Bildersprache

Markus 12, 13 – 17

13 Und sie sandten zu ihm einige von den Pharisäern und von den Anhängern des Herodes, dass sie ihn fingen in Worten.

            Sie, die Leute des Synhedrium, lassen nicht locker. Sie suchen nach Möglichkeiten, ihn in seinen Worten zu fangen. Sie wollen Jesus Fallen stellen, damit er sich um Kopf und Kragen redet. Deshalb kommen jetzt einige von den Pharisäern und von den Anhängern des Herodes. „Die Beteiligung der Herodianer fällt auf; sollen Römerfreunde und Römerfeinde gegen ihn Hand in Hand arbeiten?“ (W. Grundmann, Das Evangelium nach Markus, Theol. Handkommentar 2, Berlin, 1980, S.326) Es kann aber auch schlicht heißen: die religiös und politisch Mächtigen greifen ihn jetzt an. Ein Hinweis darauf dass die Situation sich zuspitzt.

14 Und sie kamen und sprachen zu ihm: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht. Ist’s recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen?

             Das Gespräch wird eröffnet. Mit einer ehrerbietigen Anrede: Meister. διδσκαλε Als „Lehrer“ ist er anerkannt, aber nicht als der Gesandte, nicht als der geliebte Sohn (1,11, 12,6). Es folgen Schmeicheleien, die dick aufgetragen wirken: Jesu Unabhängigkeit wird betont. Er redet niemand nach dem Mund. Und du lehrst den Weg Gottes recht. Statt lehrst recht kann man lesen: lehrst in Wahrheit. Das griechische ἀληθὴς heißt wortgetreu „wahrhaftig, ehrlich ohne verheimlichenndes Täuschen, zuverlässig.“(Gemoll, Griech.-Deutsches Schul- und Handwörterbuch, München 1957, S.32)

             Es ist absurd: Sie sagen, was die christliche Gemeinde von Jesus glaubt. Aber sie selbst sagen es nur als Fallensteller, nicht als Glaubende. So treten sie – die Leser des Evangeliums sollen das doch wohl merken – im Grunde neben die unreinen Geister, die auch sagen: „Du bist Gottes Sohn.“ (3,11), aber auch nicht glauben.

            Endlich rücken sie mit ihrer Frage heraus: Wie ist das mit der Steuererhebung? Muss man sie zahlen? Hinter der Frage steckt: „Es geht um die Anerkennung des Kaisers als Herrscher.“ (W. Klaiber, Das Markusevangelium, Neukirchen 2010, S,228) Die Steuer an den Kaiser, an Rom ist für die Juden zur Zeit Jesu eine Last, die sie schmerzt, weil sie ihnen ihre Unfreiheit immer wieder vor Augen führt.

         Die Falle ist klug, listig gestellt. Bejaht Jesus die Steuer, so bringt er das Volk gegen sich auf. Verneint er sie, so kann man ihn beschuldigen: Er ruft er zum Steuerboykott auf – und damit würde er ein Fall für die Römer.

15 Er aber merkte ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: Was versucht ihr mich?

            Jesus hört die Frage und durchschaut sie. Sie ist nicht die Frage der Fragenden. Die haben sie für sich selbst längst beantwortet. „Die Pharisäer hatten sich dahingehend entschieden, dass sie die Steuer zahlten, mag sie auch von ihnen als eine von Gott dem Volk auferlegte Last betrachtet worden sein.“ (J.Gnilka, Das Evangelium nach Markus, 8,27 – 16,20, EKK II/2, Neukirchen 1979, S.152) Es geht ihnen also nicht mehr um eine Klärung für sich selbst, sondern – und das ist ihre Heuchelei – nur darum, Jesus zu versuchen.

            τ με πειρζετε; – warum versucht ihr mich? Markus verwendet hier – bewusst doch wohl – genau das Wort, mit dem er am Anfang des Evangeliums die Versuchungen Jesu durch den Satan geschildert hatte. Damit ist klar: die ihn so fragen, treten in die Fußspuren des Versuchers in der Wüste.

 Bringt mir einen Silbergroschen, dass ich ihn sehe! 16 Und sie brachten einen. Da sprach er: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. 17 Da sprach Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Und sie wunderten sich über ihn.

             Jesus bleibt Herr der Lage. Eine Münze, einen Silbergroschen lässt er sich zeigen. Doch wohl auch, weil er selbst keine hat. Sie aber bringen eine. Und nun fragt Jesus: Was ist das für ein Bild und eine Aufschrift auf dieser Münze? Mit Bild und Aufschrift ist die Herkunft der Münze zu klären. „Der Silberdenar ist eine Münzer, die Macht- und Kultsymbol in einem ist.“ (W. Grundmann, aaO.; S. 327) Zeigt sie doch den Kaiser mit dem Lorbeerkranz, als Gottheit und die Aufschrift nennt ihn Pontifex Maximus – Oberster Priester.

          Sie haben keine Wahl, als zu sagen: Das Bild des Kaisers. Damit aber ist die Sache entschieden. diese Münze ist römisch und gehört dem Römer. Gebt ihm, was ihm gehört.

           Aber Jesus wäre nicht Jesus, wenn er nicht das andere dazu sagt: Gebt Gott, was Gottes ist. Er hat in diesem Gespräch nicht nur eine Falle geschickt gemieden. Sondern er hat ihnen das gesagt, was seine Botschaft von Anfang an ist: Das Reich, das nahe gekommen ist, fordert den Menschen, endlich Gott zu geben, was ihm gehört: Glauben. Liebe, Hoffnung. Sich mit dem eigenen Leben ganz in Gott zu gründen. Sind sie doch dazu berufen, als Bild Gottes in dieser Welt zu leben, sein Erbarmen und seine Güte abzubilden im Umgang mit allem, was lebt.

          Das ist, weit über das Gespräch damals hinaus, die Herausforderung Jesu auch an uns: trefft eure Lebensentscheidungen so, dass sie der Art Gottes entsprechen. Seiner Art, die sich erbarmt, die sich der Armen annimmt, die Schutzlosen in Schutz nimmt, die keinen verloren gibt. Werdet Bilder des barmherzigen Gott in einer Welt, die oft so unbarmherzig und gnadenlos mit denen umgeht, die unten sind.

             In der Spur dieses Wortes, das die Verpflichtung gegen Gott in einen scharfen Kontrast zur Verpflichtung gegenüber der Forderung Roms stellt, sagt Petrus zusammen mit Johannes: „Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als Gott.“ (Apostelgeschichte 4,19) Und weil einmal ja keinmal ist, sagt Petrus es dann gleich noch einmal, nicht mehr als Frage, sondern als klare Position: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 5,29)

            Es ist gut, sich einzugestehen: wir haben uns mit dieser so klaren Aussage als christliche Kirchen oft schwergetan. Bis auf diesen Tag. Und oft genug wohl dem Staat mehr gehorcht, mehr zugestanden, als es gut und geboten war. Gebe Gott, dass wir tapfer sind, wenn wir zu einem Gehorsam gefordert werden, zu einem Verhalten, das der unbedingten Zugehörigkeit zu Gott widerspricht.  

Heiliger Gott
lehre mich die klare Unterscheidung
die mich Bürger sein lässt und Christ
mich meine Bürgerpflichten ernst nehmen lässt
aber auch meine Christenrechte

Gib Du mir den Mut
auch mein Bürgersein nicht abzulösen von Deinem Willen
Deinem Wort
Dem Vertrauen auf Dich

Hilf mir dazu
dass ich in einer säkularen Welt durchhalte
dass ich Deine Güte abbilde
dass ich Dein Erbarmen lebe
dass mich kein Gesetz des Staates davon befreit
Deinen Willen zu suchen und zu tun. Amen