Gott ist gegenwärtig

  1. Mose 40, 34 – 38

 34 Da bedeckte die Wolke die Stiftshütte, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung.

             Als die Arbeit getan ist – „Mose macht alle Arbeit fertig“ (40,33) – da übernimmt Gott.  Er nimmt dieses Zelt der Begegnung an – als Ort, an dem er sich finden lässt. In dem er Wohnung nimmt. In seiner Herrlichkeit.  Das wirkt wie die Erinnerung: wir können bauen, was wir wollen. Erst wenn Gott sich dort finden lässt, ist es ein Ort der Gottesgegenwart. Vorher ein Haus, eine Hütte, ein Zelt wie jedes andere. Sakralbauten werden erst heilig, wenn sich Gott darin finden lässt. Er macht sie heilig. Keine Weihe durch uns kann das und sei sie noch so feierlich und zeremoniell ausgefeilt und beeindruckend.  

 35 Und Mose konnte nicht in die Stiftshütte hineingehen, weil die Wolke darauf ruhte und die Herrlichkeit des HERRN die Wohnung erfüllte.

             Dieses Gegenwart Gottes ist sperrig. So sperrig, dass sie Mose sogar aussperren kann. Es gibt Zeiten, da erfüllt die Herrlichkeit des HERRN die Wohnung in einer Weise, dass sie für Mose versperrt ist. „Mose kann nicht, wann immer er wollte, das Zelt der Begegnung betreten.“ (Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 2. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1999, S.388) Das erinnert an die Wartezeit Moses auf dem Sinai. „Als nun Mose auf den Berg kam, bedeckte die Wolke den Berg, und die Herrlichkeit des HERRN ließ sich nieder auf dem Berg Sinai, und die Wolke bedeckte ihn sechs Tage; und am siebenten Tage erging der Ruf des HERRN an Mose aus der Wolke.“(24, 15-16)

       Erst wenn Gott sich zugänglich macht, kann Mose sich ihm nahen. Was für Mose gilt, gilt auch für uns. Wir sind darauf angewiesen, dass Gott den Weg zu sich frei macht. Er selbst. „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.“ (Römer 5, 1 -2) Dass der Weg frei ist und frei bleibt, so glauben wir Christen, das hat Gott durch Jesus Christus ein für allemal getan.

 36 Und immer, wenn die Wolke sich erhob von der Wohnung, brachen die Israeliten auf, solange ihre Wanderung währte. 37 Wenn sich aber die Wolke nicht erhob, so zogen sie nicht weiter bis zu dem Tag, an dem sie sich erhob. 38 Denn die Wolke des HERRN war bei Tage über der Wohnung, und bei Nacht ward sie voll Feuers vor den Augen des ganzen Hauses Israel, solange die Wanderung währte.

             Es ist die Gegenwart Gottes, die über Gehen und Ruhen, Aufbrechen und Verweilen entscheidet. Für Israel gibt es kein Prinzip, nach dem es einen Weg selbst gestalten könnte. Es ist ganz abhängig von den Signalen die Gott gibt. Auffällig für mich: in diesen Sätzen ist nicht von Mose die Rede. Der Führer des Volkes, der Mann, der sie aus Ägypten geführt hat, verschwindet hier regelrecht hinter der größeren Wirklichkeit, der Wolke des HERRN.

            Am Ende des Buches, weil Mose „fertig hat“, „tritt er zurück:  nicht er betritt das Allerheiligste, sondern Aaron, nicht er führt das Volk, sondern die Wolke; nicht er wird bleiben, sondern Gott.“ (I. Willi-Plein, Das Buch vom Auszug, Kleine Biblische Bibliothek, Neukirchen 1988, S.237) Ob wir das überhaupt noch denken können, auch im Blick auf uns selbst, unser Ich: „Genug vom Menschen geredet – es wird Zeit an Gott zu denken!“ (Abram Terz-Sinjawski)

             Daran erinnert diese Schluss-Passage des Exodus-Buches:

Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitten. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder;                                               kommt, ergebt euch wieder                      G. Tersteegen 1729, EG 165

Heiliger Gott, Du bist erhaben, heilig, unfassbar groß, unergründlich, barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte.

Du rufst dir Dein Volk aus der Knechtschaft, Du führst es den Weg in die Weite, Du gehst mit – Schritt um Schritt

Vor Dir dürfen wir verweilen. Mit Dir können wir aufbrechen. Zu Dir führt uns Dein Weg. Dich beten wir an. Amen

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Gott ist gegenwärtig“

  1. Auch die Begleitung durch „Exodus“ mit Ihren vielen Parallelen, Ergänzungen, Liedversen und mehr war wieder lehrreich und bereichernd, Haben Sie herzlichen Dank für die Viele Arbeit!!

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