Sorgfältig im Kleinen

  1. Korinther 8, 16 – 24

16 Gott aber sei Dank, der dem Titus solchen Eifer für euch ins Herz gegeben hat. 17 Denn er ließ sich gerne zureden; ja, weil er so sehr eifrig war, ist er von selber zu euch gereist.

             Hinter allen Geschehen steht Gott. Er ist es, der den Titus antreibt, ihm die Gemeinde ans Herz gelegen sein lässt. Es wird wohl so sein: Paulus sieht im Eifer des Titus für die Gemeinde sein eigenes Spiegelbild. Paulus hat ihn beredet, ihm die Reise nahegelegt und aufgetragen und doch ist es so, „dass es des Zuredens des Apostels eigentlich gar nicht bedurfte.“ (H.D. Wendland, Die Brief an die Korinther, NTD 7, Göttingen 1968, S.221) Titus wollte auch schon von selber reisen.  Dass Gott hinter allem steht, schließt eben mit ein und nicht aus, dass einer etwas von selber will.

18 Wir haben aber den Bruder mit ihm gesandt, dessen Lob wegen seines Dienstes am Evangelium durch alle Gemeinden geht. 19 Nicht allein aber das, sondern er ist auch von den Gemeinden dazu eingesetzt, uns zu begleiten, wenn wir diese Gabe überbringen dem Herrn zur Ehre und zum Erweis unsres guten Willens. 20 So verhüten wir, dass uns jemand übel nachredet wegen dieser reichen Gabe, die durch uns überbracht wird. 21 Denn wir sehen darauf, dass es redlich zugehe nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen.

            Titus kommt nicht allein. Er wird begleitet „von einem von den Gemeinden gewählten Vertrauensmann für die Kollektensache.“ (H.D. Wendland, ebda.) Er hat einen guten Leumund bei allen Gemeinden. Das mag darauf hindeuten, dass er nicht ein ortfester Mensch ist, sondern schon oft mit Paulus und seinen Leuten unterwegs.  Die Gemeinden haben ihm eine Aufgabe gestellt: Er soll Paulus bei der Übergabe der Kollekte begleiten.

         Das dient der vorbeugenden Abwehr aller möglichen Verdächtigungen. Es könnte ja sein, dass jemand auf die Idee kommt, Paulus oder seine Gruppe hätten sich an der Kollekte vergriffen – immerhin ist es eine reichen Gabe, die Paulus anvertraut ist.  Da ist es gut, schon dem Anschein zu wehren. „Aufs Ganze gesehen ist klar: Die Delegation dient dazu, Paulus vor dem Verdacht eines unredlichen Umgangs mit der offenbar ansehnlichen Kollekte zu schützen.“ (T. Schmeller, Der zweite Brief an die Korinther 7,51 -13,13, EKK VIII/2,  Neukirchen 2015, S.76) Diese Vorsicht mag ein Hinweis darauf sein, wie hochgradig gefährdet und schutzbedürftig die Beziehung zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth doch immer noch ist.

           Hier hat das „Vier-Augen-Prinzip“ – es sind immer mindestens zwei Leute, die zählen-,  das für den Kollektendienst in der Kirche gilt, seine Wurzel. Es entzieht allen möglichen Verdächtigungen den Boden. Transparenz, so lernen es die Kirchen – manchmal mühsam, wie man am Bistum Limburg sehen kann – ist nicht nur, aber doch auch in Finanzangelegenheiten ein hoher Wert.

22 Auch haben wir mit ihnen unsern Bruder gesandt, dessen Eifer wir oft in vielen Stücken erprobt haben, nun aber ist er noch viel eifriger aus großem Vertrauen zu euch.

             Noch ein weiterer Mitarbeiter des Paulus, unser Bruder, begleitet Titus auf der Reise. Auch auf ihn hält der Apostel große Stücke und rühmt seinen Eifer für die Gemeinde in Korinth. Es ist offen, ob er sie schon kennt. Es befremdet, dass Paulus die Namen der Reisegefährten des Titus nicht nennt. „Der Verzicht auf die Namen ist auffällig, weil die beiden ja empfohlen werden und Paulus in solchen Zusammenhängen sonst die Namen nennt.“ (T. Schmeller, aaO.; S.74) Vielleicht erübrigt sich eine Namensnennung auch deshalb, weil sie ja bei der Verlesung des Briefes in Korinth anwesend sein werden. Man sollte aus dem Nichtnennen der Namen kein allzu großes Problem heraus lesen wollen.

 23 Es sei nun Titus, der mein Gefährte und mein Mitarbeiter unter euch ist, oder es seien unsere Brüder, die Abgesandte der Gemeinden sind und eine Ehre Christi: 24 Erbringt den Beweis eurer Liebe und zeigt, dass wir euch zu Recht vor ihnen gerühmt haben öffentlich vor den Gemeinden.

            Wie auch immer, ob Titus oder diese beiden, Paulus legt es der Gemeinde sehr ans Herz, dass sie freundlich mit ihnen umgehen, dass sie ihnen Liebe γπη, Agape   – erzeigen. Er hat so viel Gutes über die Gemeinde erzählt. Jetzt möchte er, dass seine Leute bestätigen können: Paulus hat sie zu Recht gelobt und gerühmt.

 

Mein Gott, habe Dank für alle Menschen, die mir geholfen haben,  meinen Weg einigermaßen gradlinig zu gehen.

Habe Dank für alle, die mich davor bewahrt haben, je unter falschen Verdacht zu geraten. Habe Dank für alle Menschen,  die mich gelehrt haben,  in kleinen Dingen gewissenhaft und treu zu sein.

Habe Dank, dass Du uns die Achtung vor den unscheinbaren Tugenden lehrst, vor der Sorgfalt, der Gewissenhaftigkeit, der Treue im Kleinen. Amen