Wasser auf Gottes Mühlen

Offenbarung 17, 15 – 18

15 Und er sprach zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, an denen die Hure sitzt, sind Völker und Scharen und Nationen und Sprachen.

             Das Bild wird jetzt noch einmal von einer anderen Seite her gedeutet. Es geht hier nicht um Abfolge, sondern um Wesensverbundenheit. Ein Lesen der Offenbarung, das nur Zeitabläufe sucht, geht in die Irre. „Wasser als Völkermeer zu deuten hat seine Vorgeschichte im AT.“ (A. Pohl, aaO.; S.216) 

             Hier aber geht es nicht einfach nur um das Völkermeer, das es gibt. Wasser steht hier wohl für Wasser-Wege, für die Verbindung zwischen Völkern und Scharen und Nationen und Sprachen. Damit wird zugleich deutlich: Es reicht nicht aus, die Hure zu identifizieren, als Rom oder eine andere Kapitale der Weltgeschichte, und der Fall ist gelöst. Ihre Ausstrahlungskraft ist eine andere – sie verbindet Völker und Scharen und Nationen und Sprachen. Die Geisteshaltung, um die es hier geht, ist international, global. Ein Verhalten, das sich schamlos den Trieben überlässt – dem Machttrieb, der Gewalt, dem Zwang zum Siegen, der Gier nach dem Geld, der Sucht nach dem Leben und der Lust um jeden Preis, fernab vom Gebot Gottes.

  16 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure hassen und werden sie ausplündern und entblößen und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen.

             Es folgt, ohne dass es da steht, ein „Aber“. Das, was sich so als zügelloses Leben entwirft und die ganze Welt unterwerfen will, bereitet sich sein eigenes Verderben. Am Ende zerbricht diese Einheit und wendet sich gegen die, die in ihr das Leben gesucht haben. Das Tier wird zum Feind, der die Hure hasst und schändet und diese Feindschaft führt zur Vernichtung der Hure. Die Welt erstickt an sich selbst, an dem, was sie in ihrem Fortschrittswahn hervor bringt. Die hier über die Hure herfallen und sie vernichten „erfüllen noch einmal – zum letzten Male – ein furchtbares und geheimnisvolles Gesetz der politischen Geschichte, nach dem jede revolutionäre Macht den Keim der Selbstzerstörung in sich trägt.“ (H. Lilje aaO.; S.208)

 17 Denn Gott hat’s ihnen in ihr Herz gegeben, nach seinem Sinn zu handeln und eines Sinnes zu werden und ihr Reich dem Tier zu geben, bis vollendet werden die Worte Gottes. 18 Und die Frau, die du gesehen hast, ist die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige auf Erden.

             Das ist ein Blick, der wie aus einer anderen Welt kommt und doch anknüpft an Glaubensüberzeugungen, wie sie sich auch bei Jesaja und Daniel schon finden. Die Mächtigen der Erde müssen tun, was Gott im Himmel will.  Sie sind, so souverän und selbstherrlich sie sich auch gebärden mögen, doch Werkzeuge seines Planes. Gott hat’s ihnen in ihr Herz gegeben, nach seinem Sinn zu handeln. In der Zerstörung der Macht der Hure treiben sie sein Werk. Sie mögen Gott feindlich gesinnt sein, zum letzten Kampf ausholen, sich formieren zu unfassbarer Größe – sie sind doch nur seine Werkzeuge.

„Dreister Ausdruck christlichen Selbstbewusstseins“ (Harnack)? (zit. nach(H. Lilje aaO. S.208) Aber Jesaja sieht den Perserkönig Kyros als einen Knecht Gottes und  in der Geburtsgeschichte des Lukas muss die Volkszählung des Augustus (Lukas 2,1) dazu dienen, dass die Geburt Jesu in Bethlehem stattfindet und so die uralte Prophetie eines Micha (Micha 5,1) erfüllt wird. Der Glaube kann wohl nicht anders und tröstet sich auch nicht anders, als dass er sieht und daran festhält: die Mächtigen der Welt müssen am Ende doch dem Willen Gottes zu Dienst sein.

 

Was für ein Trost, mein Gott. Am Ende müssen doch alle, auch die Mächtigen und Selbstherrlichen tun, was Deinem Rat gefällt, Deinem Plan zuarbeiten, mit ihren Entscheidungen Deinem Willen den Weg bereiten.

Es ist nicht so weit her mit der Souveränität, die nur den eigenen Willen kennt. Du nimmst sie gefangen unter Deinen Plan. Das tröstet mich. Auch das Chaos, das ich sehe und unter dem ich leide, muss am Ende Deinem Plan dienen. Amen