Purim

Esther 9, 20 – 28

 20 Und Mordechai schrieb diese Geschichten auf und sandte Schreiben an alle Juden, die in allen Ländern des Königs Ahasveros waren, nah und fern, 21 sie sollten als Feiertage den vierzehnten und fünfzehnten Tag des Monats Adar annehmen und jährlich halten 22 als die Tage, an denen die Juden zur Ruhe gekommen waren vor ihren Feinden, und als den Monat, in dem sich ihre Schmerzen in Freude und ihr Leid in Festtage verwandelt hatten: dass sie diese halten sollten als Tage des Festmahls und der Freude und einer dem andern Geschenke und den Armen Gaben schicke.

             Nachdem der Sturm vorüber ist, wird durch ein Schreiben Mordechais das Purim-Fest als Feiertage am vierzehnten und fünfzehnten Tag des Monats Adar etabliert. Alle Juden sollen es  annehmen und jährlich halten. Gedenktage für die glückliche Wendung des Geschicks. Ein bisschen liest sich das wie eine Doppelung des Berichtes zuvor.

  23 Und die Juden nahmen es an als Brauch, was sie angefangen hatten zu tun und was Mordechai an sie geschrieben hatte: 24 wie Haman, der Sohn Hammedatas, der Agagiter, der Feind aller Juden, gedacht hatte, alle Juden umzubringen, und wie er das Pur, das ist das Los, hatte werfen lassen, um sie zu schrecken und umzubringen; 25 und wie Ester zum König gegangen war und dieser durch Schreiben geboten hatte, dass die bösen Anschläge, die Haman gegen die Juden erdacht, auf seinen Kopf zurückfielen, und wie man ihn und seine Söhne an den Galgen gehängt hatte. 26 Daher nannten sie diese Tage Purim nach dem Worte Pur.

In knapper Form wird jetzt die ganze Erzählung zusammengefasst, gebündelt. Dabei wird der Blick vor allem auf den Plan Hamans, das Eintreten von Esther und die Wende gerichtet, die Haman das Leben gekostet hat. Von Mordechai ist in dieser Zusammenfassung keine Rede. Aber er ist immerhin der Verfasser des Briefes. Auch der König Ahasveros wird nicht beim Namen genannt. Dafür aber das Los, das Pur. So legt es sich nahe, diese Passage als Erklärung zu lesen, woher das Purim-Fest seinen Namen hat. 

Ein wenig wird der Perser-König noch rein gewaschen. Die Worte wirken, als habe Haman den Anschlag auf die Juden auf eigene Faust geplant und als der König davon erfahren habe, habe er eingegriffen. Der Text zuvor erzählt das anders.

 Und nach allen Worten dieses Schreibens und nach dem, was sie selbst gesehen hatten und was sie getroffen hatte, 27 beschlossen die Juden und nahmen es an als Brauch für sich und für ihre Nachkommen und für alle, die sich zu ihnen halten würden, dass sie nicht unterlassen wollten, diese zwei Tage jährlich zu halten, wie sie vorgeschrieben und bestimmt waren,28 dass diese Tage nicht zu vergessen, sondern zu halten seien bei Kindeskindern, bei allen Geschlechtern, in allen Ländern und Städten. Es sind die Purimtage, die nicht übergangen werden sollen unter den Juden, und ihr Andenken soll nicht untergehen bei ihren Nachkommen.

Es wirkt wie eine Dublette zu den Versen zuvor. Noch einmal wird bekräftigt, dass aus dem Geschehen ein Brauch geworden ist, sich ein Fest entwickelt hat. Es ist ein gesetzlicher Feiertag. Das deutet die Wendung an: Sie nahmen es an als Brauch für sich und für ihre Nachkommen und für alle, die sich zu ihnen halten würden. Es ist nicht in das Belieben späterer Generationen gestellt, ob man diese Tage feiert.

Das berührt sich damit, dass im jüdischen Leben und Glauben offensichtlich das Gedenken an die großen Taten Gottes eine überragende Rolle spielt.

Lobe den Herrn, meine Seele und vergiß nicht,                                                                  was er dir Gutes getan hat.“                         Psalm 103, 2

Wie nahe ist Dietrich Bonhoeffer diesen Gedanken mit seinen Worten gekommen: „Es ist in der Tat wichtiger für uns zu wissen, was Gott an Israel, was er an seinem Sohn Jesus Christus tat, als zu erforschen, was Gott heute mit mir vorhat. Dass Jesus Christus starb, ist wichtiger, als das ich sterbe; und dass Jesus Christus von den Toten auferweckt wurde, ist der einzige Grund meiner Hoffnung, dass ich auch auferweckt werde am Jüngsten Tag.“ (D. Bonhoeffer, Gemeinsames Leben, 1939 München, 13. Aufl. 1970, S. 44)  Glauben macht sich in dem fest, was Gott schon vor Zeiten getan hat. Das weiß das jüdische Volk und bewahrt dieses Wissen mit seinen Festen.

 

Heiliger Gott, Du hast so viel Gutes für uns getan. Daran erinnern mich die Feste, die die Christenheit seit altersher feiert – Weihnachten und Ostern, Drei-Könige und Pfingsten, Himmelfahrt und Erntedank.

Gib mir, dass ich über allem äußeren Glanz nicht blind werde, unempfänglich für die Botschaft in diesen Festen: Du schenkst Dich uns, damit wir mit Dir leben. Amen