiter hinaus bis zum Zeugnis in allen Kontinenten! Nicht jeder wird alle Schritte tun ‑ aber jeder kann und soll den ersten tun, auch der, der dann hinaus geführt wird in die Fremde!

Dieses Wort ist die „lukanische Form“ des Missionsbefehls. Es ist gut, dass es ein Befehl in der Form einer Verheißung ist. Es ist Gott selbst, der Vater, der im Heiligen Geist die Kraft gibt, diesem Auftrag nachzukommen, nach zu stolpern.

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

            Eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg. Dabei geht es nicht um die Art des Weggehens Jesu. „Die Wolke ” ist in der Bibel anderes und mehr als eine eine meteorologische Erscheinung: Gott zog in einer Wolke  vor dem Volk Israel durch die Wüste. Bei der Taufe Jesu kam die Stimme Gottes aus einer Wolke. Diese beiden Hinweise genügen schon: Wolke bezeichnet in der Bibel die Gegenwart Gottes, des allmächtigen Vaters.

Darum geht es hier nun auch wirklich: Mit seiner Himmelfahrt tritt Jesus in die Gegenwart das Vaters neu ein. Er geht dorthin, wo er hergekommen ist. Und er geht dorthin als der, der unsere Schuld ans  Kreuz getragen hat. Er geht dorthin als der, der in allem dem Vater gehorsam war und in allem den Willen des Vaters erfüllt hat. Er geht dorthin als der, den der Vater gesandt hatte zu suchen und zu retten, was sonst ewiglich verloren ist. Und „dorthin“ gegangen, „an den Ort, den wir Himmel nennen“ (C.Bittlinger), sitzt er zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters – so wie wir es im Glaubensbekenntnis aussprechen.

 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Plötzlich, siehe, sind zwei Männer da. Das kleine Wort siehe ist immer ein Aufmerksamkeits-Signal an die Leser und Leserinnen. Es kommt etwas Wichtiges. Es liegt irgendwie nahe, weil sie in weiße Gewänder gekleidet sind, an Engel zu denken. Und was sie sagen, fordert heraus. Es spielt auf uralte Texte an: „Da wird dann kommen der HERR, mein Gott, und alle Heiligen mit ihm. Zu der Zeit wird weder Kälte noch Frost noch Eis sein. Und es wird ein einziger Tag sein – er ist dem HERRN bekannt! -, es wird nicht Tag und Nacht sein, und auch um den Abend wird es licht sein. Zu der Zeit werden lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, die eine Hälfte zum Meer im Osten und die andere Hälfte zum Meer im Westen, und so wird es sein im Sommer und im Winter. Und der HERR wird König sein über alle Lande. Zu der Zeit wird der HERR der einzige sein und sein Name der einzig.“(Sacharja 14, 5-9) Das zu lesen fordert auf, sich zu erinnern: Die ganze Szene spielt am Ölberg. Dieser Ort ist nicht zufällig. An diesem Ort, auf diesem Berg wird der Kommende offenbar!

Das andere ist genauso wichtig, auch dafür gilt das siehe! Die beiden Männer fordern auf, die Blickrichtung zu ändern. Die Augen der Sehnsucht sind nicht auf den Himmel, sondern auf  die Erde gerichtet. Bis es so weit ist, gibt es noch zu tun – hier auf der alten Erde. Diese beiden Männer stehen dafür: Der Glauben an den in den Himmel aufgenommenen Christus erlaubt keinen Ausstieg aus der Welt, sondern er fordert den Einstieg in die Welt, in das Handeln in der Kraft des Geistes, hier und heute.

 Wenn das Wasser immer wärmer wird                                                                                und die Fische schneller schwimmen,                                                                             wenn das Wild sich in die Stadt verirrt,-                                                                            um den Naturgewalten zu entrinnen:                                                                                  Ist es dann Zeit für mich, ganz langsam aufzustehn                                                    und, mit dem Rücken zur Welt gewandt,                                                                         gebannt ins All zu sehn                                                                                                                und drauf zu warten, dass irgendwas passiert?~

 Wenn  alle Lügen Wahrheit werden,                                                                                 wenn Freude sich in Kummer kehrt,                                                                               dann plappern und dann schwatzen die Gelehrten                                                           und der Verrückten Weisheit wird begehrt.                                                                            Ist es dann Zeit für dich…                   C. Bittlinger, CD Mensch, bist du wirklich 1981

Mit dem Rücken zur Welt gewandt – gebannt ins All schauen? Das gibt es: Menschen, denen die Erde so fremd geworden ist, die hier so heimatlos sind, dass sie nur noch gehen möchten. Das gibt es: Menschen, die über der Sehnsucht nach dem Himmel vergessen, der Erde treu zu bleiben. Das gibt es: Menschen, die sich das bessere Jenseits erträumen und darüber versäumen, das Diesseits als den Ort anzunehmen, an dem Gott sie haben will mit ihrer Kraft, ihrer Phantasie, ihrer Leidenschaft, ihrer Hingabe.

Manche sehen das Wirken Jesu wie eine physikalische Erscheinung: wenn man eine lange Reihe von Eisenbahnwaggons hintereinander stellt und an den ersten stößt eine Lok, dann pflanzt sich der Stoß fort. Aber je weiter er kommt, umso mehr verliert er an Kraft, bis er schließlich keine Wirkung mehr hat. Dass es mit Jesus auch so sei, dass ist die Hoffnung der Gegner, das ist die Angst mancher Christen. Und so stehen sie da und schauen gen Himmel: Kommt noch was oder kommt doch nichts mehr. Und sie verpassen dabei, wie er heute handelt, wenn sich einer von ihm gebrauchen lässt, wenn eine Gemeinde ihm gehorsam wird, wenn eine Kirche auf ihn hört und nicht auf die eigene Tagesordnung fixiert bleibt.

12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Es ist ein mutiger Weg, dieser Weg zurück vom Ölberg nach Jerusalem. Die ganze Stadt liegt vor Augen. Die Schönheit des Tempels, das Häusergewirr und wer hinsieht, sieht eine Stadt mit tausend Problemen und tausend Wunden. Dorthin gehen sie und dort beten sie.

Sorgfältig wird aufgelistet, wer alles dabei ist. Eine vollständige Liste der Jünger – elf, weil Judas nicht mehr dabei ist. Fast wie nebenher: samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.  Lukas hat es schon im Evangelium hervorgehoben, dass es Frauen gibt, die mit den Jüngern Jesu unterwegs sind. Aufregend hier: Plötzlich ist die Familie Jesu mit bei den Jüngern – Mutter Maria und seine Brüder. Seltsam: Mit keinem Wort wird erzählt, was für sie die Wende herbeigeführt hat, dass sie sich plötzlich zu den Jüngern halten. sie die doch früher so lange keinen Zugang zu Jesus gefunden haben. Es reicht, dass sie da sind.

Hat es eine Bedeutung, dass sie hinauf steigen in ein Obergemach? Sind sie so dem Himmel ein wenig näher? „Upper room“ – das ist in vielen Spirituals eine Chiffre – es ist der Raum, der sich über den Alltag erhebt, der erlaubt, mehr zu sehen als das, was vor Augen ist, was unseren Blick fesseln und binden will.  Wir sind zu mehr Freiheit bestimmt.

Im Kreis gehen die Menschen                                                                                                  im Käfig ihres Planeten                                                                                                         weil sie vergessen haben                                                                                                         dass man zum Himmel aufblicken kann              Eugene Ionesco

             Beten ist das Erste – und vielleicht das Beste, für einfache Leute, was sie für ihre Stadt tun können. „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.“ (Jeremia 29,7) Jerusalem wird nicht ihre Bleibe für immer sein. Aber solange sie dort sind, sollen und dürfen sie für die Stadt und die Menschen in ihr vor ihrem Gott einstehen.

 

Herr Jesus, wie soll es weiter gehen mit uns, mit mir, mit Deiner Welt, jetzt, wo wir Dich nicht mehr sichtbar vor Augen haben?

Wie soll es weiter gehen mit dem Evangelium, Worten, Taten, Vergebung, Gerechtigkeit, jetzt, wo wir alleine weiter gehen müssen?

Du bist im Himmel, wir auf der Erde. Gib uns was wir brauchen, Rückenwind und Tapferkeit, offene Augen und Hände, Mut genug für den Weg nach Jerusalem, nach Judäa und Samaria bis ans Ende der Welt. Amen