Immer noch: Keine Umkehr

Offenbarung 16, 17 – 21

17 Und der siebente Engel goss aus seine Schale in die Luft; und es kam eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron, die sprach: Es ist geschehen!

 

Es ist geschehen. Vollzugsmeldung. Es ist nicht die Stimme Gottes, die so spricht. Obwohl das gleiche griechische Wort noch einmal, und diesmal als ein Wort der Stimme Gottes, in der Offenbarung vorkommen wird. Γέγοναν. (21, 4) Da aber ist die Welt an ihr Ziel gekommen. Hier noch nicht. Hier ist es nur das Gericht. Aber es gibt eine Zukunft jenseits des Gerichtes.

Ich bin froh, dass hier nicht steht: „Es ist vollbracht.“(Johannes 19,30) Das Wort  Τετέλεσται ist für den Ruf des Erlösers aufgespart, steht ihm alleine zu.

 18 Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner, und es geschah ein großes Erdbeben, wie es noch nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden sind – ein solches Erdbeben, so groß.

            Die Schilderung, die sich hier anschließt, ist gewaltig. Blitze und Stimmen und Donner und  ein großes Erdbeben. Der Untergang von Pompei ist sicherlich damals weithin erzählt worden und ruft ähnliche Bilder hervor.  „Formal gesehen besteht wiederum eine Verwandtschaft zwischen der siebten Schalen- und Posaunenvision durch die Verwendung der Katastrophenelemente Blitz, Getöse, Donner, Erdbeben und Hagel.“ (K. Henning,aaO.  S. 251)  Und auch das wird man sagen müssen: Das liest sich so ähnlich wie die Schilderung von Gotteserscheinungen (2. Mose 19,16 u. a.) im Alten Testament.

 19 Und aus der großen Stadt wurden drei Teile, und die Städte der Heiden stürzten ein. Und Babylon, der großen, wurde gedacht vor Gott, dass ihr gegeben werde der Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zorns. 20 Und alle Inseln verschwanden, und die Berge wurden nicht mehr gefunden. 21 Und ein großer Hagel wie Zentnergewichte fiel vom Himmel auf die Menschen;

             Die Schreckensschilderung geht weiter. Aus der großen Naturkatastrophe wird die soziale Katastrophe. Städte stürzen in sich zusammen. „Auf der ganzen Erde versinkt Menschenherrlichkeit ins Nichts.“(A. Pohl, aaO.; S.194) 

          Mich packt Schmerz, wenn ich das lese. Es sind die Schreckensbilder unserer Zeit, die vor meinem inneren Augen entstehen: Menschen auf Nussschalen unterwegs im Meer, Menschen, die von den Wellen eines Tsunami weggerissen werden. Menschen unter den einstürzenden Trümmern der Türme des world trade center. Häuser-Ruinen nach einem Bombenangriff. Menschen, die durch Gotteskrieger geschändet werden. Eine Welt aus den Fugen.

Ich stimme zu: „Mit der siebten Schalenvision verlassen wir endgültig den Bereich der real vorstellbaren Texte der Johannes-Offenbarung. Die Grenzen zwischen Himmel und Erde, zwischen den Bildern des Altars und den Machtstrukturen auf der Erde verschwimmen zu einem Chaos.“ (K. Henning, aaO.  S.251) Was bleibt, ist Schmerz. Anteil am Schmerz Gottes um seine Menschen und seine Welt.

 und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels; denn diese Plage ist sehr groß.

Und immer noch: keine Umkehr. Liegt es auch daran, dass der Weg zum Ort des Erbarmens, zum Ort der Verschonung, zum Tempel verschlossen ist, seit die sieben Engel aus dem Tempel (15,8)  aufgebrochen sind? Es gibt, das ist erschreckend, eine Unfähigkeit zur Umkehr, die aus dem stetig verweigerten Weg und dem stetig verweigerten Hören entsteht. Es gibt aber auch das: Der Tempel ist unerreichbar geworden. Der Raum zur Umkehr ist verschlossen. Das ist, in meinen Augen, der letzte, der größte Schrecken.

Was stelle ich diesem Schrecken entgegen? Nur die weit ausgebreiteten Arme dessen, der mich an der Tür des Vaterhauses erwartet.

 

Mein Gott und Herr, mein Herz wird mir schwer, wenn ich diese Bilder sehe, nach der Zukunft der Welt frage, den Tagen, die kommen werden. Mein Herz wird mir schwer, wenn ich an die Generationen nach mir denke. Was werden sie zu bestehen haben an Ängsten und Nöten, an Chaos, auch an Verlockungen?

Gib Du Klarheit des Denkens, festen Halt m Glauben und halte den Weg offen zu Dir, in das Vaterhaus. Um Jesu Christi willen. Amen