Einübung ins Vertrauen

  1. Mose 16, 17 – 36

 17 Und die Israeliten taten’s und sammelten, einer viel, der andere wenig. 18 Aber als man’s nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

            Alle sammeln und alle haben genug. Die Faulen nicht zu wenig und die Fleißigen nicht zu viel. Es reicht für den Tag und für die Leute, die zu einem gehören.  Paradiesische Zustände mitten in der Wüste.

 19 Und Mose sprach zu ihnen: Niemand lasse etwas davon übrig bis zum nächsten Morgen. 20 Aber sie gehorchten Mose nicht. Und etliche ließen davon übrig bis zum nächsten Morgen; da wurde es voller Würmer und stinkend.

             Es ist eine Anweisung Mose: Keine Vorräte. Spart nichts auf. Eine Weisung, die auf taube Ohren trifft. Solange es Menschen gibt, versuchen sie es mit Vorsorgemaßnahmen, mit Absicherungen gegen das, was kommen könnte. Nichts übrig lassen wäre ein Schritt in eine vollständige Abhängigkeit von Gottes Geben. Ein Verzicht auf die eigenen klugen Absicherungsmaßnahmen.

            Das aber tun sie nicht. Es widerspricht der Klugheit der Menschen, auch des Volkes Gottes: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ (Matthäus 6,34) Weil sie nicht so vertrauen können, müssen sie es aus der Erfahrung lernen: Ihre Vorräte verfaulen. Sie werden ungenießbar. In den biblischen Texten steht das Lernen aus der Erfahrung oftmals gleichberechtigt nehmen dem Lernen aus Einsicht. Manchmal geht es ihm gar voraus und oftmals geht es tiefer

 Und Mose wurde zornig auf sie. 21 Sie sammelten aber alle Morgen, soviel ein jeder zum Essen brauchte. Wenn aber die Sonne heiß schien, zerschmolz es. 22 Und am sechsten Tage sammelten sie doppelt so viel Brot, je zwei Krüge voll für einen. Und alle Vorsteher der Gemeinde kamen hin und verkündeten’s Mose.

             Es ist die Erfahrung der Sammelnden: Das Haltbarkeitsdatum wird schon um die Mittagszeit erreicht. Dann zerschmilzt es in der Wüstenhitze. Das zu wissen, stellt die Praxis, am sechsten Tag doppelte Rationen zu sammeln zutiefst in Frage. Man kann es förmlich sehen, wie  alle Vorsteher der Gemeinde mit fragenden Gesichtern vor Mose stehen. Das ist doch angesichts der leichten Verderblichkeit Unsinn, diese doppelten Rationen.

 23 Und er sprach zu ihnen: Das ist’s, was der HERR gesagt hat: Morgen ist Ruhetag, heiliger Sabbat für den HERRN. Was ihr backen wollt, das backt, und was ihr kochen wollt, das kocht; was aber übrig ist, das legt beiseite, dass es aufgehoben werde bis zum nächsten Morgen. 24 Und sie legten’s beiseite bis zum nächsten Morgen, wie Mose geboten hatte. Da wurde es nicht stinkend und war auch kein Wurm darin.

             Eine Übung im Gehorsam. Im Vertrauen. Mose erklärt: Morgen ist Ruhetag, heiliger Sabbat für den HERRN. „Es handelt sich um die vermutlich älteste alttestamentliche Stelle über den Sabbat; und schon an dieser Stelle wird der Sabbat als ein Tag der „Ruhe“  bezeichnet und sein Name šabbāt mit dem dem hebräischen Verbum für ruhen (šbt) in Verbindung gebracht.“ (M. Noth, Das zweite Buch Mose, ATD 5, Göttingen 1968, S.108) Die Einübung zeigt: Der Sabbat ist kein Tag des Mangels.

 25 Da sprach Mose: Esst dies heute, denn heute ist der Sabbat des HERRN; ihr werdet heute nichts finden auf dem Felde. 26 Sechs Tage sollt ihr sammeln; aber der siebente Tag ist der Sabbat, an dem wird nichts da sein. 27 Aber am siebenten Tage gingen etliche vom Volk hinaus, um zu sammeln, und fanden nichts.

             Noch einmal Belehrung: Esst, was ihr habt und sucht nichts darüber hinaus. Schon gar nicht am siebten Tag. Ihr werdet am Sabbat erfolglos suchen. Es reicht doch auch, sechs Tag zu suchen, zu sammeln, zu arbeiten. Aber wieder ist es in taube Ohren gesprochen. Einige gehen doch um zu sammeln und finden – nichts. Ganz, wie es Mose gesagt hatte: „Ihr Entschluss war ein Zeichen mangelnden Vertrauens und Gehorsams.“ (Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 1. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1996, S. 276)

  28 Da sprach der HERR zu Mose: Wie lange weigert ihr euch, meine Gebote und Weisungen zu halten? 29 Sehet, der HERR hat euch den Sabbat gegeben; darum gibt er am sechsten Tage für zwei Tage Brot. So bleibe nun ein jeder, wo er ist, und niemand verlasse seinen Wohnplatz am siebenten Tage. 30 Also ruhte das Volk am siebenten Tage.

             Es ist eine Geduldprobe – auch für Gott: Wie lange weigert ihr euch, meine Gebote und Weisungen zu halten? Denn es ist ja eben nicht nur normalmenschliches Verhalten, dass sie suchen lässt, sondern eben Verweigerung dem gegebenen Wort gegenüber. Eine Verweigerung, wie sie sich auch sprichwörtlich zeigt: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.“ – „Wer sich auf Gott verlässt, erfährt sich oft genug gottverlassen.“ So spricht der gesunde Menschenverstand und merkt nicht, wie er sich darin Gott verweigert.

 31 Und das Haus Israel nannte es Manna. Und es war wie weißer Koriandersamen und hatte einen Geschmack wie Semmel mit Honig.

             Dieser Satz wirkt wie eine nachgetragene Notiz aus späterer Zeit, von einem Abschreiber. Er ergänzt, woran der alten Erzählung nichts liegt  durch den Vergleich mit dem weißen Koriandersamen und durch den Hinweis auf den Geschmack – wie Semmel mit Honig. Es ist kein fades Zeug, das der HERR seinem Volk als Speise in der Wüste gibt.

 32 Und Mose sprach: Das ist’s, was der HERR geboten hat: Fülle einen Krug davon, um es aufzubewahren für eure Nachkommen, auf dass man sehe das Brot, mit dem ich euch gespeist habe in der Wüste, als ich euch aus Ägyptenland führte. 33 Und Mose sprach zu Aaron: Nimm ein Gefäß und tu Manna hinein, den zehnten Teil eines Scheffels, und stelle es hin vor den HERRN, dass es aufbewahrt werde für eure Nachkommen. 34 Wie der HERR es Mose geboten hatte, so stellte Aaron das Gefäß vor die Lade mit dem Gesetz, damit es aufbewahrt werde.

             Das sind erkennbar Worte aus späterer Zeit, zurückdatiert in die Zeit der Wüstenwanderung. Es gibt in der Wüste Sin die Lade mit dem Gesetz noch nicht. Was hier angeordnet ist, setzt die späteren Zeiten voraus. Wichtig ist allein die Erinnerung, die mit dieer Anordnung verbunden ist: alle späteren Generationen sollen das Brot, mit dem ich euch gespeist habe in der Wüste, als ich euch aus Ägyptenland führte, sehen können. Um daraus zu lernen: Gott versorgt.

 35 Und die Israeliten aßen Manna vierzig Jahre lang, bis sie in bewohntes Land kamen; bis an die Grenze des Landes Kanaan aßen sie Manna. 36 Ein Krug aber ist der zehnte Teil eines Scheffels.

            Das Manna ist das Brot der Wüste, vierzig Jahre lang. In Kanaan wird es kein Manna mehr geben. „An eben diesem Tage hörte das Manna auf, weil sie jetzt vom Getreide des Landes aßen, sodass Israel vom nächsten Tag an kein Manna mehr hatte. Sie aßen schon von der Ernte des Landes Kanaan in diesem Jahr.(Josua 5,12) Und dann noch einmal der sorgfältige Nachtrag zu der Mengenangabe. Dem geschuldet, dass das Manna eben nicht eine symbolische Speise ist, „nur ein Himmelbrot“, sondern in irdisch messbaren Mengen eine Realität für die Zeit.

 

Mein himmlischer Vater, wenn ich das doch glauben könnte: Bei Dir ist genug genug. Bei Dir ist so viel Reichtum, dass es allemal reichen wird,auch wenn die Vernunft sagt: Vorsorgen ist besser. Spare in der Zeit so hast du in der Not.

Mein Gott, ein Leben lang hast Du mir gegeben, was ich nötig hatte, mehr noch als das. Oft genug hast Du im Überfluss gegeben.

Hilf Du mir, dass ich diese Erfahrungen festhalte, wenn meine Ängstlichkeit mich wieder einmal narren will, dass ich mehr auf Dich traue als auf mein Sorgen, dass ich Dir glaube: Du gibst genug – heute und auch morgen. Amen