Wachsam bleiben

Offenbarung 16, 10 – 16

 10 Und der fünfte Engel goss aus seine Schale auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert, und die Menschen zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen 11 und lästerten Gott im Himmel wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre und bekehrten sich nicht von ihren Werken.

             Der Thron der Macht wird verfinstert, verdunkelt. Es gibt keine Orientierung mehr. Statt dessen greift der Schmerz nach den Menschen, so dass sie sich ihm nicht entziehen können. Sie sind besinnungslos vor Schmerzen. Dabei bleibt in der Schwebe, ob es körperlicher oder seelischer Schmerz ist. Das ist auch durchaus zweitrangig. Es ist ein Schmerz, der verblendet.

Und wieder: Keine Umkehr. Es gibt Not, die verhärtet, verschließt. Not, die geradezu blindwütig festhalten lässt an den eigenen Werken, die ins Verderben gerissen haben. Wieder gehen mir wie zur Illustration Erzählungen, Geschichten aus den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges durch den Sinn. Da haben angesichts der Niederlage Menschen immer noch getan, was sie Jahre hindurch getan haben: Verurteilt,,bestraft, hingerichtet, getötet, ermordet – im Namen des Führers, der sie verführt hatte. Wie schrecklich, wenn ich das nicht durchschauen kann und gefangen bleibe in dieser verblendeten Gefolgschaftstreue, die nur Verderben mit sich bringt. 

  12 Und der sechste Engel goss aus seine Schale auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser trocknete aus, damit der Weg bereitet würde den Königen vom Aufgang der Sonne. 13 Und ich sah aus dem Rachen des Drachen und aus dem Rachen des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen; 14 es sind Geister von Teufeln, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen.

             Es folgt der sechste Engel. Ein Wegbereiter für für die, die zum Kampf ausziehen. „Die Erinnerung an die Parthereinfälle wird wieder wach.“ (H. Lilje aaO.; S.198) Das mag zeitgeschichtlicher Hintergrund sein. Aber das Bild wird sofort gesprengt, ausgeweitet, ins apokalyptische Ausmaß gesteigert.  Seit den Plagen in Ägypten sind die Frösche ein Bild für die unheimlichen, unfassbaren, dunklen Mächte. „Generalangriff dämonischer Geistesgewalten“(E. Schnepel, aaO.; S. 198) lese ich und bin ratlos. Ich weiß nicht, wie ich das in meine Zeit hinein übersetzen soll.

Darum aber müsste es ja gehen: Verstehenshilfen, Durchblick für die eigene Zeit zu gewinnen. Was ich verstehe: Der Seher sieht ein Drängen hin auf die Entscheidung. Das Böse kulminiert. Das ist ein Lebensgefühl, das mir nicht fremd ist, in dem ich mich ohnmächtig empfinde und das mich in diesem Empfinden gleichzeitig hintreibt zu Christus.

15 Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt gehe und man seine Blöße sehe. –

            Ein Wort Jesu aus seinen Endzeitreden(!), das sich bei Matthäus findet, hat hier wohl Pate gestanden. „Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.“ (Matthäus 24, 43-44) Also nicht den Zeitplan hoch-rechnen, auch nicht die Offenbarung wie einen Endzeitfahrplan lesen, mit dem Risiko, dass die Durchsage kommt: Der Zug verspätet sich. Sondern wachsam sein. Heute. Jetzt.

                Daran knüpft auch die nachfolgende 3.Seligpreisung an. Ein Ruf zum Wachen und eine Anspielung sicher auch auf das Taufkleid und damit auf die Taufe Die Taufe ist ja tief verbunden mit dem Wachsein. „Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“ (Epheser 5,14) Die Taufe ist eben kein sanftes Ruhekissen, keine anspruchsfreie Rückversicherung für den Fall der Fälle, sondern die Befähigung und Aufforderung zur Wachsamkeit.

16 Und er versammelte sie an einen Ort, der heißt auf Hebräisch Harmagedon.

             Harmagedon. Das ist der Ort der Entscheidung. Vielfach Ort des Blutvergießens in der Geschichte Israels. Verbunden mit der alten Königsstadt Megiddo in der Jesreel-Ebene. Und direkt über der Stadt der Berg Karmel. Keine Schlacht zwischen Ost und West, Muslimen und Christen, Römern und Parthern. Harmagedon, eignet sich nicht als die Begründung für „Heilige Kriege“. Es geht vielmehr um die Schlacht Gottes gegen die Heere der Finsternis. Und: Der Ausgang dieser Schlacht ist nicht offen.

 

Herr Jesus, hilf mir, wach zu bleiben, zu warten, über den Tag hinaus Ausschau zu halten nach Dir. Und hilf mir, in diesem Warten nicht untätig zu werden, sondern Deine Liebe zu üben wo ich gebraucht werde. Amen