Versöhnt

Kolosser 1, 21 – 23

21 Auch euch, die ihr einst Fremde wart und feindlich gesinnt in bösen Werken, 22 hat er nun versöhnt durch seinen sterblichen Leib, durch seinen Tod, auf dass er euch heilig und makellos und untadelig vor sein Angesicht stelle;

             Jetzt folgt ein weiterer Schritt über Grenzen hinaus: Er beginnt mit der Erinnerung für die Leute in Kolossä, mit der Erinnerung an ihre große Lebenswende: Fremde waren sie – von ihrer Herkunft aus den Heiden her und von ihrer Lebensweise nach eigenem Gutdünken her. Umso größer die Zusage: Ihr gehört dazu, zu ihm, Christus, zur Gemeinde, in den Weg Gottes. Ihr, die ihr kein Anrecht darauf habt, weil ihr weder durch Herkunft noch durch Lebensweise prädestiniert erscheint, Gottes Leute zu sein. Diese Wende haben sie nicht selbst herbei geführt. Sondern der kosmische Christus, der das All trägt und sein Zentrum ist, der hat euch versöhnt. Heißt doch hier zuerst: Er hat euch zu Söhnen und Töchtern Gottes gemacht, die ihr vorher Findelkinder der Welt ward, euch selbst überlassen.

Das ist ja der Schritt, der aus einem wie auch immer gearteten Wissen von Gott eine Beziehung werden lässt, die das ganze Leben trägt und prägt. Aus angelerntem Schulwissen oder Konfirmanden-Wissen ein Glauben, das sich in Gott birgt, in ihm das eigene Leben verankert, an ihm Halt und Zuflucht und Hoffnung gewinnt. Es ist das Passiv, das Widerfahrnis: Er hat euch versöhnt. Keiner kann sich den Glauben selbst geben. Keiner kann sich selbst in diese lebenstragende, heilsame Beziehung zu Gott setzen. Das ist Gottes Werk allein. Seine Versöhnung.

23 wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel.

Und er stellt – so der Apostel -euch mit der Versöhnung auf einen neuen Weg – heilig, untadelig, makellos zu sein – nicht aus eigenem Können, sondern wiederum, weil er euch dazu macht. Der ihre Vergangenheit zurecht gebracht hat, der eröffnet ihnen auch nun die Zukunft. Dazu braucht es nur das Eine: Bleiben an dem Wort, bleiben am Evangelium. Bleiben in der Wahrheit, die durch die Boten Gottes in Kolossä ausgerufen worden ist. In der etwas schwebenden Formulierung wird  deutlich: die Gemeinde ist keine Gründung des Paulus. Aber sie ist entstanden durch das Evangelium, dem auch `Paulus’ dient.

Hier klingt der Überlieferungsprozess an, der für die Wahrheit und Verlässlichkeit des Evangeliums so grundlegend ist: „Ich habe euch weiter gegeben, was ich empfangen habe.“(1. Korinther 15, 2) Der Glaube kommt aus dem Hören und nicht aus dem Eintauchen in so etwas wie die eigenen religiösen Tiefen. Der Glaube ist an das Wort gebunden, an den Christus, von dem Geschichten erzählt werden können – und nicht an ein Himmelswesen, das Produkt philosophischer oder religiöser Spekulation ist. So wird alles, was vorher im Stil hoher Christologie daher kommt, geerdet.

Eine Frage bleibt offen. Warum steht da: Das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel. Es könnte doch auch heißen: allen Menschen. Warum allen Geschöpfen? Es könnte eine Anspielung auf das sein, was Paulus im Römerbrief schreibt: „Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.“ (Römer 8,19-21) Der Horizont des Evangeliums geht nicht nur auf ein paar Menschen, er geht auf alle Geschöpfe und die ganze Welt. Es ist diese ganz große Vision, dass es um die ganze Schöpfung geht, die sich schon in der knappen Wendung hier ankündigt.

Sein Diener bin ich, Paulus, geworden.

Der Diener des Evangeliums – hier steht selbstbewusst διάκονος und nicht δοΰλος, Sklave – nimmt sich das Recht, die Gemeinde in Kolossä zur Treue zum Evangelium zu ermahnen. Warum? Weil er selbst im Dienen treu ist und seine Treue bewährt. Es ist ein demütig-stolzes Selbstbewusstsein, das aus diesen Worten spricht. Christen müssen keine Duckmäuser sein und müssen nicht von sich nur als „meine Wenigkeit“ reden. Sie sind Träger einer großartigen Botschaft.  Sie dienen mit dem Wort des ewigen Gottes.

 

Dass es mit meinem Leben gut werden wird, das ist Deine Gabe, Christus. Du hast die Vergangenheit getragen, die mich weit von Gott weggeführt hat, die ihn mir hat fremd sein lassen und mich ihm fremd. Du eröffnest mir die Zukunft, die auf die ewige Gemeinschaft hinführt, auf das Bleiben in Ewigkeit, auf die Freude, die nie vergeht. Amen