Einübung ins Vertrauen

  1. Mose 16, 17 – 36

 17 Und die Israeliten taten’s und sammelten, einer viel, der andere wenig. 18 Aber als man’s nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

            Alle sammeln und alle haben genug. Die Faulen nicht zu wenig und die Fleißigen nicht zu viel. Es reicht für den Tag und für die Leute, die zu einem gehören.  Paradiesische Zustände mitten in der Wüste.

 19 Und Mose sprach zu ihnen: Niemand lasse etwas davon übrig bis zum nächsten Morgen. 20 Aber sie gehorchten Mose nicht. Und etliche ließen davon übrig bis zum nächsten Morgen; da wurde es voller Würmer und stinkend.

             Es ist eine Anweisung Mose: Keine Vorräte. Spart nichts auf. Eine Weisung, die auf taube Ohren trifft. Solange es Menschen gibt, versuchen sie es mit Vorsorgemaßnahmen, mit Absicherungen gegen das, was kommen könnte. Nichts übrig lassen wäre ein Schritt in eine vollständige Abhängigkeit von Gottes Geben. Ein Verzicht auf die eigenen klugen Absicherungsmaßnahmen.

            Das aber tun sie nicht. Es widerspricht der Klugheit der Menschen, auch des Volkes Gottes: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ (Matthäus 6,34) Weil sie nicht so vertrauen können, müssen sie es aus der Erfahrung lernen: Ihre Vorräte verfaulen. Sie werden ungenießbar. In den biblischen Texten steht das Lernen aus der Erfahrung oftmals gleichberechtigt nehmen dem Lernen aus Einsicht. Manchmal geht es ihm gar voraus und oftmals geht es tiefer

 Und Mose wurde zornig auf sie. 21 Sie sammelten aber alle Morgen, soviel ein jeder zum Essen brauchte. Wenn aber die Sonne heiß schien, zerschmolz es. 22 Und am sechsten Tage sammelten sie doppelt so viel Brot, je zwei Krüge voll für einen. Und alle Vorsteher der Gemeinde kamen hin und verkündeten’s Mose.

             Es ist die Erfahrung der Sammelnden: Das Haltbarkeitsdatum wird schon um die Mittagszeit erreicht. Dann zerschmilzt es in der Wüstenhitze. Das zu wissen, stellt die Praxis, am sechsten Tag doppelte Rationen zu sammeln zutiefst in Frage. Man kann es förmlich sehen, wie  alle Vorsteher der Gemeinde mit fragenden Gesichtern vor Mose stehen. Das ist doch angesichts der leichten Verderblichkeit Unsinn, diese doppelten Rationen. „Einübung ins Vertrauen“ weiterlesen

Gott versorgt

  1. Mose 16, 1 – 16

1 Von Elim zogen sie aus und die ganze Gemeinde der Israeliten kam in die Wüste Sin, die zwischen Elim und Sinai liegt, am fünfzehnten Tage des zweiten Monats, nachdem sie von Ägypten ausgezogen waren.

             Der Weg geht weiter. Aus der Wüste Sur in die Wüste Sin. Es ist ein anstrengender, gefährlicher Weg, den sie da unter die Füße nehmen.

 2 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. 3 Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.

             Es ist die neue Grundmelodie Israels: murren. „Diese Grundhaltung bestimmte den ganzen Wüstenzug der Israeliten.“ (Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 1. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1996, S. ) Plötzlich ist alles anders. Nostalgie verklärt die Vergangenheit. Die Fleischtöpfe Ägyptens sind attraktiver als der anstrengende Weg in der Wüste. Vergessen die Sehnsucht nach Freiheit, der Schmerz und die Erniedrigung durch die Schläge der Aufseher, der Schrei nach Hilfe. Die Hoffnung auf den HERRN, der sie herausführen möchte.

             Es lohnt, einem Gedanken nachzugehen, der nicht gleich offen zu Tage liegt. Es könnte sein, dass die Fleischtöpfe in Ägypten nicht die alltägliche Verpflegung meinen. So üppig wird die für die verachteten Fronarbeiter kaum gewesen sein. Dem gegenüber steht die andere Möglichkeit: Es geht um die Nacht, als ganz Israel das Passalamm aß. Dann würden sie sagen: wäre doch diese Nacht und dieser Augenblick nie vergangen, da wir so festlich und voller Hoffnung zusammen saßen. So wie es bis heute gesungen wird: „So ein Tag, so wunderschön wie heute. So ein Tag, der dürfte nie vergehn.“ Die Vergangenheit festhalten zu wollen und sich der mühseligen Gegenwart verweigern, das ist so urmenschlich, bis auf den heutigen Tag. „Gott versorgt“ weiterlesen

Wenn das Wasser knapp wird

  1. Mose 15, 22 – 27

22 Mose ließ Israel ziehen vom Schilfmeer hinaus zu der Wüste Schur. Und sie wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser.

             Der Ort der wunderbaren Rettung ist dennoch kein Ort, um dort für immer zu bleiben. Darum fordert Mose zum Aufbruch auf – vom Meer weg in die Wüste. „Die Wüste Schur dürfte ein Ägypten nahe gelegener Teil der Sinaiwüste“ (M. Noth, Das zweite Buch Mose, ATD 5, Göttingen 1968, S.102)sein. Wüsten haben nicht Wasserstellen in Hülle und Fülle. So kommt es zu einem dreitägigen Marsch durch die Wüste ohne Wasser. Die Israeliten sind Menschen, die sich auskennen: Wüste ohne Wasser ist lebensbedrohlich. Damals und heute. „Wenn das Wasser knapp wird“ weiterlesen

Ja, ich will singen

  1. Mose 15, 1 – 21

 1 Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen:

          Die Exegeten sind sich einig. Hier finden wir das älteste Lied der Heiligen Schrift. Es ist ein Siegeslied, gesungen von Miriam und den Frauen Israels: „Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt.“ Wer genau hinschaut sieht: es ist wohl ein sich wiederholender Kehrvers, mit dem die Frauen dann das Lied der Männer auslösen und es „auf den Punkt“ bringen.

             Das Männerlied – Mose stimmt es an – steht in unseren Bibelausgaben vorneweg. Aber es dürfte umgekehrt gewesen sein: Die Frauen singen ihren Vers und die Männer streuen die Verse des Moseliedes ein. Manche Exegeten gehen so weit, dass sie sagen: Das Moselied sei aus dem Vers des Miriam-Liedes herausgesponnen.

 Ich will dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt. 2 Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. 3 Der HERR ist der rechte Kriegsmann, HERR ist sein Name.

             Der Pharao hatte gefragt: Wer ist der HERR? Israel gibt die Antwort, gestützt auf die Erfahrung am Schilfmeer. Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt. Er ist mächtig. Er ist tatkräftig. Er ist Israels Heil – und deshalb sein Lobgesang.

            Für unsereinen, aufgewachsen in Friedenszeiten, geprägt von der Wendung „der liebe Gott“, engagiert für den Frieden, bestimmt durch das Selbstverständnis des Pazifisten, ist es eine harte Zumutung: Der HERR ist der rechte Kriegsmann, HERR ist sein Name. Wir haben es eher mit dem Friedensfürsten. Ich jedenfalls. Und stehe deshalb auch ein wenig ratlos für diesem Siegeslied. Wobei ich mir eingestehe: wenn och um Haaresbreite den Panzerketten und Maschinengewehr-Salven entgangen wäre, weil die Flut die Verfolger wegspült – ich würde wohl auch „Großer Gott, wir loben dich“ singen.

 4 Des Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer, seine auserwählten Streiter versanken im Schilfmeer. 5 Die Tiefe hat sie bedeckt, sie sanken auf den Grund wie die Steine. 6 HERR, deine rechte Hand tut große Wunder; HERR, deine rechte Hand hat die Feinde zerschlagen. 7 Und mit deiner großen Herrlichkeit hast du deine Widersacher gestürzt; denn als du deinen Grimm ausließest, verzehrte er sie wie Stoppeln. 8 Durch dein Schnauben türmten die Wasser sich auf, die Fluten standen wie ein Wall; die Tiefen erstarrten mitten im Meer. 9 Der Feind gedachte: Ich will nachjagen und ergreifen und den Raub austeilen und meinen Mut an ihnen kühlen. Ich will mein Schwert ausziehen, und meine Hand soll sie verderben. 10 Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie, und sie sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser.

           Aber auch wenn dieser Lobgesang an manchen Stellen zeitlos wirkt – er wird immer neu zurück gebunden an die Rettungs-Erfahrung am Schilfmeer. Wobei diese Worte noch einmal sichtbar machen: Zu keiner Zeit hat Israel seine Rettung auf die Geschicklichkeit seiner Führer zurückgeführt, auf die bessere Ortskenntnis, auf glückliche Umstände. Immer gibt es nur einen Akteur, dem sich Israel verdankt: es ist der HERR. Er hat den Wellen Einhalt geboten, er hat den Winden gerufen. „Ja, ich will singen“ weiterlesen

Rettung und Untergang

  1. Mose 14, 15 – 31

15 Und der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen.

             Der HERR hört, auch jetzt, hört das Geschrei, die Todesangst. Er ist nicht taub, der HERR im Himmel. Es ist deutlich in der Frage ein Tadel – so wie später in der Frage Jesu an seine Jünger, auch da in einer Weltuntergangs-Situation am Meer, ein Tadel steckt: „Habt ihr noch keinen Glauben?“(Markus 4,40) Aber damit ist Tadel genug. Es folgt der Auftrag, absurd in dieser Lage: sie sollen weiterziehen. Wohin denn?

 16 Du aber hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es mitten durch, sodass die Israeliten auf dem Trockenen mitten durch das Meer gehen.

            Der Auftrag an Mose geht weiter – auch er irgendwie wie aus einer anderen Wirklichkeit. Hebe deinen Stab auf und recke deine Hand über das Meer und teile es mitten durch Es ist der Stab, den Mose seit seiner Berufung bei sich trägt. Hirtenstab, Schutzstab. Und jetzt der Stab, um das Meer zu teilen. Was für eine Herausforderung steckt in dieser Aufforderung an Mose! Wird er das tun – den Stab erheben? Wird er das tun, das Meer teilen? Das kann doch keiner, auch nicht der Gottesmann Mose.

 17 Siehe, ich will das Herz der Ägypter verstocken, dass sie hinter euch herziehen, und will meine Herrlichkeit erweisen an dem Pharao und aller seiner Macht, an seinen Wagen und Männern. 18 Und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der HERR bin, wenn ich meine Herrlichkeit erweise an dem Pharao und an seinen Wagen und Männern.

         Was folgt, ist eine Einweihung in den Plan Gottes. Er wird die Ägypter bestärke in ihrem Jagdinstinkt, in ihrem Plan, diese Sklavenbande einzufangen oder zu vernichten. Es ist ein Bestärken, das verblendet. Blind macht für die Gefahr, in die sie sich begeben.

19 Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie 20 und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher.

             Zwischen die Ägypter und die Israeliten tritt nun der Engel Gottes, tritt die Wolkensäule  und wird so vollends zum Schutz. „Dieser „Engel Gottes“ vertritt die Gegenwart gottrs selbst; er ist ein in menschlicher Gestalt gedachter Abgesandter Gottes, der vor allem das den Menschen sich zuwendende, helfende Handeln Gottes vermittelt.“ (M. Noth, Das zweite Buch Mose, ATD 5, Göttingen 1968, S.91)

             Ist es den Schreibern der alten Texte nicht aufgefallen? Sie sagen einmal Engel Gottes und einmal Wolkensäule. Himmlische Erscheinung und irdisches Phänomen. Das greift ineinander, schiebt sich ineinander und macht es so unmöglich, alles auf einen Nenner zu bringen. Hier geschieht, was die normale Wahrnehmung übersteigt. „Rettung und Untergang“ weiterlesen

Hoffnung, wo nichts mehr zu hoffen ist

  1. Mose 14, 1 – 14

1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Rede zu den Israeliten und sprich, dass sie umkehren und sich lagern bei Pi-Hahirot zwischen Migdol und dem Meer, vor Baal-Zefon; diesem gegenüber sollt ihr euch lagern.

             Gott weist dem Volk einen Lagerplatz an. Wir wissen heute nicht mehr, wo diese Orte  Pi-Hahirot zwischen Migdol und dem Meer, vor Baal-Zefon zu suchen sind. Es ist kein direkter Weg, sondern eher ein Hin und Her, den Gott mit den Israeliten geht. Vor und zurück, ein Umkehren. Ein Plan wird hinter diesem Weg nicht erkennbar.

 3 Der Pharao aber wird sagen von den Israeliten: Sie haben sich verirrt im Lande; die Wüste hat sie eingeschlossen. 4 Und ich will sein Herz verstocken, dass er ihnen nachjage, und will meine Herrlichkeit erweisen an dem Pharao und aller seiner Macht, und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der HERR bin. – Und sie taten so.

             Das macht das Urteil des Pharao erklärlich: Sie haben sich verirrt im Lande; die Wüste hat sie eingeschlossen. „Dieser sonderbare Zickzackweg musste auf die Ägypter den Eindruck einer verzweifelten und hoffnungslosen Flucht und eines Stolperns angesichts der Wüste machen.“ (Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 1. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1996, S.231) Gottes Aufmerksamkeit gilt nicht nur dem Volk. Sie gilt auch den Ägyptern. Dem Pharao. Es ist, als könnte Gott Gedanken nicht nur lesen, sondern vorausschauen, erahnen. Eine Fähigkeit, die der Psalm besingt – staunend, auch ein wenig ängstlich und dankbar zugleich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;                                                                                     du verstehst meine Gedanken von ferne.                                                                              Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.                              Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,                                                                       das du, HERR, nicht schon wüsstest.                                    Psalm 139, 2 -4

             Was immer der Pharao an Gedanken hat, an Plänen schmiedet, sie sind Gott nicht verborgen. Es ist ein Teil des Schutzes für Israel, dass Gott weitblickender ist als wir Menschen es glauben. Der Pharao ist – so gesehen – nichts als eine Figur in der Hand des großen Schachspielers. „Hoffnung, wo nichts mehr zu hoffen ist“ weiterlesen

Wolken- und Feuersäule – mehr nicht

  1. Mose 13, 17 – 22

17 Als nun der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte sie Gott nicht den Weg durch das Land der Philister, der am nächsten war; denn Gott dachte, es könnte das Volk gereuen, wenn sie Kämpfe vor sich sähen, und sie könnten wieder nach Ägypten umkehren. 18 Darum ließ er das Volk einen Umweg machen und führte es durch die Wüste zum Schilfmeer. Und Israel zog wohlgeordnet aus Ägyptenland.

             Der Pharao hat das Volk ziehen lassen. Jetzt ist es auf dem Weg. Wohin? Gott selbst leitet sein Volk, er bestimmt seinen Weg. Es ist die Fürsorge Gottes, die ihn einen Umweg wählen lässt, nicht die kürzeste Route. Gott weiß auch, was wir zu wissen meinen, dass der kürzeste Weg nicht unbedingt der Weg zum Ziel ist.

            Der Weg durch das Land der Philister, durch den nördlichen Sinai in Richtung Beerscheba  ist kurz. „Auf diesem Weg hätten den Israeliten gleich zu Beginn der Wanderung eine kriegerische Auseinandersetzung bevorgestanden.“ (Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 1. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1996, S. 223) Dieser Gefahr will Gott das Volk gar nicht erst aussetzen. Weil er die Wankelmütigkeit Israel einzuschätzen in der Lage ist, weil er ihr ängstliches Herz kennt. Darum wählt Gott den Umweg.

             Aber auch von diesem Umweg gilt: Israel zog wohlgeordnet aus Ägyptenland. Das ist keine zügellose Flucht, kein angstgetriebenes Wegrennen. Sie laufen nicht einfach nur fort. Diese Ordnung liegt nicht daran, dass die Herzen der Israeliten so fest sind. Sie liegt an dem, der sie führt.                                

            Es ist Gott, der hier alles entscheidet. Er ist nicht nur ein „Gott, der mitgeht“. Sondern er ist der Herr, der den Weg weiß und bestimmt und führt. „Es ging damals nicht um eine eigene Entscheidung Israels über seine Zukunft, sondern um die Durchführung des Heilsplanes, nachdem Israel nunmehr in das ihm zugesagte Land kommen sollte.“ (M. Noth, Das zweite Buch Mose, ATD 5, Göttingen 1968, S.85)

           Dieser Umweg Gottes führt zum Schilfmeer. „Die Bezeichnung Schilfmeer (hebräisch jam sūf) ist wahrscheinlich einem ägyptischen Wort entlehnt, das so viel bedeutet wie `Sumpfgebiet, in dem Ried wächst´.“ (Hj. Bräumer, aaO.; S.223 ) Die Septuaginta übersetzt Schilfmeer  mit ρυθρή θλασσα – Rotes Meer. Wo das Schilfmeer zu suchen ist, ist heute nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Meistens nimmt man ein Gebiet nördlich von Suez an, wo es ausgedehnte Sumpf und Schilfgebiete gibt.    „Wolken- und Feuersäule – mehr nicht“ weiterlesen

Tage des Grauens

  1. Mose 12, 21 – 33.51

21 Und Mose berief alle Ältesten Israels und sprach zu ihnen: Lest Schafe aus und nehmt sie für euch nach euren Geschlechtern und schlachtet das Passa. 22 Und nehmt ein Büschel Ysop und taucht es in das Blut in dem Becken und bestreicht damit die Oberschwelle und die beiden Pfosten. Und kein Mensch gehe zu seiner Haustür heraus bis zum Morgen. 23 Denn der HERR wird umhergehen und die Ägypter schlagen. Wenn er aber das Blut sehen wird an der Oberschwelle und an den beiden Pfosten, wird er an der Tür vorübergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen, um euch zu schlagen.

        Genug der Anweisungen – jetzt setzt die Erzählung wieder ein. Mose nimmt die Ältesten mit hinein in die Verantwortung. Sie suchen die Tiere aus, sie schlachten sie und sie bestreichen die Türpfosten und Oberschwellen mit dem Blut der geschlachteten Tiere. Sie sind weit mehr als Handlanger des Mose. Sie geben auch das strenge Gebot weiter: Keiner verlässt in dieser Nacht das Haus.

           Noch einmal wird die Begründung für das Blut an den Haustüren geliefert. Denn der HERR wird umhergehen und die Ägypter schlagen. Ist zunächst vom Schlagen des HERRN die Rede, so später vom „Verderber“ (hebräisch: mằsit). Scheut sich der Erzähler, Jahwe für dieses Blutbad direkt verantwortlich zu nennen? Und doch ist es außer Zweifel: „Alle Macht gehört Gott allein, und nur das Verderben, dem er es „zugibt“, kann zuschlagen.“  (I. Willi-Plein, Das Buch vom Auszug, Kleine Biblische Bibliothek, Neukirchen 1988, S.78)  Es geht nicht darum, Gott von dieser Blut-Tat freizusprechen, wohl aber darum, einer Vorstellung zu wehren, dass Gott selbst durch die Straßen schleicht und zuschlägt.

 24 Darum so halte diese Ordnung für dich und deine Nachkommen ewiglich. 25 Und wenn ihr in das Land kommt, das euch der HERR geben wird, wie er gesagt hat, so haltet diesen Brauch. 26 Und wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was habt ihr da für einen Brauch?, 27 sollt ihr sagen: Es ist das Passaopfer des HERRN, der an den Israeliten vorüberging in Ägypten, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser errettete.

             Noch einmal wird die Situation geöffnet – durch den Blick in die weite Zukunft. Was jetzt in dieser Nacht geschieht, solle eine Ordnung sein für immer, für ganz Israel. Hier ist es Mose, der das anordnet. So soll es gehalten werden auch in dem Land, das euch der HERR geben wird. Die Formulierung lässt schon anklingen: es wird nicht Mose sein, der das Volk in das Land führt, der ihm dieses Land gibt.  Aber dort, in diesem Land wird die Nacht des Passa alljährlich nachgespielt werden – in der Frage der Kinder und im Bekenntnis der Älteren, der Ältesten. „Tage des Grauens“ weiterlesen

Passa

  1. Mose 12, 1 – 20

 1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: 2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen.

             Eine neue Zeit bricht an. Sie bricht an, indem sie angesagt wird – nicht von Mose und Aaron, sondern vom HERRN. Die neuen Zeiten, die wir Menschen ansagen, halten meistens nicht, was sie versprechen. Das Neue, das jetzt mit Israel geschehen soll, wird aber alles verändern. Angefangen bei der Zeitrechnung.

            Für uns ist der Kalender eher nebensächlich. Hier aber wird er zum Symbol: alles was folgen wird an Zeitrechnung, soll von dem her, was jetzt geschieht, gezählt werden. Dieser Monat jetzt soll zum ersten Monat werden, dieses Jahr zum Jahr des neuen Anfangs. Die Zeit der Knechtschaft geht zu Ende.

        Merkwürdig genug wird der Auszugserzählung die Einsetzung des Passafestes in aller Ausführlichkeit vorangestellt. Auch das ein Hinweis: Alles wird anders. „Darum ist Passa das Grundfest Israels, darum ist der Frühlingsmonat Nissan, in dessen Mitte es gefeiert wird, der „erste Monat, das Monatshaupt“, obwohl das jüdische Neujahr nach dem alten Kalender in den Herbst fällt.“ (I. Willi-Plein, Das Buch vom Auszug, Kleine Biblische Bibliothek, Neukirchen 1988, S76.)  

3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. 4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können.

            Es sind detaillierte Anweisungen, die nicht wirklich in die Unruhe der Nacht vor dem Aufbruch passen wollen. Es wird wohl so sein: die Anweisungen und die Art und Weise, wie später im Land der Verheißung das Passa gefeiert wird, werden zurück datiert auf den Anfang. Was in diesen Anweisungen hier nebenbei sichtbar wird: „Das erste Passa ist das Fest einer Hausgemeinschaft“ (Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 1. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1996, S.180), offen aber in die Nachbarschaft hinein. Die Hausgemeinschaft ist nicht exklusiv.  Erst in viel späterer Zeit wird die Feier des Passa in Jerusalem zentralisiert. (5. Mose 16,5-8)  „Passa“ weiterlesen

Blind durch Wissenschaftsgläubigkeiit?

  1. tMose 7, 1 – 25

 1 Der HERR sprach zu Mose: Siehe, ich habe dich zum Gott gesetzt für den Pharao, und Aaron, dein Bruder, soll dein Prophet sein. 2 Du sollst alles reden, was ich dir gebieten werde; aber Aaron, dein Bruder, soll es vor dem Pharao reden, damit er die Israeliten aus seinem Lande ziehen lasse. 3 Aber ich will das Herz des Pharao verhärten und viele Zeichen und Wunder tun in Ägyptenland. 4 Und der Pharao wird nicht auf euch hören. Dann werde ich meine Hand auf Ägypten legen und durch große Gerichte meine Heerscharen, mein Volk Israel, aus Ägyptenland führen. 5 Und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der HERR bin, wenn ich meine Hand über Ägypten ausstrecken und die Israeliten aus ihrer Mitte wegführen werde.

            Es ist ein harter Kampf für Gott, Mose zu seinem Auftrag zu gewinnen. Immer wieder muss er die Skepsis des Mose überwinden: die Israeliten glauben mir nicht. Der Pharao hört nicht auf mich.

            Die Antwort Gottes auf diese Einwände ist zunächst einmal: Ich, der HERR setze dich zum Gott für den Pharao. Zu einem Gegenüber, das mehr als auf Augenhöhe ist. Zu einem, der aus einer anderen Wirklichkeit heraus redet. Nicht aus der Wirklichkeit der Welt, in der der Pharao ganz oben und du als Hebräer ganz unten bist.

            Und so wie die Götter Ägyptens nur mittelbar reden, durch ihre Priester, so soll Aaron der Mund des Mose sein. Sein Prophet. „Der Prophet (hebräisch nābîʼ) ist der Mittler des göttlichen Wortes.“(Hj. Bräumer, Das zweite Buch Mose, 1. Teil, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1996, S.136) Auch darin erfährt der Pharao: hiersteht mir mehr als ein Mensch gegenüber. „Blind durch Wissenschaftsgläubigkeiit?“ weiterlesen