Wolken- und Feuersäule – mehr nicht

  1. Mose 13, 17 – 22

17 Als nun der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte sie Gott nicht den Weg durch das Land der Philister, der am nächsten war; denn Gott dachte, es könnte das Volk gereuen, wenn sie Kämpfe vor sich sähen, und sie könnten wieder nach Ägypten umkehren. 18 Darum ließ er das Volk einen Umweg machen und führte es durch die Wüste zum Schilfmeer. Und Israel zog wohlgeordnet aus Ägyptenland.

             Der Pharao hat das Volk ziehen lassen. Jetzt ist es auf dem Weg. Wohin? Gott selbst leitet sein Volk, er bestimmt seinen Weg. Es ist die Fürsorge Gottes, die ihn einen Umweg wählen lässt, nicht die kürzeste Route. Gott weiß auch, was wir zu wissen meinen, dass der kürzeste Weg nicht unbedingt der Weg zum Ziel ist.

            Der Weg durch das Land der Philister, durch den nördlichen Sinai in Richtung Beerscheba  ist kurz. „Auf diesem Weg hätten den Israeliten gleich zu Beginn der Wanderung eine kriegerische Auseinandersetzung bevorgestanden.“ (Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 1. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1996, S. 223) Dieser Gefahr will Gott das Volk gar nicht erst aussetzen. Weil er die Wankelmütigkeit Israel einzuschätzen in der Lage ist, weil er ihr ängstliches Herz kennt. Darum wählt Gott den Umweg.

             Aber auch von diesem Umweg gilt: Israel zog wohlgeordnet aus Ägyptenland. Das ist keine zügellose Flucht, kein angstgetriebenes Wegrennen. Sie laufen nicht einfach nur fort. Diese Ordnung liegt nicht daran, dass die Herzen der Israeliten so fest sind. Sie liegt an dem, der sie führt.                                

            Es ist Gott, der hier alles entscheidet. Er ist nicht nur ein „Gott, der mitgeht“. Sondern er ist der Herr, der den Weg weiß und bestimmt und führt. „Es ging damals nicht um eine eigene Entscheidung Israels über seine Zukunft, sondern um die Durchführung des Heilsplanes, nachdem Israel nunmehr in das ihm zugesagte Land kommen sollte.“ (M. Noth, Das zweite Buch Mose, ATD 5, Göttingen 1968, S.85)

           Dieser Umweg Gottes führt zum Schilfmeer. „Die Bezeichnung Schilfmeer (hebräisch jam sūf) ist wahrscheinlich einem ägyptischen Wort entlehnt, das so viel bedeutet wie `Sumpfgebiet, in dem Ried wächst´.“ (Hj. Bräumer, aaO.; S.223 ) Die Septuaginta übersetzt Schilfmeer  mit ρυθρή θλασσα – Rotes Meer. Wo das Schilfmeer zu suchen ist, ist heute nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Meistens nimmt man ein Gebiet nördlich von Suez an, wo es ausgedehnte Sumpf und Schilfgebiete gibt.   

19 Und Mose nahm mit sich die Gebeine Josefs; denn dieser hatte den Söhnen Israels einen Eid abgenommen und gesprochen: Gott wird sich gewiss euer annehmen; dann führt meine Gebeine von hier mit euch fort.

             Es ist keine Nebensache, die hier eingeschaltet ist: Mose nahm mit sich die Gebeine Josefs. Es ist die Treue gegenüber den Vätern, die sich hier zeigt. Es ist zugleich ein Hinweis: In diesem Auszug erfüllt sich das Wissen um die Zukunft, das Josef hatte: Er wusste, dass Ägypten nicht das Land war, das Gott den Vätern verheißen hatte. Er wusste: Irgendwann wird Israel zurückkehren in das Land der Verheißung. Und jetzt ist es so weit. Bei Sichem gibt es noch heute eine Lokal-Tradition, die das Josefs-Grab kennt.    

20 So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.

            Der Weg führt sie weg von Sukkot, von den Hütten, hin nach Etam, an den Rand der Wüste. Es ist ein Weg ins Niemandsland. Dort, wo man keine Bleibe hat. Etam ist nicht das Ziel, sondern nur eine Zwischenstation. Noch nicht das Gelobte Land, nur ein Interim. Aber schon dieser Weg von den „Hütten“ – das ist das hebräische sukkόt  – an den Rand der wüste verlangt loslassen, verlangt zurücklassen, verlangt den Verzicht auf die Möglichkeit: sie könnten wieder nach Ägypten umkehren.

             „Macht, Reichtum, ansehen, Sicherheit, Behäbigkeit, Abhängigkeit von den Mächtigen und Einflussreichen, … Gebrauch der Mittel dieser Welt: Das alles ist „Ägypten“. Wer aufbrechen will, muss bereit sein, vieles zurückzulassen, und was er noch hat, soll er in der Freiheit gebrauchen, die dazu fähig ist, wenn`s sein muss auch Liebgewordenes dranzugeben.“ (G.Voigt, Homiletische Auslegung der Predigttexte, Reihe IV, Die himmlische Berufung, Göttingen 1981, S. 72) Das ist die Zumutung an Israel am Rande der Wüste. Zumutung auch heute, wenn es gilt, dem Führen Gottes zu vertrauen.

 21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

             Aber: Es ist ein Weg, auf dem Israel nie allein ist. Niemals. Er ist da – verhüllt in die Wolkensäule – ʽamứd ʽanan und verhüllt in die Feuersäule – ʽamứd ʼesch. Tag und Nacht ist der HERR da, nah, Wegweiser und Wegzeichen in einem.

            Es mag stimmen: „Dieses Zeichen der Gegenwart und Leitung Gottes hat eine ganz natürliche Entsprechung in den Signalzeichen, mit deren Hilfe größere Karawanenzüge durch die Wüste geleitet wurden. Es waren Rauchsignale bei Tag und Feuersignale bei Nacht. Der Rauch bzw. das Feuer wurde in Kupferpfannen erzeugt. Diese waren an spitzen langen Stangen befestigt und dienten so als Wegweiser.“ (Hj. Bräumer, aaO.; S.227)  Es mag auch ein – in der Gegend des Sinai gibt es vulkanische Berge, die Feuer speien.

        Für den  Erzähler, für den Text geht es nicht um Naturphänomene, die ins Wundersame gesteigert werden. Ob d Sie haben sich verirrt im Lande as alles wundersam ist, interessiert nicht. Sondern hier wird bezeugt: Israel ist auf diesem Weg immer ein geleitetes Volk. „Die Israeliten stehen unter dem permanenten Schutz Gottes.“(R.Gradwohl, Bibelauslegung aus jüdischen Quellen, Bd. 2, Stuttgart 1987, S. 54) Allein darauf kommt es an: sie gehen diesen Weg ins Ungewisse in seiner bergenden Gegenwart, Tag und Nacht.

Manchmal, mein Gott, sehne ich mich nach Deiner Wegweisung, sichtbar am Tag und in der Nacht, Feuerfackel und Wolkensäule

Manchmal bin ich es müde, meinen Weg zu suchen, mühsam durch so viele Irrtümer, so viele Fragen und Unsicherheiten

Dann wünsche ich mir klar Signale, die es mir sagen: Du bist in der Welt, mir nah, bei Dir sind wir geborgen

Danke für alle Tage, an denen das für mich fest steht. Amen