Für die schweren Zeiten vorbereiten

  1. Mose 41, 37 – 57

 37 Die Rede gefiel dem Pharao und allen seinen Großen gut. 38 Und der Pharao sprach zu seinen Großen: Wie könnten wir einen Mann finden, in dem der Geist Gottes ist wie in diesem? 39 Und er sprach zu Josef: Weil dir Gott dies alles kundgetan hat, ist keiner so verständig und weise wie du. 40 Du sollst über mein Haus sein, und deinem Wort soll all mein Volk gehorsam sein; allein um den königlichen Thron will ich höher sein als du.

Als Leser kann man die Ratsversammlung der Großen des Pharao regelrecht vor sich stehen sehen. Sie sind beeindruckt. So wie Pharao selbst. Und es liegt geradezu auf der Hand:  Der Mann, der das alles in Gang setzen soll, ist schon da. So wird Josef ernannt. Einmal mehr, weil hinter ihm Gott steht. Es ist der Pharao selbst, der das sagt: Weil dir Gott dies alles kundgetan hat, ist keiner so verständig und weise wie du.

Das begegnet oft in den Schriften der hebräischen Bibel, dass die Fürsten der Völker gar nicht anders können, als anzuerkennen, dass Gott den Hebräern, jüdischen Männern seine Wege kundtut, sie mit Weisheit segnet, ihnen Durchblick schenkt. So im Buch Ester, so beim Propheten Daniel. Es ist eine Überzeugung in Israel: Die Weisheit Gottes setzt sich auch bei den Heiden durch. „Alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.“(Jesaja 2,2-3) Kein übersteigertes nationales Selbstbewusstsein, wohl aber ein Glaube, dass die Weisheit Gottes sich universal, global bewährt und bewahrheitet.

41 Und weiter sprach der Pharao zu Josef: Siehe, ich habe dich über ganz Ägyptenland gesetzt. 42 Und er tat seinen Ring von seiner Hand und gab ihn Josef an seine Hand und kleidete ihn mit kostbarer Leinwand und legte ihm eine goldene Kette um seinen Hals 43 und ließ ihn auf seinem zweiten Wagen fahren und ließ vor ihm her ausrufen: Der ist des Landes Vater! Und setzte ihn über ganz Ägyptenland. 44 Und der Pharao sprach zu Josef: Ich bin der Pharao, aber ohne deinen Willen soll niemand seine Hand oder seinen Fuß regen in ganz Ägyptenland. 45 Und er nannte ihn Zafenat-Paneach und gab ihm zur Frau Asenat, die Tochter Potiferas, des Priesters zu On. 46 Und Josef war dreißig Jahre alt, als er vor dem Pharao stand, dem König von Ägypten. Und er ging hinweg vom Pharao und zog durch ganz Ägyptenland.

         So macht Josef einmal mehr Karriere. Diesmal aber nicht als Hausverwalter, sondern als der Stellvertreter des Pharao. Belegt mit einem Ehrentitel: Der ist des Landes Vater! Und mit allen Insignien der Macht – Siegelring und Amtskette. Nur der Pharao selbst ist seine Grenze. Aber der verpflichtet sich diesen klugen Mann durch Heirat, indem er ihn einer Priestersippe Ägyptens verschwägert. Bemerkenswert. Der Erzähler hat offensichtlich kein Problem damit, dass Josef die Tochter eines Priesters in Ägypten, gewiss kein Verehrer des Gottes Israels, heiratet.

Josef aber führt nun nicht das Leben eines Hofbeamten. Sondern er übt sein Amt des Projekt-Leiters Nahrung auf selbstständige Weise aus. „Der in der Ursprache gewählte Begriff für„einsetzen“(hebräisch:schith) besagt, dass der Eingesetzte eine möglichst große Selbständigkeit haben soll.“ (H.J. Bräumer, aaO; S.131) Das ganze Land erfährt, wie ernst Josef seine Aufgabe nimmt. Unabhängig vom Hof ist er überall im Land präsent und initiert das Unternehmen Kornspeicher.

47 Und das Land trug in den sieben reichen Jahren die Fülle. 48 Und Josef sammelte die ganze Ernte der sieben Jahre, da Überfluss im Lande Ägypten war, und tat sie in die Städte. Was an Getreide auf dem Felde rings um eine jede Stadt wuchs, das tat er hinein. 49 So schüttete Josef das Getreide auf, über die Maßen viel wie Sand am Meer, sodass er aufhörte zu zählen; denn man konnte es nicht zählen.

            Es kommen die Jahre des Überflusses. Josef bildet in ihnen „Rücklagen“. Er sammelt Vorräte wie Sand am Meer. Ein Beispiel für heute? Nicht dem Augenblicks-Reichtum zu huldigen, sondern weitsichtig für schlechte Zeiten vorzusorgen. Schuldenabbau und Vorrat-Sammlung statt Augenblicks-Konsum und Augenblicks-Beglückung.

50 Und Josef wurden zwei Söhne geboren, bevor die Hungerzeit kam; die gebar ihm Asenat, die Tochter Potiferas, des Priesters zu On. 51 Und er nannte den ersten Manasse; denn Gott, sprach er, hat mich vergessen lassen all mein Unglück und mein ganzes Vaterhaus. 52 Den andern nannte er Ephraim; denn Gott, sprach er, hat mich wachsen lassen in dem Lande meines Elends.

In dieser Zeit wird Josef zweimal Vater. Die Namen der Söhne sind für ihn wie Erinnerungen an die Wohltaten, die Gott ihn hat erfahren lassen. Aber auch Erinnerungen daran, dass er durch harte Zeiten geführt und geleitet worden ist. Ein bisschen wirken die Namen auch, als sei die Geschichte mit dem Haus Jakobs jetzt für Josef abgeschlossen. Er ist jetzt durch und durch Ägypter, angekommen im Land meines Elends, in dem er einen märchenhaften Aufstieg erlebt hat. Von dem er einst nur träumen konnte.

53 Als nun die sieben reichen Jahre um waren im Lande Ägypten, 54 da fingen an die sieben Hungerjahre zu kommen, wie Josef gesagt hatte. Und es ward eine Hungersnot in allen Landen, aber in ganz Ägyptenland war Brot. 55 Als nun ganz Ägyptenland auch Hunger litt, schrie das Volk zum Pharao um Brot. Aber der Pharao sprach zu allen Ägyptern: Geht hin zu Josef; was der euch sagt, das tut. 56 Als nun im ganzen Lande Hungersnot war, tat Josef alle Kornhäuser auf und verkaufte den Ägyptern; denn der Hunger ward je länger je größer im Lande. 57 Und alle Welt kam nach Ägypten, um bei Josef zu kaufen; denn der Hunger war groß in allen Landen.

Als die gute Zeit der reichen Ernten vorbei ist, kommt die andere Zeit, die die Träume des Pharao auch angekündigt hatten. Jetzt steht Ägypten besser da als alle anderen Ländern. Es ist vorbereitet auf die Nahrungskrise. Ganz nebenbei: es ist ein gutes Geschäft für die Regierung. Josef macht keine Gratis-Speisung für alle. Er verkauft aus den Vorräten. An die Ägypter. Aber auch an alle, die von außen kommen, an alle Welt. Weil Ägypten in diesen dürren Zeiten wie eine Insel der Seligen wirken muss.

 

Mein Gott, Das willst Du uns lehren, die guten Zeiten nützen, um in den schweren Zeiten bestehen zu können. In den guten Zeiten Kraft zu sammeln, Vertrauen einzuüben, damit wir es auch dann bewähren, wenn wir auf harte Proben gestellt sind, wenn die Mittel knapp werden und die Kräfte schwinden.

Lehre Du uns, so unsere guten Zeiten zu empfangen, damit wir Vertrauen lernen für das Brot der harten Jahre. Amen