Was im Glauben hilft

  1. Timotheus 1, 1 – 11

1 Paulus, ein Apostel Christi Jesu nach dem Befehl Gottes, unseres Heilands, und Christi Jesu, der unsre Hoffnung ist, 2 an Timotheus, meinen rechten Sohn im Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und unserm Herrn Christus Jesus!

Paulus ist Apostel, nicht aus eigener Wahl. Sondern erwählt. Ein Mensch unter Befehl. Gott hat seine Hand auf ihn gelegt. Das ist Auftrag, aber nicht Last. Dass er so beauftragt ist, autorisiert Paulus zu seinem Brief. Er schreibt an Timotheus und benennt im ersten Satz schon die tiefe Verbundenheit: an meinen rechten Sohn im Glauben. Das ist „Ausdruck persönlicher und herzlicher Beziehung“(H.Bürki, Der  erste Brief des Paulus an Timotheus, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1974, S.48) und geht, so denke ich, in den Augen des Paulus tiefer als die leibliche Abstammung.

Alles, was er ihm zusagt im Segenswort, ist, wovon Paulus selbst lebt. Gnade, Barmherzigkeit, Friede. Zuallererst nichts, was wir Menschen zustande bringen, einander zuteilwerden lassen. Sondern das sind Gottes gute Gaben. Uns zugeeignet, zugesprochen, aber deshalb doch wirksam. Und was wir so empfangen, können wir dann auch mit anderen teilen, an sie weitergeben.

3 Du weißt, wie ich dich ermahnt habe, in Ephesus zu bleiben, als ich nach Mazedonien zog, und einigen zu gebieten, dass sie nicht anders lehren, 4 auch nicht Acht haben auf die Fabeln und Geschlechtsregister, die kein Ende haben und eher Fragen aufbringen, als dass sie dem Ratschluss Gottes im Glauben dienen

             In einer großen Nüchternheit begegnet Paulus hier den verschiedenen Richtungen der Gemeinde und ihrer Umgebung. Auffällig ist das Fehlen jeglichen Jammerns. Kein Wort darüber, dass in der Gemeinde Dinge schief gelaufen sind, wird im Ton des Wehklagens ausgesprochen. Kein Versuch der Beschönigung ist festzustellen. Vielmehr wird voll Klarheit aufgedeckt, wo die Wurzel des Übels liegt: da, wo über den einfachen Kern des Evangeliums hinaus Tiefsinn und Bedeutsamkeit, Zukunftsforschung und Berechnerei sich breit gemacht haben.

             Darauf aber ist Paulus aus, dass Timotheus hilft, die Gemeinde, die Menschen in ihr auf Kurs zu halten. Diesen Christen dazu zu helfen, dass sie die Hauptsache die Hauptsache sein lassen und sich nicht in irgendwelchen Nebensächlichkeiten verlieren, in Fabeln und Geschlechtsregistern. Es scheint eine Gefahr zu sein, dass manche sich wieder auf ihre Abstammung berufen. Andere irgendwelche Legenden für heilsbedeutend halten. Dem gegenüber gilt:  „Die Fabeln und Geschlechtsregister sind nicht das Evangelium. Die Art und Weise, wie diese Lehrer das Gesetz lehren, ist anders, als es das Evangelium erfordert.“(H.Bürki, aaO.; S.55)

5 Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.

Dem stellt Paulus seine Sicht entgegen. Im Zentrum steht Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben. Also kein fest formuliertes Bekenntnis, sondern ein Verhalten, das sich aus dem Vertrauen, dem ungefärbten Glauben hier steht das neutestamentliche Hauptwort πίστις, nährt. Augustinus hat das, Janrhunderte  später, durch seinen so schlichten und zugleich steilen Satz aufgenommen: “Liebe und tue, was du willst.”

Dem stellt `Paulus` seine Sicht entgegen. Im Zentrum steht Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben. Also kein fest formuliertes Bekenntnis, sondern ein Verhalten, das sich aus dem Vertrauen, dem ungefärbten Glauben   hier steht das neutestamentliche Hauptwort πστις, nährt.

  6 Davon sind einige abgeirrt und haben sich hin gewandt zu unnützem Geschwätz, 7 wollen die Schrift meistern und verstehen selber nicht, was sie sagen oder was sie so fest behaupten.

Hier fasst Paulus zu. Diese theoretischen Spielereien verlieren die Praxis des christlichen Glaubens. Sie meinen, Geheimnisse der Schrift zu verwalten und das Wort erreicht sie nicht. Sie verstehen weder die Schrift noch sich selbst. Es ist entscheidend für das Leben als Christ, dass die Meisterschaft auf Seiten des Wortes bleibt und nicht auf die Seite der Christen wechselt.

8 Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn es jemand recht gebraucht, 9 weil er weiß, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern, 10 den Unzüchtigen, den Knabenschändern, den Menschenhändlern, den Lügnern, den Meineidigen und wenn noch etwas anderes der heilsamen Lehre zuwider ist, 11 nach dem Evangelium von der Herrlichkeit des seligen Gottes, das mir anvertraut ist.

Heilsam ist die Lehre und der Lehre gegenüber besteht die angemessene Haltung im Lernen und Üben des Vertrauens. Im Wort γιαινος, heilsam, gesund steckt unser Wort Hygiene mit drin. Es geht um eine Lehre, die Ansteckungsgefahr unterbindet. Die widerstandsfähig macht gegen ein Verhalten, das Gott zuwider läuft. Dem dient auch das Gesetz, und deshalb nennt es Paulus schön, gut. Beides steckt im Wort καλς. Die Weise, wie ich mit dem Gesetz umgehe, lässt das Gesetz zur guten Wegweisung oder zur unerträglichen Last werden.

Die Gerechten brauchen kein Gesetz, kein Gesetzbuch, weil, hier ist Paulus ganz in der Spur der biblischen Überlieferung, für die Christen gilt, was vor Zeiten angesagt ist: „Das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“(Jeremia 31,33)  Wo das Herz an Gott gebunden ist, sind die Ordnungen rasch gemacht. „Wenn man die Menschen und Personen hätte, die mit Ernst Christen zu sein begehren, die Ordnungen und Regeln dafür wären bald gemacht.“ M. Luther, Deutsche Messe und Ordnung des Gottesdiensts, 1526, in: Luther Deutsch, Bd. 6, Göttingen 1983, S.90), 

Paulus, der Timotheus ermahnt, ist selbst gebunden und untertan unter dem Wort. Er hat das Evangelium empfangen und sich nicht selbst ausgedacht. Es ist ihm anvertraut. πιστεθην  – wieder taucht das Leitwort πίστις auf.  Es ist Gottes Vertrauen zu Paulus, das ihm das Evangelium anvertraut hat und das Vertrauen, der Glaube des Paulus korrespondiert mit diesem Gottvertrauen. So gesehen: Gottvertrauen als Gottes Vertrauen ist der Anfang von allem.

Es ist nicht Christenaufgabe, Meister des Wortes zu sein. Sondern es weiterzusagen, weiterzugeben, so, wie es ihnen anvertraut ist.

 

Herr, wovon leben wir: Von Deiner Gnade, Deiner Barmherzigkeit, Deinem Frieden.

Und alles, was wir weitergeben können, so dass es dem Leben dient, ist Deine Gnade, Dein Erbarmen, Dein Friede.

Lass uns das immer sehen, wenn wir auf die schauen, die mit uns im Glauben, auch fragend und zweifelnd, ohne unseren Glauben zu teilen, unterwegs sind. Amen