Es ist nicht gleichgültig….

1.Korinther 5, 1 – 8

 1 Überhaupt geht die Rede, dass Unzucht unter euch ist, und zwar eine solche Unzucht, wie es sie nicht einmal unter den Heiden gibt: dass einer die Frau seines Vaters hat. 2 Und ihr seid aufgeblasen und seid nicht vielmehr traurig geworden, sodass ihr den aus eurer Mitte verstoßen hättet, der diese Tat begangen hat?

             Bis hierher ging es im Brief um Spaltungen, um Gruppenbildung, um geistliche Anmaßung. Ist das alles plötzlich kein Thema mehr? So, als würde Paulus jetzt nach dem Ringen um geistliche Klarheit jetzt auf die moralischen Verwerfungen in Korinth kommen?

            Wahrscheinlicher scheint mir: die angemaßte geistliche Kraft, das geistliche Urteilsvermögen wird jetzt befragt auf seine Wirksamkeit im konkreten Gemeindealltag. „Überhaupt geht die Rede“ sagt Paulus und ich übertrage: Wie steht es denn jetzt mit eurer geistlichen Klarheit im Blick auf den folgenden Fall.

            Der Fall: einer aus der Gemeinde hat seine Stiefmutter als Frau. γυνή πατρς, die Frau des Vaters ist im Alten Testament eindeutig die Stiefmutter. „Niemand soll seines Vaters Frau nehmen und aufdecken seines Vaters Decke.“(5. Mose 23,1)Wäre es seine eigene Mutter, würde Paulus das klar sagen. Ob es in dieser Beziehung um eine regelrechte Ehe geht, oder um eine „wilde“ Ehe, ist nicht klar. Auch nicht, ob der Vater noch lebt oder verstorben ist.  Klar ist nur, wie Paulus diese Affäre, wenn es denn nur eine Affäre ist sieht: Unzucht übelster Art. So, dass sie auch bei den Heiden nicht akzeptabel ist.  πορνεα, Porneia steht da, das Wort, aus dem sich unsere Worte Porno und Pornographie ableiten.

            Der Vorwurf des Paulus an die Gemeinde heißt: Ihr, die ihr euch so urteilsfähig wähnt in geistlichen Dingen – ihr schweigt hier, schaut weg, haltet still. Aus Rücksicht? Aus Feigheit? Die richtige Reaktion, daran lässt Paulus keinen Zweifel wäre gewesen: Ausschluss aus der Gemeinde. Weil das Ganze eben nicht Privat-Sache ist, nach dem Motto: was einer in seinem Bett treibt, geht keinen etwas an. Sondern auf dem Spiel steht die Heiligkeit der Gemeinde. „Schon in Israel berührt eine Sünde immer die ganze Gemeinde. … Selbst eine eheähnliche Verbindung von Christen ist nicht reine Privatsache, wie es denn auch sonst für Paulus keine Privatethik gibt.“ (W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S. 371)

             Was der Einzelne, die Einzelne tut und treibt, wirkt sich auf die ganze Gemeinde aus. Sie ist ja als Ganze „der Tempel Gottes“(3,17), dessen Heiligkeit es zu bewahren und bewähren gilt.    „Es ist nicht gleichgültig….“ weiterlesen

Ermutigungen eines Gemeindegründers

1.Korinther  4, 14 – 21

 14 Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich dies; sondern ich ermahne euch als meine lieben Kinder. 15 Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durchs Evangelium.

            Was steckt hinter den Worten des Paulus? Es ist, als würde er den Widerspruch hören: Du willst uns nur klein machen, abhängig halten. Du willst uns nur ein schlechtes Gewissen machen. Das alles weist Paulus zurück, Seine Worte sind nicht zum entmutigen gedacht, nicht zum Niedermachen. Er will sie ermahnen, ermutigen. Weil ihm an ihnen liegt. Weil er sie als seine lieben Kinder sieht. Vielleicht darf man sogar sagen: Es ist doch seine Pflicht als Vater, diese Kinder vor falschen Wegen zu warnen.

            Es ist kein Anspruch auf Gehorsam, den er mit dieser Erinnerung absichert: Ich habe euch gezeugt in Christus durch Evangelium. Paulus vergisst mit diesem Erinnern auch nicht, dass er keinen den Glauben öffnen und keinen zum Glauben bringen kann. Der Glaube ist immer Geschenk Gottes. „Die Kraft, die neues Leben schuf, lag allein in der Botschaft von Gottes handeln in Jesus Christus.“ (W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.71) Diese Botschaft aber hat Paulus nach Korinth gebracht. Darum kann er, der ja doch von jüdischem Denken immer noch Geprägte, sagen: Ich habe euch gezeugt. „Wenn einer den Sohn eines anderen die Tora lehrt, so rechnet es ihm die Schrift an, als ob er ihn gezeugt hätte.(bSan 19b)“ (W. Klaiber, ebda)   

             Es geht Paulus um das besondere Verhältnis, das ihn mit den Korinthern verbindet. Er ist eben nicht einer unter unzähligen Erziehern, die alle ihr beschränktes Recht haben. Es mag sein, dass es viele Erzieher für eine Gemeinde gibt, aber doch nicht viele Väter. So wie ein Kind zwar viele Erzieher haben mag, aber doch nur einen Vater. Daran liegt Paulus: er ist der, durch den ihr Glaubensweg in Gang gekommen ist. Er meidet es zu sagen: Ich bin euer Vater. Aber in der Anrede als die lieben Kinder schwingt doch mit, dass er sich so sieht.

            Wobei es schon hilfreich ist: Paulus spricht hier auch mit dem Wort zeugen wohl nicht primär von der Bekehrung der Einzelnen, sondern von der Gründung der Gemeinde. Freilich bleibt festzuhalten, dass es das eine nicht ohne das andere gibt – die Gemeinde nicht ohne die Einzelnen, die zum Glauben finden und die einzelnen Christen nicht ohne die Gemeinde. „Ermutigungen eines Gemeindegründers“ weiterlesen

Narren – um Christi willen

1.Korinther  4, 6 -13

6 Dies aber, liebe Brüder, habe ich im Blick auf mich selbst und Apollos gesagt um euretwillen, damit ihr an uns lernt, was das heißt: Nicht über das hinaus, was geschrieben steht!, damit sich keiner für den einen gegen den andern aufblase.

             Noch einmal benennt Paulus den Anlass, weshalb er so ausführlich auf dieses Thema eingeht. Sowohl er als auch Apollos werden missverstanden, missdeutet, wenn man sie zu Leit-Figuren macht, auf die man sich beruft. Über die man sich gewissermaßen definiert.

            Für beide gilt: die eigene Rolle, die eigene Grenze kennen. Diener, Haushalter sind sie. Aber eben nicht Heilande. Weil sie das wissen, blasen sie sich nicht auf, lassen sie sich auch nicht gegeneinander ausspielen. „Da nach Überzeugung des Paulus zwischen Apollos und ihm kein Gegensatz und kein Konkurrenzverhältnis besteht, konnte er am Beispiel ihres Zusammenwirkens die positive Bedeutung unterschiedlicher Schwerpunkte und Begabungen bei der Verkündigung darstellen.“ (W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.64) Wer in Korinth Spaltungen betreibt, kann sich jedenfalls nicht auf Paulus und Apollos berufen. Sondern sie sind in ihrem Miteinander das so wichtige Gegenbeispiel für fruchtbare Vielfalt.

7 Denn wer gibt dir einen Vorrang? Was hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich dann, als hättest du es nicht empfangen?

              Paulus spürt hinter den ganzen Querelen in Korinth Konkurrenzkämpfe. Die Neigung, sich selbst groß und die anderen klein zu machen. Er spürt den Stolz auf den eigenen Glaubensstand, der wie ein Stolz auf eigene Leistung ist.  Diesem Denken tritt Paulus streng entgegen: Ihr habt euch doch nicht selbst zu Christen gemacht! Auch alles, was ihr an Begabungen habt, ist doch nicht euer Verdienst und eure Leistung. „Christen haben nichts aus eigener Entscheidung, in eigenem Recht und zur eigenen Verfügung. Alles ist verliehen.“ (W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S. 336) Nur wer das übersieht und übergeht, kann sich auf den Sockel der Selbstbeweihräucherung stellen. Und zeigt gerade so, wie geistlich unreif er noch ist. „Narren – um Christi willen“ weiterlesen

Das letzte Wort – Gottes Wort

  1. Korinther 4, 1 -5

 1 Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.

                 Jetzt ist Raum für eine Art „persönlicher Erklärung“. So sieht Paulus sich selbst und so will er auch gesehen werden, als Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Aber das ist nicht eine exklusive Sicht auf Paulus, sondern gilt für alle, die in der Gemeinde aktiv sind, verkündigen, leiten, die Gemeinde bauen helfen. Ein Dienstmann – „πηρτης ist im profanen Sprachgebrauch der Gehilfe, der Bedienstete, der in untergeordneter Position einem Höherstehenden oder Vorgesetzten zur Hand geht und in dessen Auftrag Anweisungen ausführt.“ (W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S. 320)

               Das entspricht dem, dass sich Paulus gerne auch als Knecht Jesu Christi bezeichnet. Ähnlich ist es mit den οκονμοι, den Ökonomen. „Sie haben eine verantwortungsvolle Position, die auch selbstständige Entscheidungen erfordert, für die sie dann aber ihrem Auftraggeber Rechenschaft schuldig sind.“(W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.61)

                  Paulus betont also, wenn er seine Rolle beschreibt, vor allem die Pflicht zur Rechenschaft. Er ist, wie alle Apostel, nicht auf eigene Rechnung unterwegs, sondern im Auftrag. Sein Auftraggeber ist es, vor dem er sich verantworten muss.

                  Damit ist auch klar: er will nicht, dass man ihm – und den anderen Aposteln – eine höhere Rolle zuschreibt, ihn – und sie – als „Herren der Gemeinde und des Glaubens“ sieht. Sie sind nur Dienstleute, nur Verwalter. Das aber sind sie auch wirklich und genau darin auch frei der Gemeinde gegenüber.

          Es ist in Vielem, was heute über die Ämter in der Gemeinde geschrieben und gesagt wird, unklar: Wem sind die „Amtsträger“ Rechenschaft schuldig? Der Gemeinde? Dem Dekanat? Der Kirchenverwaltung? An der Beantwortung dieser Frage hängt viel, vor allem die innere Unabhängigkeit. „Das letzte Wort – Gottes Wort“ weiterlesen

Der Grund der Freiheit – letzte Bindung

1.Korinther  3, 18 – 23

 18 Niemand betrüge sich selbst. Wer unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, der werde ein Narr, dass er weise werde.

             Wer macht das schon: sich selbst betrügen? Aber: es gibt so viel Leben in der Selbsttäuschung. In der Selbstüberschätzung wie in der Unterschätzung der eigenen Möglichkeiten.  Das begegnet nicht so selten, dass  Menschen das Bild von sich selbst haben,  weise zu sein in dieser Welt, Zu verstehen und erkannt zu haben, was die Welt im Innersten zusammenhält.

           Gemeint ist sicher nicht das Begreifen von Weltzusammenhängen, auch nicht eine Vernunft, die hilft, sich im Alltag zurecht zu finden. Sondern die Polemik gilt einer Weisheit, „die das „Fundament“ außer Acht lässt, und das Kreuz Christi ausklammert, sich also an anderen Kriterien orientiert.“(W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S. 312)

           Tragfähig vor Gott ist nicht diese Weisheit, sondern allein die Narretei, die sich im Vertrauen auf den Gekreuzigten zeigt. Mit diesen Gedanken greift Paulus zurück auf seine früheren Worte über die Torheit des Kreuzes, „in der sich in Wahrheit die Weisheit der Liebe Gottes offenbart.“ (W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.58)

                  Es geht um die Bereitschaft, sich in den Augen der Welt zum Narren zu machen, weltfremd zu erscheinen. Sich außerhalb des Mainstream und der veröffentlichten Meinung wiederfinden zu lassen. In Wahrheit aber sind die Narren Christi die, die weise sind.

19 Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott. Denn es steht geschrieben (Hiob 5,13): »Die Weisen fängt er in ihrer Klugheit«, 20 und wiederum (Psalm 94,11): »Der Herr kennt die Gedanken der Weisen, dass sie nichtig sind.«

             Noch einmal: die Weisheit dieser Welt ist in sich beschränkt. Sie wird zur Torheit bei Gott, wenn sie diese Selbstbeschränkung nicht sieht, sondern sich verabsolutiert. Das ist die Gefahr, die heute wie früher offen zu Tage liegt: Wir – auch Christen – neigen dazu, nur gelten zu lassen, was einleuchtet, was vor den Kriterien der Vernunft bestehen kann. Oder anders gesagt: was man messen, zählen, wiegen kann. Es gibt ein geradezu grenzenloses Zutrauen zur Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen, enger der naturwissenschaftlichen und technischen Vernunft. Es sind die unbestreitbaren Erfolge dieser Vernunft, die sie gefährden, weil sie dazu führen, dass nur sie gelten soll. „Der Grund der Freiheit – letzte Bindung“ weiterlesen

Auf gutem Fundament

 1.Korinther  3,9 -17

9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

             Dreimal rückt Paulus in den Blick: es geht um Gottes Sache.  Damit unterstreicht er die eigene Bedeutung und die Hochachtung für die Gemeinde in Korinth. Wir – gemeint sind Paulus, Apollos, aber auch alle anderen Boten es Evangeliums – folgen dem Auftrag Gottes. Keiner der Boten arbeitet auf eigene Faust und eigene Rechnung.  Sondern: wir sind beteiligt an Gottes Werk.

       συνεργο θεο. Synergoi theou – Mitarbeiter Gottes. So streng Paulus sonst zurückweist, dass wir irgendetwas für das eigene Heil tun können – hier redet er davon, dass er und die anderen mitwirken am Werk Gottes. Aber auch als Mitarbeiter sind sie nicht Mitwirkenden eigener Regie, können sie das Heil nicht selbst zuteilen und austeilen. „Die Apostel sind nichts als Gehilfen und Handlanger Gottes.“ (W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S. 294)Mehr nicht.

           Das aber sind sie wirklich und als solche gewürdigt, mitzuwirken an Gottes Ackerfeld und. Bau. Man wird es nicht übersehen dürfen: das macht auch Würde aus. Es ist schon ein Unterschied, ob ich an einem Allerweltsauftrag mitwirke oder ob mich der Herr der Welt an sein Heilswerk stellt. Es ist zu spüren: Paulus spricht hier auch als jemand, der sich selbst gewürdigt weiß. Der auch den Wert seiner Arbeit einschätzt. Sich selbst als weisen Baumeister sieht.

Als vor Jahrhunderten noch Kathedralen und Kirchen gebaut wurden, fragte ein Passant zwei Maurer, was sie da machen. Ein Maurer antwortete mürrisch: „Ich setzt Steine aufeinander.“ Der andere Maurer antwortete stolz: „Ich baue eine Kathedrale.“ Paulus sieht sich als Mitarbeiter an der größten Arbeit der Welt: Menschen die Liebe Gottes nahe zu bringen.

          Was in Korinth entstanden ist als Gemeinde, mag nicht „seine“ Gemeinde sein. Er ist nicht ihr Herr. Aber er hat in ihr Fundamente gelegt. Grundlagenarbeit geleistet als ρχιτκτων, als Architekt. Die Gnade, die er empfangen hat, ist nicht vergeblich an ihn gegeben worden. Sie hat ihn beflügelt, befähigt, vorwärts getrieben. Die Korinther können das bestätigen. Jetzt mögen andere weiterbauen.      „Auf gutem Fundament“ weiterlesen

Es liegt alles an Gott

1.Korinther  3, 5 -8

 5 Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus?

             Paulus nennt sich und Apollos, weil sie wohl für die Korinther die zentralen Figuren sind, die auch die längste Zeit auf die Gemeinde eingewirkt haben durch ihre Verkündigung.  Apollos ist ein Alexandrien stammender Jude, in der Schrift bewandert. Er ist in seiner Verkündigung selbstständig, kein Mitarbeiter des Paulus. „Er steht als „Mitarbeiter Gottes“ zu Paulus im Verhältnis des Bruders wie jeder andere christliche Bruder auch.“ (E.Fascher, Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Theol. Handkommentar NT 7/1; Berlin 1980, S.19)

           Auch wenn die Fragen des Paulus vordergründig so klingen, als würde er nach ihnen als Person fragen – in Wahrheit geht es um ihre Rolle. Welche Rolle spielen sie für euch, so übertrage ich.  Denn das veranlasst ja die Fragen des Paulus, dass er die boten in ihrer Rolle überschätzt sieht, wenn sich Glieder in der Gemeinde nach ihnen benennen, sich ihnen zugehörig fühlen und nicht nur ein wenig verbunden, so wie allen anderen Christen..

 Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat:

             Die Antwort, die Paulus auf seine selbstgestellte Frage gibt, zielt wieder auf ihre Rolle: Diener. Was immer sie als Personen sein mögen, glänzend oder mickrig, voller Ausstrahlungskraft oder eher unauffällig – sie sind Diener. Und nur als solche haben sie Bedeutung für die Korinther. δικονοι  Diakone. Das ist ihr Dienst, dass die Korinther durch sie gläubig geworden sind, den Weg zum glauben gezeigt bekommen haben. Ihn so gezeigt bekommen haben, dass sie für diesen Weg aufgeschlossen worden sind und ihn für sich selbst angenommen haben.

            „Durch diese Bezeichnung als Diener wird alle Eigenmächtigkeit und alles Eigeninteresse der δικονοι  ebenso ausgeschlossen wie eine Bindung an sie.“ (W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S.290)  Das wird noch durch die weitere Wendung unterstrichen: sie haben nur das ausrichten können, was der Herr einem jeden gegeben hat. Kein noch so mächtig auftretender Bote des Evangeliums kann irgendetwas aus sich selbst heraus bewirken. Es ist immer der Herr, der Glauben weckt, auch wenn es die Boten sind, die für den Glauben werben.  Sie sind seine Werkzeuge, durch die er handelt. „Es liegt alles an Gott“ weiterlesen

Frei gegeben

1.Korinther  3, 1 -4

 1 Und ich, liebe Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen, wie zu unmündigen Kindern in Christus. 2 Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise; denn ihr konntet sie noch nicht vertragen.

             Paulus setzt neu ein, indem er an den Anfang in Korinth erinnert. Da hat er zu ihnen gesprochen nicht als zu geistlichen Menschen, sondern er hat sie angeredet wie sie waren: zu Leuten, die wie neugeborene, unmündige Kinder waren. Fleischlich. „Sie waren in ihrem Denken und Handeln noch nicht so vom Geist Gottes bestimmt, dass sie dies hätten verstehen können.“ (W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.49) Ihre Maßstäbe waren noch vom Denken ihrer Umwelt geformt, ihr Denken noch in den engen Grenzen ihrer Herkunft gefangen. Es wäre eine Überforderung gewesen, mit ihnen all das zu verhandeln, was er heute mit ihnen zu verhandeln hat.

            Er greift zum Vergleich: auch Neugeborene können noch keine feste Nahrung zu sich nehmen. Wer sie nicht schädigen will, darf sie nicht überfordern. Hinter diesem Bild steht die Vorstellung, dass Menschen im Glauben wachsen und reifen, dass der Anfang nicht alles ist.

            Ohne Bild: wenn Christen heute auf dem erlernten Wissens- und Erfahrungstand ihrer Konfirmandenzeit bleiben, dann läuft in ihrem Leben als Christen etwas schief. Wenn man so will: Paulus hat ein Bild vom Glauben, das dem „lebenslangen Lernen“ entspricht, das heute allseits gefordert ist. Eben auch im Christsein. Wer sich dem verweigert, weil er ja jetzt alles gelernt hat und es auch vermeintlich bescheinigt bekommen hat mit der Konfirmation: „jetzt ist das Lernen des Glaubens fertig“, der bleibt auf einem Glaubensstand, der ein Anfang ist. Aber mehr auch nicht. Schlicht gesagt: „Für Paulus ist der Christenstand ein Werden und Reifen.“ (E. Stange, Der erste Korintherbrief, Bibelhilfe für die Gemeinde, Leipzig o.J, S. 27) „Frei gegeben“ weiterlesen

Gottes Weisheit – verborgen ins Gegenteil

1.Korinther  2, 6 -16

 6 Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen.

            Jetzt versucht Paulus zu erklären. Es geht nicht darum, Weisheit grundsätzlich für unsinnig zu erklären. „Das Stichwort Weisheit bezieht sich nicht auf das menschliche Bemühen zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ (W. Klaiber, Der Erste Korintherbrief, Neukirchen 2011, S.41) Paulus ist nicht auf einem Anti-Vernunft-Weg unterwegs. Es gibt Weisheit, Klugheit, die lebenstüchtig macht, die auch in den Alltagsentscheidungen hilft. Aber das ist nicht das Thema des Paulus.

             Sondern sein Thema ist die Weisheit, die vor Gott Bestand haben kann. Die aber kommt nicht aus der Weisheit dieser Welt. Nicht aus den Einsichten in die Ordnungen des Kosmos. Nicht aus dem Verstehen der Macht-Strukturen. Die Weisheit der Vollkommenen – das hat Paulus früh gelernt – kommt aus der Gottesfurcht.„Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.“(Sprüche 1,7)

7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.

            So wie ich Paulus verstehe, geht er noch einen Schritt weiter: Die Weisheit, die vor Gott bestehen lässt ist die Erkenntnis  des Geheimnisses Gottes, das sich in dem gekreuzigten Christus offenbart. Die Weisheit Gottes „verbirgt sich hinter dem Kreuz Christi, das ja nach außen hin als ein Wahnsinn erscheint.“ (E. Stange, Der erste Korintherbrief, Bibelhilfe für die Gemeinde, Leipzig o.J, S.25)Auf dieses Kreuz ist die Heilsgeschichte von Anfang an zugelaufen. Das ist Gottes Plan, vorherbestimmt vor aller Zeit. Es ist wohl so, dass Paulus seit seiner Christusbegegnung vor Damaskus seine hebräische Bibel anders liest –  ausgerichtet auf den Christus. Er ist ihm zum Schlüssel seines Verstehens der prophetischen Botschaften geworden.

              Hinter dem Geschehen am Kreuz steht also Gottes Voraussicht. Er weiß von Anfang an, was sein Weg ist. „Die Menschen durch Christi Kreuzestod zu retten war nicht ein Notplan, weil alles andere schief lief, sondern von Anfang an Gottes Plan, um so die Menschen in ihrer tiefsten Not und Gottesferne zu erreichen.“ (W. Klaiber, aaO.; S.42) Und ganz besonders zum Staunen: wir – die Leute in Korinth, Paulus und seine Gefährten sind im Blick – was da, gewollt von Anfang an, geschieht ist vorherbestimmt zu unserer Herrlichkeit.  Schreibt Paulus an die Leute, denen er zuvor noch gesagt hat: Guckt euch doch an – ihr seid nicht die Vorzeigefiguren, nicht die Klugen, Mächtigen, Angesehenen, Weisen. Aber die Heilsabsicht Gottes gilt genau euch! „Gottes Weisheit – verborgen ins Gegenteil“ weiterlesen

Gottes Wunder: Glauben

1.Korinther  2, 1 -5

1 Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen.

             Paulus führt seinen Gedanken weiter. Gott hat sich für die Niedrigen und Schwachen entschieden. Er ist den Weg bis in die Tiefe des Todes gegangen. Dem konnte Paulus nicht anders entsprechen als in der Art seiner Verkündigung. Form und Inhalt müssen zusammen stimmen. Deshalb der Verzicht auf hohe Worte und hohe Weisheit. Auf überragende Worte und Weisheit – so eigentlich wörtlich περοχν.

             Dieser Verzicht ist nicht der Unfähigkeit des Paulus geschuldet, der kein großer Redner ist. Er ist von seiner Botschaft her geboten. „Vom Gekreuzigten kann man nicht mit brillierender rhetorischer Eleganz sprechen, nicht nur aus Geschmacksgründen, sondern weil alle Konzentration dem Verkündigten und nicht dem Verkündiger zu gelten hat.“(W.Schrage, Der erste Brief an die Korinther, EKK VII/1 Neukirchen 1991, S.225)

             Und doch ist Paulus weit davon entfernt, sich mit diesem Verzicht klein zu machen. Denn er weiß von sich selbst: das, was ich verkündigt habe ist das Geheimnis Gottes. Das, was sich die Welt nicht denken und deshalb auch nicht erkennen kann, was sich keiner selbst sagen kann. Schon mit dem nächsten Satz wird er enthüllen, was der Inhalt dieses Geheimnisses, μυστριον, dieses Mysteriums ist.  Mit diesem Wort sagt Paulus nicht, dass er irgendetwas Geheimnisvolles von Gott weiß, das nur esoterisch Eingeweihten offensteht. Sondern er bezeichnet damit den Ratschluss Gottes, der der Welt verborgen ist, jetzt aber durch die törichte Predigt offenbart. „Gottes Wunder: Glauben“ weiterlesen