Gottes Stadt – das Beste kommt noch

Offenbarung 21, 15 – 21

 15 Und der mit mir redete, hatte einen Messstab, ein goldenes Rohr, um die Stadt zu messen und ihre Tore und ihre Mauer. 16 Und die Stadt ist viereckig angelegt und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr: zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. 17 Und er maß ihre Mauer: hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das der Engel gebrauchte.

             Eine Stadt, die ebenmäßig ist. Wohlgestaltet. Vollkommen. „Die Vermessung der Stadt … ist nur eine Demonstration ihrer Vollkommenheit.“ (H. Lilje aaO. S.241) Kein Wildwuchs. In allem herrscht hier die ordnende Hand Gottes. Es ist für den antiken Leser zweifelsfrei das Idealbild einer Stadt, das sich hier eröffnet.

Wenn man genau lest, kann man den Eindruck eines Würfels haben. Länge, Breite und Höhe der Stadt sind gleich. Aber: „Damit ist wohl nicht die Würfelform, sondern die Pyramide gemeint, und das Vorbild hierfür waren gewiss die „Wolkenkratzer“ Babylons, die vielen pyramiden-ähnlichen Turmaufbauten, an denen die Stadt reich war.“ (H. Lilje aaO.; S.241) Mich lässt das fragen: Ist es vorstellbar, dass der Seher, der Babylon als die große Hure, als das Sammelbecken aller Laster sieht, dann am Ende seiner Visionen-Reiche ausgerechnet Babylon zum „Vorbild“ seiner Zeichnung des himmlischen Jerusalems macht? Selbst wenn Babylon im Altertum „das Bild der Weltstadt schlechthin“ (H. Lilje, aaO.;  S.241) war.  Mir macht das gedanklich Probleme.

Deshalb leuchtet mir der andere Hinweis mehr ein. „Das Allerheiligste im salomonischen Tempel wies nach 1. Könige 6,20; 2. Chronik 3,8 Würfelform auf. Wie das Quadrat die vollkommene Fläche darstellt, so der Kubus den vollkommenen Raum.“ (A. Pohl, aaO.; S.321) Lediglich wenn es um die Größe geht, spielt Babylon vielleicht eine Rolle. Die Zahlenangaben schreiben der himmlischen Stadt eine so gigantische Größe zu – zwölftausend Stadien entsprechen ca 2200km!, dass Babylon daneben zu einem Kaff mutiert. Rom übrigens auch. 

18 Und ihr Mauerwerk war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas. 19 Und die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen. Der erste Grundstein war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, 20 der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. 21 Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, ein jedes Tor war aus einer einzigen Perle, und der Marktplatz der Stadt war aus reinem Gold wie durchscheinendes Glas.

             Das Beste ist gerade gut genug. Mauern aus Jaspis, die ganze Stadt aus reinem Gold. Der Jaspis kommt oft vor in den letzten Kapiteln der Offenbarung und immer ist er ein Hinweis auf überirdische Schönheit.

„Von zwölf Perlen sind die Tore an deiner Stadt.                                                            Wir steh’n im Chore der Engel hoch um deinen Thron. “   P. Nicolai 1599, EG 147

Es lassen sich kaum Worte finden, um zu sagen, was unaussagbar ist, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat. Und es ist ein Ringen darum, diesem unsagbaren Reichtum irgendwie zu entsprechen und vor allem Ihm, der ihn schenkt, irgendwie zu entsprechen. Es mag sein, es ist ein Überschwang, der der Sprache der Zeit geschuldet ist. Aber es ist der Versuch, dieser überwältigenden Erfahrung gerecht zu werden, der Schönheit der Stadt und der Schönheit dessen, der der Herr dieser Stadt ist, „Herr aller Herren und König aller Könige.“(17,14)

O dass doch so ein lieber Stern soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn gehören güldne Wiegen.
Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht, Samt, Seide, Purpur wären recht,
dies Kindlein drauf zu legen!

            Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu, ich will mir Blumen holen,
daß meines Heilands Lager sei auf lieblichen Violen;
mit Rosen, Nelken, Rosmarin aus schönen Gärten will ich ihn
von oben her bestreuen.                     P. Gerhardt 1653, EG 37

             Das Beste ist gerade gut genug – für den Heiland und für seine Stadt. Das hat zu allen Zeiten Künstler beflügelt. Maler, Musiker, Schriftsteller, ihm ihre schönsten Melodien, ihre schönsten Bilder, ihre schönsten Texte zu widmen. Soli deo gloria.

             Ein Letztes: wie finde ich als Bibelleser in meinem winzigen Vogelsbergdorf über dieses Nachdenken hinaus einen Zugang zu diesen Worten, der mein Leben heute betrifft? Ich weiß es nicht so recht. Der direkte Bezug zu meinem Leben fehlt, zu de Gedanken über die Kinder und Enkel, die Eltern. Zu dem, was heute hier zu tun ist. Das alles ist so weit weg von dieser ebenmäßigen Stadt und sie ist so weit weg von dem, was heute hier ist. Dahinein wirkt der himmlische Kubus wie ein Fremdkörper aus einer anderen Welt. Aber vielleicht habe ich ja genau das zu lernen. Die Hoffnung auf die kommende Stadt ist wie ein Fremdkörper aus einer anderen Welt. Nur so ist sie Hoffnung, die die Welt übersteigt.

 

Am Ende des Weges der Welt Deine Stadt. Am Anfang Dein Garten. Paradies. Am Ende der Ort, an dem Menschen sich begegnen, das Leben pulsiert, die Freude sich Bahn bricht und Raum ist für alles Gute, Wahre, Schöne. Für Dich und Dein geliebtes Volk, für uns. Amen