Üb immer Treu und Redlichkeit…

Sprüche 4, 10 – 19

10 Höre, mein Sohn, und nimm an meine Rede, so werden deine Jahre viel werden. 11 Ich will dich den Weg der Weisheit führen; ich will dich auf rechter Bahn leiten, 12 dass, wenn du gehst, dein Gang dir nicht sauer werde, und wenn du läufst, du nicht strauchelst. 13 Bleibe in der Unterweisung, lass nicht ab davon; bewahre sie, denn sie ist dein Leben.

            Dieser Lehrer der Weisheit kann sich gar nicht genug tun mit dem Preisen der Weisheit. Dem Lob eines Lebens in der Spur, die durch die Weisheit und die Gottesfurcht gelegt wird. Es sind vollmundige Versprechen, die er hier gibt. Immer mit der einen Absicht, zu zeigen, dass das Leben auf dem Weg der Weisheit sich lohnt, dass es gelingt, das es ein gutes Leben ist. Wer diesen Weg geht, der kann sichere Schritte tun, der geht auf rechter Bahn.

In einem Land, in dem es mühsam sein kann, Wege zu finden, in dem es zur Aufgabe des Lebens gehört, sich die richtigen Wege zu suchen und nicht in der Wüste in die Irre zu gehen, gewinnen solche Versprechen ein anderes Gewicht als in dem Land, wo Wege als Infrastruktur-Maßnahmen von staatlicher Seite gebahnt werden. Wer einmal in der Wüste unterwegs war, bekommt eine Ahnung davon, dass diese Worte nicht nur schöne Bilder sind. Sie haben einen handfesten Hintergrund im Alltagsleben. Es gibt Wege, die in der Wüste verenden und deshalb auch verenden lassen.  „Üb immer Treu und Redlichkeit…“ weiterlesen

Schlüpfriger Boden

Sprüche 3, 27 – 35

27 Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag. 28 Sprich nicht zu deinem Nächsten: Geh hin und komm wieder; morgen will ich dir geben -, wenn du es doch hast.

Mahnungen, die zu einem sorgfältigen und gerechten Umgang mit dem Nächsten mahnen. „Der Nächste (hebr. rēa‘) ist ursprünglich der Stammes- oder Volksgenosse, der Freund und Bruder; das Wort bekommt aber in der Weisheitsliteratur oft eine weitere Bedeutung.“ (H.Ringgren, aaO.S.23) Weisheit ist kein Konzept erbaulicher Innerlichkeit, sondern sie will das gute Miteinander.

Sie ist damit nahe an prophetischer Botschaft: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ (Jesaja 58,7) Nicht bis zur Selbstaufgabe, nicht bis man selbst bedürftig ist, aber wie und wenn deine Hand es vermag. Weisheit kennt auch keinen Aufschub des Guten. Heute gilt es zu helfen und nicht zu vertrösten auf morgen.

 29 Trachte nicht nach Bösem gegen deinen Nächsten, der arglos bei dir wohnt. 30 Geh nicht mutwillig mit jemand vor Gericht, wenn er dir kein Leid getan hat.

            Rechtliches Denken wehrt schon den falschen und bösen Gedanken. Unrecht – das weiß die Sprachsammlung – fängt in den Gedanken an und wird dann zur Tat. Darum soll man sich hüten vor den böse Gedanken, Genauso vor der Heimtücke gegen den Nächsten. Auch das verträgt sich nicht mit der Weisheit und der Gottesfurcht, dass man jemand mit falschen Anschuldigungen vor Gericht zerrt. Nicht der Weg vor das Gericht, in das Tor als solcher wird verboten. Man darf sein Recht suchen. Aber nicht, wenn es keinen Grund zur Klage gibt. „Schlüpfriger Boden“ weiterlesen

Die Ordnung der Welt – Weisheit

Sprüche 3, 13 – 26

13 Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt! 14 Denn es ist besser, „sie“ zu erwerben, als Silber, und ihr Ertrag ist besser als Gold. 15 Sie ist edler als Perlen, und alles, was du wünschen magst, ist ihr nicht zu vergleichen. 16 Langes Leben ist in ihrer rechten Hand, in ihrer Linken ist Reichtum und Ehre. 17 Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Frieden. 18 Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen, und glücklich sind, die sie festhalten.

Eine Seligpreisung. Mit nichts ist der Lebens-Gewinn aufzuwiegen, der mit der Weisheit verbunden ist. Selbst Gold und Silber oder Perlen, edler Schmuck oder Wertmetalle können mit ihr nicht mithalten. Formal ist das Gesagte ein „komparativer Parallelismus.“(W. Dietrich, aaO. S. 56) Das Gute wird überboten durch das unvergleichlich Bessere. Die Lebensweisheit, die es auch gibt: „Das Gute ist der Feind des Besseren“, wird angesichts der Weisheit außer Kraft gesetzt.

Das wird sofort deutlich in den Folgen der Weisheit: Langes Leben. Reichtum und ehre, liebliche Wege und Frieden. Die Auswirkungen der Weisheit bringen ein Leben mit sich, das im schalom seine Fülle finden. Es atmet diesen Frieden Gottes und strahlt ihn zugleich aus.

Die Weisheit ist ein Baum des Lebens. Der Verfasser kennt  schon die alten Schriften: „Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war..“ (1. Mose 3,22-23) Wenn er es dennoch wagt, die Weisheit  Baum des Lebens zu nennen, dann wohl deshalb, weil er in ihr eine Paradies-Gabe sieht. „Die Ordnung der Welt – Weisheit“ weiterlesen

An Widerständen wachsen

Sprüche 3, 1 – 12

Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, 2 denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden; 3 Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen

Einprägen soll der Angesprochen sich alles, was er bisher als Weisung empfangen hat, es nicht vergessen. Im Herzen behalten. Ein früher Vorläufer für Maria, von der es heißt: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ (Lukas 2,19) Die geradezu zärtliche Anrede „mein Sohn“, be rückt einmal mehr ins Blickfeld: Ermahnungen, Ermutigungen brauchen den Mutterboden der Beziehung, Es ist eine Entfaltung nach zwei Seiten hin – in den „materiellen Bereich“ und in die geistliche Sphäre. Langes Leben, gute Jahre und Frieden – das kann man sehen, sogar zählen, bewerten und erzählen. Gnade und Treue dagegen sind Erfahrungen in einer anderen Weise. Erfahrungen, die auf Gottes Weise hinweisen.

Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, 4 so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen. 5 Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, 6 sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

             Der Verfasser, der so mahnt und ermutigt, ist selbst einer, der behalten hat und nicht vergessen. Greift er doch deutlich erkennbar zurück auf die Wort aus Mose. Da heißt es von diesen Worten, den Geboten: „Du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.“(5. Mose 6,8)

Und noch einmal, unmittelbar zuvor im gleichen Buch: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen.“(5. Mose 6,4-6) Es liegt für mich auf der Hand: Die Weisheit schöpft aus dem Denken der Schriften, die Theologen das deuteronomistische Geschichtswerk nennen. Ihr Einfluss reicht offensichtlich bis hin zu den späteren Schriften der Weisheit.  „An Widerständen wachsen“ weiterlesen

Lebensgewinn durch die Weisheit

Sprüche 2, 1 – 22

1 Mein Sohn, wenn du meine Rede annimmst und meine Gebote behältst, 2 sodass dein Ohr auf Weisheit Acht hat, und du dein Herz der Einsicht zuneigst, 3 ja, wenn du nach Vernunft rufst und deine Stimme nach Einsicht erhebst, 4 wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschst wie nach Schätzen:

Was ist der Lebensgewinn, der durch die Weisheit entstehen, durch das Hören auf ihre Weisungen? Das ist eine durch und durch moderne Frage und zugleich schon die Frage zu allen Zeiten: Was habe ich davon, dass ich Gottes Wege gehen? Als Antwort „wird nun positiv der „Segen der Weisheit“ entfaltet. (W. Dietrich, aaO, S.45)

Wobei zunächst im Vordergrund steht, wie der Weg zur Weisheit aussieht: Es sind durch und durch Vokabeln, die einen Lernweg beschreiben. Annehmen, Behalten, Achthaben, – es geht um eine große Leidenschaft zu suchen  und zu fragen. Wissbegier, Lerneifer. Offenheit. Alles, um Weisheit zu gewinnen.

5 dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen und die Erkenntnis Gottes finden.

Wo einer, eine sich so öffnet, so sucht und fragt, da kommt es zum Verstehen und Erkennen. Da wird das Herz erfüllt von der Furcht des Herrn. Da öffnet sich dem Auge das Geheimnis der Welt – und durch alles Sichtbaren hindurch kommt es zur Erkenntnis Gottes. In meiner Sprache: Die Wirklichkeit der Welt wird transparent auf die Wirklichkeit Gottes hin.

6 Denn der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.

               Man kann von den vorhergehenden Sätzen her fragen: Kennt das Buch der Sprüche so etwas wie eine „lernbare Gotteserkenntnis“? Spätestens dieser Satz hier korrigiert die Frage: Es geht nicht um lernbare und lehrbare Religion, nicht um gelernte oder zu lernende Sätze. Aber wo sich ein Mensch Gott offen, fragend, suchend, bittend hinhält, da gibt der HERR Weisheit. Es ist sein Geben, nicht das Erarbeiten der Menschen. Es ist sein Reden. Wenn Gott schweigt, gibt es keine Erkenntnis und Einsicht.

Steil gesagt: Wir können die Welt erforschen vom Mikrokosmos bis in die entferntesten Galaxien. Wenn Gott sich nicht zu Wort meldet, werden wir immer nur uns selbst in diesem Forschen begegnen. Wenn er schweigt, bleiben wir an den Grenzen unserer Vernunft hängen. Es braucht sein Reden, damit wir mehr vernehmen. „Weisheit ist in der Tat nichts, was der Mensch selbst ergründet, sondern ein Geschenk Gottes.“ (H.Ringgren, aaO. S.18) „Lebensgewinn durch die Weisheit“ weiterlesen

Höre ich, wenn die Weisheit ruft?

Sprüche 1, 20 – 33

20 Die Weisheit ruft laut auf der Straße und lässt ihre Stimme hören auf den Plätzen. 21 Sie ruft im lautesten Getümmel, am Eingang der Tore, sie redet ihre Worte in der Stadt:

Wie eine Person ist die Weisheit hier vorgestellt. Weil die Weisheit im Deutschen, wie im Griechischen σοφα, Sophia (so übersetzt die Septuaginta), vom Geschlecht des Worte her weiblich ist, taucht vor dem inneren Auge – bei mir – die Gestalt einer Frau auf. Sie steht im treiben der Gassen einer Stadt und ruft. Lässt ihre Stimme hören. Sie ist laut nicht leise. Deshalb muss sie noch lange nicht gleich schrill sein. Aber sie mischt sich ein. Bezieht Stellung und macht ihr Sicht deutlich. Nennt die Dinge beim Namen.

Es gibt auch das andere Bild in der Hebräischen Bibel: „Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja 42,1-3) Darf die Weisheit sich kräftig  zu Wort melden, so wird der Knecht Gottes es anders, auf seine Weise tun. Gut, dass es beide Weisen gibt.

22 Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig sein und ihr Spötter Lust zu Spötterei haben und ihr Toren die Erkenntnis hassen? 23 Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.

Es ist ein Ruf zur Umkehr. Er richtet sich an Leute, die schon lange anders unterwegs sind. Auch die Unverständigen, Spötter und Toren, lange verfestigt in ihrer Geisteshaltung, werden nicht als hoffnungslose Fälle aufgegeben. Irgendwann müssen sie doch ihren Weg Leid werden. Die Weisheit setzt darauf, dass sie vielleicht doch hören werden. Keiner muss so bleiben wie er ist. Kehrt euch um. Da steht eines der Hauptworte der Schrift insgesamt: šûb. Es kann Abkehr, Umkehr und Hinkehr bedeuten, je nachdem, wie es der Zusammenhang erweist. Aber es ist eine der zentralen Einsichten schon in Israel: Es gibt das Vertrauen auf Gott, die Bindung an Gott, den Glauben, immer nur in der Weise, dass wir uns abkehren von falschen Wegen und hinkehren zum Weg Gottes.

Auf dieser Umkehr liegt Verheißung: Die so neu hören, werden den Geist der Weisheit und ihre Worte empfangen. So, dass sie hörenden und gehorchende Leute werden. Einen neuen Weg für sich entdecken. Die Sprüche können an Prophetenworte anknüpfen: „Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.“(Jesaja 44,3) Josua wird vom „Geist der Weisheit“ (Josua 1,9) geführt. Und dieser Geist kennzeichnet dem der aus der Wurzel Jesu stammt: „Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.“(Jesaja 11,2) Wenn die Weisheit hier also ihren Geist als Gabe an die Umkehrenden verspricht, so ist das keine geringe Gabe! „Höre ich, wenn die Weisheit ruft?“ weiterlesen

Sich nicht verlocken lassen

Sprüche 1, 8 – 19

8 Mein Sohn, gehorche der Zucht deines Vaters und verlass nicht das Gebot deiner Mutter; 9 denn das ist ein schöner Schmuck für dein Haupt und eine Kette an deinem Halse.

Es ist eine freundliche, zugewandte Anrede, die sich im Folgenden noch oft wiederholen wird: Mein Sohn. Sie wirbt um gehorchen, zuerst also um schlichtes Hören auf die Worte. Gehorchen fängt mit Hören an. Mit vertrauensvollen Hören. Daraus kann dann auch gehorchen werden als ein Zustimmen zu dem Gehörten. Freiwillig, innerlich gewonnen zustimmen.

Unterweisung, Hinführung zur Weisheit, überhaupt alle Pädagogik geht nicht nur in der sachlichen Distanz, die braucht die Nähe, die Freundlichkeit, die positive Beziehung. Wer sich nur als Vermittler von Sach- und Fachwissen sieht, wird niemandem das Leben öffnen, sondern allenfalls den Kopf füllen. Mit Fakten. Kaum mit Weisheit.

Die Zucht des Vaters und die Gebote der Mutter gehören zusammen. Für das Gebot steht hier das Wort torah, das sonst vor allem die Weisungen Gottes, das Gesetz bezeichnet.  So hätte das Wort der Mutter eine Nähe zu den guten Weisungen Gottes und damit gewinnt wohl auch das Wort Zucht einen anderen Klang. Es ist kaum gemeint, dass der Vater den Sohn züchtigen soll, womöglich schlagen: Er soll ihn an Regeln gewöhnen, ihm die Grenzen deutlich machen, die es gibt. Mir gefällt: „Laut dem Talmud ist mit „Vater“ Gott und mit „Mutter“ die Gemeinde gemeint.“ (H.Ringgren, aaO. S.14) Ich sehe darin eine Nähe zu dem afrikanischen Sprichwort: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es eine ganzes Dorf.“ Einmütigkeit in Fragen von Erziehungsstil und Erziehungsziel aller Beteiligten. „Sich nicht verlocken lassen“ weiterlesen

Von der Furcht des Herrn

Sprüche 1, 1 – 7

1 Dies sind die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel,

Schon diese ersten Worte weisen auf Vielfalt hin. „Mischle“ (hebr.), Sprüche werden angekündigt und damit eine Vielfalt von Formen. Es können Kurze Sinnsprüche sein, Sprichworte, die umlaufen, aber auch längere Texteinheiten. Sprüche entstehen als Reaktion auf Ereignisse, bei Zusammensein von Menschen, im Gespräch, als Spottverse.

Was im Folgenden zu lesen sein wird, wird größtenteils auf Salomo zurückgeführ. Aber er ist nicht der einzige Spruch-Produzent. Agur (30,1) und Lemuel (31,1) werden gleichfalls als Verfasser von Sprüchen genannt.  Aber dennoch hängt das Buch An dem König, dessen Weisheit schon in früher Zeit, zu seinen Lebzeiten sprichwörtlich geworden ist.

2 um zu lernen Weisheit und Zucht und zu verstehen verständige Rede, 3 dass man annehme Zucht, die da klug macht, Gerechtigkeit, Recht und Redlichkeit; 4 dass die Unverständigen klug werden und die Jünglinge vernünftig und besonnen.

Es folgen die Ziele, die mit dieser Sammlung verfolgt werden. Weisheit lernen, verstehen lernen, Einüben von  Gerechtigkeit, Recht und Redlichkeit. Schon diese wenigen Worte genügen, um zu verstehen: es geht nicht um Ausbildung, nicht um intellektuelle Förderung. „Die Weisheit ist keine Einsicht um ihrer selbst willen.“ (H.Ringgren, Sprüche, in ATD 16, Göttingen 1967, S.13) Sie zielt auf die Lebensführung. Es geht um so etwas wie Lebensweisheit. Es geht um das, was wir gerne „soziale Kompetenz“ nennen. Weisheit will das „gute Leben“, das bestehen kann vor Gott und den Menschen.   „Von der Furcht des Herrn“ weiterlesen

Am Ende nur noch Lob

Römer 16, 17 – 27

17 Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, dass ihr euch in Acht nehmt vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet. 18 Denn solche dienen nicht unserm Herrn Christus, sondern ihrem Bauch; und durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.

Ein letztes Mal: Ich ermutige euch.  „Wachsamkeit ist unerlässlich.“ (A. Schlatter, aaO. S.401) Es gibt weder das Evangelium noch die Einheit der Gemeinde als sicheren, unangefochtenen Besitz. Paulus weiß, wovon er spricht. Er hat es reichlich erlebt, wie Lehre gegen Lehre stehen kann,  wie er mit seinem Evangelium (16,25) in Frage gestellt werden kann „Denn wenn einer zu euch kommt und einen andern Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen andern Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gern!“(2. Korinther, 11,4) 

Offensichtlich ist er überzeugt, dass  die Gemeinde in Rom mit der Lehre, die ihr gelernt habt, nahe bei dem ist, wie er das Evangelium versteht und lehrt. Auch davon ist er überzeugt: die anderes als er lehren, werden von unsauberen Motiven geleitet. Sie reden schön, aber in Wahrheit sind sie Verführer. Eine Gefahr für alle, die auf sie hereinfallen könnten.

Es ist kein sonderlich kompromissbereiter und was die Lehre angeht, weitherziger Paulus, der hier das Wort hat. Da ist nicht viel Platz neben seinem Evangelium. Wer sich auf Paulus beruft, der sollte das wissen: Paulus hat mit der Toleranz heutiger Zeiten, die die religiöse Vielstimmigkeit hoch schätzt und gerne auch einmal den Verzicht auf Wahrheitsansprüche fordert, schon gar auf absolute, nicht wirklich viel im Sinn.   „Am Ende nur noch Lob“ weiterlesen

Weggefährtinnen und Gefährten

Römer 16, 1 – 16

 1 Ich befehle euch unsere Schwester Phöbe an, die im Dienst der Gemeinde von Kenchreä ist, 2 dass ihr sie aufnehmt in dem Herrn, wie sich’s ziemt für die Heiligen, und ihr beisteht in jeder Sache, in der sie euch braucht; denn auch sie hat vielen beigestanden, auch mir selbst.

Könnte der Brief schon zu Ende sein, so ist er es doch noch nicht. Es folgt eine lange Grußliste des Paulus an ihm nicht nur namentlich bekannte Leute. Es gibt eine gemeinsame Geschichte von Paulus mit vielen von ihnen. Als erste nennt er Phöbe, die in der Gemeinde von Kenchreä wirkt. Fürsorglich, beistehend, Armen und Bedürftigen zugewandt. Das alles schwingt im Wort δικονον mit. Ob sie das „ehrenamtlich“ oder „hauptamtlich“ tut, ergibt sich nicht aus der Wortwahl, sondern trägt als Frage wohl heutige Verhältnisse einfach nur in den alten Text zurück. Es ist unsere Unterscheidung, nicht die der ersten Gemeinde.

Paulus kündigt ihr Kommen nach Rom an. Vielleicht wird sie die Überbringerin des Briefes sein. Seine Wertschätzung zeigt sich daran, dass er sie Schwester nennt  und stark betont, dass sie auch ihm selbst wie vielen anderen beigestanden hat. Weil sie so jemand ist, der beisteht, darum erbittet Paulus für sie den Beistand der Gemeinde in Rom – in allen ihren Anliegen, die sie in die Hauptstadt führen. In jeder Sache, in der sie euch braucht – diese Formulierung lässt reichlich Raum für Spekulationen, um was es gehen könnte, ob Geschäfte, ob Privat-Angelegenheiten, was auch immer. Jedenfalls: Da kommt eine bedeutende Person, eine „Patronin“ (W. Klaiber, aaO. S.282), mit Paulus eng vertraut.

3 Grüßt die Priska und den Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus, 4 die für mein Leben ihren Hals hingehalten haben, denen nicht allein ich danke, sondern alle Gemeinden unter den Heiden. 5 Grüßt auch die Gemeinde in ihrem Hause.

            Weiter gehen die Grüße an Priska und Aquila. Sie hat Paulus in Ephesus kennengelernt, als Leute, die für ihn einstehen. „In welcher dramatischen Situation im Wirken des Paulus die beiden ihr Leben riskiert haben, um den Apostel zu retten, ist ungewiss.“ (K. Haacker; aaO. S. 319) Es gibt den sparsamen Hinweis: „Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, sodass wir auch am Leben verzagten und es bei uns selbst für beschlossen hielten, wir müssten sterben.“ (2. Korinther 1, 8 – 9) Eine Zeitlang hat Paulus mit ihnen in Korinth gelebt und sein Handwerk bei ihnen ausgeübt. Er ist ihnen tief verbunden. Wieder zurück in Rom ist ihr Haus Treffpunkt einer kleinen Hausgemeinde. Wir würden vielleicht sagen: eines Hauskreises.  „Weggefährtinnen und Gefährten“ weiterlesen