Gottesorte

  1. Mose 40, 1 – 17

 1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Du sollst die Wohnung der Stiftshütte aufrichten am ersten Tage des ersten Monats. 3 Und du sollst die Lade mit dem Gesetz hineinstellen und vor die Lade den Vorhang hängen; 4 und du sollst den Tisch hineinbringen und die Schaubrote auflegen und den Leuchter hineinstellen und die Lampen darauf setzen; 5 und du sollst den goldenen Räucheraltar vor die Lade mit dem Gesetz stellen und die Decke in der Tür der Wohnung aufhängen.

             Nichts ist nebensächlich. Schon gar nicht, wie das Zelt der Begegnung  – hier im Text: die Stiftshütte – aufgestellt und geordnet wird. Fast kleinlich wirken auf den heutigen Leser diese Anweisungen. Aber darin wird sichtbar: hier geht es nicht um Geschmacksfragen, die man so oder auch anders ordnen kann. Es geht um den Ort, an dem Gott den Menschen trifft. Und da geht es eben nach den „Spielregeln“ Gottes und nicht nach menschlichem Empfinden und Fühlen.

            Der Zeitpunkt der Errichtung wird festgelegt: der erste Tag des ersten Monats. Es geht also um den Beginn eines neuen Jahres. So wie einer, eine in dieses Jahr hineingeht, sorgsam, achtsam auf die Weisungen Gottes, so wird er oder sie wohl auch durch das Jahr gehen und es zu Ende bringen.

            Die Inneneinrichtung ist ganz Moses Aufgabe. „Mose soll die letzte Hand anlegen.“ (Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 2. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1999, S.384) Er soll dafür sorgen, dass im Zentrum des Zeltes in der Mitte ist, was Israel prägt und trägt: die Lade mit dem Gesetz.

           Sofort ist die Frage da: aber ist nicht Gott selbst die Mitte, die Israel trägt und prägt? Ja, aber diese Mitte wird dauerhaft repräsentiert durch die Lade, durch das Gesetz, durch den Gottesdienst.

 6 Den Brandopferaltar aber sollst du außen vor die Tür der Wohnung der Stiftshütte setzen 7 und das Becken zwischen die Stiftshütte und den Altar und Wasser hineintun 8 und den Vorhof ringsherum herstellen und die Decke in der Tür des Vorhofs aufhängen. 9 Und du sollst das Salböl nehmen und die Wohnung und alles, was darin ist, salben und sollst sie weihen mit ihrem ganzen Gerät, dass sie heilig sei. 10 Und du sollst den Brandopferaltar salben mit seinem ganzen Gerät und weihen, dass er hochheilig sei. 11 Und du sollst auch das Becken und sein Gestell salben und weihen.

             Es folgt die Zuordnung des Brandopfer-Altars. Er findet seinen Platz draußen. vor die Tür der Wohnung der Stiftshütte. Müßig zu sagen: diese An-Ordnung deutet eher auf einen dauerhaften Standort hin als auf den Weg durch die Wüste. Auch hier sind wieder viel spätere Lebensumstände mit im Blick, vermutlich Bilder aus der Zeit, in der es schon den Tempel des Salomo in Jerusalem gibt.

 12 Und du sollst Aaron und seine Söhne vor die Tür der Stiftshütte treten lassen und sie mit Wasser waschen 13 und Aaron die heiligen Kleider anziehen und ihn salben und weihen, dass er mein Priester sei; 14 und du sollst seine Söhne auch herzuführen und ihnen die Untergewänder anziehen 15 und sie salben, wie du ihren Vater gesalbt hast, dass sie meine Priester seien. Und diese Salbung sollen sie haben zum ewigen Priestertum von Geschlecht zu Geschlecht.

             Darauf läuft der Abschnitt zunächst zu: auf die Priesterweihe Aarons und seiner Söhne. Sie werden von nun an die Priester Israels sein. „Mose stellt selbst den Übergang dar von der levitischen Wüstentradition zu priesterlichem Gottesdienst.“(I. Willi-Plein, Das Buch vom Auszug, Kleine Biblische Bibliothek, Neukirchen 1988, S. 237) Der Mann aus levitischer Herkunft, Mose, ist nicht selbst Priester. Aber er ordnet im Auftrag des HERRN – das Priesteramt und die Herkunft der Priester. „Vom Zeitpunkt der Salbung der Priester an darf niemand mehr Priester sein, der nicht dem Geschlecht Aarons angehört.“ (Hj. Bräumer, ebda.)

            Wie fremdartig kommt uns das heute vor. Wir machen die Berufung zum Priester nicht mehr an der Herkunft fest, sondern nur noch an der individuellen Berufung. Der inneren Berufung und der äußeren Berufung. Der inneren Berufung, die ein Ruf Gottes ist, wo und wann er will und der äußeren Berufung durch die Gemeinschaft, die Kirche, die sich an solchen Maßstäben wie theologischer und sozialer Kompetenz, Fähigkeit zu Führung und Management sowie Ausstrahlungskraft festmacht.

16 Und Mose tat alles, wie ihm der HERR geboten hatte. 17 Also wurde die Wohnung aufgerichtet im zweiten Jahr am ersten Tage des ersten Monats.

             So, wie er beauftragt worden ist, so hat es Mose gemacht. Er ist dem Gebot Gottes treu geblieben. Das mag, wie nebenbei, auch alle späteren Entwicklungen am Tempel und in der Priesterschaft in Schutz nehmen: Sie gehen auf die Ordnungen zurück, die Mose von Gott empfangen hat.

            Mit diesem Bau ist das erste Jahr der Befreiung zu Ende. Ein neues Jahr, eine neue Zeitrechnung hat begonnen, verbunden mit dem Heiligtum, der Wohnung, in der Gott sich suchen und finden lässt.

 

Gott, Du weißt, dass wir Orte brauchen für unseren Glauben, die Stille einer Kirche, das Leuchten von Kerzen, Fenster, die durchsichtig sind auf den Himmel hin.

Du nimmst es ganz ernst, dass wir Orte brauchen um Dich zu suchen mit unseren Ängsten, unseren Sorgen, unseren Hoffnungen, unserem Beten

Ich danke Dir für alle Orte, die uns Deine Gegenwart glauben helfen, die kleinen und die großen Kirchen, die Herrgottswinkel, Wegkreuze, die erhabene Schönheit und Stille Deiner Schöpfung. Amen