Lebt konsequent!

1.Korinther 15, 29 – 34

 29 Was soll es sonst, dass sich einige für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich dann für sie taufen?

             Immer noch setzt sich Paulus mit den Skeptikern in Korinth auseinander. Mit ihrer These: Keine Auferstehung.  Um diese Aussage als widersinnig zu entlarven, kommt Paulus auf eine Praxis in Korinth zu sprechen. Es gibt Leute in der Gemeinde, einige, die sich  für die Toten taufen lassen. Diese Sätze machen zunächst einmal ratlos, weil es bei uns so eine Praxis ja nicht gibt. Fürbitte -ja. Für andere eine Zeitlang mitglauben, wenn sie wanken – ja. Aber Für-Taufe?

            Stellvertretende Taufe – was soll das sein? Was steckt als Verständnis dahinter? „Bestimmte Korinther lassen sich anstelle ihrer Verstorbenen taufen, um auch diese noch nachträglich an den Verheißungen der Taufe partizipieren zu lassen.“ (W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/4  Neukirchen 2001, S.236) Wenn das so ist, zeigt sich darin eine Hochschätzung der Taufe: sie hat Wirkung über den Tod hinaus. Zugleich aber auch ist das dann doch ein Widerspruch gegen jede Leugnung der Auferstehung.

            Paulus setzt sich nicht mit Sinn oder Unsinn dieser stellvertretenden Taufen – man nennt das „Vikariatstaufe“ – auseinander. Er nutzt nur diese Praxis, um den Korinthern zu zeigen: Eure eigene Praxis steht gegen die Parole, dass es keine Auferstehung der Toten gibt.  

 30 Und was stehen wir dann jede Stunde in Gefahr? 31 So wahr ihr, liebe Brüder, mein Ruhm seid, den ich in Christus Jesus, unserm Herrn, habe: Ich sterbe täglich. 32 Habe ich nur im Blick auf dieses Leben in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft, was hilft’s mir?

             In einem zweiten Schritt kommt Paulus auf die eigene Lebenspraxis zu sprechen, auf seine Erfahrungen. Er spielt auf seine Mühen als Evangelist, als Missionar an. Er nennt sie ja manchmal wirklich so: Sklavenarbeit. Er erinnert an Erfahrungen in Ephesus, die die Korinther wohl aus Erzählungen kennen. Einmal mehr müssen wir uns eingestehen, dass wir nicht wissen, worauf er anspielt. Vielleicht könnte es eine Anspielung auf die Demetrius-Episode in Ephesus sein (Apostelgeschichte 19, 23 – 40), wo eine ganze Arena aufgeputschter Leute außer Rand und Band war. Aber sicher ist das nicht. 

        In einem anderen Brief wird er aufzählen: „Ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geißelhiebe weniger einen; ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr unter Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße; und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, und die Sorge für alle Gemeinden.“ (2. Korinther 11, 24 – 28)

        Das alles, sagt Paulus,  nehme ich doch nicht auf mich, weil Auferstehung ein schöner Traum ist. Ein schönes Wort dafür, dass das Leben tiefer ist als es auf den ersten Blick scheint. Soll das wirklich so sein, dass man diese ganze Schinderei auf sich nimmt für ein Gespinst? Im Hintergrund steht die Frage: Wäre ich dann nicht irgendwie verrückt?

Wenn die Toten nicht auferstehen, dann »lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!« (Jesaja 22,13)

              Einmal mehr ist Paulus radikal in seiner Konsequenz. Ohne Auferstehung fehlt der sinngebende Horizont. Vielleicht muss man ergänzen: Fehlt die zukünftige Verantwortung vor Gott. Darum sagt Paulus: eine Hoffnung, die nicht den weiten Horizont der Ewigkeit haben kann, ist leer. „Wer vom Leben alles in der begrenzten irdischen Existenz erwarten muss, für den scheint die logische Konsequenz zu sein, alle Lust und alle Erfüllung im augenblicklichen Genuss zu suchen, statt sich für ein das eigene Erleben übergreifende Ziel einzusetzen.“ (W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.259)

             In diesen Worten zeigt sich die Skepsis des Paulus gegenüber allen Versuchen, eine Ethik ohne den Glauben an Gott, an das ewige Leben zu begründen. Es genügt ihm nicht zu sagen: Seid nett und fair zueinander, einfach, weil ihr Menschen seid. Für Paulus gilt: „Ohne den Glauben an die Auferweckung der Toten fällt auch die Grundlage der Ethik aus.“ (W.Schrage, aaO.; S.246) Er kann Verantwortung und verantwortliches Handeln nur so denken, dass sie Verantwortung vor Gott ist, der das Leben gegeben hat und in dem es sein Ziel hat. Der deshalb auch einmal fragen wird: Was hast du mit deinem Leben gemacht?

 33 Lasst euch nicht verführen! Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.

             An wen richten sich diese Worte? An alle in der Gemeinde? Oder nur an die, die den Worten des Paulus folgen? Dann würde in diesen Worten eine Aufforderung zu Trennungen verborgen sein: Trennt euch von denen, die die Auferstehung leugnen. Das aber sagt Paulus nie. Er will ja gerade nicht, dass sich die Gemeinde spaltet – in Halbgläubige, Rechtgläubige, Skeptiker.

         Aber: Er will eine gedankliche Auseinandersetzung. Und er möchte warnen vor Ansteckungsgefahr. Es ist geradezu sprichwörtlich, schon damals: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten. Eines der ganz seltenen Zitate, das Paulus sich aus der heidnischen Umwelt leiht. Er hätte auch biblisch argumentieren können – mit der Weisheit der Sprüche:  „Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.“ (Sprüche 1,11)

34 Werdet doch einmal recht nüchtern und sündigt nicht! Denn einige wissen nichts von Gott; das sage ich euch zur Schande.

           Er fordert Nüchternheit. Damit kritisiert er indirekt einmal mehr den abgehobenen Enthusiasmus in Korinth, ihr geradezu rauschhaftes: Wir haben in der Gegenwart, im Glauben, im Geist schon alles. Darum braucht es keine Auferweckung mehr. Diese Art zu glauben ist für Paulus nicht irgendein harmloser Defekt des Glaubens, sondern sie verfehlt den Glauben, weil sie Gott nicht kennt. Den Gott, der doch Zukunft eröffnet über den Tod hinaus. Zukunft, die in der Ewigkeit ihre Erfüllung findet.  Weil es nicht mit seiner lebensschaffenden Kraft rechnet, die den Tod besiegt. Mit dieser Kraft Gottes zu rechnen aber ist wahrhafte Nüchternheit.

 Herr Jesus, Wir brauchen die Zeichen im Leben, die uns festmachen in Dir, unsere Hoffnung stärken, unseren schwachen Glauben festigen

Wir brauchen die Taufe, Zeichen von Anfang an, die uns mit Dir verbindet, Deinem Tod und Deinem Leben.

Wir brauchen Deine Verheißung, damit wir es glauben können: Wer hier mit sterben geht, wird dort auch mit erhöht.

Ich will Dir danken für alle Zeichen, für alle Worte, für alle Weggefährten, die Du mir schenkst, die meinen armen Glauben stärken. Amen