Treue zur Sippe

  1. Mose 14, 1 – 16

 1 Und es begab sich zu der Zeit des Königs Amrafel von Schinar, Arjochs, des Königs von Ellasar, Kedor-Laomers, des Königs von Elam, und Tidals, des Königs von Völkern, 2 dass sie Krieg führten mit Bera, dem König von Sodom, und mit Birscha, dem König von Gomorra, und mit Schinab, dem König von Adma, und mit Schemeber, dem König von Zebojim, und mit dem König von Bela, das ist Zoar.

          Das ist der Auftakt einer Kriegsgeschichte. Erzählt wird eine Konfliktgeschichte, wie sie oft vorkommt. Es bilden sich Koalitionen  – Amrafel von Schinar mit seinen Verbündeten auf der einen Seite, Bera und Birscha, Könige von Sodom und Gomorra mit ihren Bündnispartnern auf der anderen Seite. Da wir keine historischen Nachrichten von anderer Seite haben, wissen wir nicht, wann dieser Konflikt spielt, wie groß er ist, kaum auch, worum es geht.

 3 Diese kamen alle zusammen in das Tal Siddim, wo nun das Salzmeer ist.

          Das Aufmarschgebiet für eine Schlacht ist das Salzmeer im Tal Siddim. Wir kennen diese Landschaft als das Gebiet um das Tote Meer. Die Gegend, wo man auch die Städte Sodom umd Gomorra lokalisiert.

 4 Denn sie waren zwölf Jahre dem König Kedor-Laomer untertan gewesen und im dreizehnten Jahr waren sie von ihm abgefallen. 5 Darum kamen Kedor-Laomer und die Könige, die mit ihm waren, im vierzehnten Jahr und schlugen die Refaïter zu Aschterot-Karnajim und die Susiter zu Ham und die Emiter in der Ebene Kirjatajim 6 und die Horiter auf ihrem Gebirge Seïr bis El-Paran, das an die Wüste stößt. 7 Danach wandten sie um und kamen nach En-Mischpat, das ist Kadesch, und schlugen das ganze Land der Amalekiter, dazu die Amoriter, die zu Hazezon-Tamar wohnten.

          Mit diesen Worten kommt ein wenig Licht ins Dunkel. Offensichtlich sind die Könige um Bera und Birscha von ihrem „Lehnsherren“ Kedor-Laomer abgefallen. Es handelt sich also um den Versuch, sich aus einem Vasallen-Verhältnis zu lösen. Dann wäre die Aktion aus der Sicht des Kedor-Laomer eine Art Strafaktion.

          Wenn ich den Kommentaren folge, so geht es zugleich um die Sicherung einer Handelsstraße. Das erklärt den Weg, den die Truppen der Ostkönige nehmen. „Die Sicherung der für den Handel unaufgebbaren Nord-Süd-Verbindung lässt das verheißene Land zum Schauplatz eines Stücks der Weltgeschichte werden.“(HJ.Bräumer, aaO; S.78) Ob es gleich „Weltgeschichte“ sein muss, weiß ich nicht. Aber es liegt dem Erzähler offensichtlich daran zu zeigen: Hier geht es um Macht und Vorherrschaft, um Handelsinteressen und Einfluss-Spären.

8 Da zogen aus der König von Sodom, der König von Gomorra, der König von Adma, der König von Zebojim und der König von Bela, das ist Zoar, und rüsteten sich, zu kämpfen im Tal Siddim 9 mit Kedor-Laomer, dem König von Elam, und mit Tidal, dem König von Völkern, und mit Amrafel, dem König von Schinar, und mit Arjoch, dem König von Ellasar, vier Könige gegen fünf.

Nachdem die einen Völker geschlagen sind, wird es nun für die Könige von Sodom und Gomorra samt ihren Partnern ernst. Sie müssen sich zum Kampf stellen. Es gibt kein ausweichen mehr.

10 Das Tal Siddim aber hatte viele Erdharzgruben. Und die Könige von Sodom und Gomorra wurden in die Flucht geschlagen und fielen da hinein, und was übrig blieb, floh auf das Gebirge.

             Die Schlacht, wenn es denn eine ist, ist schnell vorbei. Die Rebellen werden geschlagen. Auf der Flucht stürzen die Könige in Erdharzgruben, in „Asphaltgruben“, die es im Bereich des Toten Meeres reichlich gibt. Ob sie dort umkommen oder sich nur verbergen, bleibt offen. Jedenfalls sind sie schwer geschlagen. Ihr Unternehmen bricht in der allgemeinen Flucht in sich selbst zusammen. Es nimmt ein eher klägliches Ende.

  11 Da nahmen sie alle Habe von Sodom und Gomorra und alle Vorräte und zogen davon. 12 Sie nahmen auch mit sich Lot, Abrams Brudersohn, und seine Habe, denn er wohnte in Sodom, und zogen davon. 

             Die Sieger halten sich schadlos. Sie plündern Sodom und Gomorra und nehmen alles mit, was von einigem Wert zu sein scheint. Unter der Beute sind auch Lot und seine Habe. Erst hier taucht der Neffe Abrams in der Erzählung auf – aber um seinetwillen wird die ganze Geschichte erzählt. Er hatte sich ja Sodom als Wohnort erwählt, ungeachtet dessen, dass die Leute dort „böse“ waren. Es kann sein, dass sein Geschick, dass er in die Folgen dieses jämmerlichen Aufstandsversuches hineingezogen wird, auch auch eine Zeichen für die Missbilligung dieser Wohnort-Wahl ist.

 13 Da kam einer, der entronnen war, und sagte es Abram an, dem Hebräer, der da wohnte im Hain Mamres, des Amoriters, des Bruders von Eschkol und Aner. Diese waren mit Abram im Bund.

             Einer ist der Schlacht entronnen und eilt nun zu Abram nach Mamre. Berichtet ihm, was vorgefallen ist. Unterrichtet ihn über das Geschick Lots. „Hier verzahnt sich nun endlich das große politische Ereignis mit der  Vätergeschichte.“ (G.v.Rad, aaO; S.149) Erstmals wird Abram hier als Hebräer bezeichnet. „Hebräer war in alter Zeit kein e Volksbezeichnung, sondern eine im 2. Jahrtausend in vielen Ländern häufige Bezeichnung einer unteren sozialen Bevölkerungsschicht.“ (G.v.Rad, aaO; S.150) So ist also Abram kein Großer, sondern eher ein unbedeutender Fremder im Land, aber er hat gleichwohl Verbündete – Mamre, Eschkol und Aner. Sie sind nicht nur zufällig vor Ort. Sie verbindet ihr Bund, ihr berit.

14 Als nun Abram hörte, dass seines Bruders Sohn gefangen war, wappnete er seine Knechte, dreihundertundachtzehn, in seinem Hause geboren, und jagte ihnen nach bis Dan 15 und teilte seine Schar, fiel des Nachts über sie her mit seinen Knechten und schlug sie und jagte sie bis nach Hoba, das nördlich der Stadt Damaskus liegt.

             Die Nachricht des Entronnenen bringt Abram zum Handeln. „Lots Deportation, nichts sonst provoziert Abrams Aktion.“(H.Seebass, aaO; S.54) Es ist ein ungleicher Kampf. Hatten die fünf Könige doch schon die kleine Koaltion der vier Könige besiegt und in die Flucht geschlagen – was will da der landfremde Abram mit seinem Männern ausrichten?

             Aber es kommt anders Mit 318 Knechten jagt Abram die Feinde und schlägt sie. Es ist ein weiter Weg von Dan bis auf die Höhe von Damaskus, den diese Schar auf sich nimmt. „Dieser Sieg der 318 Leute gegen die verbündeten Heere der Ostkönige ist das Verwunderlichste in der an Verwunderlichem so reichen Geschichte.“ (G.v.Rad, aaO; S.149) 

             Es ist, so muss man wohl lesen, ein Sieg, der ohne jeden Gedanken an Macht errungen wird, der aber ein Lob auf die Familien-Loyalität ist: Es ist richtig, sich für die eigene Sippe einzusetzen, auch wenn die Macht- und Größenverhältnisse dagegen zu sprechen scheinen. Es ist  der Sieg eines „kleinen Mannes“ in einer gerechten Sache.

 16 Und er brachte alle Habe wieder zurück, dazu auch Lot, seines Bruders Sohn, mit seiner Habe, auch die Frauen und das Volk.

          Abram kehrt nicht mit leeren Händen zurück. Alle Habe bringt er zurück und alle Menschen, Lot mit den Seinen. Zeichen dafür, dass der Segen Gottes Kraft hat, kein leeres Wort war. So sollen wir wohl lesen: es ist Gottes Segen, der den Abram stark sein lässt, auch gegen die Übermacht der Ostkönige. Hinter diesem Sieg Abrams steht sein Gott.

 

Gott, für wen stehe ich ein? Für wen wage ich mich in den Streit? Wenigstens für die, die mir lieb sind? Oder halte ich mich aus allem heraus?

Du stehst für uns ein. Du nimmst den Kampf auf Dich, um uns zu gewinnen, unser Herz, unser Vertrauen. Du nimmst diese Welt auf Dich, mit all ihren Ungereimtheiten, ihren Absurditäten, ihren Bosheiten, damit wir Dir nicht verloren gehen. Sogar in die Hölle gehst Du, damit wir Dir nicht abhanden kommen. Das ist Deine Loyalität zu Deinen Söhnen und Töchtern, meinen Schwestern und Brüdern.

Lass mich lernen, aus Deiner Loyalität selbst einzustehen für die, die mit auf dem Weg sind. Amen