Gott inkognito – Abraham macht sich Umstände

  1. Mose 18, 1 – 15

 1 Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.

            Wenn dieser Satz nicht wäre, würde man die ganze nachfolgende Szene als ein Geschichte aus dem Kapitel „Gastfreundschaft“ lesen. So aber wird mit den ersten Worten klar gestellt: Es geht um mehr, um mehr auch, als Abraham gleich zu sehen vermag. Aber: wir als Leser wissen durch diesen Satz mehr, als Abraham wissen kann. Der HERR erschien ihm im Hain Mamre. Gott besucht Abraham. Zuhause. Es gibt ein Sprichwort aus Afrika: „Gott besucht uns oft. Aber wir sind so selten zu Hause.“ Hier aber ist es so, dass Abraham zu-hause ist. Kein vernünftiger Beduine verlässt mitten in der Hitze des Tages seine Behausung.

  2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde 3 und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber. 4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. 5 Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.

          Was Abraham sieht, ist normal, nichts Ungewöhnliches. Drei fremde Männer stehen vor seinem Zelt. Ihr „Stehenbleiben entspricht dem bittenden Anklopfen“ (HJ.Bräumer, aaO; S.147) Sie sehen, ihnen entgegengehen, sie zu Gast bitten, ist eines. Wer auch immer sie sein mögen – sie sind es wert, sie zu ehren und ihnen Gastfreundschaft zu gewähren.

Ahnt Abraham, wen er vor sich hat? Man könnte er neigte sich zur Erde so lesen, auch die folgenden Worte: Habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen. Aber es ist genauso sinnvoll, darin nur die Höflichkeitsformel dessen zu sehen, der nicht weiß, wen er vor sich hat. Paulus wird schreiben: „Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.“ (Römer 12,9) Genauso verhält sich Abraham. Er erweist seinen fremden Gästen alle Ehre, derer sie wert sein könnten, die er ihnen bieten kann.

Seine Vermutung, die er auch ausdrückt: Sie wollen nicht ihn besuchen, sondern sind auf der Durchreise. Er ist nicht ihr Ziel. Dennoch will er ihnen wohltun, ihr Herz laben. Und findet mit allen seinen Absichten und Ansagen Zustimmung. Seltsam knapp fällt diese aus: „Mach, was du willst“, würden wir heute sagen. Vielleicht auch: Mache Dir keine Umstände. „Gott inkognito – Abraham macht sich Umstände“ weiterlesen

Gegen alle Zweifel

  1. Mose 17,15 – 27

 15 Und Gott sprach abermals zu Abraham: Du sollst Sarai, deine Frau, nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara soll ihr Name sein. 16 Denn ich will sie segnen, und auch von ihr will ich dir einen Sohn geben; ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker.

          Die Gottesrede geht weiter. Jetzt aber nicht mehr als Anweisung, sondern als Zusage. So wie Abraham einen neuen Namen erhält, soll auch Sarai mit neuem Namen genannt werden. Sara statt Sarai. Diesen neuen Namen soll Abraham ihr geben. Wird ihn das Sara auch neu sehen – und ehren lehren? Jüdische Auslegung deutet: „Aus Sarai, der überragenden Herrin wird Sara, die maß-haltende, maßgebende und maßsetzende Herrin.“ (HJ.Bräumer, aaO; S.141)  Auch von ihr wird gesagt , dass Völker aus ihr werden und Könige. Damit zeigt Gott Abraham: Die Verheißung an Abraham geht nicht ohne Sara in  Erfüllung. Auch sie wird gesegnet werden, gleich zweimal wird ihr das zugesagt – als Mutter und Stamm-Mutter.

17 Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Soll mir mit hundert Jahren ein Kind geboren werden, und soll Sara, neunzig Jahre alt, gebären? 18 Und Abraham sprach zu Gott: Ach dass Ismael möchte leben bleiben vor dir!

 

         Abraham hört und kann doch nicht so richtig glauben. Er unterwirft sich diesem Wort und lacht zugleich. Sein Lachen mag beides, ungläubiges Staunen und zweifelnde Zustimmung, in sich bergen. „Das Lachen Abrahams und später das der Sara sind sowohl Ausdruck der Freude als auch Zeichen des Zweifels.“ (HJ.Bräumer,  aaO; S.142)

          Unvergessen ist mir eine Predigt, die ich auf Schloss Mittersill in Österreich im Jahr 1969 miterlebt habe. „Don ‚t  be surprised, if you got twins“ Mit diesen Worten begann sie – eine Predigt über Glauben und Zweifel und ihr unauflösliches Zusammengehören. Zweifel als die Zwillingsschwester des Glaubens – was für eine Hilfe für alle, die sich so oft mit Zweifeln herumschlagen und meinen, ihr Glauben sei nicht „richtig“ mit ihren Zweifeln.

          Wenn Abraham auf sich sieht und Sara, da ist keine Hoffnung mehr auf Kinder. Deshalb liegt es so nahe, was er sagt: Alle menschlich vernünftige Hoffnung liegt auf Ismael. Darum auch legt er Ismael an Gottes Herz. Gott möge diesen Sohn bewahren und anerkennen.

19 Da sprach Gott: Nein, Sara, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak nennen, und mit ihm will ich meinen ewigen Bund aufrichten und mit seinem Geschlecht nach ihm.

             Gott weist Abrahams Bitte mit seinem Nein schroff zurück. „Mit dem Sichverlassen auf Gott ist das Sichverlassen auf „Fleisch“, auf die „Normalität“ von Segen, Ansehen und Fruchtbarkeit durchaus nicht verbunden.“(H.Seebass,  aaO; S.109) Gott bleibt dabei: Sara wird den Sohn gebären, mit dem der Bund aufgerichtet wird. Das ist Gottes Plan und daran wird ihn auch der erstorbene Leib (Römer 4,19) von Abraham und Sara nicht hindern. Man kann die Herausforderung an den Glauben, die mit diesen Worten gegeben ist, nicht hoch genug einschätzen. Es ist ein Glauben gegen alle Erfahrung und alle Vernunft.     „Gegen alle Zweifel“ weiterlesen

Ein neuer Name: Abraham

  1. Mose 17, 1 – 14

1 Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm. 2 Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir schließen und will dich über alle Maßen mehren. 3 Da fiel Abram auf sein Angesicht.

          Die Zeit vergeht. Gott aber begegnet neu. Einem immer mehr gealterten Abram – jetzt neunundneunzig Jahre alt. Die Initiative aller folgenden  Worte und Taten liegt allein bei Gott.  So stellt er sich ja auch vor. El Schaddai. Der allmächtige Gott. Bis heute ist die Herkunft dieser Gottesbezeichnung ungeklärt. Vielleicht klingt in dem Wort ein ägyptisches Wort mit, das auf „Erlöser, Retter“ hindeutet. Aber sicher ist auch das nicht.

Der Vorstellung Gottes folgt eine Aufforderung an Abram: So zu leben, wie es diesem Gott entspricht. Sich an ihm auszurichten, mit ganzen Herzen ihm zugewandt zu sein. Statt „fromm“, was bei uns leicht allzu religiös, nach Frömmigkeit klingt, kann man auch übersetzen: „sei ganz.“ (H.Seebass, aaO; S.96) Ungeteilt in der Hingabe, einfältig und nicht gespalten, nicht innerlich zerrissen.  So heißt es später, fast wortgleich, in der Anrede an ganz Israel: „Du sollst dich ungeteilt an den HERRN, deinen Gott, halten.“ (5. Mose 18,13) Zu dieser Haltung wird Abram hier als Erster gerufen.

Es ist die Lebenshaltung, die dem Bund entspricht, in den Gott ihn hineinstellen will. Schon hier wird also deutlich: Der Bund ist Beistands-Zusage  und Lebensverpflichtung in einem. Gott verspricht seine Treue und der in den Bund hinein gerufene Mensch soll mit seiner Treue, seinem ungeteilten Herzen antworten. Darauf liegt die Verheißung Gottes.

Was ist das für ein Hinfallen Abrams? Aus Ehrfurcht? Aus Erschrecken vor Gott? „Wenn der Mensch vor Gott niederfällt, so bejaht er Gottes Weg.“ (HJ.Bräumer, aaO; S.133) Abram unterwirft sich diesen Worten, überlässt sich ihnen und damit Gott.   „Ein neuer Name: Abraham“ weiterlesen

Eigenmächtige Lösungen – und Gott sieht

  1. Mose 16, 1 – 16

 1 Sarai, Abrams Frau, gebar ihm kein Kind.

          Abram hat es schon Gott geklagt: Er ist kinderlos. Dieser knappe Satz zeigt den gleichen Sachverhalt aus der Perspektive Sarais. Sie gebiert ihrem Mann kein Kind. Keinen Sohn, keine linder. Das ist nicht nur einfach bedauerlich. Es stellt Sarai radikal in Frage: „Ihr kinderlosen Leben hat für Sarai keinen Sinn.“ (HJ.Bräumer, aaO.: S.108) Wahrscheinlich  vermögen wir heute gar nicht mehr zu ermessen, was das für eine Frau wie Sarai bedeutet: sozialer Abstieg, innere Isolation, Verzagen an der unerfüllten Aufgabe, den Fortbestand der Familie zu sichern.  Kurz: dieser Satz ist wie eine Bankrott-Erklärung des ganzen Lebens.

 Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. 2 Und Sarai sprach zu Abram: Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abram gehorchte der Stimme Sarais. 3 Da nahm Sarai, Abrams Frau, ihre ägyptische Magd Hagar und gab sie Abram, ihrem Mann, zur Frau, nachdem sie zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatten.

          Bemerkenswert ist zunächst: Sarai gibt nicht auf, gibt nicht klein bei. Sie greift – höchst modern! – zur Lösung ihres Problems durch eine „Leihmutter“. Es ist eine legitime Aktion, die Sarai startet. Sie nützt ein rechtliches  Institut, das ihr zur Verfügung steht, indem sie ihre Magd Hagar ins Spiel bringt. „Gab sie bei Kinderlosigkeit ihre Leibmagd ihrem Mann, so galt das von jener geborene Kind als das Kind der Herrin. Die Sklavin „gebar auf den Knien“ der Herrin, wodurch dann das Kind symbolisch wie aus dem Schoß der Herrin selbst kam.“ (G.v.Rad, aaO.:  S.161)

Was hier von Sarai erzählt wird, wird sich später bei Lea und Rahel mit ihren Mägden Silpa und Bilha wiederholen (30, 1 – 13). Man sieht: Die moderne Weise, durch Leihmütter zu einem Kind zu kommen, hat frühe Vorläuferschaft. Ob diese Beobachtung dazu führt, mit harschen Urteilen über Leihmutterschaft ein wenig vorsichtiger umzugehen?

Sarai also gibt ihre Sklavin Abram. Gewiss für sie kein leichter Schritt, aber nach zehn Jahren vergeblichen Mühens doch auch irgendwie verständlich. Er setzt voraus, dass Sarai sich dabei ihres Status als Herrin der Hagar sicher ist. Die Sklavin ist keine Konkurrenz.  „Eigenmächtige Lösungen – und Gott sieht“ weiterlesen

Ein Bund Gottes

1. Mose 15, 1 – 21

 1 Nach diesen Geschichten begab sich’s, dass zu Abram das Wort des HERRN kam in einer Offenbarung: Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.

Es ist noch nicht alles erzählt. Es geht weiter, mit einem Wort des HERRN in einer Offenbarung.  Das ist im ganzen der Bücher Mose ausgesprochen selten, auch sonst. Eine Vision und ein Wort ergehen zusammen. Damit Abram dem standhalten kann, ist das erste Wort: Fürchte dich nicht. Das kennen wir als Gruß der Engel. Wann immer es ein Menschen mit der Wirklichkeit Gottes zu tun bekommt, ist das auch furchterregend.

Auf diese Worte folgt eine Zusage, die auch fast wie eine Selbstvorstellung ist. Oder genauer, in der sich Gott in Beziehung zu Abram setzt: Dein Schild, Dein großer Lohn. Beides hat Abram schon erfahren, beides wird er wieder erfahren.

 2 Abram sprach aber: HERR, mein Gott, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder und mein Knecht Eliëser von Damaskus wird mein Haus besitzen. 3 Und Abram sprach weiter: Mir hast du keine Nachkommen gegeben; und siehe, einer von meinen Knechten wird mein Erbe sein.

          Merkwürdig, wie Abram antwortet. Fast könnte man hören: Was soll ich jetzt damit anfangen? Ich stehe immer noch mit leeren Händen da. Das, was wirklich zählen würde, das ist Abram bis hierher verwehrt geblieben: Er ist kinderlos. Keine Nachkommen – und dieser Mangel macht alle Wohltaten Gottes zunichte, mögen sie noch so schön sein. Was soll alle Bewahrung, aller Reichtum, wenn er doch an einen fallen wird, der „nur“ Knecht ist, an Eliëser von Damaskus.

Man spürt in diesen Worten etwas von der Bitterkeit, die über der Kinderlosigkeit liegt. Damals wohl noch mehr als heute. „Nach familialer Auffassung war Abram ein toter Mann/Name, ohne persönliche Erben, da Leben die Kette der Generationen voraussetzt.“(H.Seebass, aaO; S.68). Ein Geschlecht stirbt aus, eine Segenslinie kommt an ihr Ende. Das steht ja dahinter: wenn Abram keine Nachkommen hat, dann fällt der Segen Gottes dahin, dann war sein Aufbruch aus Haran schlussendlich doch ein Aufbruch ins Leere.

Es ist mit jedem Wort, das gesagt wird, zu spüren, wie hier die Resignation nach Abram greift, ihm das Leben eng macht, ihn nur noch die Luft abschnürt.  „Ein Bund Gottes“ weiterlesen

Melchisedek

  1. Mose 14, 17 – 24

 17 Als er nun zurückkam von dem Sieg über Kedor-Laomer und die Könige mit ihm, ging ihm entgegen der König von Sodom in das Tal Schawe, das ist das Königstal.

Der Sieger Abram wird gebührend emfangen. Der König von Sodom – ist es der, der in die Erdharzgruben gefallen war, sich dort verborgen hatte oder ein anderer König? –  geht Abram entgegen.  Im Königstal – einem Tal, das in der Nähe Jerusalems vermutet wird.

 18 Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten 19 und segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; 20 und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.

          Der Blick wird aber zuerst auf einen anderen König gerichtet, auf Melchisedek, den König von Salem. Melchisedek ist, wie so häufig in der Bibel, ein „sprechender Name“: „Mein König ist Gerechtigkeit.“ Ein Priesterkönig. Priester des El Eljon, des höchsten Gottes. Das ist eine Gottesbezeichnung, die bei Babyloniern, Assyrern und den anderen Völkern in der Umgebung Israels in Gebrauch ist.

         Melchisedek also geht Abram entgegen mit Brot und Wein, Gaben der Gastfreundschaft. Und mit dem Segen. Er legt den Segen des Schöpfers auf ihn und er lobt zugleich Gott über dem, was Abram getan hat, über seinem Sieg. So ist beides vereint – das Lob Gottes und die Bitte um den Segen. Bis heute grundlegende Bestandteile des Gottesdienstes. Gott über seinen Taten zu loben und seinen Segen zu erbitten.  „Melchisedek“ weiterlesen

Treue zur Sippe

  1. Mose 14, 1 – 16

 1 Und es begab sich zu der Zeit des Königs Amrafel von Schinar, Arjochs, des Königs von Ellasar, Kedor-Laomers, des Königs von Elam, und Tidals, des Königs von Völkern, 2 dass sie Krieg führten mit Bera, dem König von Sodom, und mit Birscha, dem König von Gomorra, und mit Schinab, dem König von Adma, und mit Schemeber, dem König von Zebojim, und mit dem König von Bela, das ist Zoar.

          Das ist der Auftakt einer Kriegsgeschichte. Erzählt wird eine Konfliktgeschichte, wie sie oft vorkommt. Es bilden sich Koalitionen  – Amrafel von Schinar mit seinen Verbündeten auf der einen Seite, Bera und Birscha, Könige von Sodom und Gomorra mit ihren Bündnispartnern auf der anderen Seite. Da wir keine historischen Nachrichten von anderer Seite haben, wissen wir nicht, wann dieser Konflikt spielt, wie groß er ist, kaum auch, worum es geht.

 3 Diese kamen alle zusammen in das Tal Siddim, wo nun das Salzmeer ist.

          Das Aufmarschgebiet für eine Schlacht ist das Salzmeer im Tal Siddim. Wir kennen diese Landschaft als das Gebiet um das Tote Meer. Die Gegend, wo man auch die Städte Sodom umd Gomorra lokalisiert.

 4 Denn sie waren zwölf Jahre dem König Kedor-Laomer untertan gewesen und im dreizehnten Jahr waren sie von ihm abgefallen. 5 Darum kamen Kedor-Laomer und die Könige, die mit ihm waren, im vierzehnten Jahr und schlugen die Refaïter zu Aschterot-Karnajim und die Susiter zu Ham und die Emiter in der Ebene Kirjatajim 6 und die Horiter auf ihrem Gebirge Seïr bis El-Paran, das an die Wüste stößt. 7 Danach wandten sie um und kamen nach En-Mischpat, das ist Kadesch, und schlugen das ganze Land der Amalekiter, dazu die Amoriter, die zu Hazezon-Tamar wohnten.

          Mit diesen Worten kommt ein wenig Licht ins Dunkel. Offensichtlich sind die Könige um Bera und Birscha von ihrem „Lehnsherren“ Kedor-Laomer abgefallen. Es handelt sich also um den Versuch, sich aus einem Vasallen-Verhältnis zu lösen. Dann wäre die Aktion aus der Sicht des Kedor-Laomer eine Art Strafaktion.

          Wenn ich den Kommentaren folge, so geht es zugleich um die Sicherung einer Handelsstraße. Das erklärt den Weg, den die Truppen der Ostkönige nehmen. „Die Sicherung der für den Handel unaufgebbaren Nord-Süd-Verbindung lässt das verheißene Land zum Schauplatz eines Stücks der Weltgeschichte werden.“(HJ.Bräumer, aaO; S.78) Ob es gleich „Weltgeschichte“ sein muss, weiß ich nicht. Aber es liegt dem Erzähler offensichtlich daran zu zeigen: Hier geht es um Macht und Vorherrschaft, um Handelsinteressen und Einfluss-Spären. „Treue zur Sippe“ weiterlesen

Geborgen großzügig

  1. Mose 13, 1 – 18

 1 So zog Abram herauf aus Ägypten mit seiner Frau und mit allem, was er hatte, und Lot auch mit ihm ins Südland. 2 Abram aber war sehr reich an Vieh, Silber und Gold. 3 Und er zog immer weiter vom Südland bis nach Bethel, an die Stätte, wo zuerst sein Zelt war, zwischen Bethel und Ai, 4 eben an den Ort, wo er früher den Altar errichtet hatte. Dort rief er den Namen des HERRN an.

          Erzählt wird nun die Rückkehr nach Kanaan – ins Südland. In den Negeb. Abram bleibt, mit all seinem Reichtum, ein Wanderer, auf der Suche nach Weidegründen. Er kehrt aber auch zurück zum Altar der früheren Anbetung. Es könnte sein, damit wird nicht nur ein äußerer, sondern auch ein innerer Rückweg nach der Verirrung in Ägypten angedeutet.

 5 Lot aber, der mit Abram zog, hatte auch Schafe und Rinder und Zelte. 6 Und das Land konnte es nicht ertragen, dass sie beieinander wohnten; denn ihre Habe war groß und sie konnten nicht beieinander wohnen. 7 Und es war immer Zank zwischen den Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Es wohnten auch zu der Zeit die Kanaaniter und Perisiter im Lande.

             Weidegründe sind in ihrer Belastbarkeit begrenzt, erst recht in Israel. „Die Schwierigkeiten des Zusammengehens zweier stark angewachsener Herden sind keineswegs schwer einzusehen.“ (G.v.Rad, aaO; S.143) Das ist Alltag. So kommt, was kommen muss: Die Knechte, die Hirten Abrams und Lots, geraten aneinander. Sie sind dem Wohl und den Weisungen ihrer jeweiligen Herren verpflichtet. Aller Verwandtschaft zum Trotz gibt es Konflikte, wer wo wie das Vieh weiden und wohl auch tränken darf.

Wasser-Konflikte sind bis zum heutigen Tag ein Teil des erbitterten Konfliktes im „Heiligen Land“.  Es wirkt wie ein zarter Hinweis: Abram und Lot sind nicht die Einzigen, die Herden haben – auch die Kanaaniter und Perisiter wohnen im Land und haben Landrechte und Landansprüche. Umso enger ist der Raum für Abrams und Lots Leute.   „Geborgen großzügig“ weiterlesen

Gottes Feigling

  1. Mose 12, 10 – 20

 10 Es kam aber eine Hungersnot in das Land.

          Israel, – oder muss ich sagen: Palästina oder hier: Kanaan? – ist ein Land, das immer wieder von Hungersnot bedroht ist. Wenn der Regen ausbleibt, wenn die Dürre zu lange dauert, wenn das Wasser knapp wird, wenn es Missernten gibt. Es gibt viele Wanderungsbewegungen, die aus solcher Hungersnot entstehen. Wir nennen diese Leute heute ein wenig leichtfertig und von oben her und abwertend: Wirtschaftsflüchtlinge. Ja, Abram begegnet uns in der folgenden Erzählung als Wirtschaftsflüchtling. Er sucht ein neues Auskommen für sich und seine Leute.

Da zog Abram hinab nach Ägypten, dass er sich dort als ein Fremdling aufhielte; denn der Hunger war groß im Lande.

          Er macht sich auf einen weiten Weg. Nach Ägypten. Da gibt es alles. So erzählt man sich, nicht nur in Kanaan. Ägypten ist das „gelobte Land“ der damaligen Flüchtlinge, fruchtbar, mit Wasser gesegnet, mit einer gut funktionierenden Landwirtschaft und einer hochstehenden Kultur.  Es ist für Leute wie Abram höchst attraktiv, in dieses Sozialsystem einzuwandern. Salopp gesprochen: Ägypten ist die BRD der damaligen Zeit.

 11 Und als er nahe an Ägypten war, sprach er zu Sarai, seiner Frau: Siehe, ich weiß, dass du eine schöne Frau bist. 12 Wenn dich nun die Ägypter sehen, so werden sie sagen: Das ist seine Frau, und werden mich umbringen und dich leben lassen. 13 So sage doch, du seist meine Schwester, auf dass mir’s wohlgehe um deinetwillen und ich am Leben bleibe um deinetwillen.

          Wie viel Angst meldet sich in diesen Worten. Angst eines Flüchtlings, der weiß, dass er rechtlos ist im fremden Land. Der ahnt, wie leicht es zu Übergriffen kommen kann gegen den, der anders aussieht, eine andere Sprache spricht, der fremd ist. Der auch weiß: seine Frau kann Begehrlichkeiten wecken. Es kann gefährlich sein, der Mann einer allzu schönen Frau zu sein. Es möchte sein – die Männer der Mehrheitsgesellschaft schrecken vor nichts zurück. Der Bruder aber, so ist wohl der Gedanke Abrams, der könnte in ihren Augen ja eine Brücke zu der Schönen sein. Und deshalb sicher.

          Was Sarai von diesem Gedankenspiel und Ansinnen hält, erfahren wir nicht. Hier wird, wie oft in der Bibel, aus der Männer-Perspektive erzählt. Frauen schweigen. Schweigt Sarai, weil sie einverstanden ist, weil sie diesen Weg als ihre Aufgabe akzeptiert? „Nach altorientalischem Loyalitätsverständnis war sie als Ehefrau daran orientiert, ihren Mann und seine Familie mit Nachkommen, d. h. Fortleben zu versehen…. Solche Treue Saraijs muss belohnt werden – und sie wird belohnt.“ (H.Seebass, aaO; S.26) Das ist mir zu heldenhaft und zu sehr in das Schweigen der Sarai hinein irgendwie erschlossen.

          Erst in unserer Zeit fangen wir vorsichtig an, nach ihren, der Frauen ungesagten Sätzen zu fragen. Auch das Urteil des Exegeten ist noch allein der Männer-Perspektive verhaftet: „Abraham weiß, dass er mit der Preisgabe seiner Frau schwere Schuld auf sich lädt.“ (C.Westermann, aaO;  S.153) Im Text steht davon nichts. Da lese ich nur, dass Abram das eigene Leben schützen will – und sei es dadurch, dass er Sarai preisgibt. Wenn ich hart urteile, so sage ich: Hier habe ich einen Abram vor mir, der schwach ist, nicht sonderlich glaubensstark, der nur nach Auswegen sucht, um fast jeden Preis.  „Gottes Feigling“ weiterlesen

Ins Land der Verheißung aufbrechen

  1. Mose 12, 1 – 9

 1 Und der HERR sprach zu Abram:

         Mit dem unscheinbaren und wird die nun beginnende Abrahams-Geschichte mit allem vorangehenden verbunden. Aus der Urgeschichte wird jetzt Geschichte, zunächst scheinbar die Geschichte eines Einzelnen und seiner Familie. Der Anfang dieser Geschichte ist, dass der HERRR sprach. Die Parallele dazu ist der Anfang der Schöpfung: „Und Gott sprach.“(1,3) So wie die Welt aus Gottes Wort wird, so wird der Weg Abrams aus dem Wort, aus dem Anruf Gottes.

Wir wüssten gerne, wie das ausgesehen, sich angefühlt hat, dieses „der HERR sprach“. Darüber schweigt sich der Text aus. So wie sich die ganze Bibel darüber ausschweigt, wie das sich anfühlt, welche äußere Gestalt dieses Sprechen Gottes hat. Genug, dass es geschieht und dass der, der so angesprochen wird, es spürt, vernimmt und weiß: Jetzt bin ich gefordert.

Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

         Das ist der Inhalt: Ein Ruf zum Aufbrechen. Aus Haran, wo sich die Sippe unter Tarah auf ihrem Weg aus Ur in Chaldäa (11, 31-32) niedergelassen hatte. Wohin? Seltsam unbestimmt: in ein Land, das ich dir zeigen will. Keine Landkarte, kein Zielort. Von Anfang an wird Abram abhängig von dem wegweisenden Gott. Und seine Zukunft wird gleichfalls abhängig von ihm, der ihn ruft. Ein großes Volk – hebräisch goij – soll aus ihm werden und Segen – hebräisch berāchā – soll auf ihm liegen.

Damit sind in dieser Verheißung zwei große Themen schon genannt, die für die ganze Heilsgeschichte von Bedeutung sind: Das Volk – hier ist deutlich auf Israel angespielt, nicht nur auf das Wachsen einer Sippe, dafür steht das Wort goij  – und der Segen. „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Was sich so fromm anhört, ist in Wahrheit der Realismus, den die Bibel lehren will.   „Ins Land der Verheißung aufbrechen“ weiterlesen