Gegen alle Zweifel

  1. Mose 17,15 – 27

 15 Und Gott sprach abermals zu Abraham: Du sollst Sarai, deine Frau, nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara soll ihr Name sein. 16 Denn ich will sie segnen, und auch von ihr will ich dir einen Sohn geben; ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker.

          Die Gottesrede geht weiter. Jetzt aber nicht mehr als Anweisung, sondern als Zusage. So wie Abraham einen neuen Namen erhält, soll auch Sarai mit neuem Namen genannt werden. Sara statt Sarai. Diesen neuen Namen soll Abraham ihr geben. Wird ihn das Sara auch neu sehen – und ehren lehren? Jüdische Auslegung deutet: „Aus Sarai, der überragenden Herrin wird Sara, die maß-haltende, maßgebende und maßsetzende Herrin.“ (HJ.Bräumer, aaO; S.141)  Auch von ihr wird gesagt , dass Völker aus ihr werden und Könige. Damit zeigt Gott Abraham: Die Verheißung an Abraham geht nicht ohne Sara in  Erfüllung. Auch sie wird gesegnet werden, gleich zweimal wird ihr das zugesagt – als Mutter und Stamm-Mutter.

17 Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Soll mir mit hundert Jahren ein Kind geboren werden, und soll Sara, neunzig Jahre alt, gebären? 18 Und Abraham sprach zu Gott: Ach dass Ismael möchte leben bleiben vor dir!

 

         Abraham hört und kann doch nicht so richtig glauben. Er unterwirft sich diesem Wort und lacht zugleich. Sein Lachen mag beides, ungläubiges Staunen und zweifelnde Zustimmung, in sich bergen. „Das Lachen Abrahams und später das der Sara sind sowohl Ausdruck der Freude als auch Zeichen des Zweifels.“ (HJ.Bräumer,  aaO; S.142)

          Unvergessen ist mir eine Predigt, die ich auf Schloss Mittersill in Österreich im Jahr 1969 miterlebt habe. „Don ‚t  be surprised, if you got twins“ Mit diesen Worten begann sie – eine Predigt über Glauben und Zweifel und ihr unauflösliches Zusammengehören. Zweifel als die Zwillingsschwester des Glaubens – was für eine Hilfe für alle, die sich so oft mit Zweifeln herumschlagen und meinen, ihr Glauben sei nicht „richtig“ mit ihren Zweifeln.

          Wenn Abraham auf sich sieht und Sara, da ist keine Hoffnung mehr auf Kinder. Deshalb liegt es so nahe, was er sagt: Alle menschlich vernünftige Hoffnung liegt auf Ismael. Darum auch legt er Ismael an Gottes Herz. Gott möge diesen Sohn bewahren und anerkennen.

19 Da sprach Gott: Nein, Sara, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak nennen, und mit ihm will ich meinen ewigen Bund aufrichten und mit seinem Geschlecht nach ihm.

             Gott weist Abrahams Bitte mit seinem Nein schroff zurück. „Mit dem Sichverlassen auf Gott ist das Sichverlassen auf „Fleisch“, auf die „Normalität“ von Segen, Ansehen und Fruchtbarkeit durchaus nicht verbunden.“(H.Seebass,  aaO; S.109) Gott bleibt dabei: Sara wird den Sohn gebären, mit dem der Bund aufgerichtet wird. Das ist Gottes Plan und daran wird ihn auch der erstorbene Leib (Römer 4,19) von Abraham und Sara nicht hindern. Man kann die Herausforderung an den Glauben, die mit diesen Worten gegeben ist, nicht hoch genug einschätzen. Es ist ein Glauben gegen alle Erfahrung und alle Vernunft.    

 20 Und für Ismael habe ich dich auch erhört. Siehe, ich habe ihn gesegnet und will ihn fruchtbar machen und über alle Maßen mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen und ich will ihn zum großen Volk machen.

          Trotz der Schroffheit seines Neins geht Gott aber auch auf die Bitte Abrahams ein. Auch Ismael wird gesegnet sein, fruchtbar sein, sich über alle Maßen mehren. Auch er wird Stamm-Vater eines großen Volkes. Einmal mehr: Die biblischen Schriften kennen keinen exklusiven Segen Gottes, nur für Israel, nur für die Christen. „Das segnende Wirken Gottes erstreckt sich über Israel hinaus auch auf die anderen Völker.“ (C.Westermann,  aaO; S.194) Das ist einer der Gründe, weshalb es unsinnig ist, dem Alten Testament immer Scheuklappen vorzuhalten, eine nur an Israel interessierte, partikularistische Sicht auf die Welt.

 21 Aber meinen Bund will ich aufrichten mit Isaak, den dir Sara gebären soll um diese Zeit im nächsten Jahr. 22 Und er hörte auf, mit ihm zu reden. Und Gott fuhr auf von Abraham.

             Eine klare Unterscheidung: Der Segen hat eine große Weite. Der Bund dagegen ist gebunden an Isaak, an die Wahl Gottes. Es ist, so zähle ich, das fünfte Mal, dass die Verheißungen an Abraham zur Sprache kommen. Geradezu unermüdlich werden sie wiederholt. Man kann fragen: Warum? Weil sie Abraham helfen, Vertrauen durchzuhalten in einer Situation, in der nichts zu sehen ist von der Verwirklichung dieser Verheißungen., in der menschlich alles dagegen spricht, dass es noch etwas wird, mit dem Sohn, mit dem Bund, mit den Verheißungen.

Es ist auch ein Wiederholen, das den LeserInnen späterer Zeiten, im Exil? nach dem Exil?, geschuldet sein mag. Sind sie doch möglicherweise auch in der Lage, dass sie die Worte hören, aber in ihrem Herzen der Zweifel wohnt. Dass sie die stete Wiederholung brauchen, damit sie dem Druck der Wirklichkeit, in der sie nichts davon sehen, standhalten können. Durch diese stetigen Hinweise auf den Bund entsteht so etwas wie Widerstandskraft, Resilienz.

Ganz nebenbei lerne ich auch: Gott ist frei. Souverän in seiner Wahl. Isaak nicht Ismael.  Nicht gebunden an das, was wir für wahrscheinlich oder menschenmöglich halten. Bis heute ist diese Wahl Gottes ein Aufreger. Nicht nur für die Nachkommen Ismaels. Dieses Wort über Isaak als den, mit dem Gott seinen Bund aufrichtet, ist das letzte Wort in dieser Sache. Danach überlässt Gott Abraham sich selbst. Jetzt ist es an ihm, zu tun, was zu tun ist.

 23 Da nahm Abraham seinen Sohn Ismael und alle Knechte, die im Hause geboren, und alle, die gekauft waren, und alles, was männlich war in seinem Hause, und beschnitt ihre Vorhaut an eben diesem Tage, wie ihm Gott gesagt hatte.

             Die Antwort, wenn es denn eine erste Antwort ist: Abraham führt die Beschneidungen durch – an Ismael, an allen Knechten, an allen, die zu seinem Haus gehören. Er gehorcht.  Prompt, noch am gleichen Tag.

 24 Und Abraham war neunundneunzig Jahre alt, als er seine Vorhaut beschnitt. 25 Ismael aber, sein Sohn, war dreizehn Jahre alt, als seine Vorhaut beschnitten wurde. 26 Eben auf diesen Tag wurden sie alle beschnitten, Abraham, sein Sohn Ismael 27 und was männlich in seinem Hause war, im Hause geboren und gekauft von Fremden; es wurde alles mit ihm beschnitten.

             Auch Abraham selbst wird beschnitten, in seinem hohen Alter. Es sprengt meine Vorstellungskraft, mir zu denken, wie Abraham sich selbst beschnitten haben könnte. Der Wortlaut allerdings lässt keine andere Wahl zu. Mit Abraham zusammen werden alle im Haus beschnitten. Ismael mit seinen dreizehn Jahren, die anderen im Haus wohl alle als Erwachsene.

             Wenn ich mir eine Vorstellung machen will, wie sich das gefühlt haben mag, verfalle ich auf einen Abschnitt aus dem Buch Josua: „Zu dieser Zeit sprach der HERR zu Josua: Mache dir steinerne Messer und beschneide die Israeliten wie schon früher. Da machte sich Josua steinerne Messer und beschnitt die Israeliten auf dem Hügel der Vorhäute. … Und als das ganze Volk beschnitten war, blieben sie an ihrem Ort im Lager, bis sie genesen waren.“ (Josua 5, 3 + 7) Was da im Haus Abraham geschieht, legt die Knaben und Männer alle eine Zeitlang aufs Krankenlager. Aber das ist dem Erzähler nicht der Rede wert.

 

Mein Gott, gegen allen Zweifel gehst Du Deinen Weg. Unser Zweifeln kann Dich nicht hindern. Was für eine Freiheit eröffnest Du uns. Wir müssen vor Dir nicht unterdrücken, uns verbieten, dass wir unsere eigene Lebens-Situation anschauen, Schlüsse aus ihr ziehen, uns nicht vorstellen können, wie Du Deinen Weg dennoch gehen wirst.

Und doch gehst Du Deinen Weg. Unser Zweifel kann Dein Werk nicht hindern. Dass wir Deine Macht nicht sehen, nicht gleich spüren, ihr nicht unbedingt trauen, das kann Dich nicht aufhalten, Dein Werk zu tun, Deinen Willen ans Ziel zu bringen. Dafür danke ich Dir, ich mit meinen Zweifeln und meinem Glauben. Amen