Die größere Zukunft

Kolosser 3, 1 – 4

1 Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. 2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

             Jetzt also ist der Schreiber gefordert, selbst positiv zu sagen: Wie sieht denn das Christenleben aus in einer Praxis aus, die sich ganz an Christus und der Freiheit orientiert? Die aus dem Glauben ihre Kraft schöpft. Nicht mehr nur Abwehr des Irrtums, sondern Wegweisung ist gefragt.  Was hier zu verhandeln ist, verbindet sich in der kirchlichen Tradition mit dem etwas altertümlichen Wort „Heiligung“. Leben, nicht nur in den engen Grenzen der Spielregeln, die wir uns machen. Sondern Leben aus seiner Güte, seinem Geschenk, Seiner Gnade. So, dass es Jesus entspricht.

„Es ist jene Doppelklammer, die Paul Gerhardt uns so unvergesslich eingeprägt hat:

Ich bin dein, weil du dein Leben
und dein Blut mir zugut in den Tod gegeben;

Du bist mein, weil ich dich fasse
und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse.
Aus Seinem schenkenden „für euch“ und unseren nehmenden „unser Leben“ entsteht jenes „mit dem Christus“, dessen stete Realisierung in unseren Dasein die „Heiligung“ ist.
(W. de Boor, Der Brief des Paulus an die Kolosser, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1976, S. 245) Leben aus dem Geschenk.

Die Wegweisung an die Kolosser fängt mit den Worten an: sucht, was droben ist. Droben, im Himmel!? Also nicht: „Brüder, bleibt der Erde treu.“(F. W. Nietzsche: Also sprach Zarathustra ? Ein Buch für Alle und Keinen) „Die größere Zukunft“ weiterlesen

Unbekümmert leben aus Gottes Güte

Kolosser 2, 20 – 23

 20 Wenn ihr nun mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt: 21 »Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren« – 22 was doch alles verbraucht und vernichtet werden soll.

Darum keine Angst. Darum keine Enge. Darum kein Gehorsam gegen solche „geistlichen“ Forderungen. Es geht um die Freiheit in Christus. „Es geht um die Befreiung von allerlei Tabus“ (E. Schweizer, Der Brief an die Kolosser, EKK, Neukirchen 1976, S. 126) Es geht darum, sich nicht durch irgendein Regelwerk oder Satzungen neu treiben zu lassen, neu zurückwerfen zu lassen auf die eigene Leistung in Sachen Frömmigkeit.

Es geht darum, den weltlichen Umgang mit den weltlichen Dingen nicht religiös zu überfrachten und aufzuladen. Essen ist Essen, Trinken ist Trinken und jeder Tag ein Tag aus Gottes Hand. Dem stehen die gegenüber, die strikte Regeln aufstellen: nicht anfassen, nicht kosten,  nicht anrühren. Mir fällt beim Lesen ein, was Eva in grauer Vorzeit als Gebot Gottes sagt: „Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet“ (1. Mose 3, 2-3) Vom Nicht-Berühren war nie die Rede. Als ob das bloße Berühren dessen, was zu Gottes guter Schöpfung gehört, den Weg zu Gott versperren könnte. „Unbekümmert leben aus Gottes Güte“ weiterlesen

Kein schlechtes Gewissen

Kolosser 2, 16 – 19

 16 So lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank oder wegen eines Feiertages, Neumondes oder Sabbats. 17 Das alles ist nur ein Schatten des Zukünftigen; der Leib aber ist Christus eigen.

                Es gilt, Widerstandskraft zu stärken. „Was dem Christus und seiner Gemeinde entgegensteht sind die Vorschriften, all die Tabus, zu denen sie ihre Angst, den „Elementen“ einmal nicht entrinnen zu können, führt.“(E. Schweizer, Der Brief an die Kolosser, EKK, Neukirchen 1976, S. 116) Offensichtlich hat es nicht nur um die Gemeinde herum, sondern auch in der Gemeinde Menschen gegeben, die sich asketische Forderungen zu eigen machten, die sich an die Kalender, die fest mit der Sternen-Verehrung verbunden war, gehalten haben. „Die Bewegung segelt unter der Flagge einer modernen Philosophie, die durch entsprechende Übungen die Seele reinigen und für den Aufstieg zum Allherr Christus befähigen will.“(E. Schweizer, aaO. S. 121) Es ist ein uraltes Thema, dass die Gestirne das Leben beeinflussen und dass es wichtig ist, sich daran zu halten – hinter den Gestirnen stehen Gottheiten!

Schon der 1. Schöpfungsbericht fällt da seiner Umwelt in den Rücken. „Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis.“ (1. Mose 1, 14-18) Es sind Lampen, die Gott an den Himmel setzt. Sie sind wichtig, aber nicht göttlich. „Kein schlechtes Gewissen“ weiterlesen

Der Schuldbrief – getilgt

Kolosser 2, 8 – 15

8 Seht zu, dass euch niemand einfange durch die Philosophie und leeren Trug, die der Überlieferung der Menschen und den Elementen der Welt folgen und nicht Christus.

Das sind scharfe Worte, die wie unüberwindliche Trennlinien erscheinen. Es klingt nach Entweder-oder. Wird der weltlichen Vernunft damit das Recht entzogen? Oder geht es darum, dass das Leben tiefer gegründet sein muss als auf das, was Menschen überlegen, ausdenken, selbst in die Welt setzen können? „Philosophie  -dies Wort nennt ein Unternehmen des menschlichen Geistes, vor dem wir nur mit der höchsten Achtung stehen können. Der Mensch ist das einzige Wesen dieser Welt, das nicht fraglos zu leben vermag. Jeder Stern zieht fraglos seine Bahn. Jede Pflanze wächst fraglos, wie sie muss. Jedes Tier erfüllt fraglos sein Leben. Kein Hund fragt, wie er wohl ein „richtiger“ Hund werden könne. Aber der Mensch muss fragen, wie er ein wahrer, ein rechter Mensch wird.“ (W. de Boor, Der Brief des Paulus an die Kolosser, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1976, S. 216) Dieses Fragen ist der Wurzelgrund der Philosophie. Deshalb ist Hochmut und Ignoranz ihr gegenüber völlig unangebracht.  „Die Ros´ kennt kein Warum. Sie blühet, weil sie blühet.“(Angelus Silesius) Wir dagegen werden erst menschlich mit unserem Fragen: Warum?

Und doch grenzt sich Paulus hier gegen die Philosophie ab, stellt sie neben den leeren Trug. Die Front ist klar. Es gibt um die Gemeinde herum ein Denksystem, dass die Elemente der Welt – Feuer, Wasser, Erde, Luft als das eigentlich Elementare, den Lebensgrund ansieht. „Seit Empedokles herrscht die Ansicht, der Mensch sei in den unseligen Kreislauf der Elemente hinein gezwungen, von einem zum anderen gejagt, und könne nur durch strenge Askese entkommen.“ (E. Schweizer, Der Brief an die Kolosser, EKK, Neukirchen 1976, S. 103) Darum geht es hier, um eine Erlösungslehre, die nicht auf Christus gegründet ist, sondern auf solche philosophische Gedankengebäude. Nicht das Fragen ist fragwürdig, nicht das urmenschliche „warum“, sondern die Überzeugung, einen Weg zu wissen, der nicht von Gott gezeigt und geöffnet werden muss, sondern vom Menschen erdacht und erkannt wird.      „Der Schuldbrief – getilgt“ weiterlesen

Gottes Geheimnis: Christus

Kolosser 2, 1 – 7

 1 Ich will euch nämlich wissen lassen, welchen Kampf ich für euch und für die in Laodizea und für alle führe, die mich nicht von Angesicht gesehen haben, 2 auf dass ihre Herzen gestärkt und verbunden werden in der Liebe und zu allem Reichtum an der Fülle der Einsicht, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist. 3 In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.

                Es ist ein ziemlich langer Satz, der hier bedacht sein will. Er fängt persönlich an. Es ist ja merkwürdig, wie das Persönliche immer wieder in das Geistliche hineinspielt. Es scheint so, als könne man nicht wirklich geistlich reden, „ohne dass die rein menschlichen Bezüge – dass er sich mit ganzer Kraft für sie einsetzt – ernst genommen werden.“ (E. Schweizer, Der Brief an die Kolosser, EKK, Neukirchen 1976, S. 93) Ohne dass die eigene Person mit ins Spiel kommt.

`Paulus’ kämpft  für die in Kolossä und für die in Laodizea.  Darüber hinaus kämpft er für alle führe, die mich nicht von Angesicht gesehen haben. Sein Brief ist nicht einfach ein Brief, den man schreibt oder auch bleiben lässt. Es ist ein inneres Ringen um die Gemeinden. Davon ist die Rede, nicht von äußeren Kämpfen, von Bedrängnissen und Verhaftungen, Schlägen und Verhören. Die Kämpfe hier sind geistliche Herausforderungen um die Klarheit in der Botschaft, in der Lehre, in der Lebensführung. „Gottes Geheimnis: Christus“ weiterlesen