Grablegung – Zeichen der Liebe zu Jesus

Lukas 23, 50 – 56

50 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann 51 und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, und wartete auf das Reich Gottes.

               Achtung! sagt Lukas. Und siehe. Es kommt Ungewöhnliches. Und führt jetzt einen Abweichler aus dem Hohen Rat in die Geschichte ein. Josef von Arimathia, „ein guter und gerechter Mann“ (Luther 2017),  – νρ γαθς κα δκαιος  – das Urteil des Hauptmann über den sterbenden Jesus wird hier fast wortgleich zur Charakterisierung des Josef. Dieser Ratsherr  aus einer Stadt in Judäa, war nicht einverstanden mit dem ganzen Verfahren gegen Jesus. Er hatte es nicht aufhalten können. Aber auch wenn er überstimmt – oder muss man sagen: über-schrien wurde – das änderte nichts an seiner inneren Haltung. Er wartete auf das Reich Gottes. Und was er jetzt tut, tut er aus dieser Haltung eines erwartungsvollen Menschen heraus.

52 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu 53 und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte. 54 Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an.

Es ist Abendzeit, am Ende eines langen Tages. Josef erbittet den Leib Jesu. Er kann ihn nicht einfach nehmen. Das römische Recht sieht grausam genug vor, das Gekreuzigte am Kreuz verrotten. „Nach römischem Recht durften die zum Tode Verurteilten nicht beerdigt werden.“ (F. Bovon, EKK III/4, Das Evangelium nach Lukas, Lukas 19,28 – 24,53, Neukirchen 2009, S.498) Darum muss Josef eine Ausnahme erwirken. Das geht nur durch den Gang zu Pilatus. Ist es die Prominenz des Ratsherrn – er erreicht sein Ziel ohne jede Verzögerung. Die anderen Evangelisten wissen hier viel mehr zu erzählen, vom Erstaunen des Pilatus, von sorgfältiger Nachforschung und Kontrolle. Hier nichts davon. Die Bitte wird wortlos erfüllt.

Jesus findet seinen Ruheort in einem bislang unbenutzten Grab. So ist er geschützt vor Entehrung und Schande, doppelt geschützt durch das Leinentuch und das Grab. Wenigstens durch sein Grab wird er geehrt, der im Tod so entehrt werden sollte. Josef von Arimathia erfüllt hier die Pflicht, die eigentlich den Angehörigen und den Freunden oblegen hätte. So tritt er heraus aus der anonymen Menge der Jesus-Sympathisanten und wird zu einem, der sich zu Jesus stellt.

Es fällt schon auf: „Simon von Zyrene, der gute Verbrecher und Josef von Arimathia bilden eine Gruppe von neuen Verbündeten und Freunden Jesu, die der Feindschaft der Mitbürger und jüdischen Glaubensgenossen, dem Schrecken der sich fernhaltenden Jünger und der Gleichgültigkeit der Familie Jesu gegenüber stehen.“ (F. Bovon, ebda.)Vielleicht muss man den Hauptmann unter dem Kreuz hier auch noch mitzählen. Sie gehören mit in den Anfang des neuen Gottesvolkes.

55 Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. 56 Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.

                    Wieder sind es die Frauen, die mit auf dem Plan sind und wieder fehlen die Männer. Durch den ganzen Bericht seit Beginn des Prozesses sind die Jünger von der Bildfläche verschwunden. Das wird, weil es so wenig schmeichelhaft für die Männer ist, nicht ohne historischen Anhalt so erzählt werden.

Die Frauen gehen den Weg der Nachfolge, den sie in Galiläa begonnen haben,  weiter, über den Tod hinaus. Sie sehen den Vorgang. Sie sehen die Kreuzabnahme, sehen, wie der Leichnam versorgt wird und sehen, wo er hingelegt wird. Es ist ein genaues Hinsehen, nicht nur ein flüchtiger, verhuschter Blick. Es ist der Blick der Trauer, die sich nicht lösen kann. Und dann, als es nichts mehr zu sehen gibt, fangen sie an, sich vorzubereiten, auf den letzten Dienst, den sie Jesus tun wollen. Sie wollen den Leichnam salben.

Aber vorher ist Sabbat. Stille. Einhalten. Wie das Gesetz es befiehlt. Sie ruhen in ihrem Schmerz. Sie warten auf den nächsten Tag ohne zu wissen, was an diesem Tag sein wird. Nichts tun, nichts planen. Nur da sein und die Gedanken kommen und gehen lassen. Ihnen Raum und Zeit geben. Erinnerungen zulassen. Mag sein, sie haben an diesem Sabbat-Tag noch einmal die Wege durch Galiläa vor sich gesehen, noch einmal die Orte seiner Zeichen, noch einmal seine Worte in sich aufklingen lassen. Lukas erzählt nichts  davon, nichts von den Gesprächen, nichts vom Schweigen, nichts von den Tränen. Nur dass sie ruhten sie nach dem Gesetz. Ob es zulässig ist, diese Ruhe der Frauen am Sabbat, dem Tag nach der Kreuzigung, zusammen zu sehen mit der Ruhe Gottes am siebten Tag, am letzten Tag der Schöpfung? In dieser Sabbat-Ruhe wird Gott sein Werk vollenden.

Jedenfalls: einen langen Tag lang geschieht auf der Seite der Menschen und vor ihren Augen nichts. Was sollte auch nach dem Tod am Kreuz noch geschehen? Mit dem Tod ist doch alles vorbei.

 

Jesus, auf Deinem Weg in den Tod treten manche Leute aus dem Dunkel, aus der Anonymität. Simon von Kyrene wird zum Kreuzträger für Dich. Josef von Arimathia erbittet Deinen Leib, um Deine Ehre wenigstens im Tod zu wahren. Sein Grab stellt er als Deine Ruhestätte bereit.

Kleinigkeiten. Nichts, was den Lauf der Dinge ändert. Und doch Zeichen der Nähe zu Dir. Zeichen der Liebe zu Dir.

Gib Du auch uns den Mut zu solchen Zeichen unserer Nähe zu Dir, unserer Liebe zu Dir. Amen