Das Ende des Täufers

Matthäus 14, 1 – 12

1 Zu der Zeit kam die Kunde von Jesus vor den Landesfürsten Herodes.

             Es ist eine unbetonte Anknüpfung. Die Verwerfung Jesu in Nazareth und die Kunde von ihm, die zu Herodes gelangt, fallen in die gleiche Zeit. Bei Herodes handelt es sich um Herodes Antipas, den Landesfürsten von Galiläa und Peröa. Seit 4 .v. Chr. war er, von den Römern eingesetzt, Tetrach. Sogar zu ihm sprechen sich Geschichten von Jesus herum, Worte und Taten.

  2 Und er sprach zu seinen Leuten: Das ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden, darum tut er solche Taten.

             Es ist eine eigenwillige Deutung, die Herodes dem gibt, was er da hört: Das ist der wiedergekehrte Johannes der Täufer. Von den Toten auferstanden. Wie er zu dieser Sicht kommt, wird nicht gesagt. Ob es ein schlechtes Gewissen ist, das ihn diesen „Wiederkehrer“ fürchten lässt? Vielleicht erklärt sich sein Denken aus der nachfolgenden Schilderung. Aber deutlicher wird Matthäus nicht.

Auffällig: die Sicht wird begründet mit den Taten, die Jesus tut. Johannes der Täufer hatte aber keine Wunder getan. Er hat nur getauft. Vielleicht geht der Gedanke so, dass Jesus den Täufer in seinen Machterweisen überbietet und gerade darin zeigt sich „eine wunderbare Fortführung der Mission des Täufers“. (W.Klaiber, aaO.; S.291 )

  3 Denn Herodes hatte Johannes ergriffen, gefesselt und in das Gefängnis geworfen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. 4 Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, dass du sie hast. 5 Und er hätte ihn gern getötet, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn sie hielten ihn für einen Propheten.

             Zweimal denn. Herodes hat Johannes festgesetzt wegen seiner Anklagen. Er hat ihm, wie ein alttestamentlicher Prophet, sein Unrecht, seinen Ehebruch vorgehalten. Wie Elia Ahab wegen seiner Übergriffe anklagt, so klagt Johannes Herodes an (1.Könige 21). Johannes  stützt sich nicht auf die Moral, sondern ihm geht es um das Gebot Gottes. „Wenn jemand die Frau seines Bruders nimmt, so ist das eine abscheuliche Tat..“(3.Mose 20,21) Das gilt nicht nur für das „Fußvolk. Das gilt auch für die oberen Zehntausend, auch für den Fürsten.

Sich diesen unbequemen Mahner vom Hals schaffen. Das ist der Wunsch des Herodes. Er hat nichts gegen Johannes, aber der ist einfach nur lästig. Das eine Zeitlang nichts geschieht, Johannes nur im Kerker „einsitzt“, ist seinem Ansehen im Volk geschuldet. Da steht er in hohem Ansehen. Ein Prophet, sagen die Leute und damit zugleich: die prophetenlose Zeit ist vorüber. Der Geist Gottes ist wieder am Werk.

Aber auch das wird man mit zu hören haben: „Immer schon wurden Israels Propheten verfolgt und getötet.“ (U.Luz aaO., S.391) Wie unterschiedlich die Sicht doch sein kann. Das Volk sieht einen Propheten, der Landesfürst nur einen lästigen Störenfried. Diese unterschiedliche Sicht vom Volk einerseits und Entscheidungsträgern andererseits wird sich auch im Geschick Jesu wieder zeigen  

  6 Als aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel dem Herodes gut. 7 Darum versprach er ihr mit einem Eid, er wolle ihr geben, was sie fordern würde. 8 Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers! 9 Und der König wurde traurig; doch wegen des Eides und derer, die mit ihm zu Tisch saßen, befahl er, es ihr zu geben, 10 und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. 11 Und sein Haupt wurde hereingetragen auf einer Schale und dem Mädchen gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter.

             Es kommt der entscheidende Augenblick, der Geburtstag des Herodes. Bei dem Fest, das ausgerichtet wird, tanzt die Tochter der Herodias vor den Gästen. „Dass ein junges Mädchen aus königlichem Haus vor einer Männergesellschaft tanzte, war ganz ungehörig.“ (W. Klaiber aaO., S.292) Die karge Notiz, die lediglich die Tatsache des Tanzes notiert, lässt der Phantasie über die Art des Tanzes reichlich Raum.

Es kommt nur auf das Ergebnis an. Herodes ist „angesprochen“ und stellt einen Blanko-Scheck aus. Sie darf sich wünschen, was sie will. Und wünscht sich, schon zuvor instruiert und angestiftet von ihrer Mutter, den Kopf des Täufers. Damit wird Herodias als treibende Kraft hinter dem Mord am Täufer sichtbar. Was aber Herodes in keiner Weise entschuldigt, sondern im Gegenteil als willfährigen Gehilfen bloß stellt.

Auch diese Konstellation lässt in mir wieder die Assoziation zur Erzählung aus 1. Könige 21 wach werden. Auch da ist mit Isebel die Königin die treibende Kraft und Ahab der etwas schwächliche Profiteur. Das freilich ist Herodes hier auch, ein schwächlicher Profiteur: Sein Wunsch ist grausig in Erfüllung gegangen. Der Täufer ist weg.

Die Szene mit dem Kopf des Täufers, der dem Mädchen auf einer Schale präsentiert wird, ist ebenso grausig wie einprägsam. Vielfach abgebildet in der Kunstgeschichte. Auch in manchen Kirchen zu sehen. So in Weissbriach in Kärnten in der kleinen katholischen Kirche. Der Mord an Johannes wirkt wie das Vorspiel des späteren Mordes an Jesus.

 12 Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leichnam und begruben ihn; und sie kamen und verkündeten das Jesus.

             Die Jünger des Johannes sorgen für ein ordentliches Begräbnis. Es ist der letzte Dienst, den sie ihm tun können. Immerhin: es wird ihnen gestattet. So hänlich wird es sich ja wiederhlen, wenn es darum geht, Jesus eine letzte ruhrstätte zu gewähren. Pilatus gleicht in seiner Genehmiguung diieser Beisetzung dem Heroodes.  Es liegt nahe, dass man fragen kann: Meldet sich in dieser Erlaubnis zur Bestattung das schlechte Gewissen des Herodes? Schließlich  weiß er doch, dass Johannes mit seinem „Es ist nicht recht, dass du sie hast.“ das Gesetz auf seiner Seite hat.

Die Johannesjünger kommen zu Jesus. Diesmal nicht mit den Fragen des Johannes, sondern mit der Klage über Johannes. Sein Geschick.

Der Täufer ist nicht der erste, der für seine Überzeugungen, für seinen Glauben an Gott stirbt. Auch nicht der letzte. Es gibt eine lange Reihe an Märtyrern, die bis zu uns heute reicht. Aus den vielen greifen ich einen heraus, einen Namensvetter – Johann Hus: Er wurde auf dem Konzil von Konstanz wegen „Ketzerei“ zum Tod verurteilt, obwohl ihm in einem Geleitbrief Schutz und Unversehrtheit zugesagt worden war. Sein Vergehen: Er hatte versucht, die Kirche in Böhmen, und in ihr einen „entarteten Klerus“ (A. Heussi, Kompendium der Kirchengeschichte, Tübingen 1956, S. 249) zu reformieren. Zurück zu rufen auf den festen Grund des Glaubens.

„Seine Hauptgedanken: Die Bibel ist die einzige Autorität eines Christen im Glauben und Leben; die Kirche ist die Gemeinschaft der Erwählten und Christus ihr alleiniges Haupt. Zugleich werden die Geistlichkeit und andere kirchliche Kreise wegen sittlichen Verfalls angeprangert.“( G. Westin, Geschichte des Freikirchentums, Kassel1958, S.38)

Verurteilt und hingerichtet wurde Hus am 6. Juli 1415 anlässlich des Konzils, bei dem es wohl manchmal zuging wie beim Geburtstag des Herodes. „1993 wurde zudem im Hafen die Imperia aufgestellt, die Figur einer üppigen Kurtisane, die an die weltlichen Bedürfnisse der geistlichen Fürsten erinnert. Zu deren Befriedigung kamen „offene Frauen in den Frauenhäusern und sonst Frauen, die Häuser gemiethet hatten, und in den Ställen lagen oder sonst wo Platz fanden, seien gegen 700 da gewesen, ohne die heimlichen.“( Wikipedia-Artikel Konzil von Konstanz)

 

Herr Jesus, es ist keine harmlose Sache, für die Wahrheit einzutreten, für das Gesetz einzutreten, die Ordnungen Gottes anzumahnen als Leitfaden unseres Lebens.

Es kann teuer werden, die körperliche Unversehrtheit, das eigene Leben kosten. Lehre Du uns die Nüchternheit, die mit Widerstand und Widerspruch rechnet, wenn wir uns auf Deine Seite stellen.

Und gib uns den Mut, bei der Wahrheit, bei Dir zu bleiben, auch wenn es nicht mehr angesagt ist, nicht mehr im Trend liegt sondern einsam macht und gefährdet. Amen