Es liegt alles an Gott

1.Korinther  3, 5 -8

 5 Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus?

             Paulus nennt sich und Apollos, weil sie wohl für die Korinther die zentralen Figuren sind, die auch die längste Zeit auf die Gemeinde eingewirkt haben durch ihre Verkündigung.  Apollos ist ein Alexandrien stammender Jude, in der Schrift bewandert. Er ist in seiner Verkündigung selbstständig, kein Mitarbeiter des Paulus. „Er steht als „Mitarbeiter Gottes“ zu Paulus im Verhältnis des Bruders wie jeder andere christliche Bruder auch.“ (E.Fascher, Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Theol. Handkommentar NT 7/1; Berlin 1980, S.19)

           Auch wenn die Fragen des Paulus vordergründig so klingen, als würde er nach ihnen als Person fragen – in Wahrheit geht es um ihre Rolle. Welche Rolle spielen sie für euch, so übertrage ich.  Denn das veranlasst ja die Fragen des Paulus, dass er die boten in ihrer Rolle überschätzt sieht, wenn sich Glieder in der Gemeinde nach ihnen benennen, sich ihnen zugehörig fühlen und nicht nur ein wenig verbunden, so wie allen anderen Christen..

 Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat:

             Die Antwort, die Paulus auf seine selbstgestellte Frage gibt, zielt wieder auf ihre Rolle: Diener. Was immer sie als Personen sein mögen, glänzend oder mickrig, voller Ausstrahlungskraft oder eher unauffällig – sie sind Diener. Und nur als solche haben sie Bedeutung für die Korinther. δικονοι  Diakone. Das ist ihr Dienst, dass die Korinther durch sie gläubig geworden sind, den Weg zum glauben gezeigt bekommen haben. Ihn so gezeigt bekommen haben, dass sie für diesen Weg aufgeschlossen worden sind und ihn für sich selbst angenommen haben.

            „Durch diese Bezeichnung als Diener wird alle Eigenmächtigkeit und alles Eigeninteresse der δικονοι  ebenso ausgeschlossen wie eine Bindung an sie.“ (W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S.290)  Das wird noch durch die weitere Wendung unterstrichen: sie haben nur das ausrichten können, was der Herr einem jeden gegeben hat. Kein noch so mächtig auftretender Bote des Evangeliums kann irgendetwas aus sich selbst heraus bewirken. Es ist immer der Herr, der Glauben weckt, auch wenn es die Boten sind, die für den Glauben werben.  Sie sind seine Werkzeuge, durch die er handelt.

            Das lässt schon danach fragen, was gemeint ist, wenn man heute gerne auch einmal von „glaubenweckender Predigt“ spricht. Ist damit der Inhalt gemeint – dass wirklich Christus als der Gekreuzigte zur Sprache kommt? Oder ist damit die Wirkung gemeint? Geht es um den Inhalt, so kann ich mich damit anfreunden: Predigende sollen der Welt und ihren Zuhörern nicht sagen, was die selbst schon aus der Zeitung oder aus eigenem Erfahren wissen. Sie sollen das Evangelium sagen. Aber die Kraft, dass aus solchem Sagen Glauben wird, ist unverfügbar. Dazu braucht es, dass Gott die Worte zu seinen Worten macht, dass er die Predigt verwandelt in sein Reden. Das nennen wir Wirken des Geistes.

 6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.

             Dabei ist es so, dass die Diener nicht einfach nur das Gleiche tun. Paulus unterscheidet zwischen seinem Handeln  und dem des Apollos. Man hat gerne angenommen, dass er damit seinen zeitlichen Vorsprung andeutet. Er war der Erstverkündiger in Korinth, Apollos hat auf seinem Verkündigen aufgebaut.

            Das mag so sein, aber darauf kommt es Paulus nicht an. Sondern woran ihm liegt ist vielmehr: Was auch immer der einzelne getan hat – fruchtbar wird es nur dadurch, dass Gott das Gedeihen gegeben hat. Also nicht die unterschiedliche Arbeit wird betont, schon gar nicht im Konkurrenz gegeneinander gesetzt, sondern die Abhängigkeit vom Geben Gottes. Es gibt keine Rangfolge, keine unterschiedliche Wertigkeit von Erstverkündigung, missionarischem Ruf zum Glauben und weiterführender Arbeit in der Gemeinde.

           Wer hier nicht nur sachlich differenziert nach den verschiedenen Aufgaben, sondern Werturteile abgibt und den eigenen Glauben unlöslich mit den Boten verknüpft, der erweist, dass er nach Menschenweise urteilt und denkt und nicht dem gerecht wird, dass Gott das eine wie das andere segnen will und segnen muss.

„Alles Pflanzen und Begießen von Menschen bleibt unfruchtbar und ist zum Scheitern verurteilt, wenn nicht Gott selbst Wachsen und Gediehen gibt, das allein er geben kann.“ (W.Schrage, aaO.; S.292) An diese Wirklichkeit erinnert der Liedvers, der, so gesehen, viel mehr ist als ein Erntedank-Lied.

Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.                                                                                                            M.Claudius 1783, EG 508

7 So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. 8 Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere.

             Entschlossen zieht Paulus die Konsequenzen aus einem Obersatz: Weil alles am Geben Gottes hängt, ist es falsch und unsinnig, sich an die Arbeiter, die Boten, die Diener zu binden. Sie sind einer wie der andere – eben Diener. Hinter der steilen Formulierung: So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, steht nicht: auf uns kommt es nicht an. Doch,  es kommt auf jeden einzelnen an – den der pflanzt, den der Begießt, dem, der umsorgt, den der wacht. Aber sie alle tun nur ihre Arbeit.

            Oder, vielleicht noch schärfer: „Sie sind tatsächlich ein Nichts, aus dem nur Gottes Schöpfertat etwas zu machen vermag.“ (W.Schrage, ebda) Wieder: Hier geht es nicht darum, Menschen klein zu machen, ihre unterschiedlichen Begabungen zu nivellieren, einzuebnen. Sondern es geht darum, dass alles Gaben erst dann Gottes Werke wirken, wenn Gott segnet. Bei Jesus hört sich das so an: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15,5)

Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.

             Die Abhängigkeit von Gottes Geben hebt die eigene, persönliche Verantwortung nicht auf.  Alle Arbeit wird ihre Antwort erhalten, ihren Lohn. Gott ist nicht blind für das tun seiner Leute. Er lässt sie Anerkennung, Lohn empfangen.

             Es gibt eine reflexartige Abwehr gegen jeden Lohngedanken, weil er eine jüdische Erbschaft sei und sich nicht mit der Rechtfertigung allein aus Glauben vertrüge. Aber das ist zu kurz gedacht: Im Lohn zeigt sich die Anerkennung Gottes für die Mühe – so das Wort κπος, das Paulus gerne gebraucht. „Es ist das Wort, das sonst für harte körperliche Arbeit, wie sie Sklaven und Frauen verrichteten,  verwendet wird. Paulus benutzt es gerne, um den persönlichen Einsatz in Mission und Gemeinde zu kennzeichnen.“ (W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.52) Gott anerkennt die Mühe, die seine Leute auf sich genommen haben. Aber er erspart ihnen auch nicht die Verantwortung für ihre Arbeit.

          Eine andere Möglichkeit, diesen Satz zu verstehen, nenne ich auch noch: „Wir gewinnen Lohn, weil wir an Gottes Werk mitarbeiten.“ Von diesem Verständnis aus ist der Weg kurz zum Lebens- und Dienstmotto, das einst (1854) Wilhelm Löhe für seine Diakonissen formuliert hat: „Was will ich? Dienen will ich. – Wem will ich dienen? – Dem Herrn Jesu in Seinen Elenden und Armen. Und was ist mein Lohn? Ich diene weder um Lohn noch um Dank, sondern aus Dank und Liebe; mein Lohn ist, dass ich dienen darf.“

Herr Jesus

was für einen Reichtum hast Du in Deine Gemeinde geben

Menschen mit der Gabe zu dienen

zu predigen

mit der Gabe zu leiten

mit der Gabe so zuzuhören

dass einer sein Herz ausschütten kann

 

In Deiner Gemeinde gibt es die

die Tränen trocknen

die den Rücken stärken

die den Schmerz lindern

die trösten aus Deiner Güte

und die

die einfach da sind

wo sie gebraucht werden

 

Ich danke Dir für den Reichtum

den Du in Deine Gemeinde gegeben hast. Amen