Weiter bergab

  1. Chronik 36, 1 – 10

1 Und das Volk des Landes nahm Joahas, den Sohn Josias, und machte ihn zum König an seines Vaters statt zu Jerusalem. 2 Dreiundzwanzig Jahre alt war Joahas, als er König wurde; und er regierte drei Monate zu Jerusalem; 3 denn der König von Ägypten setzte ihn ab in Jerusalem und legte eine Geldbuße auf das Land von hundert Zentnern Silber und einem Zentner Gold.

Auf Josia folgt sein Sohn Joahas. Im Jahr 608 v. Chr. macht ihn das Volk zum König an seines Vaters statt. Das scheint für Beliebtheit beim Volk zu sprechen, für Rückhalt in der Bevölkerung. Seine Regierungszeit: drei Monate. Dann setzt ihn der König von Ägypten ab, nicht ohne dem Land für seine eigenmächtige Königsernennung eine kräftige Bußzahlung aufzuerlegen. Offensichtlich ist Juda durch die Niederlage Josias bei Megiddo doch unter den drückenden Einfluss der Ägypter geraten.

 4 Und der König von Ägypten machte Eljakim, seinen Bruder, zum König über Juda und Jerusalem und wandelte seinen Namen um in Jojakim. Aber seinen Bruder Joahas nahm Necho und brachte ihn nach Ägypten. 5 Fünfundzwanzig Jahre alt war Jojakim, als er König wurde; und er regierte elf Jahre zu Jerusalem und tat, was dem HERRN, seinem Gott, missfiel.

Als König setzt der Ägypter den älteren Bruder  Eljakim ein und gibt ihm einen neuen Namen: Jojakim. Die Namensänderung war ein Hoheitsakt, durch den die Lehnsabhängigkeit des Davididen von Ägypten zu sichtbarem Ausdruck kommen sollte.“ (Hj. Bräumer, aaO.;,S. 321)  Wer Namen vergeben kann, hat das Sagen. 

            Elf Jahre wird Jojakim in Jerusalem regieren, ein König von Ägyptens Gnaden. Seine Regierungsaktivitäten, notiert der Chronist, sind nicht so, dass sie Gottes Zustimmung finden. Durch die Erzählpassagen im Buch des Propheten Jeremia gewinnen wir einiges an Eindrücken über die Art, wie Jojakim agiert hat. Das reicht vom Mord an dem Propheten Uria (Jeremia 26,20-23) bis zur Verbrennung der Schriftrollen mit den Reden des Jeremia (Jeremia 36.9.16-22) Was mit Jojakim geschehen wird, ist auch eine Folge dieses Missfallen Gottes, das er auf sich gezogen hat.

 6 Und Nebukadnezar, der König von Babel, zog gegen ihn herauf und legte ihn in Ketten, um ihn nach Babel zu führen. 7 Auch brachte Nebukadnezar einige Geräte des Hauses des HERRN nach Babel und tat sie in seinen Tempel in Babel.

Fast im Eilverfahren wird geschildert, wie Juda aus der Abhängigkeit unter Ägypten in die Abhängigkeit unter die Babylonier, unter Nebukadnezar gerät. Die beiden dürren Sätze umfassen die Entwicklungen der Jahre 604 bis 597. Am 16. 3. 597 v. Chr. wird Jerusalem eingenommen, Jojakim gefangen gesetzt und nach Babylon geführt. Außerdem wird der Tempel ein wenig geplündert. Ein Teil des Tempel-Schatzes wird mit nach Babylon genommen und dort dem Tempel der babylonischen Gottheiten zugeführt.

 8 Was aber mehr von Jojakim zu sagen ist, und seine Gräueltaten, die er tat, und was ihm sonst widerfuhr, siehe, das steht geschrieben im Buch der Könige von Israel und Juda.

Nicht einmal der Tod Jojakims wird mehr erwähnt. Alles über seine Gräueltaten und sein Schicksal findet sich im Buch der Könige von Israel und Juda. Knapper geht es kaum noch.

Und sein Sohn Jojachin wurde König an seiner statt. 9 Achtzehn Jahre alt war Jojachin, als er König wurde; und er regierte drei Monate und zehn Tage zu Jerusalem und tat, was dem HERRN missfiel. 10 Als aber das Jahr zu Ende ging, sandte Nebukadnezar hin und ließ ihn nach Babel holen mit den kostbaren Geräten aus dem Hause des HERRN und machte seinen Bruder Zedekia zum König über Juda und Jerusalem.

Und doch: Was über seinen Sohn Jojachin berichtet wird, ist noch kürzer gefasst. Er wird mit achtzehn Jahren König, für drei Monate und zehn Tage. Eine Art Zwischenspiel. Aber diese Zeit reicht, um das Missfallen des HERRN auszulösen. So wird auch er nach Babylon abtransportiert. Auf Befehl des Nebukadnezar, der zugleich weitere Teile des Tempelgutes nach Babylon mit verbringen lässt. So entsteht der Eindruck eines bereits ziemlich entleerten Tempels. Von Gottesdiensten an dieser Stelle ist schon lange keine Rede mehr beim Chronisten. Die scheinen mit Josia aufgehört zu haben. Wenigstens in der Sicht des Chronisten.

            Der Nachfolger Jojachins wird Zedekia. Nicht der namensgleiche Bruder des Jojachin sondern ein Onkel, Bruder seines Vaters Jojakim. An anderer Stelle wird weiter geklärt: „Und der König von Babel machte Mattanja, Jojachins Oheim, zum König an seiner statt und wandelte seinen Namen um in Zedekia.“ (2. Könige 24,17) Ein König von Nebukadnezars Gnaden. Der letzte König in Juda.

 

Mein Gott, ein König folgt dem anderen, aber nichts wird besser. Als ob alle Anrufe zur Umkehr ins Leere gehen. Manchmal habe ich Angst, dass es bei uns genauso ist. Du rufst zur Umkehr. Wir aber sagen: Weiter so. Du willst einen neuen Anfang für uns. Wir aber bleiben in der alten Abwärtsspur. Resistent gegen alle Warnungen. Taub für Dein Wort.

Mein Gott, öffne uns die Ohren, öffne uns die Augen, öffne uns die Herzen, dass wir auf Dich hören und Dir folgen. Amen