Gottes Wunder: Glauben

1.Korinther  2, 1 -5

1 Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen.

             Paulus führt seinen Gedanken weiter. Gott hat sich für die Niedrigen und Schwachen entschieden. Er ist den Weg bis in die Tiefe des Todes gegangen. Dem konnte Paulus nicht anders entsprechen als in der Art seiner Verkündigung. Form und Inhalt müssen zusammen stimmen. Deshalb der Verzicht auf hohe Worte und hohe Weisheit. Auf überragende Worte und Weisheit – so eigentlich wörtlich περοχν.

             Dieser Verzicht ist nicht der Unfähigkeit des Paulus geschuldet, der kein großer Redner ist. Er ist von seiner Botschaft her geboten. „Vom Gekreuzigten kann man nicht mit brillierender rhetorischer Eleganz sprechen, nicht nur aus Geschmacksgründen, sondern weil alle Konzentration dem Verkündigten und nicht dem Verkündiger zu gelten hat.“(W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S.225)

             Und doch ist Paulus weit davon entfernt, sich mit diesem Verzicht klein zu machen. Denn er weiß von sich selbst: das, was ich verkündigt habe ist das Geheimnis Gottes. Das, was sich die Welt nicht denken und deshalb auch nicht erkennen kann, was sich keiner selbst sagen kann. Schon mit dem nächsten Satz wird er enthüllen, was der Inhalt dieses Geheimnisses, μυστριον, dieses Mysteriums ist.  Mit diesem Wort sagt Paulus nicht, dass er irgendetwas Geheimnisvolles von Gott weiß, das nur esoterisch Eingeweihten offensteht. Sondern er bezeichnet damit den Ratschluss Gottes, der der Welt verborgen ist, jetzt aber durch die törichte Predigt offenbart.

 2 Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.

            Das allein ist sein Thema: Jesus Christus, und zwar als der Gekreuzigte. Kein Leben Jesu. Kein Erzählen von Zeichen und Wundern. Nichts von Jungfrauengeburt und Himmelsstimmen. Wir wissen nicht wirklich, wie die Missionspredigt des Paulus ausgesehen hat. Aber hier nennt er das Zentrum seiner Predigt. Wieder und wieder geht es um Jesus Christus als den Gekreuzigten. Nicht nur in Korinth, nicht nur in Rom – immer und überall – deutlich ablesbar in seinem Ausruf: „O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte?“ (Galater 3,1)

             Von daher stimme ich gerne zu: „Ist der Gekreuzigte Maß und Mitte, sind andere Inhalte nicht verdächtigt und verboten, wie die paulinischen Briefe selbst deutlich erkennen lassen, aber vom Kreuz her gewinnt alles eine andere Qualität und Perspektive.“ (W.Schrage, aaO.; S.228)  Hinter dieser Botschaft, dass im Kreuz durch den Gekreuzigten das Heil Gottes geschieht, muss alles andere zurück treten. Oder anders gesagt: „Für die Heilsbotschaft ist nicht der heute so viel traktierte „historische Jesus“ , sondern der Christus am Kreuz oder das skandalöse, schaurige Ende dieses Verkündigers des Reiches Gottes das Zentrum.“ (E.Fascher, Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Theol. Handkommentar NT 7/1; Berlin 1980, S,115)

               Es ist mit Händen zu greifen, wie sehr diese Einsicht heutige Verkündigung herausfordert. Quer liegt zu Vielem, was unter den Stichworten „Leuchtfeuer“, „Qualitätsmanagement“, „herausragende Predigtkirchen mit herausragenden PredigerInnen“ verhandelt wird Das Bemühen, „nahe bei den Menschen zu sein“, darf nie und nimmer zu Lasten dieser Botschaft gehen: Das Heil des Menschen, auch des autonomen, des religiösen, des aufgeklärten hängt an diesem Gekreuzigten.

  3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; 4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 5 damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

            Weil es um die Botschaft geht und nicht um den Botschafter, kann Paulus es sich leisten, auf die Kunst antiker Rednerschulen zu verzichten, kein Feuerwerk abzubrennen mit  überredenden Worten menschlicher Weisheit. Er konnte sein, der er war, auftreten, wie es ihm entsprach: in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern. Dieses Auftreten ist nicht seine freie Wahl, sondern auferlegt: „Gott macht ihn äußerlich und innerlich seiner Predigt konform.“(H. Conzelmann, Der erste Brief an die Korinther, Göttingen 1969 S.71)

            Und doch: aller Schwäche, Furcht und allem Zittern zum Trotz: Seine Verkündigung hat Folgen. Sie geschah in Erweisung des Geistes und der Kraft.  Wie anders hätte es auch geschehen können, dass Menschenherzen berührt werden, Menschen in Korinth zum Glauben kommen.  Es bleibt festzuhalten: „Der Gekreuzigte und seine Predigt vertragen sich nicht mit religiös-vitalem Selbstwertgefühl und pneumatischer Kraftmeierei.“(W.Schrage, aaO.; S. 229) Aber gleichwohl: Wo der Gekreuzigte wirklich gepredigt, vor Augen gemalt wird, da wirkt der Geist, da wirkt die Kraft Gottes. Beides ist nicht verfügbar – weder durch die Kunst der Predigenden noch durch die Anstrengung und Aufgeschlossenheit der Hörenden.

           Ganz schlicht gesagt: Dass Menschen zum Glauben kommen, ist allemal die Tat Gottes. Wunder. Es ist schon viel, wenn wir mit unserem guten Willen, unserer Beredsamkeit, unserem Tun und Machen ihm dabei nicht im Weg stehen. Wir können in der Welt unendlich viel tun. Auch viel Gutes tun, leider auch manches Böse. Aber eines können wir nicht: Das Wunder des Glaubens bewirken. Das hat Gott sich und seiner Kraft vorbehalten.

Herr Jesus

wie oft habe ich Dir wohl im Weg gestanden

mit meinen Versuchen

den Glauben vernünftig erscheinen zu lassen

mit den vielen Worten

die ich gemacht habe

 

Wie oft habe ich über alles Mögliche geredet

aber dabei Dich verschwiegen

Dein Kreuz

die Tiefe

in die Du für uns gegangen bist

 

Wie oft bin ich Menschen diese eine Botschaft schuldig geblieben

dass Du der Gekreuzigte bist

uns zum Heil und Leben

Herr erbarme dich. Amen