Getauft

Römer 6, 1 – 11

1 Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? 2 Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind?

            „Wir bleiben nicht bei Paulus, wenn uns nur die Frage bewegt, wie aus dem Menschen ein Glaubender werde, nicht auch die, was aus dem Glaubenden werde.“(A. Schlatter, aaO. S.196) Das ist das Thema, das Paulus bewegt: Wie wirkt sich das ins Leben hinein aus, dass wir gerecht gemacht sind durch den Glauben. Wie gewinnt diese Gerechtigkeit gestaltende Kraft im Leben?

Eine Antwort  die ihm vielleicht vorgehalten worden ist, wehrt er ab: Sie ist kein Freibrief. Einmal mehr: Das sei ferne! Ich übertrage: Um Himmels willen! Das wäre ja ein Rückfall in das alte Leben, wenn einer sagen würde, Ich bin so frei! Ich sündige tapfer! Damit würde ja die Freiheit verspielt, in die Gott die Glaubenden gestellt hat.  Denn in der Sünde leben wollen, ist ja nicht weniger als ihr wieder Macht im eigenen Leben einräumen.

Jetzt benennt Paulus eine Voraussetzung, die er zuvor im Brief noch nicht gemacht hat: Christen sind der Sünde, ich ergänze: weg- gestorben. Wenn die Sünde den Tod mit sich bringt, dann  haben die Christen diesen Tod schon hinter sich. Im Tod Christi sind sie der Sünde weggestorben.

3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.

Um zu erklären, wie er darauf kommt, greift Paulus auf die Taufe zurück. Damit auf eine Erfahrung, die die Christinnen und Christen in Rom aus dem eigenen Leben kennen. Es geht um  untergetaucht werden und das aus dem Wasser Steigen, das in der Taufe erlebt wird. Das geschieht in der Taufe:  Das Untertauchen in das Wasser entspricht dem  begraben durch die Taufe in den Tod. Das Aufsteigen aus dem Wasser ist die neue Wirklichkeit, in einem neuen Leben zu wandeln.

Oder, anders gesagt: Kreuz und Auferstehung werden hier symbolisch abgebildet. Das Kreuz im Untertauchen, die Auferstehung im Auftauchen. Das Ziel der Taufe ist nicht begraben werden, nicht der Tod, sondern das Auftauchen. Der Anfang eines neuen Lebens. Das ist nicht nur Zukunftsmusik, nicht nur das Versprechen der Auferstehung am lieben Jüngsten Tag. Sondern diese neue Leben beginnt schon hier, jetzt, heute.

Paulus hat es nicht mit der Vertröstung auf die Ewigkeit. Taufe ist ihm keine „Ewigkeits-Versicherung“, durch die schon einmal die Zukunft vorab geklärt ist, so dass man ruhig weiter machen kann wie gehabt. Sondern die Taufe eröffnet eine neue Lebenswirklichkeit und damit auch eine neue Lebenspraxis. Oder sie ist ein leerer Ritus.

Diese neue Lebenswirklichkeit wird dadurch bestimmt, dass wir mit ihm (Christus) verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod. In einer anderen Übersetzung lese ich: „Wenn sein Tod gewissermaßen unser Tod geworden ist und wir auf diese Weise mit ihm eins geworden sind, dann werden wir auch im Hinblick auf seine Auferstehung mit ihm eins sein.“(Neue Genfer Übersetzung) Gemeint ist nicht, das wir wie Jesus am Kreuz enden. Gemeint ist aber sehr wohl, dass dieser Tod am Kreuz unser Tod ist, uns gewidmet, uns zugeeignet. Und darum auch die Auferstehung unsere Zukunft. Es geht, mit meinen Worten, um Schicksalsgemeinschaft, um eine Verbundenheit im Leben und im Sterben, oder genauer in der Spur des Paulus: Im Sterben und im Leben.

6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

Ein neuer Anlauf zum Verstehen: Unser alter Mensch ist mit Christus gekreuzigt. Wieder sieht Paulus niemanden neben Christus am Kreuz hängen und fordert auch nicht dazu auf, das doch irgendwie jetzt nachzuholen. Wohl aber sieht er: Unsere alte Existenz, die Gefangenschaft unter die Sünde, die Feindschaft gegen Gott, die ist dort hingerichtet. Die hat dort ihr Leben ausgehaucht.

Einmal mehr hilft das griechische Wörterbuch: τ σμα τς μαρτας kann korrekt mit  Leib der Sünde wiedergegeben werden. Aber man kann auch übersetzen: „Das Ganze der Sünde.“ Man könnte auch übersetzen: „Der Mensch der Sünde.“ (Gemoll, aaO. S.726) Soviel ist damit klar: Es geht hier nicht um Leibfeindlichkeit, das Absterben der Lüste und Begierden als Einfalltor der Sünde. Sondern es geht um das radikale Ende, das der Tod ist. Mit dem Tod ist das Recht der Sünde erloschen. Sie hat bekommen, was ihr zusteht. Sie hat keine Forderungen mehr. Dieses Gericht, das der Tod ist, haben die Christen hinter sich.

8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, 9 und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. 10 Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott.

            Vor sich aber haben sie eine neue Lebenswirklichkeit: Mit Christus leben. Denn zusammen geschlossen mit seinem Tod sind sie auch zusammengeschlossen, hinein-genommen in sein Auferstehungsleben. Noch nicht am Ziel, aber schon im Anfang und schon in der Gewissheit: Wir werden mit ihm leben. Warum? Weil Christus den Tod hinter sich hat und das Leben mit Gott, in Gott, die Wirklichkeit ist, in der er jetzt steht. Ein für alle Mal: gestorben. Aber für immer: Leben in Gott, mit Gott, aus Gott.

 11 So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus.

             Einmal mehr staune ich über die Kühnheit im Denken und Glauben des Paulus: „Was für Jesus gilt, gilt ebenso für diejenigen, die in ihm sind und für die er gestorben ist.“ (P. Stuhlmacher,  aaO. S.86) Euer Leben jetzt, heute, hier in dieser Welt ist davon bestimmt: Ihr habt den Tod hinter euch und das Leben mit Gott vor euch als die Wirklichkeit aller Tage. Schreibt Paulus an Leute, die er nicht kennt, oder und doch nur allzu gut kennt. Über deren Schwächen er sich nichts vormacht. Deren Konflikte in der Gemeinde ihm nicht ganz unbekannt sind. Von denen er weiß, dass sie mancher Bedrängnis ausgesetzt sein werden. Angefochten. Von Zweifeln geplagt. Und doch: Seht euch an als Leute, die Gott in Christus Jesus leben.

Sieh nicht an, was du selber bist in deiner Schuld und Schwäche.                     Sieh den an, der gekommen ist, damit er für dich spreche.                                  Sieh an, was dir heut widerfährt, heut, da dein Heiland eingekehrt,                    dich wieder heimzubringen auf adlerstarken Schwingen.

 Sieh nicht, wie arm du Sünder bist, der du dich selbst beraubest.                    Sieh auf den Helfer Jesus Christ! Und wenn du ihm nur glaubest,                         dass nichts als sein Erbarmen frommt und dass er dich zu retten kommt,             darfst du der Schuld vergessen, sei sie auch unermessen.           J. Klepper  1938

 

Mein Herr Jesus, ich danke Dir, dass Du mich in meiner Taufe gerufen hast, angenommen, hineingestellt in Deine Gnade. Ich danke Dir, dass ich zu Dir gehören darf, verbunden mit Dir durch Dein Sterben, verbunden mit Dir zur Auferstehung, die Deine Herrlichkeit aufleuchten lässt. Ich danke Dir, dass ich es jetzt ein Leben lang üben darf zu leben in Deiner Spur, aus Deiner Kraft, im Vertrauen auf Dich. Amen