Ermutigungen eines Gemeindegründers

1.Korinther  4, 14 – 21

 14 Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich dies; sondern ich ermahne euch als meine lieben Kinder. 15 Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durchs Evangelium.

            Was steckt hinter den Worten des Paulus? Es ist, als würde er den Widerspruch hören: Du willst uns nur klein machen, abhängig halten. Du willst uns nur ein schlechtes Gewissen machen. Das alles weist Paulus zurück, Seine Worte sind nicht zum entmutigen gedacht, nicht zum Niedermachen. Er will sie ermahnen, ermutigen. Weil ihm an ihnen liegt. Weil er sie als seine lieben Kinder sieht. Vielleicht darf man sogar sagen: Es ist doch seine Pflicht als Vater, diese Kinder vor falschen Wegen zu warnen.

            Es ist kein Anspruch auf Gehorsam, den er mit dieser Erinnerung absichert: Ich habe euch gezeugt in Christus durch Evangelium. Paulus vergisst mit diesem Erinnern auch nicht, dass er keinen den Glauben öffnen und keinen zum Glauben bringen kann. Der Glaube ist immer Geschenk Gottes. „Die Kraft, die neues Leben schuf, lag allein in der Botschaft von Gottes handeln in Jesus Christus.“ (W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.71) Diese Botschaft aber hat Paulus nach Korinth gebracht. Darum kann er, der ja doch von jüdischem Denken immer noch Geprägte, sagen: Ich habe euch gezeugt. „Wenn einer den Sohn eines anderen die Tora lehrt, so rechnet es ihm die Schrift an, als ob er ihn gezeugt hätte.(bSan 19b)“ (W. Klaiber, ebda)   

             Es geht Paulus um das besondere Verhältnis, das ihn mit den Korinthern verbindet. Er ist eben nicht einer unter unzähligen Erziehern, die alle ihr beschränktes Recht haben. Es mag sein, dass es viele Erzieher für eine Gemeinde gibt, aber doch nicht viele Väter. So wie ein Kind zwar viele Erzieher haben mag, aber doch nur einen Vater. Daran liegt Paulus: er ist der, durch den ihr Glaubensweg in Gang gekommen ist. Er meidet es zu sagen: Ich bin euer Vater. Aber in der Anrede als die lieben Kinder schwingt doch mit, dass er sich so sieht.

            Wobei es schon hilfreich ist: Paulus spricht hier auch mit dem Wort zeugen wohl nicht primär von der Bekehrung der Einzelnen, sondern von der Gründung der Gemeinde. Freilich bleibt festzuhalten, dass es das eine nicht ohne das andere gibt – die Gemeinde nicht ohne die Einzelnen, die zum Glauben finden und die einzelnen Christen nicht ohne die Gemeinde. 16 Darum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel!

             Jetzt folgt seine Ermahnung. Ermutigung: παρακαλ kann ja immer beides heißen: ich ermahne und ich ermutige. Das Ermahnen des Paulus ist nicht zuerst und schon gar nicht ausschließlich der erhobene Zeigefinger. Es ist eher der Zuspruch, der Mut machen will: Traut euch. Ihr könnt das. Aber auch: Das ist der richtige Weg.

            μιμηταί – Unsere alten deutschen Worte „Mime“ und „mimen“ haben hier ihre Wurzel: „Werdet meine Nachahmer.“ steht wörtlich im Griechischen. Wir lernen als Kinder durch Nachmachen. Meistens vergessen wir es später: aber unser Leben besteht häufig im Nachahmen, Nacheifern, Nachsprechen, sich am Vorbild orientieren. Wir sind nicht so originell, dass wir alles im Leben neu erfinden würden.

              Wobei Paulus nicht will, dass ihn die Korinther kopieren. Sondern durch sein Leben eine eigene Lebensausrichtung finden. Der Apostel ist „nachahmenswert, weil und sofern er sich selbst an Christus orientiert und sein Leben ein Reflex des Gekreuzigten ist.“ (W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S. 357) Paulus kann also nur deshalb so zu einem Nachahmen seines Lebens auffordern, weil sein Leben ja auch nichts anderes ist als ein Hineinwachsen in die Gesinnung, in das Beispiel, in den Weg Jesus Christi: Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (Philipper 2,5) In der alten Luther-Übersetzung noch deutlicher: »Ein jeder sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war.«  Weil Paulus Jesus „nachmacht“, sollen die korinther ihn nachmachen.

17 Aus demselben Grund habe ich Timotheus zu euch gesandt, der mein lieber und getreuer Sohn ist in dem Herrn, damit er euch erinnere an meine Weisungen in Christus Jesus, wie ich sie überall in allen Gemeinden lehre.

            Um sie in Korinth auf diesen Weg zurück zu führen, auf den Weg in der Spur Christi, sendet Paulus Timotheus. Ihm vertraut Paulus, weil er für ihn wie ein Sohn ist. Er soll sie erinnern an das, was sie längst gelernt haben. Indem er ihnen die Wege in Christus Jesus – so wörtlich statt Weisungen – ins Gedächtnis ruft, die Paulus sie wie auch andernorts gelehrt hat. ὁδός μουmein Weg sagt Paulus und meint damit mehr als nur „meine Lehre“, „meine Weisung“ – das Leben ist in seiner Ausrichtung damit eingeschlossen. Es geht um die ganze Lebensführung. Man kann das Leben des Apostels nicht von seiner Lehre abziehen, sondern sein Leben lehrt mit. Sein Leben, wie er es lebt, ist „Wegweisung im Zeichen des Kreuzes.“ (W.Schrage, aaO.; S. 360)

  18 Es haben sich einige aufgebläht, als würde ich nicht zu euch kommen. 19 Ich werde aber, wenn der Herr will, recht bald zu euch kommen und nicht die Worte der Aufgeblasenen kennen lernen, sondern ihre Kraft.

            Offensichtlich reagiert Paulus mit diesen Worten auf einen Vorwurf in Korinth. Er kommt ja nicht mehr. Vielleicht sogar: er traut sich nicht mehr her. Weil er sich den Korinthern nicht gewachsen fühlt? Paulus nennt die, die so sticheln, Aufgeblasene. Wenn er kommen wird – bald, so hofft er, wenn der Herr will, wird sich herausstellen, was dran ist an den Worten. Ob es nur Gerede ist oder ob Kraft dahinter ist. Bis in die Formulierungen  hinein – die direkte Parallele steht bei dem so Paulus-kritisch wirkenden Jakobus: Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.“ (Jakobus 4,15)  – zeigt sich Paulus als einer, der nicht dem eigenen Willen folgt, sondern sich seine Wege, sogar seine Reisepläne von Gott vorgeben lässt.

20 Denn das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft.

             Wort oder Kraft? λγος oder δύναμις. Es ist eine schroffe Gegenüberstellung. Eine, die auch die wechselseitigen Vorstellungen vertauscht. Der Vorwurf in Korinth an Paulus war vielleicht: du machst ja nur Worte. Du lehrst nur. Du bist nur dogmatisch unterwegs – Du mit Deinem Wort vom Kreuz. Aber was ist mit deiner Kraft? Was ist mit den Machterweisen, der Dynamik? Was ist mit dem, das hinreißt, begeistert, mitreißt? Warum kannst Du uns nicht hier schon den Himmel offen sehen lassen?

           Ich lese in diesem Wort des Paulus die Umkehrung: es wird sich erweisen, wer nur Worte macht und wo die Wirkungen der Kraft Gottes zu sehen sind. Da ist sich Paulus sicher: seine Botschaft vom Reich, sein Wort vom Kreuz  ist kein kraftloses Gesäusel.

21 Was wollt ihr? Soll ich mit dem Stock zu euch kommen oder mit Liebe und sanftmütigem Geist?

             Eine Drohung? An Prügelstrafe ist doch sicher nicht zu denken? Wohl aber daran, dass die Korinther sich klar werden müssen: Wollen sie den Streit mit Paulus herausfordern, zu einer Prügelei mit Worten eskalieren lassen – oder suchen sie die Verständigung? Sind sie bereit zu Begegnungen im Geist der Liebe? Es wird an ihnen liegen, wie sie Paulus erleben, ob streng, bedrohlich, fremd, oder sanftmütig, freundlich, in Liebe.

Herr Jesus

Ich scheue davor zurück anderen zu sagen

Lebt doch so wie ich

Weil ich nicht so sicher bin

dass mein Leben wirklich Dich wiederspiegelt

Deine Liebe

Dein Erbarmen

Deine Geduld

 

Herr Jesus

Ich habe es nicht so mit dem Abheben

Aber ich traue darauf

dass Du uns aufhebst

dass wir in Dir gut aufgehoben sind

auch wenn  das keine großen Gefühle auslöst

auch wenn ich den Himmel nicht jeden Tag offen sehe

 

Ich danke Dir

dass ich mich an Dich halten darf

dass Du mich hältst

in guten und in schweren Zeiten

wenn ich mich stark fühle und reich

aber eben auch

wenn ich ganz unten bin

schwach und leer. Amen