Der Jubel klingt weiter

Markus 11, 1 – 11

1 Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien an den Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger 2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sobald ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und führt es her! 3 Und wenn jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr das?, so sprecht: Der Herr bedarf seiner, und er sendet es alsbald wieder her.

             „Vor ihm liegt die Königsstadt. Die Stunde ist gekommen, da er in sie einziehen wird, ihr König.“ (P. Schütz, Evangelium, Bd. I Gesammelte Werke, Hamburg 1972, S.397) Aber jetzt steh er erst am Rand, bei den Dörfern, am Ölberg. Von dort sendet er zwei seiner Jünger. Er sendet sie mit einem Auftrag, der wirkt, als sendete er sie in eine vorbereitete Situation. Als wüsste er schon alles, was sie vorfinden werden, was nun werden soll.

            Matthäus würde es vielleicht ausdrücklich sagen: Damit die Schrift erfüllt wird. „Nach Sacharja 9,9 reitet der messianische Friedenskönig, der Streitwagen, Rosse und Kriegsbogen vernichtet und den Völkern den Frieden bringt, auf einem Esel, dem Fohlen einer Eselin.“ (J.Gnilka, Das Evangelium nach Markus, 8,27 – 16,20, EKK II/2, Neukirchen 1979, S.116)

             Auffällig ist die Botschaft an jemand, der die Jünger fragen könnte: Der Herr bedarf seiner, und er sendet es alsbald wieder her. Nur hier im Markus-Evangelium wendet Jesus diese Bezeichnung der Herr, ὁ κύριος auf sich selbst an. Andere nennen ihn so. Aber er nur hier. Weil das, was jetzt geschehen wird, zeigen wird, wer er ist?

            Und, auch wenn er so seine Hoheit betont, gilt gleichzeitig: Er ist verlässlich und eignet sich nicht fremdes Eigentum an. Es ist nur eine Leihgabe, die er erbittet. Rückgabe eingeschlossen.

4 Und sie gingen hin und fanden das Füllen angebunden an einer Tür draußen am Weg und banden’s los. 5 Und einige, die dort standen, sprachen zu ihnen: Was macht ihr da, dass ihr das Füllen losbindet? 6 Sie sagten aber zu ihnen, wie ihnen Jesus geboten hatte, und die ließen’s zu.

             Die Zwei, es ist nebensächlich, wer sie sind, gehen hin und finden alles, wie es Jesus ihnen gesagt hatte. Auch das bestätigt sich: Die irritiert Nachfragenden, die wissen wollen, was hier vor sich geht mit dieser Eselsbeschlagnahmung durch fremde, nicht autorisierte Personen. Offensichtlich Privat-Leute, geben sich mit der Auskunft der Jünger zufrieden. Der Herr bedarf seiner. Das genügt.

 7 Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten.

             Das Füllen wird Jesus zugeführt und „es beginnt eine eigentümliche Demonstration.“ (W. Klaiber, Das Markusevangelium, Neukirchen 2010, S.210) Es wirkt wie Überschwang und aus dem Augenblick geboren. Da ist nichts lange vorbereitet, nichts geprobt. Nicht einstudierte Rollen nach Worten der Schrift. Eine Inszenierung aus dem Hier und Jetzt. Aber in den nüchternen Worten des Markus ist Freude spürbar.

 9 Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! 10 Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe!

             Diese Freude findet dann auch Worte. „Nun erkennt ihn das fromme Volk. Es jauchzt nun der uralte Königshymnus auf zwischen den Mauern der Stadt.“ (P. Schütz, ebda.) Es ist der alte Gruß, der den Pilgern gilt, nicht von vornherein ein Gruß an den Messias: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid.“(Psalm 118,26)

             Im Mund der mit Jesus Ziehenden wird jedoch mehr daraus als ein Begrüßungswort an Pilger. „Der messianische Akzent wird verstärkt.“(W. Klaiber, aaO.; S.211) Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hier wird eine Ahnung hörbar, spürbar, sichtbar: Mit dem Kommen des Davids-Sohnes kommt auch das Reich Davids.

            Aufgenommen wird dieser Jubel im Lied, das wir nur als ein Adventslied wahrnehmen, für die eine Jahreszeit, das aber in Wahrheit ein Lied für den großen Advent, die Ankunft des Herrn ist.

Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!                                                       Gründe nun dein ewges Reich, Hosianna in der Höh!                                                Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!            F.H.Ranke, 1826, EG 13

             Es ist so: „Wir haben es mit einer christlichen Bildung zu tun, die die messianische Davidssohnschaft zur Voraussetzung hat.“ (J.Gnilka, aaO.; S. 118)– auch wenn im ganzen Markus-Evangelium Jesus nie ausdrücklich „Sohn Davids“ genannt wird. Aber so sind die Evangelisten: sie treiben Verkündigung nicht einfach nur dadurch, dass sie „bibeltreu“ zitieren, sondern dadurch, dass sie die biblischen Texte neu in ihre Zeit hinein lesen.

 11 Und Jesus ging hinein nach Jerusalem in den Tempel und er besah ringsum alles, und spät am Abend ging er hinaus nach Betanien mit den Zwölfen.

            Wie ein Tourist, so mag es scheinen, durchwandert Jesus die Stadt und den Tempel. Er sieht sich alles an. „Der Herr nimmt, was ihm gehört, in Augenschein..“ (W. Grundmann, Das Evangelium nach Markus, Theol. Handkommentar 2, Berlin, 1980, S. 305) Als er genug gesehen hat, verlässt er die Stadt wieder. Zusammen mit den Zwölfen kehrt er in Betanien ein. Er brauct die Stadt nicht als Nachtquartier. Sie wird ihn brauchen, später. Morgen ist ein neuer Tag.

Mein Gott
der Jubel des Einzugs damals ist bis heute nicht verebbt
Wir singen immer noch Lieder
die von der Freude an Deinem Kommen künden
Wir strecken uns heute noch Dir entgegen
warten auf das Kommen
in dem Dein Reich offenbar wird für alle Welt

Bis dahin aber leben wir und laden Dich ein
Komm o mein Heiland Jesus Christ
meines Herzenstür Dir offen ist
Kehre ein in meinem Leben. Amen