Melchisedek

  1. Mose 14, 17 – 24

 17 Als er nun zurückkam von dem Sieg über Kedor-Laomer und die Könige mit ihm, ging ihm entgegen der König von Sodom in das Tal Schawe, das ist das Königstal.

Der Sieger Abram wird gebührend emfangen. Der König von Sodom – ist es der, der in die Erdharzgruben gefallen war, sich dort verborgen hatte oder ein anderer König? –  geht Abram entgegen.  Im Königstal – einem Tal, das in der Nähe Jerusalems vermutet wird.

 18 Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten 19 und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; 20 und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.

          Der Blick wird aber zuerst auf einen anderen König gerichtet, auf Melchisedek, den König von Salem. Melchisedek ist, wie so häufig in der Bibel, ein „sprechender Name“: „Mein König ist Gerechtigkeit.“ Ein Priesterkönig. Priester des El Eljon, des höchsten Gottes. Das ist eine Gottesbezeichnung, die bei Babyloniern, Assyrern und den anderen Völkern in der Umgebung Israels in Gebrauch ist.

         Melchisedek also geht Abram entgegen mit Brot und Wein, Gaben der Gastfreundschaft. Und mit dem Segen. Er legt den Segen des Schöpfers auf ihn und er lobt zugleich Gott über dem, was Abram getan hat, über seinem Sieg. So ist beides vereint – das Lob Gottes und die Bitte um den Segen. Bis heute grundlegende Bestandteile des Gottesdienstes. Gott über seinen Taten zu loben und seinen Segen zu erbitten. 

          Diesem Priesterkönig gibt Abram den Zehnten. Das ist eine Form der Anerkennung des Melchisedek und des Gottes, für den Melchisedek ihm als Priester entgegen tritt. Eine Szene, die weit über die erzählte Zeit hinaus greift: Der Zehnte ist in Israel Dauergabe und nicht Anteil an der Kriegsbeute. Er steht dem Heiligtum zu. So mag dieser Akt die Leser auffordern, dem Heiligtum in Salem (=Jerusalem) – das kann im Grunde nur der Tempel sein – den Zehnten zu geben. Wenn, wie doch etliche Exegeten meinen, eine Niederschrift des 1. Buches Mose ins 8. Jahrhundert, in die Zeit nach David und Salomo,  zu datieren ist, ist das nicht ganz von der Hand zu weisen.

 21 Da sprach der König von Sodom zu Abram: Gib mir die Leute, die Güter behalte für dich! 22 Aber Abram sprach zu dem König von Sodom: Ich hebe meine Hand auf zu dem HERRN, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, 23 dass ich von allem, was dein ist, nicht einen Faden noch einen Schuhriemen nehmen will, damit du nicht sagest, du habest Abram reich gemacht, 24 ausgenommen, was die Knechte verzehrt haben; doch lass die Männer Aner, Eschkol und Mamre, die mit mir gezogen sind, ihr Teil nehmen.

          Jetzt rückt wieder der andere König ins Blickfeld, der König von Sodom. Ihm geht es um die Beute. Er will teilen, eine Beute, an der er doch eigentlich keinen Anteil hat. Wieder erweist es sich: Abram hat diesen Kriegszug nicht aus Eigeninteresse geführt. Nichts von allem, was ihm Beute geworden ist, will er behalten. Bei Gott, dem HERRN, dem höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat schwört er, weil er sich dessen gewiss ist: In Gott hat er alles, was er braucht. Zugleich wahrt er mit diesem Verzicht auf Beute seine Unabhängigkeit. Er ist dem König von Sodom zu nichts verpflichtet.

          Und doch: Klug ist Abram auch darin, dass er für seine Verbündeten das Recht auf Beute behauptet. Sie sollen ihr Teil nehmen können. Für sich selbst will er nur den Unkostenersatz: was die Knechte verzehrt haben. Ein billiger Sieger. Ein großmütiger Sieger.

          Insgesamt: „Melchisedek von Salem spricht das lösende Wort zum Ganzen der Ereignisse: Abram ist in seiner familialen Tat ein vom höchsten Gott Gesegneter und bleibt im Segen. Es macht Abrams ganzen Adel aus, dass seine gewaltige Tat nicht auf der kleinen Bühne menschlicher Schwächen oder Starken, sondern auf der großen des herrlichen Waltens des höchsten Gottes spielt.

          Es bleibt mir nur noch der Hinweis: Für den Hebräer-Brief ist Melchisedek  mehr als nur eine sagenumwobene Gestalt. „Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.“ (Hebräer 7,3) Er ist so etwas wie das Urbild des Messias. Eine Vorabbildung Christi. Nicht zuletzt wohl durch die Gaben von Brot und Wein und den Segen.

 

Was für ein Geschenk. Jemand kommt mir freundlich entgegen mit Brot und Wein, mit offenen Armen, mit einen freundlichen Gesicht. Jemand empfängt mich, ob ich Sieger bin oder Verlierer, erwarteter Gast oder unerwartete Überraschung.

Mein Gott, Du wirst uns entgegen kommen, wie Melchisedek dem Abram entgegenkam, mit offenen Armen, mit Deinem Segen, mit der Freude, die in Dir ihren Grund und ihr Ziel hat. Amen